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Leander

Hermann Bahr: Leander - Kapitel 9
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typefiction
authorHermann Bahr
titleLeander
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Wirkung in die Ferne

I

Ich hatte mich vor ein paar Jahren aus der Stadt in ein Jägerhaus geflüchtet, das, eine halbe Stunde von einem See, mitten im Walde gelegen war. Ich war ganz allein; den Jäger bekam ich oft tagelang nicht zu sehen und hatte nur mit einem trübsinnigen alten Weib zu tun, das ihm die Wirtschaft führte und mich mürrisch bediente. Meistens lag ich vor dem Hause, etwas seitwärts vom Wege, unter einem großen Baum, spielte mit den Hunden oder konnte auch stundenlang in einer merkwürdigen inneren Dämmerung, ohne eigentlich zu schlafen, doch träumend und wie in einem schweren Rausch von allerhand Gestalten seltsam wirr bedrängt, durch die Zweige hinauf ins Blaue sehen. Diesen Sommer begab es sich, daß es fast nie regnete, sondern eine Reihe der reinsten Tage war, nur zum Erdrücken heiß, so daß ich oft, im Schatten und ohne mich zu regen, von der bloßen Luft ganz müde und beängstigt wie auf einem langen Marsche wurde, so schwül und fast drohend war sie. Dann kroch ich wohl bisweilen zum See hin, badete, legte mich ins Boot, um zu trocknen, wo denn wieder das Blaue über mir war, sprang noch einmal ins Wasser, ließ mich auf dem Rücken treiben, wenn gegen Mittag sich der leise Wind erhob, und so verging mir in einem untätigen, doch manchmal geheimnisvoll erregten Zustande die Zeit. Da fiel mir eines Tages ein, einmal in die »Lucke« hinaufzusteigen. So heißt ein Geröll am Abhange des Berges, der sich hinter dem See erhebt. Unten ist der Berg bewaldet, oben beschneit, aber zwischen diesen zwei Zonen ist ein steiles Gebiet, anfangs noch mit Knieholz kümmerlich bewachsen, dann ganz öde, nur steinig. Sah ich nun vom Boote aus hinauf, so hatte, zwischen dem fast blauschimmernden Gipfel und dem tiefschwarzen Walde hinter dem See, gerade diese felsige Einöde, von der Sonne grell beschienen, einen großen Reiz für mich und nahm manchmal mit ihrer Wildnis einen fast bösen Zauber an, dem ich endlich nicht länger zu widerstehen mich eines Tages entschloß. Auch sollte von dort ein Steig hinüber zur grünen Alm führen, den ich suchen wollte, um den Ausblick ins andere Tal zu haben, das, viel freundlicher, sehr bewohnt, mit mehreren Dörfern und einigen Kirchen dem seit Wochen Einsamen, der Menschen Entwöhnten eine Abwechslung bieten konnte. Mühsam genug, manches Mal anhaltend, um zu verschnaufen, kletterte ich ohne rechten Weg, half mir dann rutschend an einem Stecken durchs Geröll und hatte nach zwei Stunden doch eine Stelle gewonnen, wo ich nun nach Herzenslust auf meinen stillen See herabsehen und mir ganz stolz vorkommen konnte. Nun dachte ich, wenn ich schon so weit war, es wäre gescheiter, gleich jenen Steig zu suchen, von dem man mir gesagt hatte, daß er zur Aussicht ins andere Tal führe. Ich fand ihn leicht, anfangs kaum ausgetreten, weiterhin gangbarer, hatte auch bald das schöne Bild zu genießen, ließ mich aber dann von einem Holzwege verlocken abzugehen, weil ich wissen wollte, wohin man da komme. Ich vermutete nämlich, so vielleicht um den ganzen Berg herum auf die andere Seite zu gelangen, wo mir dann nicht bang war, schon wieder einen Abstieg zur Lucke oder gleich zu meinem See herab zu finden. Ich hatte mich aber getäuscht oder merkte vielleicht nicht gut auf: kurz, auf einmal kannte ich mich gar nicht mehr aus und hatte die Richtung ganz verloren. Umkehren wollte ich nicht und hielt es für das beste, mich schnurgerade hinabzuwenden, wo ich ja doch irgendwo endlich ins Freie treten mußte und mich dann schon, nach irgendeinem Berge, den ich erkannte, zurechtfinden konnte. So rannte ich denn, schon ungeduldig, quer durch den Wald, nach einer Lichtung spähend, als ich mich auf einmal wieder auf einem Pfade fand und, ihn verfolgend, plötzlich mit einer scharfen Wendung auf eine Wiese geführt ward, die, rings von Tannen eingeschlossen, hell um eine kleine Holzhütte grünte. Was sollte ich nun tun? Wieder im Walde, wäre ich wieder ohne Richtung gewesen, und auf gut Glück so fortzugehen, dauerte mir allmählich doch schon zu lange. Vielleicht war aber in der Hütte jemand zu finden. Ich wollte mich nähern, da erblickte ich drüben, dort, wo mein Steig sich auf der anderen Seite wieder in den Wald verlor, vor einem Marterl eine Gestalt, einen alten Mann, wie es schien, der da kniete und betete, recht wie ein Eremit anzusehen, da er, wie ich näherkommend bemerkte, nicht nach der Art unserer Bauern gekleidet war, sondern eine schmutzige, lange Kutte trug, wie die Slowaken haben. Ich war aber nicht in der Laune, mir darüber erst Gedanken zu machen, sondern froh, mich erkundigen zu können, rief ich ihn schon von weitem an. Er erschrak, wandte sich heftig um, und sich mit beiden Händen an dem Stamm haltend, richtete er sich mühsam auf. Ich sah nun, indem ich mich winkend näherte, daß er sehr alt war und, mit dem struppigen weißen Bart, den unordentlichen, langen Haaren, ein verwildertes und schlimmes Aussehen hatte, das man nur nicht gefährlich nennen konnte, weil er doch ganz hinfällig, ausgezehrt und gebrechlich schien. Indessen hatte er mich erblickt, riß die Augen auf, als ob ich ein Gespenst gewesen wäre, und kehrte sich mit einer Gebärde des Entsetzens ab, so gut es seine versagenden Füße erlaubten, nach dem Walde rennend. Ich konnte mir das nicht erklären, hatte aber nicht Lust, noch ein paar Stunden herumzuirren, und so setzte ich ihm nach und holte ihn mit ein paar Sprüngen ein. Als ich bei ihm war, warf er sich platt auf die Erde und grub sich förmlich mit dem Kopfe ein, sich von hinten mit den Händen bedeckend. Ich mußte lachen, weil ich ihn gar nicht begriff, trat hinzu und sagte: »Aber Alter! Was habn S' denn? I tu Ihnen ja nix! Sie solln m'r bloß den Weg nach der grünen Alm zeign. Also gschwind!« Dabei berührte ich ihn leicht mit meinem Stecken. Er aber sprang jetzt auf, als ob er mir an die Kehle fahren wollte, aufs äußerste gereizt, keuchend und mit einem solchen Ausdruck von entschlossenem Zorn in den harten blauen Augen, daß ich unwillkürlich fester meinen Stecken ergriff, und so maßen wir uns einen Moment, aber dann, höchst betroffen, trat ich zurück, da ich ihn erkannte – ich wußte nur noch nicht gleich, wer es sein konnte, war aber sicher, ihn zu kennen. Und während ich noch nachdachte und mich, verwundert, ja erschrocken, nicht gleich fassen konnte, war er zu mir getreten, hob die gefalteten Hände flehentlich auf und schrie heiser: »Sie werden mich nicht verraten! Ich hab Ihnen doch nie etwas getan! Sie geht's ja gar nichts an, was kümmern denn Sie sich?« – »Aber Herr Sekretär«, sagte ich, denn nun wußte ich es auch schon, aber er ließ mich nicht reden, sondern am ganzen Körper zitternd, fuhr er fort, mich anzuflehen, daß ich ihm nichts tun sollte, und ich hatte die größte Mühe, ihm begreiflich zu machen, daß ich bloß den Weg zur Alm wissen wollte.

