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Leben und Schicksale des Nicolaus Nickleby und seiner Familie. I. Band

Charles Dickens: Leben und Schicksale des Nicolaus Nickleby und seiner Familie. I. Band - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorCharles Dickens
titleLeben und Schicksale des Nicolaus Nickleby und seiner Familie. I. Band
publisherGutenberg-Verlag
seriesDickens Werke
editorDr. Paul Th. Hoffmann
year1926
firstpub1855
translatorCarl Kolb
correctorhille@abc.de
secondcorrectorreuters@abc.de
modyfied20140612
senderwww.gaga.net
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21. Kapitel

Madame Mantalini gerät in eine schwierige Lage, und Kate verliert dadurch ihre Stellung.

Die ausgestandene Aufregung machte es Kate Nickleby drei Tage lang unmöglich, ihre Geschäfte in dem Hause der Putzmacherin wiederaufzunehmen. Erst am vierten verfügte sie sich zur gewohnten Stunde mit widerstrebenden Schritten nach dem Tempel der Mode, in dem Madame Mantalini als unbeschränkte Herrscherin thronte.

Miss Knags feindselige Gesinnung hatte in der Zwischenzeit offenbar nichts an Gift verloren, denn die jungen Damen vermieden geflissentlich jede Gemeinschaft mit ihrer so schwer beschuldigten Mitarbeiterin, und auch die musterhafte alte Jungfer, die einige Minuten nach ihr anlangte, gab sich keine Mühe, das Mißvergnügen zu verhehlen, mit dem sie ihre Wiederkehr begrüßte.

»Ich hätte wirklich gedacht«, sagte sie, als sich die getreuen Satelliten um sie scharten, um ihr Hut und Schal abzunehmen, »ich hätte wirklich gedacht, gewisse Leute besäßen Einsicht genug, überhaupt ganz wegzubleiben, wenn sie schon wissen, wie sehr ihre Gegenwart rechtlich gesinnten Personen zur Last fällt. Aber es ist eben eine seltsame Welt heutzutage«, seufzte sie, tief ergriffen von der Verderbtheit des menschlichen Herzens; »oh, eine seltsame Welt!«

Die Näherinnen säumten natürlich nicht, das entsprechende Echo zu diesem Seufzer zu bilden, und Miss Knag schickte sich augenscheinlich gerade an, noch einige weitere moralische Betrachtungen zum besten zu geben, als Madame Mantalini Kate durch das Sprachrohr aufforderte, hinaufzukommen und ihr im Ankleidezimmer an die Hand zu gehen, eine Auszeichnung, die Miss Knag veranlaßte, den Kopf in die Höhe zu werfen und sich so stark in die Lippen zu beißen, daß der Fluß ihrer Rede vorläufig vollständig stockte.

»Nun, mein liebes Kind«, begann Madame Mantalini, als Kate sich vorstellte, »sind Sie wieder ganz wohl?«

»Es geht mir bereits viel besser, Madame«, antwortete Kate; »ich danke.«

»Ich wünschte, ich könnte das gleiche von mir sagen«, bemerkte Madame Mantalini und ließ sich anscheinend sehr erschöpft auf einen Stuhl nieder.

»Sind Sie krank?« fragte Kate besorgt. »Das täte mir ungemein leid.«

»Nicht gerade krank, aber bekümmert, mein Kind – sehr bekümmert.«

»Da bedauere ich nur um so mehr«, versetzte Kate zartfühlend; »körperliche Leiden lassen sich leichter ertragen als seelische.«

»Ja, und noch leichter ist es, davon zu sprechen, als sich dem einen oder dem andern zu unterziehen«, erwiderte Madame und rieb sich empfindlich die Nase. »Aber – gehen Sie jetzt an Ihre Arbeit und bringen Sie die Sachen hier in Ordnung.«

Noch während Kate verwundert nachsann, was wohl diese Symptome einer so ungewöhnlichen Gereiztheit zu bedeuten hätten, schob Mr. Mantalini die Spitzen seines Backenbartes und allmählich den ganzen Kopf durch die halboffene Türe herein und rief mit sentimentaler Stimme:

»Ist mein Leben und meine Seele hier?«

»Nein«, versetzte Madame.

»Wie kann sie so sprechen, wenn sie im Vorderzimmer wie eine kleine Rose in einem verteufelt hübschen Blumentopf blüht? Darf ihr Püppchen hereinkommen und mit ihr sprechen?«

»Nein, durchaus nicht«, erwiderte Madame, »du weißt, daß ich dich hier nicht brauchen kann. Geh nur lieber wieder.«

Aber das Püppchen, vielleicht durch den milden Ton ermutigt, wagte sich aufzulehnen, stahl sich auf den Zehenspitzen ins Zimmer und warf Madame beim Nähertreten Kußhändchen zu.

