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Lebenssucher

Lily Braun: Lebenssucher - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorLily Braun
titleLebenssucher
publisherVerlagsanstalt Hermann Klemm A.-G.
seriesLily Braun - Gesammelte Werke
volumeVierter Band
printrun1.-20. Tausend
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070919
projectid35ed0622
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Fünftes Kapitel.

Von Konrads Höllenfahrt und den Geißeln der Berolina.

In der Bar »Aux Trois Grâces« spielten rotbefrackte Zigeuner; sie saßen in einem schmalen langgestreckten Raum, der ganz in eine Farbe getaucht war: dasselbe giftige Grün leuchtete von den Tapeten, den Teppichen, den Bezügen der tiefen Stühle um die kleinen Tische.

Es war leer, – Mitternacht, – noch viel zu früh für den Betrieb hier. Das Garderobenfräulein schlummerte an der Türe; ihre schlaffen grauen Wangen hingen herunter, als wäre die Dreißigjährige eine alte Frau. Die Kellner standen mit zusammengeknickten Knien hinter den Portieren und gähnten.

Jetzt hörten die Musikanten zu spielen auf; ihre Oberkörper fielen müde vornüber. Das schlummernde Garderobenfräulein, – die knickebeinigen Kellner an den Portieren, – es war als grinste die grüne Farbe schadenfroh über den Opfern ihres Gifts.

Da schlugen die Türen. Das Fräulein fuhr auf. Rasch die Puderquaste. Eine weiße Wolke stäubte über ihre Züge, die Lippen zogen sich über das falsche Gebiß zurück – das war ein Lächeln. Geschäftig liefen die Kellner hin und her und grinsten verbindlich; mit kühner Künstlerbewegung warfen die Musikanten die schwarzen Haarsträhnen aus der Stirne und polierten mit ein paar Gedanken an fürstliche Trinkgelder die matten Augen.

Der grüne Raum füllte sich: Damen in Reiherhüten und Pelzmänteln, unter denen die Chiffonschleppen wie bunte Schlangen über dem grünen Teppich züngelten; Mädchen in hochhackigen Bänderschuhen, vorn gehobenen, über den Hüften bauschigen, unten ganz engen Röckchen, so daß ihre Gestalten aussehen wie die der Frauen Holbeins, die stolz über dem gesegneten Leib die Hände kreuzen. Und dann die Herren im Cutaway, im Frack, im Smoking, sehr schlank, von gewollter Sehnigkeit, mit aus der Stirn gestrichenen Haaren, die noch die Schärfe und Fleischlosigkeit der glattrasierten Züge betonten.

Sie begrüßten einander von Tisch zu Tisch, freundlich, gehalten. Sie konversierten – das deutsche Wort »sprechen« hätte einen zu lauten Ton vermuten lassen – mit den Damen und tranken gelbe und rote, grüne, bunte und weiße Flüssigkeiten aus phantastisch geformten Gläsern, ohne dabei lauter zu werden.

Eine Gruppe neuer Gäste erschien. Unter ihnen ein kleiner, weißbärtiger Alter, den selbst das Garderobenfräulein mit verklärtem Lächeln empfing, und Konrad Hochseß, dessen Gesicht jede Erinnerung an die Knabenzüge verloren hatte.

Man grüßte die Eintretenden lebhafter als bisher. Der alte Herr besonders war rasch umringt.

»Ihr habt mich wohl schon zu den Toten versammelt?« lachte er, den sie Hofrat titulierten.

»Sie unterschätzen unsere Intelligenz!« sagte ein kleiner Kerl mit einem runden Kindergesichtchen. »Wir wußten Sie, und wenn Sie sich noch so geheimnisvoll gebärden, mitten im Leben.«

»Von dem Sie wieder einmal bußfertig zurückkehrten, um sich in unserem Krähwinkel auszuruhen,« ergänzte ein anderer.

»Verflucht nötig haben Sie's,« meinte ein dritter, den kleinen Alten betrachtend, der, ernster geworden, die Zigarette zwischen den Fingern drehte.

»Ihr habt natürlich, wie immer, alle recht,« antwortete er, während sein rechtes Auge nervös zu zucken begann. »Ungemütlich ist's draußen, ekelhaft ungemütlich! In Paris, in Rom, in London: überall dieselben giftigen Blicke und hämischen Bemerkungen, die unsereinem folgen. Man prüft unwillkürlich in jedem Spiegel Rock und Krawatte, ob sie nicht dreckig sind.«

»Bankrott des Europäertums, Hofrätchen,« mischte sich Eulenburg ins Gespräch, der eben an den Tisch getreten war, »totaler Bankrott. Weil wir's nicht von selber gelernt haben, wird's uns von den zärtlichen Nachbarn eingeprügelt: national zu werden.«

»Besser noch: chauvinistisch,« warf hitzig ein blutjunger blaßblonder Jüngling ein.

»Antisemitisch!« sekundierte spöttisch einer, der sichtlich ein Jude war.

Eulenburg drehte sich auf dem Absatz um und sah ihn an. »Sicher. Was übrigens unserer persönlichen Freundschaft, lieber Breslauer, keinen Eintrag tut. Juden und Sozialdemokraten haben in den letzten Jahrzehnten unseren internationalistischen Charakter geprägt.«

»Barer Unsinn,« unterbrach ihn der Angeredete, »er ist ein Ergebnis rein wirtschaftlicher Erscheinungen: der Industrie, des Verkehrs, der Mode.«

Der Hofrat lachte hell auf, so daß alles sich nach ihm umsah. »Nun ist mir wieder wohl, Kinder, ganz wohl!« sagte er, »denn ich fühle, daß ich zu Hause bin. Wer anders als der Deutsche könnte – so dekadent er sich gebärdet – so urgesund sein, um sich nachts um die zweite Stunde über Weltprobleme zu erhitzen?! Der Engländer ist um die Zeit ein Schwein, der Franzose ein Faun, der Russe ein Narr. Wirklich: in diesem Krähwinkel muß der zerschundenste Raubritter wieder zu Kräften kommen.«

»Schade!« brummte in komischer Verzweiflung der Kleine mit dem Kindergesicht. »Ich hatte schon den ehrenvollen Auftrag, Ihnen ein Denkmal zu setzen.«

Der Hofrat klopfte ihm beruhigend auf die Schulter: »Führen Sie's aus, teurer Meister! Ich habe unsere Berühmtheiten immer bedauert, daß sie bei ihrer Verewigung nicht mehr mitreden können. Sie hätten gewiß irgendein Symbol ihrer Lebensempfindung der eigenen Visage vorgezogen. Ich jedenfalls«, und er begrüßte ringsum mit heiterem Nicken die Mädchen, »wünsche mir die Bar-Muse – nichts als Schwanenhals und Giraffenbein natürlich.«

Ein Mädchen, das Lockenhaar hochgetürmt über der freien Stirne, den Oberkörper bis zur Taille, die eine breite Schärpe mehrfach umwand, in durchsichtigen Chiffon gehüllt, legte ihm vertraulich die Hand auf die Schulter:

»Papachen, blamier' dich nicht,« neckte sie, »dreiviertel Jahr fern von Berlin, bedeutet ein halbes Jahrhundert in der Kultur zurück sein.«

»Bist wohl immer noch die einzige, die so etwas wie Geist hinter dem sündigen Fleisch zu besitzen scheint?« antwortete er und ging langsam, da und dorthin grüßend, durch die Reihen, um sich schließlich am Ende des Ganges, neben den Musikanten, die tiefe Bücklinge machten, niederzulassen.

»Tango,« kommandierte er. Das Mädchen, das ihm gefolgt war, lachte hell auf.

»Vieux jeu,« sagte sie.

»Sei still, Leonie,« mahnte er; »noch merkt es selbst ein Berliner, daß du Lene heißt und mit Spreewasser getauft bist. Der da aber, dem deine Augen bereits Treue bis zum Grabe schwören –,« und er nickte zu Konrad hinüber, »übrigens: Baron Hochseß, Mademoiselle Leonie Doris – ist ein Franke von unbestechlicher Tugend.«

Die Rotbefrackten setzten den Bogen an. »Tanze lieber. Deine Beine sind impressionabler als dein Geist und deine Augen.«

Leonie stand auf, mit der Bewegung eines Automaten, ein anderes Mädchen, dessen Gesicht violetter Puder einen durchsichtigen Mondscheinglanz verlieh, kam ihr entgegen. Sie senkten die Augen ineinander in stummem Gruß. Unter dem Einfluß weicher klagender Molltöne schienen ihre Glieder, ihre Mienen zu erstarren, bis ein jäh einfallender starker Akkord sie leise erbeben ließ. Sie schritten vorwärts. Das Instrument des Primgeigers klagte – es schrie –, und nun hämmerte hart ein rhythmischer Takt dazwischen. Ein wenig rascher gleitender – voneinander – zueinander – bewegten sich die Tanzenden.

Der alte Herr sah ihnen zu, ungeduldig, stirnrunzelnd. »Ruhe!« donnerte er mitten in einer Variation die Geiger an. Die Melodie riß ab. »Sagt ich's euch nicht hundertmal: Raub und Mord sind Äußerungen der Tugend im Vergleich zur einzigen Todsünde: der Geschmacklosigkeit,« rief er. »Walzer und Polka und ähnliche neckische Dinge mögt ihr untereinander tanzen, der Tango ist eine Angelegenheit zwischen Mann und Weib. Denkt an Cowboys und Gauchos und Straßenmädel – die Polizei ist ja nicht hier! – So was muß fühlbar hinter der Larve des gesitteten beherrschten Mitteleuropäers stecken, sonst kehrt doch lieber gleich zur Quadrille und zum Konter zurück.«

Alles lachte über des kleinen Mannes Erregung. Aber im gleichen Augenblick traten zwei Herren zu den Tänzerinnen, Eulenburg und Bernhard, der Bildhauer. Die Geigen schluchzten von neuem, noch schmelzender als zuvor, und barscher, leidenschaftlicher fiel der hämmernde Ton ein; die Musik sang das Duett, das die Füße, nein, die Körper tanzten.

Jetzt bewegte der Herr sich langsam auf einem Fleck, die Dame, sich seinem Arme fast entwindend, den Oberkörper weit zurückgelehnt, so daß die Brüste sich aus dem Mieder hoben, tanzte im Bogen um ihn, wehrend und verführerisch lockend zugleich, und aufreizend stritt sich dazu auf den Geigen Dur und Moll. Dur siegte dröhnend: der Herr, die Armmuskeln gestrafft, zog die Entfliehende an sich – die Musik rauschte auf, – ganz dicht, Leib an Leib standen die Tänzer nun voreinander, und zwischen ihre nur leise gleitenden Füße schoben sich tanzend die seinen. Man applaudierte stürmisch.

»Ausgezeichnet,« sagte der Hofrat, sich befriedigt zurücklehnend. »Sie haben sich kolossal entwickelt, Eulenburg. Wenn der Rhythmus Ihrer Verse so gut wäre wie der Ihrer Beine! Und Leonie hatte vollkommen recht, wenn sie mich auslachte. Euer plötzliches Bekenntnis zum Unterleib, meine Lieben im gerafften Röckchen und Cutaway, predigt die Rückkehr zur Natur.«

Man lachte schon lauter an den Tischen. Leonie saß auf der Armlehne von Konrads Stuhl.

»Sie müßten tanzen können,« sagte sie, jedes Wort mit einem langen Blick begleitend.

»Nimm ihn in die Lehre, mein Täubchen,« spottete der Hofrat.

Es war ein rauher Ton in Konrads Lachen, mit dem er einfiel: »Machen wir's ab, Fräulein Leonie! in acht Tagen tanzen wir beide zusammen!«

Vom Tisch gegenüber klang wieherndes Lachen und Händeklatschen. Ein Mädel mit einer Pagenfrisur um das freche Bubengesicht hatte sich eben beineschwenkend hinaufgeschwungen. »Los – los, Nini!« krähte einer. »Berlin!« schrie sie, alle übertönend.