»Dort, dort!« schrie er, indem er mir die Richtung wies. »Aber gehn S' schon, gehen S'!« Und ich sah schon, daß mir nichts übrig blieb, als ihm nachzugeben, und kehrte mich ab, um den Weg zu betreten, den er mir gezeigt hatte. Kaum hatte ich aber, noch ganz verdutzt, ein paar Schritte gemacht, als ich hinter mir rufen hörte und, zurückblickend, ihn mir winken sah, der mir atemlos nachgehumpelt kam. Ich blieb stehen und erwartete ihn; er brauchte eine Zeit, um sprechen zu können, so erschöpft war er vom Laufen, und so erregt war er noch. Er hatte seine alte Hand auf meinen Arm gelegt, und ich fühlte, wie es ihm zuckend durch den ganzen Körper schlug. Ich war auch von der ganzen Szene noch so beklommen, daß ich nichts zu sagen wußte, sondern nur, um ihn zu beruhigen, gezwungen lachte: »Aber Herr Sekretär, was is Ihnen denn?« Endlich faßte er sich und sagte: »Entschuldigen Sie! Es is ja zu dumm von mir, Ihnen fallt das doch gewiß nicht ein, ich war nur früher so erschrocken, aber nicht wahr« – und er wurde wieder heftiger, und wieder drückte sein Blick jene fast drohende Angst aus – »nicht wahr, Sie gebn mir Ihr Ehrenwort? Sie müssen mir Ihr Ehrenwort geben!« – »Ja!« antwortete ich verlegen, um ihn nur zu beschwichtigen, »aber was denn? Ich weiß ja gar net, was Sie eigentlich wollen.« – »Ihr Ehrenwort?« wiederholte er noch einmal, fast wild, und wieder fühlte ich seine dürren Finger zittern. »Ja!« – »Daß Sie es keinem Menschen sagen, keinem Menschen auf der Welt! Das geht die Leute nix an, ich hab recht ghabt, jeder wehrt sich schließlich!« Ich sah auf, so seltsam war sein Ton. Er konnte es nicht aushalten, er blickte scheu weg. »Ihr Ehrenwort«, wiederholte er nur leise, bittend. Ich gab ihm meine Hand: »Mein Ehrenwort!« Er hielt meine Hand fest und sagte noch einmal: »Keinem Menschen auf der Welt!« Ich bestätigte: »Keinem Menschen!« – »Danke«, sagte er still, dumpf, tief aufatmend, und ließ mich los. In einem ganz anderen Tone fuhr er dann fort: »Gehn S' nur immer den Weg da fort und in einer halben Stunde sind Sie in der Grünen Alm. Aber niemand weiß dort meinen Namen, sondern die Leute sagen nur ›der Professor‹. Und Sie haben mir Ihr Ehrenwort gegeben!« Dabei sah er mich prüfend an und zögerte einen Moment, aber ich fühlte wohl, daß er mir noch etwas zu sagen hatte. Nach einigem Kampfe entschloß er sich endlich und setzte ganz einfach, beinahe grob hinzu, indem er mit dem Kopfe nach der Hütte auf der Wiese hinter uns zeigte: »Kommen S' nächstens zu mir! An einem Dienstag! Jetzt is' schon besser, wenn Sie es genau erfahren! An einem Dienstag!« – »Schön, abgemacht«, sagte ich kurz. Aber er wiederholte noch einmal, fast belustigt: »Aber an einem Dienstag!« Ich nickte nur und ging meinen Weg, fast froh, dem Alten zu entkommen, den ich mir gar nicht mehr erklären konnte. Als ich mich dann umschaute, stand er noch immer, vorgebeugt, blickte mir nach und legte nun den hageren Zeigefinger an den Mund, Schweigen gebietend, und so sah ich ihn, sooft ich mich umkehrte, wie eine Bildsäule des Schweigens stehen, bis mir ihn eine Wendung des Weges entzog, der nun rasch freier und breiter wurde und mich bald zur lieblichsten Matte brachte.

Ich war die letzte halbe Stunde gerannt, ohne irgend etwas zu denken, ganz wirr; Ermüdung, Staunen, Schrecken hatten mich ganz betäubt. Ich wollte nur fortkommen. Erst als ich in der grünen Alm saß, fing ich an, mich nach und nach zu erinnern, mir nach und nach alles zu reimen. Es fiel mir jetzt ein, daß ich voriges Jahr einmal über den Sekretär reden gehört hatte. Es hieß damals, er sei wunderlich erkrankt und von Anverwandten fortgebracht worden, und ich weiß noch, wie schmerzlich es mich damals berührte, daß ein ganzer Kreis, in dem ich Schönes erlebt hatte, vom Schicksal auf eine rauhe und schreckliche Weise gesprengt und zerrissen worden war. Aber ich hatte es damals bald vergessen, wie es schon in der großen Stadt geht, wo die Forderungen des Tages so mächtig sind. Nun aber kam ich tief ins Denken an jenen Kreis, an jene Zeit. Und indem ich langsam, nur von einem Träger begleitet, in mein Jägerhaus zurückkehrte, war ich von lieblichen Gestalten, guten Erinnerungen wunderbar umgeben.

Ich muß aber jetzt sagen, wer der Sekretär war und woher ich ihn kannte. Doch bleibe er ungenannt, seiner Leute wegen, die sich in angesehenen Stellungen befinden. Er heiße Christian.