»Warum will sie sich ungebärdig stellen und ihr süßes Gesichtchen wie ein verteufelter Nußknacker verziehen?« schmeichelte Mantalini, schlang seine Arme um die Taille seines Lebens und seiner Seele und zog sie an sich.

»Ach, du bist unausstehlich«, schmollte die Schneiderin.

»Wie? – Ich? – Unausstehlich?« rief Mantalini. »Possen, Possen, das kann nicht sein. Kein lebendes Weib könnte mir so etwas ins Gesicht sagen – ja, geradezu ins Gesicht sagen.«

Dabei streichelte Mr. Mantalini sein Kinn und betrachtete sich voll Selbstgefälligkeit in einem Wandspiegel.

»Eine solche alle Grenzen überschreitende Verschwendung!« schalt Madame mit leiser Stimme.

»Alles nur in der Freude, ein so liebenswürdiges Wesen, eine solche kleine Venus, eine solche verteufelt bezaubernde, behexende, hinreißende kleine Venus gewonnen zu haben«, säuselte Mantalini.

»Bedenke doch nur, in welche Lage du mich versetzt hast!«

»Meinem Herzchen kann und soll kein Leid widerfahren«, tröstete Mr. Mantalini. »Es ist alles vorüber und die ganze Sache bereits in Ordnung gebracht. Geld wird bald wieder da sein, und wenn es nicht geschwind genug eingeht, so muß der alte Nickleby eben dran glauben. Ich schneide ihm den Hals ab, wenn er es wagt, meine kleine –«

»Pst«, fiel Madame leise ein, »siehst du nicht?«

Mr. Mantalini, der vor Eifer, sich mit seiner Gattin auszusöhnen, bisher Miss Nickleby ganz übersehen oder sich wenigstens so gestellt hatte, legte sofort den Finger an die Lippen und dämpfte seine Stimme noch mehr. Die beiden flüsterten dann lange miteinander, und Madame Mantalini schien öfter als einmal auf gewisse Schulden anzuspielen, die er vor ihrer Verheiratung eingegangen war, und auf die unerwarteten Geldauslagen zur Befriedigung dieser Verbindlichkeiten und außerdem auf seine liebenswürdigen Schwächen, als da waren: Spiel, Verschwendung, Müßiggang, Liebhaberei für Pferde und dergleichen – Anklagen, die Mr. Mantalini je nach ihrer Wichtigkeit jedesmal durch einen oder mehrere Küsse beschwichtigte. Das Ende vom Lied war, wie gewöhnlich, daß Madame Mantalini von ihrem Gatten ganz berückt wurde und mit ihm zum Schluß die Stiege hinauf zum Frühstück ging.

Kate beschäftigte sich inzwischen mit ihrer Arbeit und stellte schweigend die verschiedenen Putzartikel mit Aufgebot ihres ganzen Geschmacks zusammen, als sie plötzlich durch eine rauhe Stimme heftig erschreckt wurde. Ihre Bestürzung steigerte sich noch, als sie, rasch sich umdrehend, wahrnahm, daß sich ein weißer Hut, ein rotes Halstuch, ein breites rundes Gesicht, ein großer Kopf und ein Teil eines grünen Rockes bereits im Zimmer befanden.

»Erschröcken S' nöt, Fräul'n«, sagte der Eigentümer aller dieser Einzelheiten. »Nöt wahr, hier is des Putzg'schäft?«

»Ja«, antwortete Kate ängstlich. »Was wünschen Sie?«

Der Fremde antwortete nicht, warf einen Blick in den Gang zurück, als ob er irgendeiner noch nicht sichtbaren Person winke, und trat dann höchst bedächtig ins Zimmer, wobei ihm ein kleiner, braun und äußerst schäbig angezogener Mann, der eine ganze Atmosphäre von Bauernknaster und frischem Zwiebelduft mit hereinbrachte, folgte. Die Kleider dieses Herrn hingen voll Fuppen, und seine Schuhe, Strümpfe und Beinkleider waren bis hinauf zu den Knöpfen seines Fracks mit Kot bespritzt, trotzdem seit wenigstens vierzehn Tagen überall das schönste Wetter herrschte.

Kates erster Gedanke war, daß diese vertrauenerweckenden Gestalten in der Absicht gekommen seien, sich widerrechtlicherweise in den Besitz ein oder des andern tragbaren Artikels, der ihnen gerade passen würde, zu setzen. Sie machte auch weiter kein Hehl aus ihren Besorgnissen und wandte sich fluchtartig zur Türe.

»Warten S' a bissel«, sagte der Mann in dem grünen Rock, drehte leise den Schlüssel um und stellte sich mit dem Rücken vor den Ausgang, »'s is freilich a unangenehmes G'schäft – aber wo is der Keleph?«

»Was – was meinten Sie?« fragte Kate zitternd, denn sie dachte, »Keleph« könnte ein Kunstausdruck in der Spitzbubensprache für Uhr oder Geld sein.

