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Landolin von Reutershöfen

Berthold Auerbach: Landolin von Reutershöfen - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
booktitleLandolin von Reutershöfen
authorBerthold Auerbach
year1878
publisherVerlag von Gebrüder Paetel
addressBerlin
titleLandolin von Reutershöfen
pages1-322
created20040708
sendergerd.bouillon
firstpub1878
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Achtes Kapitel.

Jenseits des Flusses brauste und tobte das Marktgewühl, und hier unter den Weiden und Erlen saßen Anton und Thoma vor aller Welt verborgen auf einer Bank und herzten und küßten einander.

»Jetzt sei gescheidt und red' auch was,« sagte endlich Thoma.

»Ich mein', ich kann gar nichts mehr reden und brauch' gar nichts mehr zu reden, Alles, was ich sagen will, weißt Du schon,« entgegnete Anton, und doch erzählte er jetzt von seinem Erwachen vor Tag und von seinem Morgengang und wie er Thoma ins Weite hinein gegrüßt habe.

Sie lächelte glückselig und senkte die Augen; sie hatte Anton gewiß auch von Herzen gern, aber daß er solche tiefquellende Liebe habe, wie sie jetzt aus ihm sprudelte, hatte sie doch kaum geahnt.

»Da drüben ist der Markt,« nahm er wieder auf, »da kann man Alles haben, ich möcht' Dir auch was kaufen, aber ich mein', Dir kann man gar nichts geben, Dein ist schon Alles.«

»Just doch nicht Alles,« lächelte sie, »aber Du hast recht, kauf' mir nichts; ich will nichts als Dein Herz, und so eins kann man nicht kaufen für alles Geld in der Welt. Und weißt Du, was das Beste ist an Allem, was Du sagst?«

»Was?«

»Ich glaub' Dir jedes Wort. Ich glaub' nicht, daß aus Deinem Mund heraus je ein unwahres Wort kommen kann.«

Sie saßen wieder still, Hand in Hand, ein wonniges Lächeln zog über das Antlitz Antons, und Thoma sagte:

»Worüber lachst Du jetzt? Sag', was ist's?«

»Ja, lieber Schatz, mir ist's, wie wenn auch unser Strom da heut besonders lustig wäre. Schau, an dem bin ich aufgewachsen und wie ich im Kriege war, hab' ich oft in der Nacht gemeint, ich hör' ihn rauschen und hab' Heimweh gehabt. Und jetzt denk' ich, lieber Schatz, es wird Dir auch fischleswohl sein da am Wasser«

»Nein, Anton, ich werde mich schwer dran gewöhnen, ich hab' eigentlich Angst vor dem Wasser. Wie ich ein ganz klein' Kind gewesen bin, ist ein Knecht von uns ertrunken, und da hab' ich gehört, der Strom muß jedes Jahr sein Opfer haben, und nach drei Tagen speit er den Todten aus. Ich hab' einen Haß auf den Strom gehabt. Ach was! Was reden wir für närrisches Zeug! Schau! Da drüben kommt das Fuhrwerk vom Titus mit dem Sohn und der Tochter, der Sohn hat mich haben wollen und die Tochter Dich.«

Sie stand auf und grüßte die Ankommenden mit der Hand winkend, und sie rief in die Ferne, wo sie nicht gehört werden konnte: »Kauft Euch Puppen auf dem Markt!« Anton aber blieb sitzen, es that ihm wehe, daß Thoma die Verschmähten so schadenfroh grüßte . . . Konnte sie denn auch anders sein? . . . Sie kam ihm jetzt so fremd vor. Die Verdüsterung, die über sein Antlitz gezogen war, schwand aber bald wieder, und langsam gingen die Beiden der Stadt zu nach dem Wirthshaus.

Unter dem Hofthor kam ihnen die Schwertwirthin entgegen und sagte: »Die Eurigen sind alle droben in der Erkerstube. Glückauf!«

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