II

Ich hatte den Sekretär in einem Hause kennengelernt, in dem ich eine Zeit viel verkehrte, um eines Mädchens willen, das mir sehr wert war. Das ist wohl ein etwas preziöses Wort, ich weiß aber kein anderes, um eine Neigung zu bezeichnen, die manchmal von Liebe gar nicht mehr weit entfernt, aber doch durch Achtung und eine gewisse Scheu gemildert, gebändigt war. Das ist so merkwürdig: wie ich es aussprechen will, kommt mir alles falsch und grob und unwahr vor, so zart und still und in keine Worte zu fassen war das Gefühl, das mich zu der jungen Dame wunderbar hinzog, ohne daß ich es mir selbst erklären konnte, indem ich wohl in der Ferne von ihr fast wie ein Liebender litt, aber sogleich, wie ich nur bei ihr eingetreten war, das dunkle Speisezimmer durchschritten hatte und nun in dem kleinen Gemach neben ihr saß, wo sie sich meistens am Fenster mit Zeichnen oder Sticken oder sonst einem kunstvollen Spiele beschäftigte, dann sogleich ganz ruhig und heiter und jeder heftigeren Laune, jedes kühneren Wunsches unfähig war. Ich konnte dann stundenlang mit ihr allein sein, ohne auf so einen Gedanken zu kommen, wie sie einem in Gegenwart eines hübschen, jungen Mädchens eigentlich ganz natürlich sind. Ich hätte mich nie getraut, eine jener Berührungen zu suchen, durch welche man sich in solchen Fällen, und wäre es nur des Spaßes wegen, leise anzumelden pflegt. Ja, mehr als das: ich konnte überhaupt gar nicht daran denken. Erst jetzt, bei der Erinnerung, wenn ich es mit anderen Beziehungen vergleiche, in denen ich sonst zu Mädchen oder Frauen gestanden bin, fällt es mir auf, und ich wundere mich ein wenig über mich selbst. Damals ist es mir ganz selbstverständlich gewesen. Das Schöne war eben gerade, daß ich mir gar nichts dabei dachte, gar nichts wußte, gar nichts wollte, mich nicht lange fragte, warum ich denn in dies Haus ging und bei diesem Kinde saß, sondern mich unbedenklich, unabsichtlich der süßen Gewalt einer stillen, frohen Anziehung ergab und in einem gelinden Taumel mir über nichts Sorgen machte, der schönen Stunden froh, ohne zu fürchten oder zu wünschen, daß es jemals anders werden könnte. Das Sonderbare war aber, daß es nicht bloß mir so ging, sondern auch allen anderen, die das Mädchen umgaben. Es war nämlich nach und nach ein ganzer Kreis geworden, ein förmlicher »Hof«, wie wir uns selber scherzhaft nannten, die sich um die kleine Königin mit Huldigungen bemühten: ein in der Stadt sehr bekannter Arzt, ein junger Beamter aus der Intendanz, ein Universitätsprofessor, ein Pianist und Christian und ich, lauter Leute, die schon über dreißig, aber alle noch unverheiratet waren und alle einem Gaste wohl als Bewerber um die Gunst des jungen Mädchens vorgekommen wären, während es doch keiner ernsthaft war, sondern einer nur den anderen mit lustiger Eifersucht verdächtigte. Jeder hatte das Air eines Liebhabers, keiner durfte doch oder wollte auch nur solche Ansprüche machen. Es kam vor, daß wir uns selbst, wenn wir bisweilen nachher in ein Kaffeehaus gingen, über unser Wesen, das doch gar keinen Sinn zu haben schien, spöttisch machten und einander fragten, was denn das eigentlich sollte, was wir denn eigentlich wollten. Dann meinte der eine wohl, es hätte gerade die Unschuld solcher spielenden Verhältnisse für Männer, die schon manches gekostet haben, einen besonderen Reiz; ein anderer erklärte resolut, daß wir einfach Hasenfüße wären und uns nicht trauten; der dritte kam auch mit einer sentimentalen Erklärung von reiner Zuneigung oder Seelenfreundschaft und solchen Dingen, durch die sich zartere, ängstlichere Naturen wohl manchmal täuschen lassen; aber alle wußten wir doch ganz genau, daß es das nicht war, daß es anders und mehr war, als irgendeiner sagen konnte. Damit man sich aber nun etwa nicht einen falschen Begriff mache, muß ich jetzt bemerken, daß unser Verkehr in jenem Hause keineswegs etwas Künstliches hatte und gar nicht geziert war, wie man etwa vermuten möchte, sondern es herrschte der natürlichste Ton, und in guter Laune ließ sich das Mädchen wohl auch einmal einen kaum mehr erlaubten Scherz, eine recht freie Geschichte unbedenklich gefallen, schon aus Schadenfreude, um zu sehen, wie sich der Sekretär aus der Verlegenheit zog, der das durchaus nicht leiden konnte. Er war es überhaupt, den wir nach ihrer Anleitung gern etwas zu sticheln und unschuldig zu hänseln trachteten. Er verkehrte im Hause viel länger als wir alle und wurde als der Berater der Mama, der nach dem Tode des Vaters alles geordnet und die schwierige Auflösung des Bankgeschäftes durchgeführt hatte und als der Verwalter ihres nicht großen, aber doch auskömmlichen Vermögens fast wie ein Onkel gehalten. Wie alt er damals war, könnte ich nicht angeben, da sich bei seiner strengen, pedantischen Haltung, bei seinem ausrasierten Gesichte eines Hofbeamten, das ebensowohl einem gutkonservierten Fünfziger wie einem verärgerten Dreißiger gehören konnte, darüber gar nichts vermuten ließ. Wir hielten es nur für ausgeschlossen, daß er noch im Ernste daran denken konnte, sich um ein Mädchen zu bewerben. Er schien uns zum Hagestolz, beinahe hätte ich gesagt zur alten Jungfer, geboren, und gerade deswegen war es uns ein Hauptspaß, so zu tun, als ob er der begünstigte Freier wäre und als ob wir ihn alle zu beneiden Ursache hätten. Er schien sich mit gutem Humor darein zu schicken, und ich bewunderte manchmal seine Laune, seine Geduld, wie er sich geschickt in dieser eingebildeten Rolle zu bewegen und unsere nicht immer sehr zarten Einfälle zu ertragen wußte. Wir trieben nämlich mit ihm den größten Unsinn, wie wir überhaupt nichts lieber taten, als einander zu necken, aufsitzen zu lassen, ja manchmal ganz barbarisch zu quälen, und ich habe mich oft gewundert, wie kindisch ernste Männer sein können und wie sie dann, wenn sie ein paar Stunden, wie man das in Wien nennt, »gedalkt« hatten, noch ganz glücklich waren und mit dem Gefühle eines »wirklich schönen Abends« nach Hause gingen. Aber in jenem Hause nahm eben alles, wie gewöhnlich es im Grunde sein mochte, einen eigenen Reiz, ja Zauber an. Warum, könnte ich nicht sagen. Es war so eine gesunde und gute Luft dort.