»Der Montilini«, erklärte der Mann. »Wos is mit eahm? Is er z' Haus?«

»Er ist oben, glaube ich«, antwortete Kate, durch die Frage ein wenig beruhigt. »Wünschen Sie ihn zu sprechen?«

»Dös muß justament net grad sein«, entgegnete der Fremde, »wann er uns damit an G'fallen z' tun glaubt. S' können eahm aber die Karten da geben und eahm sagen, wann er mich sprechen und sich a Unannehmlichkeit dersparen will, so bin i hier; weiter braucht's nix.«

Mit diesen Worten überreichte der Gentleman Kate eine dicke viereckige Karte und bemerkte dann zu seinem Freund mit Kennermiene, »daß die Zimmer eine hübsche Höhe hätten«, worin ihm dieser voll beipflichtete und erläuternd hinzusetzte, »ein kleiner Junge könne darin ruhig zum Manne aufwachsen, ohne je mit dem Kopf an die Decke zu stoßen«.

Kate zog die Klingel, um Madame Mantalini herbeizurufen, warf dann einen Blick auf die Karte und las darauf den Namen »Scaley« nebst einigen andern Andeutungen, die sie sich noch nicht ganz klar gemacht hatte, als Mr. Scaley in eigener Person wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich zog, indem er auf einen der Toilettenspiegel losging und mit seinem Stock ganz kaltblütig daraufhämmerte. »A fester Scherben, Tix«, sagte er dann bedeutungsvoll zu seinem Freund.

»Hm«, meinte Mr. Tix, befühlte mit seiner schmierigen Pfote ein Stück blaues Seidenzeug und ließ den Abdruck seiner Finger darauf zurück, »und der Artikel da war a nöt umasunst.«

Von dem Seidenstoff verpflanzte Mr. Tix seine Bewunderung auf einige elegante Putzartikel, während Mr. Scaley in Seelenruhe sein Halstuch vor dem Spiegel zurechtrückte. Er war noch ganz in dieses Geschäft vertieft, als Madame Mantalini ins Zimmer trat und ihn durch einen Ausruf des Erstaunens aus seiner Beschaulichkeit erweckte.

»Aha, dös is 'leicht die Frau?« fragte Scaley.

»Es ist Madame Mantalini«, erklärte Kate.

»Nun«, brummte Mr. Scaley, holte ein Dokument aus seiner Tasche und entfaltete es höchst bedachtsam, »i hab da an Exekutionsbefehl, und wann's net genehm is zu bezahlen, so wollen mir mit Ihner gütigen Bewilligung a Infentar aufnehmen.«

Die arme Madame Mantalini schlug entsetzt die Hände zusammen, klingelte ihrem Manne und sank sodann ohnmächtig in einen Stuhl. Die beiden Amtspersonen ließen sich jedoch durch dieses Ereignis nicht im mindesten anfechten; Mr. Scaley lehnte sich an ein Gestell, an dem ein schönes Damenkleid hing, wobei seine Schultern fast ebensoweit darüber hervorragten, wie es wahrscheinlich bei den Schultern der Dame der Fall gewesen sein würde, für die das Kleid bestimmt war, schob seinen Hut auf die Seite und kratzte sich voll Seelenruhe am Kopf, während sein Freund, Mr. Tix, die Gelegenheit wahrnahm, sich, ehe er zu dem eigentlichen Geschäft überging, einen vorläufigen Überblick im Zimmer zu verschaffen, und zu diesem Zweck, sein Inventarbuch unter dem Arm und den Hut in der Hand, im Geiste jeden Gegenstand, der in seinem Gesichtskreis lag, taxierte.

So lagen die Dinge, als Mr. Mantalini hereinstürzte. Da der Treffliche in den Tagen seiner Junggesellenwirtschaft gar oft in Berührung mit Herren von Mr. Scaleys Beruf gekommen war, schien er sich über dessen Vorgehen nicht im mindesten zu wundern, sondern zuckte bloß die Achseln, begrub die Hände tief in seinen Taschen, zog die Augenbrauen in die Höhe, pfiff ein paar Takte, ließ ein paar Flüche vernehmen, warf sich dann auf einen Stuhl und machte überhaupt mit vielem Anstand und großer Fassung die beste Miene zu der Sache.

»Was beträgt die verteufelte Totalsumme?« war seine erste Frage.

»Fünfzehnhundert und siebenundzwanzig Pfund, vier Schillinge, neun Pence und einen halben Penny«, antwortete Mr. Scaley, ohne ein Glied zu rühren.

»Hol der Teufel den halben Penny«, sagte Mr. Mantalini ungeduldig.

»Hab nix dagegen, wann Sie's wünschen«, brummte Mr. Scaley; »meinetwegen auch die neun Pence.«

»Uns is's wurst, wenn auch die fünfzehnhundert und siebenundzwanzig Pfund denselben Weg fahren«, meinte Mr. Tix.

»Ganz wurscht«, bestätigte Scaley.