»Die Friedrichstraße trägt auf Stein
Die blassen Gewässer des Lichtes –«

»Unsinn! Olle Kamellen,« unterbrach sie ein anderer und deklamierte salbungsvoll weiter:

»Die Dirnen umstehen mit Hirschgeweihn
Die Circe meines Gesichtes.«

Sie begann aufs neue, noch lauter:

»Auf faulen Straßen lagern Häuserrudel,
Um deren Buckel graue Sonne hellt,
Ein parfümierter, halbverrückter Pudel
Wirft wüste Augen in die große Welt –«

»Du, für den Blech sind wir noch zu nüchtern,« klang es ihr mit lallender Stimme entgegen. »Laß mich ausleben, du Dussel –« antwortete sie und fuhr im Ton eines skandierenden Schulbuben fort:

»In Rummelplätzen, wo Athleten ringen,
Wird alles unklar und ungenau.
Ein Leierkasten heult, und Küchenmädchen singen.
Ein Mann zertrümmert eine morsche Frau.«

»Bravo, bravo!« lachten die Zunächstsitzenden.

»Wer ist denn die?« fragte jemand.

»Nini Kops, die jüngste Muse –«

In einer Ecke debattierte man über moderne Lyrik:

»Sollen wir Städtegeborenen ewig verdammt sein, den Frühling zu besingen, den wir nicht kennen, und die Nachtigallen, die wir nie gehört haben?«

»Nieder mit der verlogenen Rührseligkeit vergißmeinnichtblauer Neoromantiker!«

»Diese zusammengesuchten Füllsel lyrischer Hausputen sind bei weitem nicht so gefährlich wie das weltfremde Pathos der Priester an des heiligen Georges Altar –«

»Im Griechentempel aus bemalter Leinwand –«

Ein blasser Langer, der bisher still neben einem ätherischen Mädchen, das ein Gewand statt eines Kleides trug, gesessen hatte, benutzte die Sekundenstille und sagte ruhig: »Ist die Religionslehrerlyrik monistischer Gemeinden, die uns mit unendlichem Weltgefühl erfüllen will, indem sie Haeckels sämtliche gelöste Welträtsel in Reime bringt, vielleicht höhere Kunst?!«

Man schwatzte durcheinander, heftig, ironisch, feierlich. Irgendwo, fiel der Name eines eben Gestorbenen. Er machte alle verstummen. Bis der blonde Lange im Weggehen den Kopf wandte und sagte: »Man braucht bloß eines unnatürlichen Todes zu sterben, um heute ein großer Dichter zu sein, auch wenn man nichts war als ein reimeschmiedender Primaner.«

Allgemeiner Tumult. »Der Kerl hätte nur noch vom ›gewachsenen‹ statt gemachten Gebild, vom ›Gestalteten‹ statt ›bloß Geredeten‹ deklamieren müssen,« rief ihm Eulenburg nach.

»Was ereifert ihr euch eigentlich?« meinte Konrad achselzuckend; »setzt denen da lieber ein Höheres entgegen, das die Traumgröße ihres Griechentums übertrumpft. Aber ihr habt nichts, darum schreit ihr.« Konrads Worte fielen wie der Funke in ein Pulverfaß. Alles ereiferte sich und sprach durcheinander, ohne sich auf eine Diskussion von Argumenten noch einzulassen.

»Das Erleben des intellektuellen Städters wäre nichts? die Offenbarung unseres bewußten Nervenlebens in all seiner Kompliziertheit – nichts?!« rief einer.

Dann schlug nur noch ein Strom sich überstürzender Worte an Konrads Ohr: »Höhe der wissenschaftlichen Erkenntnis«, – »Energetik«, – »Monismus«, – »Weltanschauung«.

Er stand mit verschränkten Armen an die grüne Wand gelehnt und lächelte. Die Musik spielte einen Gassenhauer.

»Mokieren Sie sich nur,« sagte der Hofrat, »denn alle liefern Ihnen den Beweis, daß Sie recht haben.«

»Leider; ich wäre Ihnen für das Gegenteil dankbar gewesen,« entgegnete Konrad.

Ein Wortwechsel an der Türe übertönte ihn:

»Was, zu spät? – Zu früh, meint ihr wohl?! – Die Polizei?! – Unsinn; noch nie scherte mich Preußens heilige Hermandad,« antwortete eine erregte Männerstimme auf das eifrige Geflüster einer anderen.

Pawlowitsch trat mit langen Schritten herein. Ohne rechts und links zu sehen, ging er auf Konrad zu, der ihm mit einem feindseligen Aufblitzen in den Augen entgegensah.

»Ich suche Sie, Herr Baron,« sagte der Ankömmling laut.

»Ich bin Ihnen nicht aus dem Wege gegangen,« antwortete Konrad ebenso.

Ein Skandal?! Die angeheiterten Gäste horchten auf.

»So spielt doch weiter, zum Donnerwetter!« schrie der Hofrat die Musikanten an. Die Geigen warfen eine kreischende, wilde Melodie in den grünen Saal. Die mit der Mondscheinhaut, jetzt so blaß wie ein weißer Nachtschmetterling, rankte und bog und wandte den geschmeidigen Körper in dem schmalen Gang zwischen den Tischen, bis es nur noch wenige gab, die ihr Anblick nicht bannte.

»Wo ist Else?« zischte Pawlowitsch Konrad an.

»Hat der ein Recht zu fragen, der sie verließ?« entgegnete dieser schroff.

»Ihnen lief sie nach. Mein – mein war sie!« Die Züge des Russen sahen in diesem Augenblick wie verfallen aus.

»Sie war frei!« Konrad erhob die Stimme ein wenig, als er das sagte. »Und blieb es,« fügte er langsam hinzu.

»Wo ist sie?« wiederholte Pawlowitsch, sein verzerrtes Gesicht dicht vor dem des anderen, so daß sein heißer Atem ihn traf.

»Fort.«

Der Russe hob die Faust: »Sie haben meine – meine Frau ver-«

Der alte Hofrat, der die beiden nicht aus dem Auge gelassen hatte, trat dazwischen: »Ihr werdet eure ernste Sache doch nicht zum Getratsch dieses Gesindels machen.« Pawlowitsch wich einen Schritt zurück.

»Ich stehe Ihnen morgen zur Verfügung,« sagte Konrad mit erzwungener Ruhe.

Die Musik brach ab, das Mädel mit der Pagenfrisur saß wieder auf dem Tisch. Sie schwankte. Die Augen blinzelten in dem aufgeschwemmten Bubengesicht. Sie gröhlte laut:

»Wer weiß, in welche Welten dein
Erstarktes Sternenauge schien,
Stahlmasterblüte Stadt aus Stein
Der Erde weiße Blume – Berlin.«

Pawlowitsch ließ nichts mehr von sich hören. Seine alte Wohnung hatte er schon seit langem aufgegeben. Um ihn zu finden, beschloß Konrad schließlich, die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen.

Da legte sich der Hoftat ins Mittel: »Machen Sie den armen Kerl, dem das Herz mit der Theorie durchgegangen ist, nicht unglücklicher, als er ist,« sagte er; »der Polizei ist er sowieso verdächtig, hetzen Sie sie ihm nicht noch auf die Fersen.«

So ließ Konrad die Sache auf sich beruhen, und der Russe blieb für ihn verschwunden.

Auch Else Gerstenbergk hatte er nach ein paar vergeblichen Versuchen, die er gegen den dringenden Rat der Großmutter unternommen hatte, zu suchen, aufgegeben. Er vermochte nicht anders, als ihre Flucht trotz allem, was die Gräfin ihm von dem Mädchen berichtet hatte, als Untreue aufzufassen. In einem Zustand, der zwischen völliger Apathie und gereizter Nervosität wechselte, war er zurückgekommen, sich kopfüber in den Strudel stürzend, nicht um wie früher als Suchender das ihm gemäße ruhige Fahrwasser schließlich zu erreichen, sondern um die Pein seines Erinnerns zu betäuben. Die Großmutter, durch Warburgs Freundesbriefe unterstützt, hatte ihm nahegelegt, nach einer anderen Universitätsstadt überzusiedeln. Vergebens. Was war es nur, das ihn an Berlin fesselte? Die verborgene Hoffnung, Else vielleicht doch noch wiederzufinden, die selbstquälerische Freude, dem Schatten der kleinen Gina zugleich mit dem Erinnern an sie nahe zu sein, oder gar jener rätselvolle Magnetismus, den der starke Moschusduft der »weißen Blume Berlin« auf alle, die einmal in ihrem Bannkreis flattern, ausübt?

Er fand Warburg in einem Zustand des Befriedigtseins wieder, der ihn die eigene Zerrissenheit nur noch stärker empfinden ließ. Des Freundes Leben schien ausgefüllt von der Vorbereitung zu einem ihm gemäßen Beruf, von der Neigung zu einer geistig hochstehenden Frau und der Begeisterung – wenn sich die ruhige Wärme seines Interesses mit diesem Wort vielleicht auch nicht bezeichnen ließ – für die Ideen des Zionismus.

»Eine Heimat für die Heimatlosen, ein Vaterland für die in jeder Nation sich nur als Geduldete fühlenden, ist, selbst wenn es ein unerreichbares Ideal wäre, als Ziel von so zusammenschweißender Kraft, daß keine Arbeit dafür umsonst sein kann,« sagte er einmal, als Konrad ein wenig spöttisch von seinem Utopismus sprach.

Es war in Frau Sara Rubners Salon, in den ihn Marburg eingeführt hatte, einem stillen, harmonischen Raum, wo alles Holz von silberigem Grau, aller Stoff von verblichenem Grün war, und matte Gobelins, die beide Farben in sich vereinigten, zwischen den Türen hingen. Das ganze Licht in dieser Winterdämmerstunde ging von einer hohen gelben Kerze aus, die wie in einem Heiligenschrein, einsam in einer Nische des Zimmers brannte.

»Wir sollten niemanden an seinem Utopismus irre machen, und wenn es der närrischste wäre,« meinte die Hausfrau, »er gibt dem Leben ein Ziel, dem Streben Stetigkeit.«

Überrascht wandte sich Konrad ihr zu. Diese kleine Frau in dem großblumigen, phantastischen Seidenkleid, mit den gebauschten, glanzlosen schwarzen Haaren um das weiße Negergesicht war ihm bisher kaum interessant, ja, in ihrer typischen östlich-jüdischen Rassenerscheinung wenig anziehend erschienen. Jetzt sprach sie wie aus seiner Seele, denn sein zur Schau getragener Skeptizismus dem Freunde gegenüber war von heimlichem Neide gezeugt.