Im Scherze fragten wir uns wohl manchmal, was denn aus uns allen und dem heiteren Kreise werden solle, wenn sich das Mädchen verheirate. Dann wurde wohl beantragt, der Freier müsse sich vor allem bei uns melden, von uns geprüft werden und um unsere Zustimmung anhalten. Jeder zählte dann seine Forderungen, seine Bedingungen auf, und wir waren einig, sie nur einem bequemen Manne zu gönnen, der sich verpflichte, uns in unserem fröhlichen Leben durch seinen Eintritt nicht zu stören. Zum Schlusse hieß es aber bei solchen Gesprächen meistens, es werde ja doch niemand anderer als der Sekretär sein, der aber noch viel zu jung sei und erst gescheiter werden müsse, worauf ihn das Mädchen mit einer etwas verschmitzten Unschuld zu bitten pflegte, sich doch ein wenig zu tummeln. Doch waren wir so töricht, gar nicht daran zu denken, daß es jemals Ernst werden könnte; sondern lebten so im Dusel schöner Stimmungen dahin, bis eines Tages ihre Verlobung mit einem Hauptmanne im Generalstab uns aus allen Himmeln riß. Das kam nämlich so schnell, daß wir wirklich ganz betroffen waren. Sie hatte den Hauptmann, der aus einer Mailänder Familie stammte, die aber schon seit hundert Jahren in österreichischen Diensten stand, auf dem Lande kennengelernt, und als er dann im Herbste, nachdem sie zurückgekehrt waren, eines Abends unter uns trat, sahen wir wohl alle sofort, daß unsere Rollen ausgespielt waren. Ich kann mir nämlich nicht leicht einen Menschen ausdenken, der besser zu ihr gepaßt hätte. Wenn man sich vorgenommen hätte, eigens einen Mann für sie zu erfinden, das richtige Gegenstück zu ihr, so hätte nichts anderes herauskommen können, als eben der Hauptmann war. Groß, sehr schlank, ja mager, aber stahlhart und von einer seltsamen ruhigen Energie in jeder Bewegung; keineswegs was man schön nennt, aber äußerst gewinnend im ganzen Ton, in jeder Gebärde, im Reden und im Schweigen; eigentlich von stillem Wesen, fast bedächtig, fast ein bißchen langsam, aber so, daß man sich unwillkürlich wünschte, in solche feste Arme genommen und durch das Leben getragen zu werden. Und wenn wir von ihr einmal erklärt hatten, sie sei gar kein besonderes Mädchen, sondern eben das Mädchen, weil sie eigentlich gar keine eigenen Eigenschaften hätte, sondern eben der reinste Ausdruck des Mädchenhaften wäre, so konnte man von ihm sagen, daß er eben der Mann war. Noch glich er ihr auch darin, daß er meistens zu scherzen schien, alles auf die leichte Achsel nahm, bei wichtigen Anlässen gerade nur das Nötigste sagte, ohne daß man deswegen je an ihm gezweifelt hätte, sondern man wußte sofort, daß er ein durchaus ernster und verläßlicher Mann war.

Er stand in Innsbruck, hatte nur ein paar Tage Urlaub, und da alles mit der Mama früher schon abgeredet schien, wurde die Hochzeit sehr beschleunigt, bevor wir armen Ritter noch recht zur Besinnung gekommen waren. Ich muß aber sagen, daß wir, bei allem Verdrusse, auf einmal delogiert zu sein, uns eigentlich doch ganz anständig benahmen, indem wir wirklich nicht neidisch waren, sondern uns herzlich des Glückes freuten, das zwei solche Prachtmenschen verbunden hatte. Nun, wir sollten das Glück nicht lange zu loben haben. Wir waren noch alle in der Kirche, nachher gab es ein heiteres Mahl, wo dann unter manchen Späßen unser Kind dem fremden Herrn übergeben wurde, dann verschwand das Paar, um den Expreß nach Innsbruck zu benützen, der drei Stunden später hinter Melk entgleiste: unter den Toten war der Hauptmann, die junge Frau wurde gerettet.

Wie das eigentlich geschehen war, haben wir nie erfahren. Ich fuhr, gleich nachdem die schreckliche Nachricht gekommen war, mit ihrer Mama nach Melk, konnte aber nicht mit ihr sprechen, da sie sich in einem Zimmer des Gasthofes abgesperrt hatte und nicht zu bewegen war, irgend jemanden als ihre Mutter zu sehen, auch sich bei dem Begräbnis nicht zeigte, sondern gleich nach Torbole reiste, wo der Hauptmann ein Schloß besaß, das sie seither noch nicht verlassen hat. Von den Bahnleuten hörte ich nur, daß der Expreß in einen Lastzug hineingefahren war, wobei die ersten Wagen völlig zertrümmert wurden, der Schlafwagen aber, in dem sich das Paar befand, förmlich in die Luft gehoben, in der Luft durch den Stoß umgedreht und auf die Seite, eine Böschung hinab, geworfen worden war; die Reisenden hatten nur ein paar Stöße gespürt und waren bis auf ein paar Quetschungen unverletzt herausgezogen worden. Nur den Hauptmann fand man tot; er mußte in das Fenster gefallen oder es mochte irgendein spitziger Gegenstand auf ihn gestürzt sein: denn er hatte eine Wunde am Halse.

Ich schrieb später ein paarmal an die junge Witwe, um mich nach ihrem Befinden zu erkundigen, erhielt aber nur ein Schreiben der Mama, sie lasse mir danken, sei aber unfähig, mir zu antworten, da sie durch nichts erinnert werden wolle. Ich versuchte es später noch einmal, ohne besseren Erfolg. Nach und nach gewöhnte ich mich daran, an sie nur wie an eine liebe Tote zu denken, und höchstens, wenn ich einem aus jenem Kreise wieder einmal auf der Gasse begegnete, fielen mir die alten Erinnerungen ein. Dies war aber sehr selten, da wir jeder einer anderen Welt angehören, anderen Geschäften nachgehen, andere Orte besuchen, und so wurde nach und nach jene ganze Zeit in mir ausgewischt. Wie oft verlieren wir ja Dinge, ohne die wir gar nicht leben zu können glaubten, und leben doch weiter, andere gewinnend, die wir auch wieder verlieren werden, und so immerfort, nichts bleibt, nichts hält aus, nichts ist treu, wir selbst sind es ja auch nicht.

Jetzt aber war durch jene merkwürdige Begegnung mit dem Eremiten, in dem ich den Hofsekretär erkannt hatte, die ganze alte Zeit in mir aufgewacht, und ich sah ihre Personen wieder, hörte unsere Scherze wieder, und wenn ich nun in den nächsten Tagen mich im Boote vom Winde treiben ließ, tauchten hundert Schatten auf, schwebten tausend Erinnerungen hervor.

Ich erinnerte mich nun, daß ich den Sekretär seit jener Zeit nur ein paarmal im Burgtheater bei Nachmittagsvorstellungen an Sonntagen gesehen hatte, die er ungern versäumte. Wir hatten uns aus der Ferne begrüßt, aber nichts miteinander gesprochen, uns eher vermieden, weil das ja ein so ungeschicktes Gefühl ist, wenn man einmal mit jemandem intim gewesen und es nicht mehr ist, wo man nun gar nicht weiß, wie man sich verhalten, was man sagen soll, und höchstens auch noch das Alte zerstört. Ich war der Meinung gewesen, er werde sich eben mit der Zeit einen anderen Kreis gesucht haben, da ich ja wußte, daß er in vielen Familien gerne gesehen war, oder er habe sich mit einer seiner Liebhabereien getröstet, wie er ja von je ein eifriger Sammler alter Stiche und seltener Wiener Drucke gewesen war. Schließlich machte ich mir darüber auch weiter keine Gedanken, da man ja um so pünktliche Menschen nicht besorgt, sondern ganz ruhig ist, daß sie sich aus allen Lagen schon wieder zurechtrücken werden. Daß ich ihn jemals so verändert, ja verstört finden würde, hätte ich mir nicht träumen lassen, und ich hatte auch gar keinen Anhalt, zu erraten, zu vermuten, was denn mit ihm geschehen sein konnte oder was er denn getan haben mochte.