»Nun und«, fuhr er nach einer Pause fort, »was soll jetzt g'schehen, he? Is's nur a kleiner Riß oder a totaler Einsturz? Was – a glatter Umschmiß? Auch recht. Nun, dann, Tom Tix, dann müssen Euer Wohlgeboren Ihnern Engel von Frau und Ihre ganze liebenswürdige Famülle benachrichtigen, daß Sie die nächsten drei Nächt nöt z' Haus kommen können, weil Sie so lange hier zu tun haben werden. Wozu greift sich denn die Damö so gewaltig an?« fuhr Mr. Scaley fort, als er Madame Mantalini schluchzen hörte. »I' wett' über die Hälft von dem, was hier is, sin S' eh noch scharf. Was für a Trost muß dös für Ihnere Gefühle sein.«

Mit diesen Bemerkungen, die ebenso spaßhaft klangen, wie sie trostreich für Madame Mantalini sein sollten, schickte sich Mr. Scaley an, das Inventar aufzunehmen, in welch delikatem Geschäft er sich durch den ungewöhnlichen Takt und die vieljährige Erfahrung Mr. Tix' alsbald unterstützt sah.

»Meine Glückseligkeitsbecher-Versüßerin«, säuselte Mr. Mantalini nach einer Weile und näherte sich mit reuiger Miene seiner Gattin, »willst du mich zwei Minuten anhören?«

»Geh mir aus den Augen!« schluchzte die Schneiderin. »Ist es nicht genug, daß du mich zugrunde gerichtet hast!?«

Mr. Mantalini, der vorher ohne Zweifel seine Rolle wohl überlegt hatte, vernahm kaum diese Worte, die im Tone heftigsten Schmerzes und unerbittlicher Strenge ausgesprochen wurden, als er ein paar Schritte zurückprallte, die Miene höchster Verzweiflung annahm und ungestüm aus dem Zimmer stürzte. Gleich nachher hörte man ihn die Türe des Besuchszimmers im zweiten Stock mit großer Heftigkeit zuschlagen.

»Miss Nickleby!« schrie Madame Mantalini auf, als dies Geräusch ihr Ohr traf. »Eilen Sie um Gottes willen; er will sich ein Leid antun. Ich bin unfreundlich gegen ihn gewesen, und das kann er von mir nicht ertragen! Alfred! O mein geliebter Alfred!«

Im Nu eilte sie die Treppe hinauf, gefolgt von Kate, die, wenn sie auch die Besorgnisse der zärtlichen Gattin nicht ganz teilte, immerhin stark beunruhigt war. Die Zimmertür flog auf, und vor ihnen stand Mr. Mantalini, Haar und Backenbart zerrauft, den Hemdkragen symmetrisch zurückgeschlagen und ein Tischmesser auf einem Streichriemen schärfend.

»Ha«, rief er, »alles vereitelt!« Und blitzschnell wanderte das Tischmesser in seine Schlafrocktasche.

»Alfred!« schrie Madame Mantalini und umschlang ihren Gatten; »ich habe es doch nicht so bös gemeint – ich habe es nicht so bös gemeint!«

»Zugrunde gerichtet!« stöhnte Mr. Mantalini. »Ich habe Verderben über das beste und reinste Wesen gebracht, das je einen verteufelten Vagabunden beglückte! Zum Teufel! Laß mich – laß mich!«

Und in der Höhe seines Rasens griff Mr. Mantalini wieder nach seinem Messer, wurde aber von seiner Gattin zurückgehalten. Dann versuchte er, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, blieb aber wohlweislich wenigstens sechs Fuß davor stehen.

»Fasse dich, mein Engel«, jammerte Madame. »Wir können niemand die Schuld geben. Ich bin ebensosehr schuld daran wie du. Es werden schon wieder bessere Tage kommen. Beruhige dich, Alfred, beruhige dich.«

Mr. Mantalini hielt es jedoch nicht für passend, sich sogleich wieder zu beruhigen, sondern rief erst mehrere Male nach Gift und stellte das Ansinnen, irgendein Herr oder eine Dame möge ihm das Gehirn aus dem Kopfe schlagen. Dann erst gewannen sanftere Gefühle bei ihm die Oberhand, und er begann auf ergreifende Weise zu weinen. In dieser besänftigten Gemütsstimmung hatte er natürlich nichts dagegen, daß man ihm das Messer nahm – und sehr mit Recht, denn ein Tischmesser ist ein unbequemer und gefährlicher Artikel für eine linnene Schlafrocktasche. Schließlich ließ er sich sogar von seiner zärtlich bewegten Gattin widerstandslos fortführen.

Einige Stunden später wurde den jungen Damen eröffnet, sie seien ihrer Dienste bis auf weiteres enthoben, und nach zwei Tagen prangte der Name Mantalini auf der Konkursliste. Miss Nickleby erhielt außerdem noch am selben Morgen ein Schreiben des Inhalts, daß das Geschäft in Hinkunft unter dem Namen

»Miss Knag« fortgeführt würde und ihre Dienste daher nicht weiter vonnöten seien.