»In Ihrem Tone liegt Resignation, gnädige Frau,« sagte Konrad, »und doch waren Sie es, die Walter für diesen Utopismus gewonnen hat.«

»Gewiß. Und ich freue mich dessen,« entgegnete sie, »er ist glücklicher als ich, er hat die große Begeisterungsfähigkeit, die nicht wie ein Feuerwerk verpufft.«

151 »Sie irren, liebe Freundin,« fiel Walter ein – noch nie, schien es Konrad, hatte seine Stimme einen so vollen, weichen Ton gehabt – »nur weil ich weniger begeisterungsfähig bin als Sie, und noch von keinem Spaziergang die Entdeckung neuer Welten erwartete und auf keinem Stern das Paradies zu finden glaubte, habe ich ein starkes Beharrungsvermögen.«

Sie lachte. »Denken Sie nur,« sagte sie zu Konrad, »dieser Mann hat den Zank und Streit und kleinlichen Hader auf dem letzten Zionistenkongreß, der mir zuerst Tränen der Wut, dann Tränen unauslöschlichen Gelächters erpreßte, als eine Stärke der Bewegung zu verteidigen vermocht!«

»Natürlich,« bestätigte Warburg. »Einigkeit ist wie Friede oft nur ein Zeichen der Stagnation, des Alterns.«

»Wenn das auch für den einzelnen gilt,« rief sie aus, »so kann ich mich trösten. Denn stets bin ich im Streit mit mir.«

Im Laufe des Gesprächs erzählte sie mit lächelnder Selbstverhöhnung von ihren »Lebensversuchen«. »Schon als Backfisch begann ich zuerst heimlich, dann mit rücksichtsloser Offenheit mich allen Bewegungen begeistert in die Arme zu werfen und fand, unglücklicherweise mit allzu scharfem Verstand begabt, unter meinen Gefährten mehr Maulhelden als Helden, mehr Leute, die im Trüben für sich fischen, als im Hellen für andere bauen wollten. Einem, der sich besonders radikal gebärdete und mit Feuer und Schwert gegen die Laster der kapitalistischen Gesellschaft zu Felde zog, wäre ich in meiner Begeisterung für die Tugend fast nachgelaufen, wenn ich nicht rechtzeitig erfahren hätte, daß dieser Cato zu gleicher Zeit durch Herausgabe pornographischer Schriften zum Krösus wurde.«

Dann hatte sie nach kurzer Ehe in bitterster Enttäuschung ihren Mann verlassen – »leider hatte selbst die Liebe mich nicht mit Blindheit geschlagen« –, hatte es mit der Malerei versucht und Kunstgeschichte und Philosophie studiert, aber – und das ein wenig leichtfertige Lächeln auf ihrem Gesicht erstarb dabei – »wir haben Talente, aber kein Talent, Wünsche, aber keinen Willen.«

»Sagten Sie nicht neulich,« mischte sich Warburg wieder in das Gespräch –, er saß jetzt ganz im Schatten, so daß nur seine Stimme die innere Bewegung verriet –, »daß den Frauen wohl nur eines beschieden sei, worin ihr Denken und Fühlen und Sein zu reiner Harmonie sich entfalten können: die Liebe?«

Sie schwieg einen Augenblick. Dann legte sie ihre bräunliche Hand, die zu breit war, um schön zu sein, mit einer gütigen und beschwichtigenden Geste auf die seine und sagte:

»Den Frauen – ja! Doch nur so lange, als der kritische Verstand ihren Instinkt nicht verdorben hat.«

»Seltsam,« meinte Konrad, als die Freunde aus dem stillen Salon miteinander auf die Straße traten, »das Lachen dieser Frau klingt nach Tränen. Und warum nur diese feierliche Kerze brannte?«

»Ein jüdischer Brauch,« antwortete Warburg ruhig, »sie feiert damit das Gedächtnis ihrer Schwester, die sich vor Jahren, ein halbes Kind noch, das Leben nahm. Aus – Lebensüberdruß! All diese Menschen, denen das Leben nichts versagte, sind wie ohne Hände geboren. Sie verhungern, indessen alles um sie voll Früchte hängt.«

Konrad sah dem Freunde ins Gesicht. »Gezeichnete sollte man meiden,« sagte er. Der andere lächelte, ganz ruhig und aufrichtig, ein Lächeln, das von innerer Helle widerstrahlte: »Oder sie erlösen.«

Mit einem Händedruck, wärmer noch als sonst, gingen sie voneinander.

Konrad wohnte nicht weit in einem der großen Hotels am Kurfürstendamm, das erst kürzlich seine prunkvollen Räume dem immer neuheitshungrigen gaffenden Publikum eröffnet hatte. Ganz oben, so hoch ihn der Aufzug fahren konnte, hatte er sich ein paar helle Zimmer gewählt, mit jenem künstlerischen Intellektualismus ausgestattet, der alle phantastischen Träume verbannt.

Die kleine gekrönte Wachspuppe auf dem roten Stuhl, die einsam auf der spiegelnden Platte des Schreibtisches stand, betonte nirgends so stark ihren Charakter einer verwunschenen Prinzessin.

Hier war alles modern, praktisch, höchste Kultur des naturwissenschaftlich gebildeten aufgeklärten Verstandesmenschen.

»In dieser Umgebung«, hatte Konrad, sich selbst ob dieser Wahl verspottend, bei Warburgs erstem Besuch gesagt, »muß jeder Dichter zum Journalisten, jeder Künstler zum ›aktuellen‹ Illustrator, jeder Verliebte zum Mitgiftjäger, jeder Phantast zum Börsenspekulanten werden.«

Statt Giovanni, des Seiltänzers, bediente ihn das Muster eines Kellners, das heißt, eine namen- und individualitätslose Maschine, und die Krone wohlgeschulter Hotelmädchen, das sich für ein Trinkgeld zu jedem Dienst mit demselben Gleichmut bereit finden würde.

Die Bekanntschaft mit Frau Sara hatte Konrad bis ins Innerste aufgewühlt. Wie in einem Spiegel glaubte er sich selbst begegnet zu sein. »Talente, kein Talent – Wünsche, kein Wille,« klang es ihm, halb kühle Feststellung einer unabänderlichen Tatsache, halb bitterer Vorwurf einer Schuld, noch in den Ohren. Sollte er durch den kalten Regen und den fauchenden Sturm weiterwandern, um wieder ruhig zu werden?

Im breiten Lichtstrahl des Hotelportals blieb er stehen. Zahllose Wagen und Autos rollten heran. Herren und Damen in großer Toilette schritten an ihm vorüber in die Halle. Alle Birnen brannten, die großen Glastüren zu den Festräumen standen weit offen, eine bunte Menge bewegte sich hinter ihnen.

Er wandte sich an den betreßten Türhüter: »Was gibt's hier heut abend?«

»Kostümfest ›Berolina‹, zum Besten des Säuglingsheims,« antwortete der, und fügte mit jenem aus Hochachtung und Vertraulichkeit gemischten Ausdruck, den gewiegte Hotelangestellte anzunehmen pflegen, wenn von großen Kokotten, vornehmen Glücksrittern und reichen Parvenüs die Rede ist, hinzu, mit einer Wendung des Kopfes hinüberdeutend: »Der Kommerzienrat Siegmund Veit spielt den Wirt.« »Veit?!« dachte Konrad; der Portier kam seiner Frage entgegen: »Frau Renetta Veit ist die Gründerin des Heims.«

Renetta Veit – die Nixe im weißen Auto – die Geliebte des Russen!

Ohne nachzudenken, mit der Sicherheit eines Schlafwandelnden, ließ Konrad sich in sein Zimmer fahren, vertauschte rasch den Smoking mit dem Frack, um sich wenige Minuten später, die Eintrittskarte in der Hand, vor den offenen Türen wiederzufinden.

Ein kleiner Herr mit glänzender Glatze über dem farblosen Gesicht, das zwei kluge, unruhig flackernde Augen belebten, empfing ihn.

»Baron Hochseß« – »Kommerzienrat Veit.« Eine sehr weiße Hand, deren Gepflegtheit ihre ungewöhnlich viereckige Form nur noch schärfer hervortreten ließ, legte sich kühl, weich und flüchtig in die seine, die Augen glitten sekundenlang forschend an ihm herab, um sich gleich danach mit den schweren Lidern zu bedecken.

»Wir kennen einander, Herr Baron,« sagte dann eine Stimme, fein und knarrend, wie aus einem Grammophon, »durch unseren gemeinschaftlichen Freund Pawlowitsch.«

»Pawlowitsch?« unterbrach ihn Konrad, »ist er heute abend hier?«

»Wie, Sie wissen noch nicht? Der arme Kerl, der eine Erholung dringend nötig hatte, war mit uns –« er unterstrich die letzten drei Worte, so daß niemand an seiner Generosität zweifeln konnte – »in Ostende. Währenddessen ging seine – seine Mätresse durch!«

Konrad richtete sich in seiner ganzen Größe auf: »Die Dame war seine Frau,« sagte er schroff.

»Nun, nun,« begütigte der Bankier, »was man heute so Frau nennt, natürlich, natürlich! Meine Renetta macht den Rummel dieser Titulaturen selbstverständlich auch mit; aber in der Sache – na, wir verstehen uns!« Ein malitiöses Lächeln kräuselte seine schmalen, blutleeren Lippen, und mit einem gönnerhaften Nicken wandte er sich einem neuen Gaste zu, ehe Konrad zu einer Erwiderung Zeit gefunden hatte. Ein Gefühl tiefen Unbehagens bemächtigte sich des jungen Mannes. Ob er nicht lieber umkehren sollte?

Da traf er unter der Menge seine Kaffeehausbekannten. Sie lachten ihn aus, als sie seine Eintrittskarte sahen.

»Was,« rief ihm einer von ihnen entgegen, »Sie zahlen noch für das Opfer? Der Olle kann froh sein, daß wir ihm gegen Sektpullen unsere Tanzbeine zur Verfügung stellen.«

»Und seiner schönen Frau unsere Berühmtheit für einen zärtlichen Blick,« sagte ein anderer.

»Für – mehr nicht?!« frug Konrad mit verächtlich geschürzten Lippen.

Man lächelte bedeutungsvoll, zückte die Achseln, deutete allerlei an – auch der Name Pawlowitsch fiel.

»Ob er ein Verhältnis mit ihr hatte?!« meinte jemand.

»Offen gestanden: ich glaub's nicht. Sie ist zu klug, zu kühl, – will sich erst eine gesellschaftliche Position schaffen, die ihre Vergangenheit vergessen läßt.«

»Ihre Vergangenheit?!« Konrad wurde neugierig.

»Gott – es ist ja öffentliches Geheimnis: der alte Halsabschneider kaufte sie irgendwo in der Polackei einem verkrachten Kollegen ab. Daher hat sie auch die miese dunkelgehaltene Tochter.«

»Und Sie meinen, Pawlowitsch –?«

»So'n russischer Revolutionär, ein verkappter Fürst noch dazu, wie man sagt, ist ein unentbehrliches Salonrequisit, gerade so wie ein ahnenreicher Aristokrat und ein berühmter Dichter, zu dem sie den Eulenburg jetzt dressiert.«

»Eulenburg?« wiederholte Konrad erstaunt. »Ist er nicht neuerdings Antisemit?«

Der andere lachte: »Und kämpft für Rassenreinheit! Aber, was wollen Sie?! Eine schöne Frau steht immer jenseits von Gut und Böse –«

»Besonders wenn sie wie unsere Renetta den Druck der Eulenburgschen echt nationalen Lyrik bezahlt,« spottete ein dritter.

»Frau Berolina verschlingt alle –,« mit einem tiefen tragischen Tonfall sagte es irgendwer.

Konrad hörte kaum mehr zu; was ging der Klatsch ihn an? Nur eins interessierte ihn noch: »Fährt sie ein auffallend weißes Auto?«

»Gott bewahre! Ein gelbes, natürlich ein gelbes! Damit der Berliner aus dem Zweifel nicht herauskommt: ist's S. M. oder S. B.!«

Ein paar Gardeuniformen leuchteten zwischen den schwarzen Fräcken.

»Alex Rothausen!« rief Konrad überrascht, seinen Vetter, den Gardeulanen, erkennend, »was suchst du denn hier?!«

»Erbinnen!« lachte dieser, »und du?«

»Nichts,« entgegnete Konrad achselzuckend, »das Totschlagen einer leeren Stunde vielleicht!«

»Ich dachte schon –« meinte der junge Offizier gedehnt.

»Was denn?« frug Konrad.

»Na – du weißt doch,« lautete die Antwort, von forschenden Blicken begleitet, »das Weib – die Veit!! Kein Zweifel, daß sich der kleine Prinz Linsingen von den Gardedragonern ihretwegen eine Kugel durch den Kopf jagte! Und der Alte!! – Dem Herbert Wandlitz auf Vorberg hat er so lange hilfreich unter die Arme gegriffen, bis er ihn glücklich aus seiner Klitsche heraushob! Ein feudales Schloß hat er sich jetzt darauf bauen lassen. Der Adel wird wohl auch nicht ausbleiben: Veit von Vorberg – nicht übel, was?!« und er lachte.