In der Grünen Alm, wohin ich nach ein paar Tagen wieder kam, brachte ich das Gespräch mit einem Knecht auf den »Professor«, wie er mir ja gesagt hatte, daß er bei den Leuten hieß. Da war nun aber nicht viel zu erfahren. Man wußte nichts, als daß er vor zwei Jahren, von einem fremden Herrn begleitet, in die Gegend gekommen war und einige Tage in der Alm logiert hatte. Dann war der Fremde zu dem Förster gegangen, um diesem jene Hütte auf der Wiese abzumieten, und weil der Förster keine Verfügung hatte, sondern ihn an den Herrn wies, dem die Jagd gehörte, war der Fremde zu diesem, einem jungen Grafen, nach Graz gefahren und nach einer Woche, während der Professor die Alm nicht verließ und sich vor gar keinem Menschen zeigte, mit einem Schreiben des Grafen an den Förster zurückgekommen. Seitdem lebte er in jener Hütte, von einem blödsinnigen, halb vertierten Burschen bedient, den der Fremde im anderen Dorfe drüben für ihn aufgenommen hatte. Der Fremde aber war abgereist und hatte sich seitdem nicht mehr gezeigt. Man wußte nur, daß an den Förster regelmäßig Geld von Wien aus geschickt wurde. Übrigens meinte der Knecht, es sei gar kein Zweifel, daß der Alte verrückt sei, aber ein harmloser Narr, der nichts tue, als den ganzen Tag vor dem Marterl knien und beten. Abends sitze er manchmal vor der Hütte und weine schrecklich, daß er einem wirklich leid tue. Aber man dürfe nicht versuchen, sich ihm zu nähern oder gar zu fragen, was ihm fehle: denn dann fange er zu toben an und habe einmal Kinder, die sich beim Beerensuchen auf seine Wiese verirrt hatten, unter entsetzlichem Geheul mit seinem Stecken bedroht und mit gräßlichen Verwünschungen bis auf die Alm herunter verfolgt, wo sie denn atemlos und schreiend ankamen und man Mühe hatte, den Rasenden, der ganz außer sich war, mit Schlägen und Stößen zu bändigen und zu vertreiben. Seitdem habe der Förster angeordnet, daß niemand mehr die Wiese betreten solle, und nun scheine der alte Narr sich mit dem blödsinnigen Burschen ganz gut zu vertragen, und man habe schon lange nichts mehr von ihm gehört.

Das alles klang mir nun so unwahrscheinlich, daß ich es kaum glauben konnte. Verrückt, wild, boshaft, das waren lauter Dinge, die zu allem, was ich von dem Sekretär wußte, wie ich diesen strengen und genauen und fast ein bißchen pedantischen Beamten kannte, so gar nicht paßten. Kann denn ein Mensch plötzlich sein ganzes Wesen verlieren und ein anderes bekommen? Er kann verstört werden, durch Unglück oder Schuld, aber der Gedanke läßt sich doch kaum ausdenken, daß ein Guter plötzlich bös werden, daß einer die Grundlinien seiner Natur sollte verleugnen oder verlieren können. Vor so einem Gedanken schaudert man so zurück, weil man dabei unwillkürlich an sich selbst denkt. Die einzige Möglichkeit zu leben, ist doch nur in der Gewißheit, daß manche Dinge für uns ganz ausgeschlossen sind, daß sie uns nicht geschehen können, weil uns unser Wesen davor bewahrt. Wenn es aber möglich ist, daß wir uns heute schlafen legen, und morgen steht mit uns, in uns ein ganz anderer Mensch auf, wovor können wir uns dann noch sicher fühlen?

III

Ich fand den Sekretär vor seiner Hütte auf dem Boden liegen, in der schmierigen Kutte hingestreckt, den Kopf an die Tür gelehnt. Als er mich oben aus dem Walde treten sah, richtete er sich auf, ging mir entgegen und nötigte mich, in die Hütte zu kommen. In diesem engen und niederen Raum, der nur einen Herd, ein unordentliches Bett und eine Kiste enthielt, war aber ein solcher Qualm, eine so dicke und widerliche Luft, daß ich nicht bleiben konnte, sondern ihm vorschlug, uns doch lieber auf die Wiese oder in den Wald zu setzen. Er schien Angst zu haben und wollte mich durchaus bereden, es doch zu versuchen, bis ich einfach hinausging, es ihm überlassend, ob er mir folgen wollte. Dies tat er endlich, nachdem er zuvor den blödsinnigen Burschen mit einer Besorgung in die Alm fortgeschickt hatte, ihm unter schrecklichen Drohungen verbietend, vor einer Stunde heimzukehren. Der Blödsinnige humpelte weg, dann trat Christian aus der Tür, eine abgegriffene Ledermappe unter dem Arm, den er steif an den Leib preßte, sah scheu über die Wiese nach dem Walde, winkte mir, ihm zu folgen, und lud mich ein, mich mitten in der Wiese neben ihn zu setzen, wo wir denn in der ärgsten Sonne waren, aber dafür jeden, der von irgendeiner Seite aus dem Walde treten mochte, sogleich erblicken mußten. Bisher hatte er mich mit einer fast altväterischen Artigkeit behandelt, die ganz seiner früheren pedantischen und dienstbeflissenen Art entsprach. Nun aber riß er mich plötzlich am Arme, grinste widerwärtig und, indem er fast in mich hineinkroch, zischelte er mir ins Ohr: »Dienstag! Erinnern Sie sich? An einem Dienstag ist es gewesen. Da hab ich ihn ermordet. Den Dienstag hab ich gern!« Und er rieb sich vergnügt die Hände, dabei immer jene Mappe steif unter dem linken Arme haltend.

Ich sprang auf, seine Nähe war mir unerträglich. Er erschrak heftig und, seine Furcht benützend, wies ich ihn an, hier sitzen zu bleiben, ich wollte rauchend neben ihm auf und ab gehen. Er hatte Angst, daß uns jemand hören könnte. Ich antwortete, daß wir doch ganz allein wären, und gab es ihm übrigens frei, ob er es mir auf diese Weise erzählen oder lieber ganz schweigen wollte, machte auch schon Miene, mich zum Walde hin zu entfernen. Da fing er zu wimmern und zu betteln an, war mit allem einverstanden und begann zu erzählen.