Mrs. Nickleby hatte dies kaum erfahren, als sie sogleich erklärte, sie habe etwas Derartiges längst vorausgesehen; sie säumte auch nicht, verschiedene unbekannte Anlässe namhaft zu machen, bei denen sie gleichfalls richtig prophezeit hätte.

»Und ich sage es noch einmal«, ging ihr Redefluß weiter, »– ich sage es noch einmal, Kate, das Geschäft einer Putz- und Kleidermacherin ist das allerletzte, zu dem du dich hättest entschließen sollen. Ich will dir keinen Vorwurf machen, mein Kind, aber ich muß wiederholen, wenn du deine Mutter um Rat gefragt haben würdest –«

»Gut, gut, Mama«, sagte Kate sanft; »aber was rätst du mir jetzt?«

»Raten?!« rief Mrs. Nickleby. »Liegt es nicht klar auf der Hand, mein Kind, daß von allen Beschäftigungen der Welt die einer Gesellschafterin bei einer liebenswürdigen Dame gerade diejenige ist, für die du dich angesichts deiner Erziehung, deiner Manieren, deines Äußeren und alles sonstigen am allerbesten eignest? Hast du deinen armen seligen Vater nie von der jungen Dame sprechen hören – einer Tochter der alten Dame, die in dem Haus, wo er als Junggeselle seinen Mittagstisch einnahm, die Kost besorgte? – Ach, wie hieß sie doch nur. Ich weiß, ihr Name fing mit einem B an und endigte mit einem g –. Ich glaube, sie hieß Waters. – Nein, so kann es doch nicht gewesen sein. Aber wie sie auch geheißen haben mag – weißt du nicht, daß diese junge Dame als Gesellschafterin zu einer verheirateten Dame kam, die bald nachher starb? Sie heiratete dann den Witwer und bekam einen der schönsten kleinen Knaben, den je eine Hebamme auf den Armen trug – und alles das in dem Zeitraume von nur achtzehn Monaten!«

Kate begriff sofort, daß dieser Strom von belegenden Rückerinnerungen durch irgendeine wirkliche oder eingebildete Aussicht entfesselt sein mußte, die sich ihrer Mutter hinsichtlich einer solchen Laufbahn offenbar erst vor kurzem eröffnet hatte. Sie wartete daher geduldig, bis alle Reminiszenzen und Histörchen – die zur Sache gehörten oder auch nicht – erschöpft waren, und wagte dann endlich die Frage, ob ihrer Mama hinsichtlich etwas Derartigem vielleicht Näheres zu Ohren gekommen sei. Die Wahrheit stellte sich auch sogleich heraus. Mrs. Nickleby hatte am selben Morgen das gestrige Blatt einer Zeitung gelesen, in dem durch eine im reinsten und grammatikalisch richtigsten Englisch geschriebene Annonce angezeigt wurde, eine verheiratete Dame suche eine gebildete junge Person als Gesellschafterin, und die Adresse der besagten Dame sei in einer gewissen Leihbibliothek in Westend zu erfragen.

»Und ich sage dir«, rief Mrs. Nickleby und legte die Zeitung triumphierend nieder, »es ist sicher der Mühe wert, den Versuch zu machen, natürlich wenn dein Onkel nichts dagegen einzuwenden hat.«

Kate hatte infolge der herben Erfahrungen, die sie bereits gemacht, viel zuviel Herzweh und kümmerte sich auch vorderhand zu wenig um das, was ihr das Schicksal noch zugedacht haben mochte, als daß sie sich eine Einwendung erlaubt hätte. Mr. Ralph Nickleby erhob gleichfalls keinen Widerspruch, sondern ließ im Gegenteil dieser Absicht seinen unverhohlenen Beifall zuteil werden; auch schien ihm, wie sich aus seinem Benehmen zeigte, Madame Mantalinis plötzlicher Bankrott nicht besonders unerwartet gekommen zu sein – es wäre auch recht sonderbar gewesen, da hauptsächlich er es war, der ihn herbeigeführt hatte. Die Adresse wurde daher unverzüglich erfragt, und Kate machte sich mit ihrer Mutter noch am selben Vormittag auf den Weg, um Mrs. Wititterly, Cadogan Place, Sloane Street, aufzusuchen.