»Und bei deiner Meinung von den Leuten bist du hier?!«

»Ein Wohltätigkeitsfest! Das verpflichtet zu nichts. Und bietet Chancen –«

»Du suchst in diesem Milieu eine Frau?!«

Alex verzog den Mund. »Hast recht, Vetter,« sagte er mit einem unterdrückten Seufzer, »es ist ekelhaft! Aber seit die Millionen, besonders die amerikanischer Provenienz, hoffähig und ebenbürtig machen und die alten guten Familien im Winter lieber auf ihrer Klitsche sitzen bleiben, als sich von Schweine- oder Guano-Prinzessinnen in den Winkel drücken zu lassen, – seitdem muß ein nur mit Ahnen gesegneter Gardeleutnant an eine Aufmischung der Rasse denken, um mich gelehrt auszudrücken.«

»Mir scheint,« entgegnete Konrad nicht ohne Heftigkeit, »der Adel wenigstens sollte vor dem Gelde nicht zu Kreuze kriechen.«

»Du bist wirklich noch jünger als deine Jahre!« spottete Alex. »Alle adligen Eigenschaften sind außer Kurs. Die Gesinnung des Industrieritters, im besten Fall die des Kaufmanns herrscht. Es gibt bloß eine Hoffnung: daß große Ereignisse, umwälzende meinetwegen, die aristokratischen Tugenden wieder notwendig machen.«

In diesem Augenblick kam der Bankier im Gespräch mit einem Herrn vorbei, der in devoter Haltung neben dem Kleinen ging. Man hörte etwas von »orientalischen Wirren« – »Balkanbahn«–

»Retzau, vom Auswärtigen Amt, der trägt ein Ereignis mit sich herum,« flüsterte Rothausen erklärend, »und überall hat der Alte seine Hände drin –.«

Veit wandte den Kopf, dem Ulanen freundlich zunickend, um gleich darauf sein Gesicht wieder in würdevolle Falten zu

158 legen und die Augen zu senken, wie es stets seine Gewohnheit war, wenn er von Geschäften sprach.

Es war inzwischen gedrängt voll geworden. Bekannte Berliner Persönlichkeiten tauchten auf; Künstler, Literaten, Gelehrte. Und man medisierte: Dieser habe von Veit ein Stipendium bekommen, jener eine Reiseunterstützung; den Maler dort habe er durch das Porträt seiner Frau lanciert, den Bildhauer hier durch den Brunnen in seinem Schloßpark. Der Bankier schien sich zu vervielfältigen – überall grüßend, vorstellend. Trotz seiner Kleinheit blieb er stets sichtbar. Vielleicht weil alles den Rücken bog, oder trotz dem Gedränge ein leerer Luftraum um ihn blieb, wo er auftauchte? Konrads Hochmut empörte sich: daß sich Geist und Adel so widerlich vor dem Gelde krümmte! Hier war sein Platz nicht. Schon strebte er dem Ausgang zu.

Da intonierte das Orchester einen Marsch.

Renetta Veit! – Wenigstens sehen wollte er sie noch! Der kleine Bankier schien plötzlich aller Würde beraubt zu sein.

»Achtung, Achtung, meine Herren!« rief er, mit den kurzen Beinchen durch den Saal chassierend. Er schwitzte vor Aufregung.

Die Wand, die den einen Saal von dem anderen trennte, schob sich auseinander. Auf blanken Rädern fuhr eine Schar junger Mädchen, als Messenger-Boys verkleidet, herein:

»Platz für Berlin! Platz für Berlin!« schrien sie, in weitem Bogen die Neugierigen rückwärts drängend. Und hinter ihnen lief und stieß und überpurzelte sich's: Lauter Jugend! Pfadfinder und Pfadfinderinnen in Soldatenschritt, bunte Wandervögel mit ihren Gitarren, Straßenkehrer und Milchmädchen. Dann in karikierten Masken bekannte Berliner Typen: Künstler und Theaterdirektoren, Dichter und Kritiker, Varietésterne und Tänzerinnen, mit einem Dutzend stirnrunzelnder Polizisten auf den Fersen.

Eine kurze Pause entstand. Man wandte sich gelangweilt ab.

»Stets derselbe Kitsch,« sagte einer ungeniert. »Nu fehlt nur noch Santa Berolina mit den süßen Kinderchen unter dem schützenden Mantel,« spottete ein anderer. Alles lachte. Die Musik ging in einen Walzer über.

Auf hochhackigen Schuhen, die schlanken Körper von leichten, grünschillernden Schleiern umgeben, die Perlenketten wie fließende Wassertropfen zu halten schienen, bunte Lockenperücken über den Gesichtern, flutete, wie getragen vom Rhythmus, eine Schar lachender, kokettierender Frauen in den Saal, – »Spreenixen«, tönte es ihnen hundertfach entgegen.

Aber schon im nächsten Augenblick war es, als wehe durch den Raum ein eisiger Lufthauch, der die Lippen schloß:

An klirrenden Ketten zogen junge Männer im Frack und Damen in Balltoilette, verlumpte alte Weiber, humpelnde Bettler, aufgetakelte, grell bemalte Dirnen und barfüßige kleine Kinder ein graues, von schwarzen Fensterhöhlen durchbrochenes, hoch aufragendes Gemäuer herein, und ganz oben, so daß das goldene Haar die Kristallkugeln des Kronleuchters fast berührte, saß sie – die Herrscherin – Berolina; den Körper in Spinnwebschleiern, durch die das blühende Fleisch an Hals und Beinen lockend durchschimmerte, weit vorgebeugt, wie ein ruhendes Raubtier, die nackten Ellbogen auf die Knie stützend, und das Kinn in die Hände vergraben, die, von großen Ringen geschmückt, mit langen, schimmernden Krallennägeln die schneebleichen Wangen umschmiegten. Unter vollen, blutroten Lippen blitzten starke Zähne hervor, die breiten Nüstern der Nase bewegten sich beutelüstern, die Perlmutteraugen schillerten in allen Farben des Regenbogens. Von den üppigen, tief entblößten Schultern wallte in königlichen Falten ein Mantel weißen Hermelins. So saß sie und starrte gierig, unbeweglich, ein Götzenbild.

Es war totenstill im Saal. Auch die Musik hatte aufgehört. Man hörte nichts als den keuchenden Atem der Gefesselten.

Konrads Augen brannten auf der Sphinxgestalt; er kannte sie, lange schon – seit jenem ersten Abend, wo sie gespensterhaft neben ihm aufgetaucht war – in fließendem Wasserkleid, mit Perlen im Haar – eine Nixe – eine Seelenlose –

Er würde sie haben – heute noch – als sein Spielzeug für ein paar leere Stunden, sie: Frau Berolina, vor der die anderen alle als Sklaven winselten.

In Nischen von Lorbeerbäumen und Fächerpalmen, aus denen phantastische Lichtorchideen, hundertfach opalisierend, glühten, waren kleine Tische gedeckt. Um die Büffette, auf denen die Delikatessen sich häuften, drängten sich die Gäste. Jene wüsten Schlachten entstanden, die verhungerte Proletarier vor gestürmten Bäckerläden nicht anders hätten liefern können. Man sah ergraute Berühmtheiten um Hummern und Austern kämpfen, sah tantiemenreiche Dramatiker in Winkeln sitzen und gierig verschlingen, was sie in beladenen Tellern vor sich auf den Knien hielten, und Gruppen junger Literaten entdeckte man, die sich für Wochen im voraus satt zu essen schienen. Mit scheuen Blicken, wie Diebe in der Nacht, schlichen andere mit Sektflaschen unter den Armen in halbdunkle Nebenräume; es genügte ihnen nicht, daß die Kellner ohne Unterbrechung die Gläser füllten.

Am Arme von Konrad Hochseß schritt Frau Renetta Veit durch die Säle. Von ihren Tellern und Gläsern sahen selbst die Versunkensten sekundenlang auf: ihr Hermelinmantel fegte den Boden, aus ihrem vorgestreckten Gesicht höhnte der Blick ihrer hellen Augen über der Menge. Sie erreichte mit ihrem goldgepuderten Scheitel die Stirne ihres schlanken Begleiters, der sie hochmütig erhobenen Hauptes geleitete.

»Wohin führen Sie mich?« frug sie, die Lider hebend.

»Wohin es mir gefällt,« sagte er. Und sie sahen wieder über die Ballgesellschaft.

»Kulturträger!« stieß sie wie im Selbstgespräch verächtlich zwischen den Zähnen hervor.

»Was geht das uns an?« antwortete er.

Atemlos kam in diesem Augenblick Eulenburg hinter ihnen hergelaufen: »Ich habe einen Tisch für Sie reserviert, gnädigste Frau,« rief er. »Sie hatten mir doch versprochen –«

»Was?!« gab sie über die Schulter weg zurück. »Sie sehen, daß ich engagiert bin.«

Des Abgewiesenen große breite Gestalt knickte förmlich zusammen, während das Blut sein Gesicht dunkelrot färbte. »Aber nachher darf ich –« bettelte er.

»Vielleicht!« warf sie ihm achselzuckend zu.

Konrad sah sie an, spöttisch lächelnd: »Behandeln Sie so Ihre Günstlinge?!«

»Wenn sie sich's gefallen lassen!«

In einem kleinen, nur matt erhellten Rokokosalon, der am äußersten Ende der Zimmerreihe lag, und, allzu weit von den Tafelgenüssen, von den Gästen gemieden worden war, rückte er ihr einen Sessel an ein winziges Tischchen.

»Was befehlen Sie?«

»Obst und Sekt – nichts weiter.« Er stand auf, drückte den Klingelknopf und gab dem Kellner seine Befehle.

»Sie sind eigenmächtig,« meinte sie überrascht.

»Kein Bedienter, wie Sie hoffentlich gleich bemerkt haben werden,« entgegnete er, sich neben sie setzend. »Vor deinen Wagen, Berolina, spannst du mich nicht, aber ich –« und mit einem eisernen Griff umklammerte seine Rechte ihr Handgelenk, so daß sie leise aufschrie – »ich nehme dich!«

»Herr Baron, Sie sind –«

Der Kellner kam mit dem Eiskübel und entfernte sich wieder.

»Nicht betrunken,« ergänzte Konrad lächelnd. »Der eine hat dich gekauft, die anderen hast du gehabt. Ich weiß, ich weiß! Aber ich, hörst du, ich habe dich – lange schon –«

Mit weit offenen Augen starrte sie ihn an, die Finger um die Armlehne krampfend, wie zum Aufspringen bereit.

Er erwiderte ihren Blick mit einem spöttisch-überlegenen Lachen.

»Ach so! Wir sind wohlerzogene Europäer, und–« er lachte sein Knabenlachen – »auf einem Wohltätigkeitsfest! Verzeihen Sie also, gnädigste Frau, wenn ich im Sinne Ihrer heutigen Rolle Komödie spielte.«

»Komödie?!« wiederholte sie unsicher. Er goß ihr Sekt in das Glas und stieß mit ihr an, nur flüchtig an dem seinen nippend. Dann frug er nach Pawlowitsch.

»Ein Verhör?!« frug sie, sich mit einem leisen Lächeln in den Sessel zurücklehnend, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, so daß die roten Haare unter ihren Achselhöhlen aufleuchteten.

»Sie irren,« sagte er unbewegt. »Es interessiert mich nur, von welchem Standpunkt aus Sie an ihm Gefallen fanden.«

»Ich liebe die Liebe,« antwortete sie, aus halbgeschlossenen Lidern einen Blick auf ihn werfend, lang und greifend, wie die Zunge des Chamäleons, die sich nach dem Schmetterling streckt. Es überlief ihn heiß. Etwas erwachte in ihm, auf das er nicht gerechnet hatte. Und ein erster leiser Triumph blitzte in ihren Augen.