Das heißt, erzählen kann man das eigentlich nicht nennen. Er sprach ganz so, wie man träumt: manchmal durchaus klar, mit peinlicher Ordnung aller Gedanken, sehr verständig, sehr genau und mit allen Details, aber plötzlich abreißend, ausspringend, das Wichtigste vergessend, so daß man auf einmal gar nicht mehr wußte, woher denn das Folgende gekommen war, das sich aber jetzt wieder in aller Ordnung und mit der größten Genauigkeit abspielte und abspann. Ganz unbeträchtliche Dinge behandelte er höchst geheimnisvoll und wollte sie mir ins Ohr sagen können, so daß ich ihn mit aller Strenge von mir ab und auf seinen Platz zurückweisen mußte. Dann beutelte er sich wieder vor Lachen und schrie laut, daß man es bis in den Wald hinauf gehört hätte. Manchmal hatte er ganz den akkuraten und gesitteten Ton, den ich so viele Jahre an ihm gewohnt gewesen war, aber dann schien plötzlich eine böse Macht über ihn zu kommen, er schüttelte sich, der Unterkiefer gab, vorgeschoben und vorhängend, seinem ganzen Gesichte etwas Tückisches, und er war wie ein Besessener, schauerlich und skurril zugleich, anzusehen. Dann verwirrte sich auch alles, er erzählte Späteres früher, griff vor, schob ein, fing plötzlich von den Bauern hier zu reden an, bedauerte, daß er die Kinder, als er sie hinunter in die Alm jagte, nicht eingeholt und zerrissen hatte, trommelte auf der Mappe und schien sich mit irgendeiner in der Mappe eingesperrten Person zu unterhalten, sie zu verhöhnen, ihr schadenfroh Vorwürfe zu machen, so daß ich die größte Mühe hatte, in den verschlungenen Worten einen Faden zu finden, um doch nach und nach das Ganze anzuknüpfen.

Das Ergebnis war schließlich folgendes:

Erstens wurde mir klar, daß er sich seit Jahren als den stillen Verlobten jenes Mädchens betrachtet hatte. Ich konnte mir schon ungefähr vorstellen, wie das gekommen war. Er mochte sich lange nicht getraut haben, sich selbst sein Gefühl einzugestehen, und hatte dann wohl eine große Angst, sich vor der Zeit zu verraten und so, wenn sie etwas merkte, alles zu verderben. Er beschloß also, auf eine, wie er meinte, sehr feine Art, sich vorerst zu versichern, ob sie ihm gewogen war, und legte schüchternen Huldigungen, Blumen, die er brachte, Billetten, die er besorgte, Begleitungen ins Konzert, offenbar eine Bedeutung bei, die sie nur für ihn hatten, während das junge Mädchen sie als eine Galanterie aufnahm, bei der man sich gar nichts zu denken hat. Mich frappierte nun vor allem sein Gedächtnis: er wußte das Datum der kleinsten Dinge. In dem und dem Jahre hatte sie an dem und dem Tage bei der und der Gelegenheit das und das gesagt, irgendeine nichtige und harmlose Bemerkung, die er nun aber auf eine andere bezog, mit einer anderen verglich, die sie drei Monate, ja ein Jahr später getan, und aus lauter solchen nichtigen Sätzen baute er nun mit einer unheimlichen Logik einen Zusammenhang auf, in dem plötzlich alles einen ganz anderen Sinn bekam, plötzlich alles ein Wink oder ein Wunsch oder ein Versprechen ward. Er kam mir wie ein Untersuchungsrichter vor, in dessen Händen jedes unbefangene Wort zum Beweise und aus lauter Zufälligkeiten ein Strick gedreht wird. Die Sache wurde noch ärger dadurch, daß er Worte oder Handlungen des Mädchens offenbar auch auf Dinge bezog, die er sich nur gedacht hatte. Er liebte zum Beispiel leidenschaftlich die Musik, hatte da aber sehr starke Sympathien und Antipathien, die er jedoch als ein höflicher Mann niemandem aufdrängen wollte, ja kaum gelegentlich einmal aussprach. Wurde nun abends Musik gemacht, und es traf sich, daß irgend jemand in der Gesellschaft sich ein Lied, das er nicht mochte, von dem Mädchen zu hören erbat, sie aber aus irgendeinem Grunde nicht wollte und etwa gar noch ein anderes sang, das ihm lieb war, so nahm er dies als ebenso viele geheime Zeichen von Gunst, Winke, daß er nicht verzagen sollte, Ermunterungen auf, und an einem solchen Abend hatte er selig in sein Tagebuch geschrieben: »Heute hat mir Caroline unzweideutig ihre Liebe gestanden.« Da er nun selbst so genügsam war und in jedem Blick, in jedem Bändchen, das sie ihm einmal lachend schenken mochte, schon ein Zeichen sah, nahm er dasselbe von ihr an, rechnete damit, daß auch für sie das Gewähren oder Versagen irgendeiner gleichgültigen Bitte dieselbe tiefe Bedeutung hatte wie für ihn und lebte sich so in ein ganz eingebildetes Verhältnis ein, das immer ernster, immer fester wurde, bis er bald nicht mehr zweifelte, sie an den Altar führen zu dürfen, sobald er nur Hofrat geworden wäre. Das war nämlich die zweite fixe Idee von ihm: irgendwie hatte er zu entnehmen geglaubt, daß ihr oder vielleicht auch nur der Mama sein Rang nicht genüge und er erst noch um eine Stelle vorrücken müsse, um mit seiner Bewerbung öffentlich werden zu dürfen. Daher hatte er ja auch jene Denkschrift über die Ersparungen im Hofhalte ausgearbeitet, von der er uns, wie ich mich jetzt erinnerte, damals mit besonderer Vorliebe erzählte, wo wir denn einige Zeit den größten Spaß mit allerhand tollen Vorschlägen hatten, wie man vielleicht an Zündhölzchen oder Federhaltern noch die größten Ökonomien machen könnte. Ihm aber war es Ernst, weil er nur so hoffen konnte, sich auszuzeichnen und mit einem Sprunge seine sämtlichen Vormänner im Amte einzuholen.

Als nun eines Abends der Hauptmann in unseren Kreis trat, meinte Christian, es sei nur auf eine Prüfung abgesehen. Prüfungen spielten nämlich überhaupt in seinen Gedanken eine große Rolle. Er erzählte mir eine Menge Sachen, die er getan hatte, um Caroline zu prüfen, allerdings so seltsam, daß ich mich abwenden mußte, um ihm nicht ins Gesicht zu lachen. Er malte sich nämlich sein ganzes künftiges Leben mit ihr aus und erdachte mit dem größten Scharfsinn alle möglichen Fälle, die später einmal ihr Glück stören könnten und denen er, eben durch solche Prüfungen, vorbeugen wollte. Er fragte sich also etwa: Wie wird sie sich benehmen, wenn man mich bei ihr verleumdet und ich irgendwie verhindert werde, mich sogleich zu rechtfertigen, meine Unschuld sogleich zu beweisen? Um das zu erfahren, erzählte er nun abends ziemlich auffällig, daß er gestern in der Josefstadt gewesen, nannte irgendeine Choristin und fügte hinzu, sie habe sehr gut gespielt, dies so oft und so lange wiederholend, bis richtig einer von uns die kleine Choristin verdächtig zu finden und ihn mit ihr zu necken anfing, worauf er nun Caroline auf das schärfste beobachtete, die natürlich höchstens dazu gutmütig lachte oder ihm mit dem Finger drohte. Dann ging er selig nach Haus und schrieb in sein Tagebuch: »Fest und treu; golden. Verleumdungen werden unserem Glücke nichts anhaben können.« Am nächsten Tag aber sagte er auf einmal mit einem bedeutsamen Blick: »Es ist ja gar nicht wahr, ich war neulich gar nicht in der Josefstadt«, und nun brauchte sie ihn nur noch am selben Abend zu bitten, er möge ihr morgen ein Buch aus der Leihbibliothek besorgen, und er deutete sich das wieder als eine Antwort in seinem Sinne aus, daß sie ihn verstanden habe und er sich nicht ängstigen solle, sie werde in allen Intrigen ausharren.

