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Liebesgeschichten des Orients

Franz Blei: Liebesgeschichten des Orients - Kapitel 11
Quellenangabe
pfad/blei/liebesor/liebesor.xml
typenarrative
authorFranz Blei
titleLiebesgeschichten des Orients
publisherPaul Steegemann Verlag
printrunViertes bis achtes Tausend
year1923
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121017
projectid2818492a
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Der schlechte Khablis / Aus dem Arabischen

Khablis war ein händelsüchtiger und schlechter Mensch, der ganz offen seine Laster zur Schau stellte. Er hatte eine sehr schöne Frau, in die einer ihrer Landsleute verliebt war und dessen Liebe sie erwiderte. Khablis war voll List und Verschlagenheit. Neben ihm wohnte ein Gelehrter, zu dem jeden Tag die Leute gingen, um seine Vorträge über Moral und Geschichte anzuhören. Auch Khablis war unter den Zuhörern, aber es war nur Getue: er wollte für einen gehalten werden, der sich für die Wissenschaft interessiert. Nun hatte der Gelehrte eine schöne Frau. Der Geliebte von des Khablis Frau tat so, als sei er sehr eingenommen für die Frau des Gelehrten, die übrigens sehr tugendhaft war, und er tat so, um mit seiner Schönen ans Ziel zu kommen. Und das geschah. Er ging zu Khablis, und nachdem er ihm das Versprechen abgenommen hatte, sein Geheimnis zu bewahren, erzählte er ihm, daß ihn die Frau des Gelehrten liebe und Khablis ihr helfen müsse, zu der Frau zu gelangen. »Ich gebe dir,« sprach er, »jeden Tag zwei Drachmen unter der Bedingung, daß du jeden Tag zu den Vorträgen des Gelehrten gehst. Wenn er geendigt hat, gehst du auf ihn zu und sprichst sehr laut mit ihm. Wenn ich dich werde so laut reden hören, so wird das für mich das Zeichen sein, daß er zu Ende ist und ich von seiner Frau mich scheiden muß.«

Khablis war es einverstanden, ging also immer zu dem Gelehrten und hörte zu. Während der andere sich zu des Khablis Frau begab und sich mit ihr vergnügte, solange als der Vortrag des Gelehrten dauerte. Khablis hatte keine Ahnung, daß ihm in seinem eigenen Hause Hörner aufgesetzt würden. Dieses wiederholte sich ein paarmal, und der Gelehrte fand es sonderbar, daß Khablis so laut schreiend immer mit ihm zu reden anfing, wenn der Vortrag zu Ende war. Er witterte da irgendeinen Streich, so schloß er also einmal früher als gewöhnlich, ging rasch auf Khablis zu, packte ihn derb an und sagte: »Sprichst du auch nur ein Wort, so zerbrech ich dir alle Knochen.« Hierauf führte er Khablis in das Gemach seiner eigenen Frau, die er mit einer Hausarbeit beschäftigt fand. Der Gelehrte überlegte einen Augenblick und ging dann rasch mit Khablis in das andere Gemach, das die Frau des Khablis bewohnte, und hier fanden sie diese in inniger Umarmung mit ihrem Liebhaber.

Da sprach der Gelehrte zu Khablis: »Unglücklicher! Die Schande ist in deinem Hause und du selber hast sie hineingebracht.« Voll Scham und Zorn verstieß Khablis sein Weib und zog in die Fremde.

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