»Ich brauche als Lebensluft die von Männerleidenschaft gesättigte Atmosphäre, und darum« – rasch entschlossen stand sie auf, wobei ihr bloßer Arm, wie zufällig, seine Wange streifte – »bin ich schon viel zu lange hier allein mit Ihnen.«

Er trat ihr in den Weg. Auge in Auge standen sie einander gegenüber.

»Sie sehnen sich wirklich nach jenen, die vor Fressen und Saufen Ihre Herrlichkeit zu vergessen vermochten?« flüsterte er, während die überlegen-kühle Haltung, die er zuerst gewahrt hatte, ihn mehr und mehr verließ, »nach jenen, die bestenfalls keuchend und angekettet an Ihrem Wagen ziehen, – vor Wonne winselnd, wenn Ihre Peitsche sie trifft?!«

Sie senkte den Kopf, demütig wie eine Bezwungene, so daß das Licht der Lampen auf ihrem weißen Nacken glänzte.

»Du bist ein Weib, Renetta, das Weib!« hauchte sein heißer Atem an ihr Ohr. »Du willst den Mann, nicht den Knecht. Ich weiß es, seit dein Blick mich zum erstenmal streifte – damals in der Herbstnacht – aus dem weißen Auto –«

Sie schreckte auf, brennende Glut flog flüchtig über ihre Wangen; aber er sah nichts mehr, auch nicht den kalten Blitz, der sekundenlang aus ihren Augen brach.

Er fühlte nur das weiche Nachgeben ihres Körpers, und mit der Linken bog er ihren Kopf nach vorn, seine Zähne in ihren Nacken grabend – –

Sie gingen den Weg zurück, den sie gekommen waren. Arm in Arm, hoch aufgerichtet. An der Schwelle des großen Saales zog er den Hermelinmantel über ihre Schultern: »Bedecke dich – du bist von mir gezeichnet,« sagte er, und mit einem Lächeln zärtlicher Hingabe tat sie, was er befahl.

Wieherndes Gelächter, von kreischendem Aufschreien und wollüstigem Gekicher unterbrochen, empfing sie. In dem Boskett ihnen zunächst saß eine rundliche Schriftstellerin auf den dünnen Beinen eines Kritikers, und ein athletischer Dichter schleppte eben ein ausgelassen zappelndes Mädchen in die Fensternische daneben. Drüben kniete schweißtriefend die dicke lyrische Augenblicksberühmtheit vor der schlanken Frau des bekannten Bildhauers, der selbst, eng umschlungen, zwischen zwei Pfadfindermädchen saß. In der Mitte tanzten sie, verlassen von allen Grazien, nur beherrscht von entfesselter Geschlechtlichkeit.

Aus dem Rauchzimmer gegenüber trat der Kommerzienrat, sehr kühl, sehr ruhig. Ein kaum merklicher Zug von Hohn und Überlegenheit prägte sich um seine Mundwinkel, als er mit einem Blick das Bild vor sich streifte.

An die Kristallscheiben der Türen aber preßten sich die Gesichter der Kutscher und Chauffeure, mit einem Ausdruck von Neid und Gier ihre Herren betrachtend.

Von jenem Abend an fehlte Frau Renetta Veits glänzende Erscheinung auf den Karnevalsfesten des Winters. Sie sei leidend, meinten bedauernd die einen; die anderen lächelten vielsagend.

In ihrem meerblauen Boudoir war Konrad Hochseß ein täglicher Gast.

»Unter hundert Schleiern möcht' ich dich verstecken, hinter hundert Türen verschließen,« hatte er ihr bebend in ungezügelter Leidenschaft zugeflüstert, als sie ihn das erstemal empfing. Und: »ich will nur dich – dich!« hatte sie ihm, überwältigt von der Glut seines Besitzergreifens, erwidert.

Von Berolina, der Herrscherin, dem gierigen Raubtier, schien jede Spur in ihr ausgelöscht. Sie lebte nur für ihn, für die Blicke aller anderen in ihren Gemächern verborgen, eine Odaliske. Er aber trug, wo er ging und stand, wie einen unsichtbaren Mantel den schwülen Duft ihrer Liebesstunden um sich. Und ein Gefühl von Lebensfülle beherrschte ihn wie die Julisonne den Sommertag. Die sprudelnde Heiterkeit, die er zuerst an den Tag legte, entwickelte sich bald zu einem ausgelassenen, fast genialischem Humor. Er machte die Nacht zum Tage, ein jubelnd begrüßter Gast in den Bars, in den Ballokalen, wo er mit dem Gelde um sich warf, nur um überall strahlenden Gesichtern zu begegnen. Die schöne Leonie, so meinte man vielfach, sei seine Geliebte, denn er versagte ihr kaum einen Wunsch, und beide wurden in jenem Winter zum bekanntesten Tangopaar. Aber es war nur der überströmende Reichtum seines Glücks, den er verschwenderisch auf alles, was ihn umgab, ausstreuen mußte. Die Quelle, aus der er schöpfte und die ihn wie Champagner, je mehr er trank, um so durstiger machte, versteckte er als kostbares Geheimnis vor aller Welt und bemerkte in dem Rausch, aus dem er nie erwachte, die von Neid und Spott gemischten Blicke nicht, die ihm folgten.

Warburg mied er, denn er war der einzige, vor dem ihn ein unbestimmtes, peinigendes Gefühl von Scham beschlich.

Bis der alte Freund ihn eines Tages in »eigenen Angelegenheiten« dringend zu sprechen verlangte und ein Ausweichen unmöglich war.

»Du schwänzest die Schule,« versuchte Warburg zu scherzen, als er bei ihm eintrat und mit einem Blick das immer noch unbewohnt erscheinende Hotelzimmer überflog.

»Vielleicht bin ich nur in eine – andere Klasse versetzt,« entgegnete Konrad ebenso, vor den forschenden Augen ihm gegenüber die seinen senkend.

Unruhig schritt Warburg im Zimmer auf und ab. Dann blieb er vor ihm stehen, ihm leise, als berühre er einen sehr Wunden, die Hand auf die Schulter legend. »Was soll nur daraus werden?!« sagte er aufrichtig bekümmert.

»Muß denn immer aus allem, was ist, etwas werden?« meinte Konrad mit seinem strahlendsten Lächeln, »hat denn für euch ewig Nüchterne nur einen Wert was Zweck, was Zukunft hat?!«

»Nun,« warf Warburg ein, »die natürlichste Folge einer so alles beherrschenden Leidenschaft scheint mir doch der Wunsch nach dauernder Vereinigung zu sein, statt –« er stockte.

»Sprich es nur ruhig aus,« fuhr Konrad, ernst geworden, fort, »statt nach dauerndem Ehebruch, wolltest du sagen.« Warburg nickte. »Von einem Ehebruch aber ist doch nur die Rede, wenn eine – Ehe besteht. Das aber gilt für Renetta und den Mann, dessen Namen sie trägt, nicht«, – Warburg sah ungläubig auf –, »hat nie gegolten; aus Mitleid kaufte er sie von einem Schurken frei.«

Warburg lachte: »Der – und Mitleid?!«

Konrad hob ungeduldig die Schultern: »Aus Eitelkeit denn, wenn du willst. Sie hat ihm dafür eine gesellschaftliche Position geschaffen.«

»Du denkst also nicht an eine künftige Heirat?« frug Warburg vorsichtig.

Konrad lächelte mit überlegener Heiterkeit: »Spannt man Vollblutpferde vor einen Pflug? Soll ich die Göttin dieser Liebe in das Kleid einer Dienstmagd stecken?«

Warburg schwieg, ohne den Ausdruck kummervollen Grübelns los zu werden. Konrad, in seiner verfeinerten Empfindlichkeit für fremdes Leid, dachte an des Freundes stille Neigung.

»Bist du mir böse, weil ich Frau Sara Rubner so lange gemieden habe?« Er begleitete seine Frage mit dem wärmsten Freundesblick. »Weißt du, wer Sonne gewöhnt ist, meidet den Schatten. Der graue Salon, das Totenlicht und die reine Geistigkeit dieser Frau –«

Warburgs Gesicht war ganz hell geworden.

»Gerade dies wäre ein Gegengewicht. Doch, ehrlich gestanden, es ist am Ende besser so. Ich wäre vielleicht eifersüchtig geworden. Irgendein Rest von – verzeih! – barbarischem Lebensdurst zeigt sich zuweilen auch bei ihr. Und jetzt« – er legte die Hand über die Augen, als wolle er einen zu deutlichen Ausdruck seiner Hoffnungen verbergen, »jetzt hört sie mit mir naturwissenschaftliche Vorlesungen.«

Konrad war nachdenklich geworden: »Ob nicht Frauen nur aus unterdrücktem Lebensdurst studieren?« meinte er. Warburg blickte erstaunt.

»Muß ich dich an – Else erinnern?!« sagte er leise.

»Else –« Konrad wandte sich ab, tief erblaßt, und sah lange zum Fenster hinaus auf den wirbelnden Schnee, der sich auf der Straße unten in schwarzen Schmutz wandelte.

Eine plötzliche Sehnsucht nach weißem, frostkrachendem Winter überkam ihn.

»Ob wir beide uns nicht irgendwo im Gebirge Hirn und Herz durch Gletscherwind kühlen lassen sollten?« sagte er. Aber der Freund machte eine sehr heftige Abwehrbewegung: »Mitten im Semester?! Und ich weiß, Sara liebt das Gebirge nicht.«

Ihn aber ließ der Gedanke nicht los. In einem verschneiten Dorfe, einsam, fern aller Welt, träumte er sich mit Renetta. Und ein Erlebnis, das ihn stürmisch erregte, bestärkte ihn in seinem Plan. Sie hatte eigensinnig darauf bestanden, den Besuch Eulenburgs zu einer Stunde anzunehmen, die sonst nur ihm allein gehörte, und hatte ihm für ein Gedicht, das in glühenden Farben ihre Reize pries, ein Lächeln geschenkt aus Dank, Eitelkeit, Verheißung gewoben –

»Was hast du mit dem Menschen?« rief er, als Eulenburg nach einem, wie ihm schien, allzu bedeutungsvollen Handkuß gegangen war. In ihren Augen blitzte es auf; sie fühlte, wie der Geliebte, ihr Herr bisher, an der Kette der Eifersucht lag wie ein Sklave. Und plötzlich überwältigte sie ein fassungsloses Weinen. Mit einem langen, fremden Blick sah sie ihn an, als er die vermeintlich durch seinen unsinnigen Verdacht Gekränkte mit Anklagen seiner selbst und Bitten um ihre Verzeihung zu beruhigen suchte. Ihre Tränen versiegten. Merkwürdig, wie sie, in einer Empfindung von Schreck und Staunen gemischt, ihr eigenes Ich aus sich selbst heraustreten sah und neugierig betrachtete: Eine Eishand preßte ihr Herz zusammen, bis der letzte Tropfen roten Blutes daraus entwichen war. Mit absichtsvoller Bewußtheit schmeichelte sie seine Erregung hinweg und schien widerspruchslos, ja mit freudigem Nachgeben auf seine Wünsche einzugehen.

Versunken in dem Gedanken an die neuen, fremdartigen Reize, die ihrem Liebesleben bevorstanden – er sah sich mit ihr auf gleitenden Hölzern über weite Schneeflächen fliegen, träumte von einsamen Nächten auf verlassenen Hütten – ging er von ihr, heimlich durch Nebenstraßen schleichend, um, noch ganz im Bann ihrer Nähe, kein anderes bekanntes Gesicht sehen zu müssen. Daß ein Neues, Fremdes zwischen ihnen gewesen war, daß in ihre Hingabe etwas wie Empörung sich eingeschlichen, das Weibliche über das Männliche triumphiert hatte, kam ihm nur wie ein dumpfer, vom Morgengrauen ausgelöschter Traum zum Bewußtsein.