Er faßte also den Hauptmann, alle unsere Vermutungen, die wir an sein Erscheinen knüpften, ja die Verlobung selbst und die Anstalten zur Hochzeit als eine letzte Prüfung auf, durch die er, wie er sagte, beweisen sollte, ob er »gediegen« sei. Ich konnte mich nicht enthalten, ihn da doch zu unterbrechen und zu fragen, wie er sich das eigentlich gedacht hatte, ob er denn keinen Moment mißtrauisch geworden war, ob ihm denn nicht eingefallen war, daß man doch nicht vor der ganzen Stadt eine Komödie aufführen, Karten drucken und den Geistlichen bestellen kann. Er glaubte aber noch heute fest daran, daß Caroline es nur als eine Prüfung gemeint hatte; das sei ja eben die ungeheure Schurkerei des Hauptmanns gewesen, daß er sie so schändlich betrogen, ihr Vertrauen getäuscht habe und nicht, wie es ausgemacht gewesen, am Altare zurückgetreten sei.

Von diesem Moment an wurde seine Erzählung wieder eine Strecke lang ganz klar. Er hatte erwartet, daß sich in der Kirche alles aufklären und nun die große Belohnung für seine gute Haltung kommen werde. Als nun die beiden aber die Ringe wechselten, habe es ihn, während er bis dahin gefaßt, ja heiter und voll froher Erwartungen gewesen, plötzlich durchschossen: wie aber, wenn der Hauptmann ein Schurke wäre? Da sei ihm aber eingefallen, einmal gehört zu haben, daß es ja auch eine Heirat durch Stellvertretung gibt; er habe nun gedacht, daß man das Ganze erst bei dem Diner aufklären wolle, sei aber doch schon sehr erregt gewesen, weil er es undelikat fand, eine Probe so weit zu treiben, was ihn sogar einen Augenblick an Caroline irre gemacht habe. Während wir uns zum Essen setzten, sei er eine Zeit im Zimmer daneben auf und ab gegangen, um sich zu beruhigen und die notwendige Fassung zu erringen. Dabei habe er auf dem kleinen Schreibtische der Mama eine Photographie des Hauptmanns erblickt und, da er schon Verdacht hatte, an sich genommen, um gewissermaßen seinen Zügen abzusehen, ob man ihm ein solches Verbrechen zumuten könnte. Da sei jemand eingetreten, um ihn zu rufen, und er habe das Bild gedankenlos eingesteckt. Beim Essen sei er nun wie in einem schweren Dunst dagesessen und habe seine ganze Kraft gebraucht, um nicht aufzuschreien, es sei genug, man solle doch aufhören. Und nun verwirrte sich seine Darstellung wieder. Es muß jetzt jemand vom Schlafwagen gesprochen, vielleicht auch eine freie Anspielung gemacht haben, wie man sich sie wohl, wenn der Wein kommt, bei Hochzeiten erlaubt. Jedenfalls wußte er plötzlich gar nichts mehr, als daß er ein Bild gesehen habe, das er mir genau beschrieb. Er beschrieb mir das Innere eines Schlafwaggons, oben das Tuch vors Licht gezogen, am Fenster aber einen Säbel hängend und daneben die Hose eines Militärs. Mit diesem Bilde sei er stundenlang in der Stadt herumgeirrt, wie lange, wisse er nicht, und dann endlich, völlig erschöpft und sinnlos, zu Hause in seinen Kleidern auf sein Bett gefallen, dann aber, vielleicht nach Stunden, plötzlich durch einen Druck oder Stich am Beine erwacht. Da habe er in die Tasche gegriffen, einen festen Gegenstand gefühlt, herausgezogen, Licht gemacht und nachgesehen. Als er nun die Photographie erblickte, sei auf einmal wieder jener Waggon, die Lampe verhängt, der Säbel leise, am Fenster baumelnd, über der Hose, dagewesen, und jetzt habe er in gräßlicher Wut ein Messer an sich gerissen und den Hauptmann erstochen.

»Sie sind ein Narr, Christian«, sagte ich trocken.

»Warum denn?«, fragte er, ganz sachlich, indem er ruhig zu mir aufsah.

»Weil Sie . . .« Ich wollte ihm heftig entgegnen, aber er unterbrach mich gelassen? »Warten Sie! Ich hab ja den Beweis.« Er sagte dies ganz stolz. Seine bösen Augen funkelten, und mit wilder Freude zog er einen kleinen Schlüssel aus der Tasche, sperrte die Mappe auf, griff tief hinein, wickelte aus einem weichen Papier eine Photographie und reichte sie mir. Es war ein Bild des Hauptmannes, am Halse durchbohrt. Ich gab es ihm zurück, er schloß es wieder ein. Seine Miene war jetzt ernst geworden, er sah traurig vor sich hin. Dann schüttelte er sich, zuckte leicht die Achseln und sagte: »Er hat es verdient.«

Ich wollte nun doch versuchen, ob es nicht möglich wäre, seinen Wahn durch Verstand zu widerlegen. »Lieber Freund«, sagte ich, »passen Sie einmal auf! Nicht wahr, das wissen Sie doch: der Zug, in dem Caroline mit dem Hauptmann fuhr, ist entgleist oder in einen anderen Zug hineingefahren, ich erinner mich nicht mehr so genau . . .«

Ungeduldig sagte er: »Das war doch später! Da war der Hauptmann schon tot. Das war ja mein Glück. So weiß es niemand als Caroline, und die wird nichts sagen, weil sie froh ist, daß ich sie verschont habe. Das hat eben das Schicksal so gefügt, das mit der Entgleisung, um mich zu schützen, weil es meine Tat billigt. Er hat es verdient.«

Ich gab aber nicht so leicht nach und meinte, ihn durch ein scharfes Verhör doch auf einen Punkt zu bringen, wo er mir nicht antworten konnte; war nur einmal eine Masche zerrissen, so ging, glaubte ich, das ganze Netz auf.

Da warf er mir plötzlich ein: »Ja, wie wär denn dann die Polizei auf meine Spur gekommen?«

»Die Polizei?« fragte ich betroffen. »Hat denn die Polizei . . .?«

»Natürlich«, sagte er fast lustig, »natürlich war sie schon auf der Spur, nur bin ich eben gescheiter.« Und er lachte vergnügt in sich hinein.

Nun erfuhr ich erst, daß er zunächst ganz ruhig fortgelebt hatte. Er fühlte sich sicher, Reue empfand er nicht, und so ging er ruhig in sein Amt und seinen Gewohnheiten nach, im Inneren noch durch den Glauben an einen Wink des Schicksales befestigt, den er in jener Entgleisung sah. So hatte er schon ein ganzes Jahr verlebt, als er eines Abends, spät noch wach und mit seiner Sammlung beschäftigt, unten im Hofe ein ungewöhnliches Geräusch vernahm und, ans Fenster tretend, im Tor zwei Männer mit dem Hausmeister sprechen hörte, deren Flüstern er nicht verstehen konnte, die er aber als Polizisten erkannte. In namenloser Angst sei er sofort aus dem Zimmer gestürzt, auf der Stiege in eine Nische gekrochen und da zusammengekauert geblieben, bis die Männer, die sich offenbar geirrt hatten und einen Stock höher gingen, vorüber waren, dann aber atemlos, so wie er war, ohne Hut und Rock, zu seinem Bruder gerannt, dem er alles gestanden und ihn zu retten, um der ganzen Familie willen, beschworen habe. Von ihm begleitet, sei er dann in diese Gegend geflohen, während die Polizei das Nest leer gefunden und nun in ihrem Verdrusse einen Kammerdiener im dritten Stock verhaftet habe, der irgend etwas gestohlen haben sollte.