Cadogan Place ist das einzige physische Band zwischen zwei großen Extremen, sozusagen das Mittelglied zwischen dem aristokratischen Boden von Bel-Grave-Square und dem plebejischen von Chelsea. Er stößt an die Sloane Street, ohne natürlich dazu zu gehören. Die Bewohner von Cadogan Place blicken auf die der Sloane Street herab und halten Brompton für gemein. Sie sind fashionabel und wissen absolut nichts von New Road. Sie stehen zwar nicht auf gleicher Höhe mit Bel Grave Square und Grosvenor Place, aber doch in einem gewissen Verhältnis dazu, ungefähr wie uneheliche Kinder großer Herren sich mit ihren Verwandten brüsten, wenn sie von ihnen auch nicht anerkannt werden. Die Bewohner von Cadogan Place geben sich nach Möglichkeit das Ansehen von vornehmen Leuten, obgleich sie in Wirklichkeit nur der Mittelklasse angehören. Sie bilden gleichsam den Konduktor, der den Bewohnern der jenseitigen Bezirke den elektrischen Strom des Geburts- und Rangstolzes mitteilt, den sie wohl nicht selber besitzen, aber doch von einer verwandten Hauptquelle ableiten – oder mit anderen Worten, sie gleichen dem Bande, das die siamesischen Zwillinge vereinigt und das etwas von dem Leben und der Wesenheit zweier verschiedener Körper enthält, ohne dem einen oder dem anderen wirklich anzugehören.

Auf diesem neutralen Boden wohnte nun Mrs. Wititterly, und an Mrs. Wititterlys Tür klopfte Kate Nickleby mit zitternder Hand. Ein vierschrötiger Bedienter, den Kopf mit Mehl, Kreide oder etwas Ähnlichem, denn echter Puder war es bestimmt nicht, bestreut, öffnete, nahm ihr die Karte ab und gab sie einem winzigen Pagen, der so klein war, daß sein Rock die Anzahl der Knöpfe, die unerläßlich zu dem Kostüm des Pagen gehören, in der gewöhnlichen Anordnung nicht fassen konnte, weshalb sie zu viert nebeneinander genäht worden waren. Das Zwerglein trug die Karte gehorsam auf einem Präsentierteller die Treppe hinauf, und Kate und Mrs. Nickleby wurden bis zu seiner Zurückkehr in ein Speisezimmer gewiesen, das einen so schmutzigen, schäbigen und unbehaglichen Eindruck machte, daß es für alles andere eher als für das Essen und Trinken zu passen schien.

Dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zufolge und nach allem, was man in glaubwürdigen Büchern über das Treiben der vornehmen Gesellschaft findet, hätte Mrs. Wititterly in einem Boudoir sitzen sollen. Mochte indes vielleicht Mr. Wititterly sich dort gerade rasieren oder sonst eine ähnliche Ursache zugrunde liegen – eins ist gewiß: Mrs. Wititterly gab diesmal in ihrem Besuchszimmer Audienz, wo die ganze Ausstattung, mit Einschluß der rosa Fenstervorhänge und dito Möbelüberzüge, harmonisch zusammenwirkte, um ein delikates Rot auf das Antlitz der Gnädigen zu gießen. Ein kleiner Hund, der, wenn seine Herrin Erheiterung brauchte, Fremden nach den Beinen schnappte, und der erwähnte Zwergpage, um zur Erfrischung sofort Schokolade präsentieren zu können, vervollständigten das schöne Bild.

Mrs. Wititterly hatte ein süßlich schmachtendes, interessant blasses Gesicht – sie war, wie das ganze Möblement und überhaupt alles im Hause, entschieden verblichen. Mit so überaus uneinstudierter Haltung lag sie auf ihrem Sofa hingegossen, daß man sie beinahe für eine Ballettänzerin hätte halten können, die nur noch auf das Aufgehen des Vorhangs wartet.

»Stühle, Alphons!«

Der Page rückte zwei Sessel heran.

»Verlaß das Zimmer, Alphons!«

Der Page trat ab. Wenn es aber je einen Alphons gab, dem der »Stoffel« auf der Stirn geschrieben stand, so war es dieser Jüngling.

»Ich nahm mir die Freiheit, bei Ihnen vorzusprechen, Madam«, begann Kate nach einer kurzen unbehaglichen Pause, »da ich Ihre Annonce gelesen habe.«

»Ja-a?« versetzte Mrs. Wititterly. »Einer meiner Leute setzte es in die Zeitung. – Ja-a.«

»Ich hoffe«, fuhr Kate schüchtern fort, »Sie werden, wenn Sie bereits eine Wahl getroffen haben sollten, die Störung verzeihen-«

»Ja«, entgegnete Mrs. Wititterly wieder sehr vornehm gedehnt.

»Wenn Sie bereits versehen sind –«

»O Gott, nein«, fiel Madame ein. »Ich bin nicht so leicht zufriedengestellt. Wie soll ich nur sagen – Sie sind früher nie Gesellschafterin gewesen – oder?«

Mrs. Nickleby, die begierig auf die Gelegenheit gelauert hatte, zu Worte zu kommen, riß sofort gewandt die Rede an sich, ehe Kate noch antworten konnte.

»Nicht bei Fremden, Madam«, erklärte sie, »aber sie ist seit Jahren meine Gesellschafterin gewesen. Ich bin ihre Mutter, Madam.«

»Ah«, sagte Mrs. Wititterly müde, »ich begreife«.