Auch daß unter ihrem Schmeicheln das einsame Bergdorf zu einem Wintersportplatz geworden war.

Und nun saß er im gleichen Coupé mit der ganzen Familie, denn auch das Kind, ein kleiner, dünngliederiger Backfisch mit kühlen, geschlitzten Augen in dem gelben Gesicht, war mitgenommen worden. War ihm schon die Gegenwart des Bankiers eine Qual, so steigerte sie sich durch die Anwesenheit der Tochter zur Unerträglichkeit. Die schöne junge Frau, Gattin dieses Mannes, das war schon eine Karikatur. Aber Renetta, als Mutter dieses Mädchens, bei dessen Anblick seine Phantasie ihm das Bild des unbekannten scheußlichen Vaters heraufbeschwor und die widerlichen Liebesstunden der Eltern, deren Frucht sie war, brachte ihn fast in einen Zustand von Raserei.

»Warum diese Begleitung?« stieß er wild hervor, als der Bankier mit seiner Stieftochter im Speisewagen verschwunden war.

»Er sagte, er täte es nicht anders,« antwortete sie gleichgültig, »man müsse die Dehors wahren.«

Die Dehors wahren?! Das schien ja fast, als wisse er –

Sie kamen an Bamberg vorbei.

»Ihre Heimat, Baron,« sagte Renetta lächelnd. »Wie schön muß das sein!«

Konrad blickte mit gefurchter Stirne hinaus; er dachte an den steinernen Reiter im Dom und an seine keusche Ritterlichkeit. An die alte Frau dachte er, droben auf Hochseß, und errötete jäh; niemals würde er Renetta Veit ihr zuführen können!

Als er sich umwandte, saß sie, weit vorgeneigt, die Arme auf die Knie gestützt, in die Hände mit den glänzenden spitzen Nägeln an den beringten Fingern das Kinn vergraben, und starrte ihn an mit jenem Blick der thronenden Berolina, voll Kälte und Feuer, voll Haß und Leidenschaft. In dem großen Hotel des Wintersportplatzes sammelte sich ein internationales Publikum um den Sport als den Mittelpunkt allen Interesses. Bis über die Teestunde hinaus waren die weiten Schneeflächen draußen belebt von Menschen, für die es kein Alter mehr zu geben schien: der sehnige, graubärtige Alte, der in weitem, kühnem Bogen vom Berg herunterschoß, gab an Kraft und Schönheit dem Jüngling nichts nach, der auf seinen Flügelbrettern aufjubelnd vom Sprunghügel in die Tiefe flog; und die reife Frau, die auf dem spiegelnden Eise auf blitzendem Stahl kunstvolle Kreise zog, war um nichts weniger schön und reizvoll, als das junge, schmalhüftige Mädchen, das in sausender Fahrt den kleinen Schlitten zu Tale lenkte.

Renetta Veit paßte nicht hierher. Ihre Grazie versagte, wenn es galt, sie mit Kraft und Mut zu paaren. Und wenn sie im strahlenden Wintermorgen, der grausam aller künstlichen Schönheitsmittel spottet, hilflos mitten im Schnee auf Skiern stand, das Gesicht unter den Goldhaaren blau gefroren, dann konnte sie sogar häßlich sein. Sie fühlte das bald und gab alle weiteren Versuche, es den anderen gleich zu tun, auf; es hätte sie ja auch nur eins gereizt: sie zu übertreffen. Konrad fuhr allein, befreit, voll starkem Kraftbewußtsein zu den Höhen empor und wieder hinab in die Tiefen.

Renetta sah ihm nach, mit verschleiertem Blick und geneigtem Nacken, wieder ganz das lauernde Tier. Drohte er ihr zu entgleiten?! Und sie ballte im Bewußtsein ihrer Kraft die weißen Hände.

Es kamen Tage, wo Konrad, heimkehrend, sie nicht wie sonst, seiner wartend, im Hotel fand. Statt ihrer begegnete ihm Nana, die Tochter, in der Halle.

»Mama ist mit Mr. Morton« – einem schwerreichen Amerikaner – »fortgefahren,« sagte sie das eine Mal mit spöttisch verzogenem Munde. »Graf Pechlarn« – der Typus eines flotten österreichischen Offiziers – »hat sie im Schlitten abgeholt,« erklärte sie, von grausamer Freude strahlend, das andere Mal und fügte halb frech, halb altklug leise hinzu: »Sie sollten doch wissen, Herr Baron, Mama ist aus Prinzip untreu.«

Von wütender Eifersucht gequält, gab er seine einsamen Fahrten auf und wich kaum noch von ihrer Seite. Und mit der Freude eines Vogelstellers, der mit girrendem Pfeifen und Trillern und mit grausamen Leimruten seine Opfer ins Netz lockt, peitschte sie seine Leidenschaft mit heimlichen Händedrücken und gewährenden Blicken und reizte ihn durch raffinierte Koketterie mit anderen Männern.

Zähneknirschend und doch von der Angst gefoltert, sie an einen der vielen anderen verlieren zu können, unterwarf er sich täglich mehr ihren Launen. Daß etwas in ihr, das Beste, der Rest unverdorbenen Weibtums, sich danach sehnte, ihrer selbst fast unbewußt, unterworfen zu werden, daß ihre Seele, je mehr sein Widerstand schwand, um so verzweifelter am Totenbett ihrer sterbenden Liebe weinte, das sah er nicht. Um das Wissen von ihren Seelen hatten sie nie Zeit gehabt, sich zu kümmern.

Abends, wenn er mit ihr allein zu sein hoffte, hatte sie stets einen Hofstaat um sich, und am Tage mehrten sich die Sportsleute, die Skier und Bobsleigh um ihretwillen vergaßen.

Einmal gelang es ihm, sie im Schlitten der Schar ihrer Bewunderer zu entführen. »Ich ertrag's nicht länger,« sagte er, ihr Handgelenk umklammernd, wie an jenem, ersten Abend, »willst du mich wahnsinnig machen?«

»Warum wahnsinnig?« entgegnete sie mit einem dankbaren, fast demütigen Aufblick. »Sagte ich es dir nicht gleich: ich liebe die Liebe,« und als er sich mit finsterer Miene von ihr wandte, fügte sie, den Kopf an seine Schulter legend, so daß ihre Haare seine Wangen streichelten, leise und schmachtend hinzu: »Bin ich nicht dein – nur dein?! Sind die anderen mir mehr als ein Spielzeug?«

Er erzählte ihr, noch immer voll Mißtrauen, von dem kecken Ausspruch ihrer Tochter. Sie lachte hell auf: »Das Mädchen ersetzt durch Verstand, was ihr an Schönheit abgeht! Sie bestätigt nur, was ich vorhin sagte: Spielzeug zerbricht man oder wirft's weg, wenn es langweilt.«

»Und – ich?!« frug er bebend, mit seinem brennenden Blick die Rätsel ihres Gesichts durchforschend.

»Du?!« sagte sie verwundert, den Arm zärtlich um seine Schultern schlingend. »Du bist mein Geliebter.« Und sie zog seinen Kopf heran, um ihn zu küssen. »Was hat Liebe mit Treue zu tun?« fuhr sie dann fort. »Wer liebt, ist treu – ohne weiteres. Treue aber ohne Liebe ist eine hündische Tugend.«

An jenem Tage fuhren sie weit und blieben bis tief in die Nacht in einem kleinen Dorfwirtshaus, dessen lustige Wirtin das »junge Paar« mit freundlich-derben Witzen empfing, und sie in der Gaststube, wo der große, grüne Kachelofen glühte, im Glasschrank neben dem Myrtenkranz gemalte Tassen und bunte Gnadenbilder glänzten und das hoch aufgetürmte Bett in getäfelter Nische stand, ihre Mützen und Mäntel ablegen ließ. Als die Kunde von den leutseligen Fremden, die ein Fäßchen Tiroler hatten anstechen lassen, sich im Dorf verbreitete, füllte sich das Wirtshaus mit Burschen und Mädchen; und sie jodelten und tanzten um die Wette und sangen ihre neckenden Liebeslieder im Weggehen zu den Fenstern der Gaststube hinauf, die noch lange glänzend in die Schneenacht sahen.

Von da an wurden die Stunden unvergifteten Glücks immer seltener. Die Leidenschaft, die sie jetzt zueinander riß, hatte etwas von der feindseligen Gewalt des Hasses.

* * *

Als sie nach Berlin zurückkehrten, fegte der Märzwind durch die Straßen, und an den Büschen im Tiergarten streckten schon vorwitzige Frühlingstriebe ihre grünen Fingerchen aus.

Müde und abgespannt, mehr einer Gewohnheit als einem Wunsche folgend, ging Konrad noch am Abend seiner Ankunft in das Stammcafé seines Freundeskreises. Als er eintrat und durch Wolken Zigarettenrauchs die bekannten Gesichter auftauchen sah, erschrak er. War er verwöhnt durch den Anblick luftgebräunter, sonnengeröteter Haut, oder waren es wirklich Gespenster, die ihm aus tiefliegenden übernächtigen Augen entgegensahen?

Leonie war die erste, die ihm sichtlich erstaunt eine blutleere Hand entgegenstreckte.

»Endlich!« sagte sie.

»Sind Sie krank gewesen?« frug er, mit einem Blick auf ihren Teint, der allen Puders zu spotten schien.

»Tangokrank,« spottete einer.

»Ihr tanzt immer noch?« staunte Konrad.

»Immer!« antwortete das Mädchen. »Aber bilden Sie sich nur nicht ein, Baron, daß Sie besser aussehen als wir.« Sie zog ihn auf den leeren Stuhl neben sich und fuhr leiser fort: »Warum bleiben Sie nicht bei uns? Aus den Händen der anständigen Frauen –« sie schnitt dazu eine Straßenjungengrimasse – »kommt ihr alle so käsebleich.« Er machte eine ärgerliche Bewegung. »Na, nicht böse sein! Ich bin eine ehrliche Haut und sage, wie ich's meine: Was nehmt ihr die dumme Liebe so tragisch.«

»Dumme Liebe?!« wiederholte er belustigt.

»Was denn sonst?« antwortete sie, »eine ganz nette Belustigung, vielleicht sogar eine Notwendigkeit wie Essen und Trinken, aber doch nicht wert, sie wichtig zu nehmen.« Man lachte ringsum.

»Was gibt's denn Wichtigeres, Fräulein Leonie?« frug der alte Hofrat, eine neue Zigarette in den Mundwinkel schiebend.

Sie sah nachdenklich vor sich hin und meinte dann langsam: »Wenn ihr's für euch selbst nicht wißt, die ihr euch über hunderterlei Ismen allabendlich die Köpfe blutig schlagt, schlimm genug für euch! Soweit mich's angeht, weiß ich's. Da ist zum Beispiel die Lia – ihr kennt sie ja – sie ist krank, liegt den ganzen Tag zu Bett, während ihre alte Mutter ihre paar Fähnchen zusammenflickt, um sie abends wieder auf neu ausputzen zu können, wenn sie ausgeht.«

»Na – und?« rief der Hofrat ungeduldig, »eine sehr banale Geschichte!«

»Meinen Sie?!« sagte Leonie giftig; »ist's vielleicht banal, daß dies fidele Mädel mit den glänzenden Augen und dem leichtfertigen Leben nur eure Dummheit ausnutzt, um in ein paar Jahren – sofern sie's aushält bis dahin! – mit der Mutter irgendwo in ein Häuschen ins Grüne zu ziehen – das ist nämlich für sie das wichtigste – und auf die ganze sogenannte Liebe zu pfeifen!«

Die um den Tisch Sitzenden waren ernst geworden.