IV

So seltsam diese Begegnung war, hatte ich sie doch mit der Zeit vergessen, als ich heuer im Winter schmerzlich an sie erinnert wurde. Ich bekam eines Tages einen Brief; in den runden, mehr gemalten als geschriebenen Buchstaben der Adresse erkannte ich sogleich Carolinens Hand. Sie war in Wien, blieb nur einen Tag, und ich sollte sie im Matschakerhof besuchen; wir wollten wieder einmal beisammen sein, wie damals. Ich eilte hin, die Freunde waren schon versammelt, und ich wunderte mich eigentlich, sie so gar nicht verändert zu finden. Wäre sie nicht schwarz gekleidet gewesen, so hätte ich denken können, das alles nur geträumt und sie erst gestern noch gesehen zu haben. Sie hatte noch ganz denselben stillen und heiteren Ton, dasselbe freundliche und ungetrübte Wesen. Kaum an einem leisen Zucken des Augenlides bemerkte ich später doch, welchen Zwang sie sich antat, und dann erzählte mir ihre Mama, daß sie seit Monaten schwer erkrankt sei, oft tagelang in einem starren Zustand liege, ohne sich zu bewegen, ohne einen Menschen ertragen zu können, und wenn sie sich beherrsche, dies nachher mit entsetzlichen Qualen zu büßen habe; es sei aber doch gut für sie, wenn sie manchmal sich zu beherrschen gezwungen werde, weil sie dann wenigstens momentan ihre Schmerzen vergesse, gleichsam wie ein Schauspieler, wenn er aus der Kulisse tritt, kein Zahnweh mehr spürt; im übrigen sei ihre letzte Hoffnung ein Arzt in Thüringen, nach dessen Sanatorium sie am nächsten Tage abreisen wollten.

Wir unterhielten uns natürlich von der alten Zeit und erinnerten uns mancher Vorfälle, mancher Scherze von damals, die Caroline in bester Laune beschrieb. Da geschah es, daß einer der Freunde davon sprach, wie man sich in der großen Stadt völlig verlieren, wie da jemand förmlich in die Erde hinein versinken und verschwinden könne, und nannte Christian, von dem man gar nichts mehr höre, den man nirgends sehe. In diesem Augenblick ging Caroline, eine Tasse Tee in der Hand, gerade an meinem Stuhl vorbei. Als der Name Christians ausgesprochen wurde, glitt sie, wie es schien, auf dem Boden aus, ich fing sie auf und fragte sie besorgt. Sie war aber gleich wieder gefaßt, schüttelte leise den Kopf und atmete einige Sekunden sehr tief. Dann sagte sie, scheinbar ganz ruhig: »Bitte, reden wir nicht von ihm: er ist ein schlechter Mensch!« Und mit feinstem Takt wußte sie sogleich dem Gespräch eine lustige Wendung zu geben; ich wunderte mich aber doch, da ich sie niemals so hart über einen Menschen hatte urteilen hören. Mir war dabei ganz kalt geworden.

Den ganzen Abend konnte ich es nicht vergessen. Als ich dann allein nach Hause ging, hörte ich immer noch das: »Er ist ein schlechter Mensch!« Und ich sah immer noch ihren Blick. Wie merkwürdig sie das gesagt hatte! Ganz kurz, gewaltsam ruhig, aber so gepreßt und mit einem solchen Zittern in der mühsamen Stimme! Und ein Blick, schief und starr und so gehetzt, so gequält – dieser abscheuliche Blick! Was war das gewesen? Sie hatte doch Christian seitdem nicht gesehen. Und sie hatte ihn doch immer gern gehabt. Warum also plötzlich? Wußte sie von seiner Einbildung? Kannte sie seinen Haß? Hatte sie ihn vielleicht damals schon, bei dem Mahle nach der Hochzeit, instinktiv gespürt? Wußte sie, daß er das Bild gestohlen hatte? Und erriet sie, ahnte sie? Oder – oder –? Ich erschrak vor mir selbst, wie meine Gedanken sich verwirrten. Hatte mich der Narr mit seinem Wahne angesteckt? Und – und wenn es kein Wahn war? Wenn er ihn wirklich, durch eine ungeheure Anstrengung seines Willens, getötet hatte? Wer kennt unsere Grenzen? Wenn vielleicht eine Leidenschaft in uns so stark werden kann, daß sie gar kein Mittel, kein Werkzeug mehr braucht, sondern aus eigener Kraft wirkt, unmittelbar, auch in die Ferne, durch den bloßen Entschluß? So absurd wurden in jener Nacht meine Gedanken verwirrt. Ich sprang aus dem Bette, ich stieß das Fenster auf. Draußen war die stille Nacht, es glänzte vom Himmel. Aber ich fürchtete mich.

Am anderen Tage kam ich noch einmal hin, um die Damen auf die Bahn zu bringen. Während die Mama im anderen Zimmer packte, saß ich mit Caroline allein, die in einen schweren Mantel und in Decken eingehüllt war, weil sie immer so fror. Sie schenkte mir eine kleine Zeichnung von ihr, einen italienischen Buben darstellend. Ich sollte sie zum Andenken bewahren. Diese einfachen Worte betonte sie so merkwürdig, daß ich erschrak. »Ja, ja«, sagte sie lächelnd, »adieu!« Ich fing an, sie zu schelten und zu beschwichtigen und den berühmten Doktor in Thüringen zu loben, und was man eben in solchen Momenten zu sagen hat. Sie schüttelte aber nur leise lächelnd den Kopf und sagte dann: »Ich hab ohnehin lange genug zum Sterben gebraucht. Denken Sie nur: fast sechs Jahre! Tot bin ich doch eigentlich schon seit damals!« Und nach einer Pause wiederholte sie, mit einer langsamen Bewegung der Hand ins Leere, ins Weite: »Seit damals.«

Ich war unfähig, gegen diese Ruhe und Gewißheit etwas zu sagen. Mit einem wahren Ingrimm murmelte ich nur, mehr zu mir selbst: »Das Schicksal ist so stupid . . .«

Aber sie sagte: »Lassen Sie das Schicksal in Ruh! Das ist es nicht. Nein, das ist es nicht!«

Und nach einer Weile setzte sie ganz leise hinzu, indem sie sich fast geheimnisvoll zu mir neigte: »Aber die Macht böser Menschen ist größer, als wir gewußt haben.«

Drei Wochen später schrieb mir der Thüringer Arzt, daß sie gestorben war. Von dem Sekretär habe ich nichts mehr gehört.

 

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