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Landolin von Reutershöfen

Berthold Auerbach: Landolin von Reutershöfen - Kapitel 71
Quellenangabe
typefiction
booktitleLandolin von Reutershöfen
authorBerthold Auerbach
year1878
publisherVerlag von Gebrüder Paetel
addressBerlin
titleLandolin von Reutershöfen
pages1-322
created20040708
sendergerd.bouillon
firstpub1878
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Siebzigstes Kapitel.

Die Kreisräthin war wieder heimgekehrt, da kam der Bote von Anton, Thoma und Peter sollten sofort nach der Mühle kommen; Anton habe mit Lebensgefahr den Altschultheiß aus dem Wasser gezogen, das Pferd sei ertrunken.

»Aber mein Vater? Lebt er?« rief Thoma. Der Bote berichtete, daß man bei seinem Weggang noch Belebungsversuche gemacht, Landolin scheine wieder zu sich zu kommen.

So eilig, als der von den wilden Wassern zerrissene Weg gestattete, stürmte nun Thoma ins Thal, am Ufer des Flusses lag ein Kahn und Anton rief aus demselben: »Er lebt!«

Der Kahn mußte erst weit hinauf fahren, um sich dann von der Strömung ans andere Ufer treiben zu lassen, heranbrausende zerrissene Flöße und Waldbäume mit Wurzel und Gezweige machten die Ueberfahrt beschwerlich und lang.

»Gieb mir auch eine Ruderstange, ich hab' schon gesehen, wie man's macht,« bat Thoma, Anton willfahrte ihr, aber das Ruder entglitt der Hand Thoma's und schwamm davon.

»Halt' Dich stark und gut wie immer,« das war das Einzige, was Anton zu Thoma sagte.

Man kam ans Ufer.

Thoma eilte zu ihrem Vater, der alte Sägmüller war bei ihm und auch der Arzt. Landolin hatte die Hand auf den Kopf des Hundes gelegt, der neben dem Lager stand, der Sägmüller nestelte das Stachelhalsband los, damit sich Landolin nicht steche.

Der Arzt winkte Thoma, sich noch ruhig und entfernt zu halten, und sie hörte, wie der Vater stöhnend rief:

»Wo ist sie? Die Käther? Die Käther! Strick um den Hals!«

Thoma ließ sich nicht mehr halten und drang vor, kniete am Lager des Vaters und faßte seine Hand.

»Ist schön, daß Du da bist. So ist's recht,« sagte Landolin, »komm' her, Anton, ich hab' sie für Dich . . . der Wald ist vor Allem Dein und die Preiskuh und –«

Er hauchte seinen letzten Athem aus.

Als Peter kam, fand er nur noch die Leiche seines Vaters.

Am Tage, an dem man Landolin begrub, wurde die Leiche der Schaubkäther ans Land geschwemmt, sie hatte einen Strick krampfhaft in der Hand.

*           *
*

Wir begegnen dem Peter vielleicht ein andermal. Heute ist er Meister auf dem Hofe, er heißt aber nur so, denn er ist, wie man sagt, nicht Meister über einen Pfennig; er hat die Tochter des Titus geheirathet, und die soll gar scharf sein, Manche sagen sogar bös.

Anton Armbruster ist Bürgermeister in Rothenkirch und Thoma weiß die Würde, die ihr davon zukommt, gebührlich zu tragen.

 
Ende.

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