»Da soll sie sich nur jetzt an ihren Freund, den Eulenburg, halten,« sagte jemand, »paßt auf, der wird noch heuer der tantiemenreichste Dichter!«

»Wird ihr wenig helfen,« lachte Leonie mit einem Seitenblick auf Konrad, »jetzt, wo Frau Renetta Veit wieder hier ist und die Premiere seines Dramas vor der Türe steht.«

»Nimm dein Mundwerk in acht,« fuhr sie Konrad an.

»Fällt mir nicht ein,« antwortete sie achselzuckend. »Jemand unter euch wird doch wohl noch sagen dürfen, was er denkt. Der Eulenburg ist fällig.«

»Leonie!« Konrad packte sekundenlang ihren Arm.

»Au!« machte sie und fuhr gleichmütig fort: »Als der arme kleine Prinz sich erschossen hatte – gräßlich muß es übrigens gewesen sein, die Nini erzählte mir erst neulich davon, wie das weiße, blutbesudelte Auto mit dem Toten durch die Straßen raste –«

Konrad sah fragend auf: »Ein weißes Auto?!«

»Mit blauseidenen Sitzen – ja! Aber was hast du denn?!« rief das Mädchen, in das blasse Gesicht des Mannes starrend.

Er ging hinaus, ohne Antwort. Sie war also damals, als er sie das erstemal sah, von ihrem Geliebten gekommen! Warum quälte ihn der Gedanke? »Ich liebe die Liebe –« er wußte es ja längst – von ihr selbst.

Von da an mied Konrad die Tafelrunde.

Auch zur Erstaufführung von Eulenburgs Werk zu gehen, das besonders in der dem Kommerzienrat Veit nahestehenden Tagespresse schon wochenlang vorher als das kommende »Ereignis« angekündigt und besprochen wurde – man verriet sogar mit geheimnisvoller Miene Toilettendetails der mitwirkenden Künstlerinnen – vermochte er sich nicht zu entschließen. Er erfuhr aus den Zeitungen von dem großen Erfolg und zugleich von »Frau Renetta Veit, die im Kreise der Sterne des geistigen Berlins die Proszeniumsloge inne hatte und deren berückende Schönheit im Glanz unzähliger Brillanten mit dem genialen Werk unseres hoffnungsvollen Dichters wetteifernd um die Aufmerksamkeit des Publikums rang.«

Er mied nun auch die Geliebte, sich selbst einredend, der Stolze, Zurückhaltende zu sein, während sein Verlangen nach ihr ihn folterte und er, nur um ihren Duft zu spüren, die violetten, von steilen großen Schriftzügen bedeckten Bogen, mit denen sie ihn früher überschüttet hatte, wenn er einmal nicht zur verabredeten Zeit gekommen war, vor sich ausbreitete. Jetzt – und er war schon eine volle Woche fern geblieben – hatte sie keine Zeile für ihn! Er ertrug's nicht länger und suchte sie auf. Sie ließ sich wegen einer Migräne verleugnen. Er meinte hinter der Türe die Tochter boshaft kichern zu hören. Müde, empfindungslos ging er wieder.

Ein Schimmer von hellem Grün lag wie ein Schleier über der langen Allee, die er durchschritt, und die Luft war erfüllt von jener weichen, warmen Feuchtigkeit der Glashäuser für Tropenpflanzen. Im neuesten Frühlingsputz promenierte die elegante Welt über die Straßen, den Schaustätten müßigen Lebens. Arm in Arm, in kurzen Röcken, kecke Löckchen vor dem Ohr auf den weichen Wangen, kamen die Mädchen vorüber; ihre Augen, glänzend von bewußtem Begehren, hingen sekundenlang an allem Lockenden: Kleidern, die leise rauschten, Reihern, die wie weisende Fahnen wehten, Männerblicken, die auf der Suche waren. Frauen traten aus den Kaufhäusern und Kaffeehäusern, erregt vom pikanten Klatsch, oder heiß vom galanten Abenteuer der letzten Stunde, und andere, deren erfrorenes Lächeln auf geschminkten Lippen gleiche Erlebnisse wenigstens vortäuschen sollte. Kleine Mädchen mit langen, bloßen Beinen, von Bonnen begleitet – alten, verbitterten und jungen, denen der Lebenshunger aus den Gesichtern sprach –, übten sich schon in der Kunst der Koketterie und fingen bereitwillig die Blicke der Knaben auf. Blasse Gymnasiasten mit blauen Rändern unter den Augen stolzierten hinter hochbusigen Spreewälderinnen, die langsam die weißen Kinderwagen vor sich herschoben, während ihre weiten Röcke um die runden Beine schwenkten.

Konrad fühlte einen schweren Druck auf dem Kopf und strebte rascher vorwärts. »Baron Hochseß!« Eine bekannte Stimme hielt ihn auf, er sah in Frau Rubners erstaunt auf ihn gerichtete Augen. Sie verrieten, wie viel sie in seinen Zügen entdeckten, aber ihr Mund schwieg davon.

»Kommen Sie mit,« sagte sie heiter, »ich gehe zum Bostonklub. Auch Warburg wird dort sein.«

Warburg? Bostonklub? Er verstand nicht. Sie lachte hell auf über die Verblüffung, die aus seinen Mienen sprach.

»Ja – auch mich hat's gepackt. Ich tanze,« erklärte sie. »Gerade wir Gehirnmenschen sollten uns immer wieder unseres Körpers erinnern. Sonst vergessen wir, daß wir jung sind.« Und mit elastischem Schritt eilte sie vorwärts.

Es war ein privater Zirkel, an dem sie teilnahm. Man übte unter Leitung einer ehemals berühmten Tänzerin die neusten choreographischen Schlager. Die Schüler waren meist ältere Leute, viele üppige Damen darunter, die für Körper und Herz offenbar eine zweite Jugend suchten. Zu seinem Erstaunen traf Konrad den Hofrat unter den Zuschauern.

»Für das Studium modernen Lebens«, sagte ihm dieser nach einem freundschaftlichen Händedruck, »ist die Kenntnis dieses Klubs unentbehrlich. Sehen Sie nur die Frauen an: Frau Rubner zum Beispiel, von der ich heute eine glänzende russische Übersetzung der Simmelschen Philosophie des Geldes bekommen habe, und Hedwig Mendel, die eben ihren Doktor gemacht hat und auf allen Frauenkongressen das große Wort führt, sie tanzen mit größerer Hingebung als unsere Mädels.«

»Warum sollten sie nicht?!« meinte Konrad, »eine gesunde Reaktionserscheinung.«

»Sicherlich,« nickte der andere, »nur vergessen Sie, mit wem sie tanzen, wem sie sich so hingebungsvoll in die Arme schmiegen. Der da, Frau Rubners Partner, ist Gerhard Fink, – der reine Apoll, nicht wahr? hat aber nicht mal das Einjährige machen können – jetzt, wie Sie wissen werden, unser preisgekrönter Flieger. Jener dort, mit dem das Fräulein Doktor walzt, war bis vor einem Jahr Chauffeur bei den Mercedeswerken; irgendeine Prinzessin hat ihn mit ihrem Auto gekauft und auf einigen Auslandsreisen so gut erzogen, daß er jetzt in allen internationalen Rennen seinen eigenen Wagen lenkt. Und drüben der mit dem Zigeunergesicht ist im Tattersall erster Stallmeister. Ja, ja –« und er lachte verächtlich – »die intellektuellen Weiber, denen die geistigen Männer nicht mehr imponieren, suchen sich solche, die ihnen durch ihre Körperlichkeit überlegen sind! Sie glauben nicht, mit welch einem Gefühl der Erleichterung ich von hier zu unsern Mädels zurückkehre!«

Konrad wollte heftig erwidern – mochte sein Nachbar auch vielfach recht haben, Frau Rubner, das wußte er, war über solchen Verdacht erhaben –, als Warburg eintrat. Frau Sara ließ ihren Tänzer ohne weiteres stehen, um den Freund mit besonderer Herzlichkeit zu begrüßen. Er strahlte noch vor Freude darüber, als er Konrad entgegentrat.

»Ist sie nicht wundervoll?« flüsterte er ihm zu; es war das erstemal, daß er sein Entzücken in dieser Weise aussprach. Konrad überlegte noch, ob er Hedwig Mendel, um ihr einen peinlichen Augenblick zu ersparen, nicht besser ignorieren solle, als sie ihm im Vorübertanzen unbefangen zunickte.

»Auch Sie wundern sich?!« frug sie dann lächelnd. »Ich dachte. Sie würden begreifen, daß wir studierten Frauen nicht bloß auf dem Katheder stehen und am Schreibtisch sitzen wollen.«

»Ich wundere mich ja auch nicht, daß Sie tanzen, sondern mit – wem Sie es tun, Fräulein Doktor,« antwortete Konrad mit bewußter Schärfe.

Des Mädchens Augen in dem schmal und spitz gewordenen Gesicht verdunkelten sich. »Meinen Sie, ich sollte dem nachlaufen, der vor einer Renetta Veit seine Kunst prostituiert?!« flüsterte sie. Und laut sagte sie, zu ihrem bescheiden abseits stehenden Tänzer gewendet: »Nicht wahr, Wendrutzki, jeder sucht das Leben nach seiner Neigung. Wir tanzen –« Und mit einer fast ekstatischen Leidenschaft, die den ganzen übermäßig schlanken Körper in Schwingung versetzte, wirbelte sie davon.

Frau Sara Rubner ging mit den Freunden nach Hause, nachdem sie Gerhard Fink flüchtig vorgestellt hatte. »Mögen Sie ihn?« frug Konrad, um ein Gespräch anzuknüpfen; die Worte Hedwigs klangen noch schmerzhaft in ihm nach.

»Er ist der beste Tänzer Berlins,« antwortete Warburg statt ihrer, »also für Frau Saras neuste Leidenschaft gerade gut genug. Sie konsumiert Menschen, wie Sie wissen: je einen für jede Neigung.«

»Ich glaube, Sie unterschätzen meinen Tänzer,« fiel sie ruhig lächelnd ein, »freilich, er hat nicht viel gelernt, versteht auch keine geistreiche Konversation zu machen, dafür ist er eine so beruhigend unkomplizierte Natur und ersetzt durch Innerlichkeit, was ihm an Wissen abgeht.« Dann brach sie das Gespräch ab.

Konrad erfuhr nur noch, daß sie sich als Autofahrerin ausbilden wollte und den Besuch der Universität daher zunächst aufgeben würde. Zwischen den drei Wandernden trat eine beklemmende Pause ein wie immer, wenn jeder eigenen, ihn weit von den anderen entfernenden Gedanken nachhängt. Warum ging er hier, grübelte Konrad, zwecklos und unfroh? Während Renetta vielleicht –. Eine wütende Sehnsucht, durch quälende Zweifel nur gesteigert, packte ihn.

Er verabschiedete sich rasch und unvermittelt; nur die Blässe seines Freundes fiel ihm auf, oder war es der Widerschein des gelben Gaslichts gewesen?

Mit immer schnellerem Schritt stürmte er durch die Straßen. Sehen – nur sehen muß ich sie! dieser eine Gedanke bohrte sich in sein Hirn und hetzte seinen Herzschlag. Er stand vor ihrem Hause. Wie?! Alle Fenster erleuchtet?!

Gesellschaft?! Und er wußte von nichts?! Und heute nachmittag hatte sie ihn abgewiesen?!

Lachende und lärmende Gäste kamen die Treppe hinab; das Mädchen schloß auf; er drückte sich in den Schatten des Torwegs.

»Ein göttliches Weib!« hörte er sagen. Das war Eulenburg. Sein Blut siedete. Mit einem Sprung stand er an der Türe.