»Ich versichere Ihnen, Madam, es gab eine Zeit, wo ich es mir nicht im entferntesten hätte träumen lassen, daß ich einmal meine Tochter in die Welt würde hinausschicken müssen. Ihr armer Vater war nämlich ein gutsituierter Gentleman und würde es auch noch im gegenwärtigen Augenblick sein, hätte er nur rechtzeitig auf meine beharrlichen Bitten –«

»Liebe Mama!« bat Kate leise.

»Liebes Kind, wenn du mich doch aussprechen lassen wolltest!« remonstrierte Mrs. Nickleby. »Ich möchte mir nur die Freiheit nehmen, der Dame auseinanderzusetzen –«

»Ich meine, es ist unnötig, Mama.«

Und ungeachtet alles Stirnrunzelns und Zwinkerns, womit Mrs. Nickleby andeuten wollte, sie habe im Sinne, etwas zu sagen, was die Sache mit einem Male ins richtige Gleis bringen würde, beharrte Kate durch einen ausdrucksvollen Blick auf ihrer Ansicht und erstickte ihrer Mutter begonnene Tiraden im Keime.

»Was haben Sie gelernt?« fragte Mrs. Wititterly mit geschlossenen Augen.

Kate zählte errötend ihre hauptsächlichen Kenntnisse her, und Mrs. Nickleby rechnete ihr eine nach der anderen an den Fingern nach. Glücklicherweise wurde nichts ausgelassen, und so hatte Mrs. Nickleby keinen Anlaß, sich einzumischen.

»Haben Sie ein verträgliches Temperament?« fragte Mrs. Wititterly weiter und schlug die Lider für einen Augenblick auf, um sie dann sofort wieder zu schließen.

»Ich hoffe.«

»Sind Sie auch mit guten Empfehlungen versehen?«

Kate bejahte und legte die Karte ihres Onkels auf den Tisch.

»Haben Sie die Güte, Ihren Stuhl ein wenig näher zu rücken, damit ich Ihr Gesicht besser sehen kann«, sagte Mrs. Wititterly.

»Ich bin sehr kurzsichtig und kann daher Ihre Züge nicht genau unterscheiden.«

Nicht ohne eine gewisse Verlegenheit kam Kate dieser Aufforderung nach, und Mrs. Wititterly musterte mit abgespannter Miene ihr Gesicht einige Minuten lang.

»Ihr Äußeres gefällt mir«, sagte sie dann müde und schellte mit einer kleinen Glocke. »Alphons, ersuche deinen Herrn, er möge einen Augenblick hereinkommen.«

Gehorsam entfernte sich der Page, und nach ein paar Minuten, während deren von beiden Seiten nicht ein Wort gesprochen wurde, trat ein wichtigtuender Gentleman von ungefähr achtunddreißig Jahren mit ziemlich plebejischen Zügen und sehr lichten Haaren ein, beugte sich eine Weile über Mrs. Wititterly und unterhielt sich flüsternd mit ihr.

»So – ja!« sagte er dann laut und wandte sich um. »Hem – das ist eine höchst wichtige Angelegenheit. Mrs. Wititterly ist äußerst reizbarer Natur, ungemein nervös und zart – eine Treibhauspflanze, eine exotische Blume.«

»Ach, lieber Henry!« fiel Mrs. Wititterly ein.

»Du bist es, meine Liebe, du weißt – du bist es. Ein Hauch« – erklärte Mr. Wititterly und spitzte die Lippen, als blase er eine Feder weg – »puh! und du bist nicht mehr. – Deine Seele ist zu groß für deinen Körper. Dein hochfliegender Geist reibt dich auf. Du weißt, es gibt keinen Arzt, der nicht stolz darauf wäre, zu dir gerufen zu werden. Und wie lautete das Parere? ›Mein lieber Doktor‹, fragte ich erst kürzlich in diesem Zimmer Sir Tumley Snuffin bei seinem letzten Besuch, ›mein lieber Doktor, was fehlt meiner Gattin? Sagen Sie mir alles, ich bin auf das Schlimmste gefaßt. Sind es die Nerven?‹ ›Mein lieber Freund‹, erwiderte er mir, ›Sie dürfen stolz sein auf Ihre Gemahlin. Halten Sie sie hoch in Ehren; sie ist eine Zierde für die fashionable Welt und für Sie. Ihre ganze Krankheit wurzelt in ihrem hochfliegenden Geist. Er schwillt, er dehnt sich aus, er entfaltet seine Schwingen – das Blut entzündet sich, die Pulse fliegen rascher, die Erregung steigert sich‹ – puh.«

Mr. Wititterly hatte im Feuer seiner Rede mit der rechten Hand in der Luft herumgefuchtelt und war dabei Mrs. Nicklebys Hut bedrohlich nahe gekommen; er hielt daher hastig inne und blies dann seine Nüstern so gewaltig auf, als arbeite in seinem Innern eine mächtige Maschinerie.

