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Lausdirndlgeschichten

Lena Christ: Lausdirndlgeschichten - Kapitel 14
Quellenangabe
typenarrative
booktitleLausdirndlgeschichten
authorLena Christ
year1913
firstpub1913
publisherMartin Mörikes Verlag
addressMünchen
titleLausdirndlgeschichten
pages155
created20100804
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Gabler Minna

Bei uns hat es oft große Wasch gegeben, weil wir Wirtsleute waren.

Die alte Gablerin hat dann immer bei uns gewaschen.

Dafür hat sie drei Mark gekriegt und das Essen, und die Minna hat derweil bei mir sein dürfen.

Das ist ihre Tochter.

Der alte Gabler ist ein Steinmetz und hat so viel Grabkreuze in seinem Hof, daß man unsere ganzen Gäste damit eingraben könnte.

Aber die gehören ihm nicht selber.

Er ist bloß ein Arbeiter.

Und sie schimpft furchtbar über ihn, weil er so sauft.

Wenn er immer bei uns in der Gaststuben sitzt, dann singt er.

Das tut er daheim gar nie, sagt die Minna.

136 Er kann schöne Lieder: Zwoa Sternal dö leuchtn . . . und:

Im Tirol drin da is a Mo drin,
Der hat a Kraxn am Buckl, hat an Hah' drin;
Wannst'n außa tuast, na' is er nimmer drin,
In der Kraxn in Tirol drin.

Das hat er oft gesungen.

Aber da ist sie gekommen, die alte Gablerin, und ihr dicker Bauch hat gewackelt, und ihre Augen sind ihr herausgehängt, und sie hat geschrien: »Bist du aa a Mo! Marsch! Hoam sag i, zu deiner Famili!«

»Dö laaft ma net davo, mei Famili!« hat er gesagt.

Aber er hat doch ausgetrunken.

Und die Minna hat es mir dann erzählt, daß er daheim das Reibeisen an den Kopf gekriegt hat und die Guglhupfform.

Aber die Minna war nicht so.

Die hat immer nachgegeben und hat alles getan, was ich von ihr wollen hab.

Die hat auch der Hugendubl den Milchhafen aus der Hand geschlagen, wie ich es ihr angelernt hab, weil mich die immer verklagt hat bei meiner Mutter.

Aber das war früher.

137 Jetzt schau ich sie nimmer an, die Minna.

Sie ist meine ärgste Todfeindin.

Weil sie mein Herz furchtbar verletzt hat.

Und meinem Willy den Kopf verdreht, daß er mich nimmer angeschaut hat, wo er es mir damals doch hoch und teuer versprochen hat, daß er niemals kein anderes Mädchen nicht anschaut als wie mich.

Das hat er mir heilig geschworen damals im Keller, wo ihn sein Vater so furchtbar bei den Ohren genommen hat, weil er kein Holz nicht gemacht hat.

Da bin ich gerad ins Schlachthaus und hab es gesehen.

Und er hat mir furchtbar erbarmt.

Und ich habe ihm gesagt, er soll sich nichts draus machen, meine Mutter haut mich auch alle Tage.

Aber er hat gesagt, er bleibt nicht mehr da, er laßt sich das nicht mehr bieten als kaufmännischer Fortbildungsschüler.

Da habe ich gesagt, daß es mir sehr leid tut, wenn er nicht mehr Holz macht.

Das hat ihn gefreut, und er hat mich gefragt, ob ich ihn gut leiden kann.

Da hab ich gesagt: Furchtbar gut.

138 Dann hat er mich lieblich angeschaut und hat gesagt, daß er mir einen Haarpfeil kauft und ein Fliederparfäng.

Und ich habe ihm einen Ring versprochen.

Und sie hat ihn abspenstig gemacht, und ich habe ihm den Ring wirklich geschenkt.

Einen um fünfundneunzig Pfennig.

Und ich habe so viel Mühe gehabt, bis ich das Geld zusammengebracht habe.

Aber mein Bruder, der Hansl, hat eine Sparkasse gehabt aus Blech, und hat schon über acht Mark drin gehabt.

Da hab ich immer einen Syndetikon an ein Messer gestrichen und habe ein Geld heraus.

Manchmal auch zwei.

Bis es eine Mark war.

Dann hab ich den Ring gekauft und ein rundes Schächtelchen um fünf Pfennige mit einem Engelskopf darauf.

Wie er dann wieder Holz gemacht hat, hab ich es ihm in die Tasche geschoben und habe gesagt, daß er nicht hineinlangen darf bis auf d' Nacht.

Aber er hat gleich geschaut und hat mir ein Busserl dafür gegeben. Und am andern Tag einen geschnitzten Haarpfeil.

139 Das Fliederparfäng hat er mir nicht kaufen können, weil es meine Mutter gerochen hätte.

Dafür hat er mir eine Schaumtorte gebracht.

Das war alles furchtbar schön.

Aber jetzt ist alles vorbei.

Diese Kanalje, die Minna, hat ihm alle Tage vor der Schule gewartet und hat ihn begleitet.

Und ein Zigarettenetui hat sie ihm gestickt und ein Überziehermonogramm.

Aber ich glaube es gar nicht, daß sie es selber gestickt hat.

Die hat höchstens das Geld genommen und hat es gekauft.

Das ist schon so eine.

Aber die gerechte Strafe Gottes ist jetzt da.

Die Kanalje ist ausgerutscht.

Er geht jetzt mit der Dusch Theres.

 

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