»Die Herrschaften erwarten mich noch,« schrie er das verdutzte Mädchen an, das eben absperren wollte, und jagte die Treppe empor. Die Flurtüre stand offen.

Er hörte die Stimme des Hausherrn – kühl, geschäftsmäßig: »Ich bin zufrieden mit dir, mein Kind. Du lernst es allmählich, mein Haus auf das Niveau zu heben, das der Position, die ich mir eroberte, entspricht.«

Die beiden traten in das Licht der Lampe. Sie blieben stehen. Des kleinen Mannes Augen hafteten an dem halbentblößten Busen der junonischen Frau neben ihm, ein gieriges Feuer entzündete sich in ihnen, weitete sie. »Du hättest nicht nötig gehabt, Eulenburgs Rosen mit so beziehungsvoller Geste in den Ausschnitt zu stecken,« sagte er, und seine breite weiße Hand legte sich auf ihre Schulter, glitt bebend über ihren Hals. Sie regte sich nicht. Ihr Blick nur musterte höhnisch den vor ihr Stehenden, den die Anstrengungen des Abends besonders greisenhaft erscheinen ließen, während ein hartes, spöttisches Lachen in dem engen Raume widerklang. Der Glanz in seinen Augen erlosch, seine Lider senkten sich, er trat einen Schritt zurück, küßte ihr mit der Höflichkeit des Weltmanns die Fingerspitzen und ging.

Konrad stand vor ihr keuchenden Atems. Sie schrie auf, um ihn im nächsten Augenblick, die Schritte des Mädchens auf der Treppe hörend, mit sich in den dunklen Salon zu ziehen. Nur die Glühlampen von der Straße warfen breite Lichtbündel durch die Fenster.

»Was willst du?« zischte sie.

»Du läßt dir von dem Eulenburg hofieren,« stieß er hervor, sie mit der Linken an sich reißend, so daß sie wie in einem Schraubstock in seinem Arm lag, »und trägst seine Rosen« – er riß den Strauß duftender Blumen vom Ausschnitt ihres Kleides, so daß die Dornen rote Striemen auf ihrem weißen Halse zogen. »Umbringen werd' ich dich, umbringen –«

Mit ängstlich flackernden Augen, während ihre Rechte heimlich nach seinen Taschen griff – er sah entsetzlich aus und hatte doch vielleicht eine Waffe, sie aber fürchtete sich gräßlich vorm Sterben, so sehr wie vor der Armut! – sprach sie, die Worte überstürzend, auf ihn ein. Er hörte nicht hin. Er sah nur den schimmernden Nacken, den Rücken mit dem weichen Einschnitt zwischen den Schulterblättern, die weißen Arme, die, vom Licht getroffen, glänzten, als wären sie Strahlen von ihm.

»Sei still – still,« stöhnte er, »rede nicht! Ich weiß, daß du lügst! Wenn diese Hände gemordet hätten, ich früge nicht danach! Nur lieben sollst du mich – mich allein!«

Und während er neben ihr zusammensank, den Kopf an ihre Knie gedrückt, reckte sie sich empor. Alle Angst war aus ihrem Antlitz verschwunden; zu einem verächtlichen Lächeln öffnete sich der große, blutigrote Mund.

* * *

Über Nacht war es Frühling geworden. Aber Konrad scheute die hellen Tage draußen wie einer, der keine reinen Kleider anzuziehen hat. Wie gut es war, daß niemand sich um ihn kümmerte, niemand, auch Warburg nicht. Eines Abends trat er doch überraschend in sein Hotelzimmer. Konrad setzte sich ihm gegenüber, so daß sein Gesicht beschattet blieb, denn er schämte sich seiner übernächtigen Züge. Warburg indessen achtete seiner nicht. Er sah selbst gealtert und müde aus.

»Ich wollte dir nur sagen, damit du es von anderen nicht zuerst erfährst,« begann er stockend, »daß Sara Rubner sich – verlobt hat, – verlobt: mit Gerhard Fink –«

Seltsam, dachte Konrad, wie stumpf ich bin, wie des Freundes Unglück mich kalt läßt! Und laut sagte er: »Und du hast sie ihm so ohne weiteres, so kampflos überlassen?«

Warburg sah auf; seine Augen erzählten von der Tiefe seiner Qual, aber seine Stimme war ganz ruhig, und sein Mund lächelte sogar, als er antwortete: »Sie gehörte mir nie, – wie hätte ich sie halten können? Ich werde nicht aufhören, ihr Freund zu sein und immer wünschen,« fügte er mit einem leisen Seufzer hinzu, »daß sie meiner Freundschaft nicht bedürfen wird.«

Als Konrad die offizielle Anzeige der Verlobung erhalten hatte, besuchte er Frau Rubner aus bloßer Höflichkeit. Wie konnte diese Frau ihm jemals interessant, ja bedeutend erschienen sein, für die eine triviale Ehe mit einem Durchschnittsmenschen die Lösung ihrer inneren Konflikte, die Erfüllung ihrer Sehnsüchte bedeutete?! Ihr Anblick jedoch überraschte und fesselte ihn aufs neue. Das Gesicht hatte einen ganz weichen, fast demütig kindlichen Ausdruck angenommen, und aus ihren einst so kühlen, klugen Augen leuchtete nichts als reines Glück.

»Man wird fromm, wenn man liebt,« sagte Frau Sara, nachdem sie die ersten konventionellen Redensarten gewechselt hatten, »fromm wie die Kinder, denen ihr Heiland das Himmelreich verheißt. Man glaubt alles, hofft und duldet alles. Selbst das Schwerste: daß ich meinen besten Freund so tief verwunden mußte.« Ein fragender Blick traf ihn dabei.

»Warburg leidet sehr – gewiß,« entgegnete Konrad, »aber er gehört nicht zu den Menschen, die an getäuschter Neigung zugrunde gehen.«

»Nein,« bestätigte sie mit tiefernstem Gesicht. »Starke Menschen gehen nur zugrunde, wenn sie sich selbst in ihrer Liebe täuschten, nicht wenn sie getäuscht worden sind. Ich weiß das, denn wir sind von gleicher Art, darum hätte ich auch nie seine Frau werden können, ebenso wie ein normales Weib nicht ihres Bruders Gattin werden kann.«

Vor dem Abschied erzählte sie ihm noch, daß sie bald heiraten und im eigenen Auto die Hochzeitsreise machen würden. »Heute ist er bei seinen Eltern,« fügte sie lächelnd hinzu, »alten, einfachen Pfarrersleuten, um sie für unsere Verbindung günstig zu stimmen. Und übermorgen, wenn er heimkehrt, wird er sein neues Flugzeug zum ersten Male steuern. Wie froh wird er sein!« Und sie klatschte in die Hände vor Freuden wie ein seliges Kind.

Konrad ging langsam, von Schwermut beladen, von der glücklichen Frau. »Starke Menschen gehen nur zugrunde, wenn sie sich selbst in ihrer Liebe täuschten,« klang es ihm wieder und wieder in den Ohren, wie eine Melodie, die man nicht los wird. Und der Freund und Frau Sara waren vergessen. Es stand für ihn fest: Um das Weib, von dem er nicht lassen konnte, zu ringen, wenn es sein mußte, auch gegen sie selbst. Noch war sie ja sein – sein. Er durfte, er wollte nicht zweifeln. An dieser Gewißheit hing der Rest seiner persönlichen Würde.

Gerade heute, das wußte er, gab sie ein Fest. Ihren Bitten gegenüber, daran teilzunehmen – die übrigens nicht allzu dringende gewesen waren, dachte er bitter –, war er, wie schon häufig, standhaft geblieben. Er hielt es nicht mehr aus, nur einer unter vielen zu sein,– einer am Wagen Frau Berolinas!

Aber wenn er jetzt in die Bar ging, dann würde er wohl – so nebenbei – von einigen ihrer Gäste hören können, wie sie ausgesehen hatte, wer wohl heute der Begünstigte gewesen war. Das Blut stieg ihm in die Schläfen: wie ekelhaft das war, wie unwürdig, die anderen auszuhorchen, wo es die Geliebte galt!

Nein – so ging's nicht mehr weiter. Ihm grauste vor sich selbst. Morgen würde er vor sie hintreten mit der einzigen Forderung, die allen Schmutz, unter dem er erstickte, abzuwaschen imstande wäre: Scheidung –

* * *

In der Bar »Aux trois Grâces« spielten rotbefrackte Zigeuner.

Die Geigen schluchzten, – ein hämmernder Ton fiel ein – aufpeitschend –

Leonie lief Konrad entgegen. »Bist du auch betrunken wie die andern?« Und ihr Blick forschte in seinem glühenden Antlitz.

»Nein,« sagte er laut; ihm war plötzlich, als würde er sich seiner überschäumenden Kraft wieder bewußt wie einst, da er Frau Berolina zuerst umarmt hatte.

»Schau nur den Kerl, den Eulenburg,« flüsterte Leonie, »er wird sie umbringen.«

»Eulenburg?!« Konrads Gesicht verfinsterte sich. Ihm gegenüber saß er und hielt die kranke Lia auf dem Schoß, ihr ein großes Glas Sekt in den offenen Mund schüttend.

»Du, Konrad –« gröhlte er, »stell dir vor: für jeden Kuß verlangt dieser Fratz ein blankes Goldstück. Merk dir's, mein Junge, und tausch' beizeiten deinen rosenroten Idealismus gegen ein Stück handfesten Erfolges ein.« Er setzte die Flasche an den Mund und trank in vollen Zügen. »Übrigens, Kinder, wozu der nicht alles gut ist! Die schönsten Beine und die schmachtendsten Augen erreichen nicht, was er erreicht! Nicht bloß so 'ne kleine Nachteule geht ihm auf den Leim –« Er schnalzte mit der Zunge und rülpste. Die anderen drängten sich um ihn.

»Raus mit der Sprache, Gevatter,« schrien sie durcheinander.

»Warum so zimperlich!« –

»Früh um viere ist keine Zote zotig genug –«

Konrad war weiß geworden, er wußte selbst nicht warum. Leonie ließ ihn nicht aus den Augen.

Eulenburg schüttelte sich vor Lachen, einen violetten Briefbogen, von großen, steilen Schriftzügen bedeckt, in der erhobenen Hand haltend. »Wißt ihr, was das ist, ihr Affen? Ne! –«

Konrad war aufgesprungen, sich mit beiden Händen zitternd auf den Tisch stützend. Eulenburg lallte, so daß nur die allernächsten ihn noch verstanden: »Zwischen Knackmandeln und – und Kaffee – hab' ich heut – heut – die – die schönste Frau von Berlin –«

Mit einem raschen Griff entriß ihm Konrad den Zettel: »Mein Dichter ... Deine Renetta ...« er brüllte auf wie ein zu Tode Getroffener, und stürzte sich auf den Rivalen.

Eulenburg starrte ihn an, verständnislos, mit gläsernen Augen, – sah zwei Fäuste – duckte sich heulend –

Mit einer Kraft, die niemand dem Mädchen zugetraut hätte, riß Leonie den Wütenden auf den Stuhl zurück.

»Haltung!« zischte sie dicht an seinem Ohr, »um so ein Weibsstück Mord und Totschlag?!«

Und zu den andern sagte sie laut: »Ihr seid alle miteinander besoffen! Schert euch nach Hause!«

Sie senkten wie geschlagene Hunde die Köpfe.

Langsam, als wäre nichts geschehen, versuchte Konrad sich eine Zigarette anzuzünden, doch seine Finger zitterten zu sehr. Da hielt ihm Leonie das brennende Streichholz hin. Die Zigarette glühte auf; gleich darauf zerfiel ein Stück violetten Papiers in Asche.

»Aus,« sagte Konrad mit fester Stimme, und, zu Leonie gewandt: »Was meinst du, wenn wir morgen, beide zusammen, Frau Berolina und der dummen Liebe den Rücken kehrten?«

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