»Du machst mich immer schwächer, als ich bin, Henry«, seufzte Mrs. Wititterly.

»Nein, Julia – nein, gewiß nicht«, beteuerte Mr. Wititterly. »Die Gesellschaft, in der du dich bewegst und um deiner Stellung, deiner Familie und deiner hohen Talente willen notwendigerweise bewegen mußt, ist ein unablässiger Strudel und Wirbel der furchtbarsten Aufregung für dich. Erinnerst du dich noch des Abends, an dem du auf dem Wahlballe in Exeter mit dem Neffen des Baronets tanztest? Es war schrecklich!«

»Ich habe für solche Triumphe an den darauffolgenden Tagen schwer zu büßen«, seufzte Mrs. Wititterly.

»Eben deshalb mußt du eine Gesellschafterin haben, die mit Sanftmut, Zartheit und Sympathie nervenberuhigend auf dich wirkt.«

Sodann blickten Mr. und Mrs. Wititterly, die zu den Damen Nickleby wie zu einer Person gesprochen hatten, auf ihre beiden Zuhörerinnen mit einer Miene, die zu fragen schien, was diese von all dem hielten.

»Mrs. Wititterly«, wendete sich der Gatte zu Mrs. Nickleby, »wird in den glänzendsten Gesellschaften und von den ersten Kreisen allgemein gefeiert. Oper, Schauspiel, die schönen Künste, der – die – die –«

»Der Adel«, fiel Mrs. Wititterly ein.

»Natürlich, der Adel – Militär – äh – hm. Sie ist eine ungemein tiefe Denkerin und lebt in einer ungeheuren Mannigfaltigkeit von Ansichten über die diversesten Themen. Wenn gewisse Leute im öffentlichen Leben Mrs. Wititterlys wahre Meinung über sie kennten, würden sie wahrscheinlich den Kopf weniger hoch tragen, als sie es leider tun.«

»Henry!« verwies die Dame mild. »Sage das nicht.«

»Ich nenne doch keinen Namen, Julia! Ich erwähne den Umstand nur, um zu zeigen, daß du keine gewöhnliche Frau bist und daß bei dir eine ununterbrochene Reibung zwischen Seele und Körper vorgeht und du deshalb der allerzartesten Behandlung bedarfst. Aber lassen Sie mich jetzt hören, ruhig und unparteiisch, inwiefern diese junge Dame zu der Stelle befähigt ist.«

Abermals wurden die Eigenschaften Kates durchgegangen, wobei Mr. Wititterly allerlei recht überflüssige Zwischenfragen stellte; und schließlich einigte man sich dahin, daß er Erkundigungen einziehen und seinen Bescheid Miss Nickleby innerhalb zweier Tage unter der Adresse ihres Onkels wissen lassen wolle. Sodann begleitete der Page die beiden Damen bis zum Treppenfenster, wo sie der vierschrötige Bediente übernahm und ihnen das Tor öffnete.

»Das sind offenbar sehr vornehme Leute«, sagte Mrs. Nickleby und nahm den Arm ihrer Tochter. »Eine vortreffliche Dame, diese Mrs. Wititterly.«

»Meinst du, Mama?« war Kates ganze Antwort.

»Wie sollte ich nicht, liebes Kind. Sie ist doch so blaß und sieht sehr angegriffen aus! Ich will nicht hoffen, daß ihr Geist sie ganz aufzehrt, aber ich fürchte sehr um ihr Leben.«

Diese Gedanken führten die weitblickende Dame zu einer Berechnung von Mrs. Wititterlys mutmaßlicher Lebensdauer, wobei sie es nicht unterlassen konnte, die hohe Wahrscheinlichkeit zu erwägen, daß dereinst der trostlose Witwer ihrer Tochter Hand und Herz anbieten würde. Noch ehe sie zu Hause anlangte, hatte sie im Geiste bereits Mrs. Wititterlys Seele aller ihrer irdischen Schlacken entledigt, sah Kate schon glanzvoll nach St. Georges Hanover Square verheiratet und ließ nur noch die minder wichtige Frage unentschieden, ob eine prachtvolle Mahagonibettstelle für sie selbst in dem zwei Treppen hoch gelegenen Hinterzimmer nach Cadogan Place hinaus, oder in einem vorderen Zimmer des dritten Stockes aufgeschlagen werden sollte. Sie konnte jedoch nicht mit sich ins reine kommen, welches von beiden das vorteilhaftere sein dürfte, und machte daher ihrem Bedenken damit ein Ende, daß sie sich entschloß, die Entscheidung darüber gänzlich ihrem Schwiegersohn anheim zu stellen.

Die Erkundigungen seitens Mrs. Wititterly fielen – nicht gerade zu Kates besonderer Freude – günstig aus, und nach Ablauf einer Woche bereits übersiedelte sie mit all ihrer beweglichen Habe in Mrs. Wititterlys Haus.

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