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Lausdirndlgeschichten

Lena Christ: Lausdirndlgeschichten - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleLausdirndlgeschichten
authorLena Christ
year1913
firstpub1913
publisherMartin Mörikes Verlag
addressMünchen
titleLausdirndlgeschichten
pages155
created20100804
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Blutegel

Unser Nachbar, der Bader Gschwandler, hat eine besondere Art gehabt.

Nicht bloß im Rasieren und Zahnreißen, sondern auch im Leutkurieren.

Für das höllisch Feuer hat er helfen können und auch für die Gicht; das Herzklopfen hat er vertrieben und die Hitz im Kopf, und was sonst einen gezwickt oder gedrückt hat.

Und für allen Wehdam und Gebresten hat er nur ein Mittel gehabt.

Das war das Egelsetzen.

Dazu braucht man den Blutegel.

Wenn also ein Bauer zu ihm gekommen ist und hat gesagt: »Gschwandler, geh, helf ma für mei reißats Geblüat!«, da hat der Gschwandler gesagt: »Dös wer'n ma glei habn.«

Und hat eins von den fünf Gläsern vom Wandbrett herunter und hat es aufgebunden.

8 Dann hat er gesagt: »Wo reißt's di denn am ürgsten?«

»Ja mei, überalln!«

»Soo! Wer'n ma's glei habn. Ziag dei Joppn ab und dei Hemad!«

Dann hat er ihn auf den großen Badersessel niederdruckt und hat ins Glas gegriffen und hat dem Kranken ein etlichs Paar Egel an den Buckel gehängt und ein paar an den Arm.

Und dann war der Bauer wieder gesund.

Der Gschwandlerfranzl ist mein Freund gewesen; drum bin ich oft dabei gewesen in der Baderstuben.

Da hab ich alles gesehen: wie man die Blutegel überall anlegt, sogar ins Maul, wann einem die Zähnt schwärig sind.

Unser Kalb, das Mickerl, hat drei Tag nimmer gefressen gehabt.

Da hat der Großvater gesagt: »Jatz derf i schaugn, daß ma's der Huaberwirt abkaaft, sinst werd's ma gar no süchti aa, dös Viech, dös hoarlos!«

Da hab ich an den Gschwandler gedacht und an das Mittel.

Am Nachmittag hat die Großmutter den Besenstiel genommen und hat in den Stall geschrien: »Was blökst denn allewei, Luaderviech, damischs?«

9 Denn das Kalb hat furchtbar geblökt und geschrien.

Da hat der Großvater gesagt: »Ah was! Jatz weis' i 's gschwindse füre zum Huaberwirt, jatz mag i's nimmer o'hörn, dös Getua. Ma woaß do net, wia sa si auswachst, dö G'schicht.«

Drauf hat er 's beim Strick genommen und hat's aus dem Stall.

»Ja, Himmikreizdürken! . . . Was is denn jatz dös! Lauter Würm! . . . Ja meiner Seel! . . .«

Ich bin gelaufen, was ich können hab, zum Soalerbrünnl. In dem Graben dahinter gibt es viele Roßegel.

Da hab ich das Glas vom Bader schnell vollgeklaubt und dann hab ich es zugebunden und hab es beim Gschwandler unter die Hausbank gestellt, und der Gschwandlerfranzl hat's schnell hinein aufs Wandbrett, weil er halt mein Freund ist.

Dann bin ich hinten herum wieder heim und hab mich in mein Bett gelegt.

Unsere Schlafkammer ist über der Wohnstube.

Unter meiner Bettstatt ist eine Luke; diese wird abends immer aufgemacht, daß die Schlafkammer auch warm wird.

Die hab ich aufgemacht und hab gehorcht.

Die Großmutter hat gejammert: »Naa, so a Kreiz! Koa Mensch is's gwen, wia d'Lena! Jessas, 10 Jessas! Zwoarazwanzg Bluategel! Wo hat s'as nur herghabt! G'wiß vom Gschwandler!«

Da hat der Großvater gesagt: »D'Lena moanst, Muatter? Dös ko net sein. An Gschwandler geht nix ab vo' seine Egel; i hab'n selm g'fragt.«

's Mickerl aber hat wieder gefressen.

 

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