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Landolin von Reutershöfen

Berthold Auerbach: Landolin von Reutershöfen - Kapitel 70
Quellenangabe
typefiction
booktitleLandolin von Reutershöfen
authorBerthold Auerbach
year1878
publisherVerlag von Gebrüder Paetel
addressBerlin
titleLandolin von Reutershöfen
pages1-322
created20040708
sendergerd.bouillon
firstpub1878
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Neunundsechzigstes Kapitel.

Drunten im Thal war die Sägmühle Armbrusters gestellt, denn die wilden Wasser rauschten durch die eine Thüröffnung herein und aus der andern heraus, und man hatte nur ständig zu arbeiten und zu wehren, die vom Oberlande herströmenden Anfluthungen, die bald lebendige Waldbäume, bald gefällte Stämme und Bruchstücke von Häusern brachten, von dem Gebäude abzustoßen, damit es nicht umgerissen und fortgeschwemmt werde.

Rings um die Sägmühle bis hinaus zur Einbindstätte und bis hinab zu den hochaufgeschichteten gesägten Brettern herrschte Treiben und Schreien und Stampfen von Menschen und Pferden, denn gute Gesellen Antons waren gekommen, ihm in der Gefahr beizustehen. Sie wateten mit ihren hohen, bis an die Hüften reichenden Stiefeln in den Fluß und schrieen einander zu, das Rauschen und Brausen des Stromes übertönend. Man trug die Bretter höher hinauf bis an den Waldrand, und es klappte und schallte weithin, wenn man die Bretter auf die Schichten fallen ließ.

Anton war bald hier bald dort und legte selbst emsig Hand an. Alte Leute, die zu Hülfe gekommen waren, sagten:

»Solch eine Ueberschwemmung haben wir noch nie erlebt, und sie muß im Oberland noch viel schlimmer sein.«

Denn immer mehr Trümmer wälzten die braunen Wellen heran, und manchmal sah man auch eine Kuh oder ein Rind daherschwimmen, die laut aufschrien und dann versanken.

»Die Brücke steht noch,« sagte ein Kamerad zu Anton, der eben half, die Haken aus den in die Höhe geschleppten Stämmen herauszuziehen und die Pferde abzuschirren. »Was ist denn das da? Dort reitet ein Mann über die Brücke. Herrgott, ist das nicht der Landolin?«

Anton durchschauerte es; der Schweiß, den er sich eben von der Stirn trocknen wollte, war plötzlich kalt geworden.

»Schau!« fuhr der Kamerad fort. »Was ist denn das? Jetzt drängt sich Etwas an ihn mit einem rothen Tuch auf dem Kopf; ist das nicht die Schaubkäther, Anton? Siehst Du es auch, oder sehe nur ich's?«

»Ja, ja!« preßte Anton hervor. »Ich sehe es auch. Der will zu mir. Komm', komm' schnell!«

Sie ließen die Pferde stehen, sie warfen die Haken auf den Boden und eilten hinab ans Ufer. Dort schwamm eben der Hund Racker heran und sprang ans Ufer; er schüttelte den Kopf, wendete sich und bellte nach dem Wasser hinab. Schnell lösten die Beiden einen Kahn vom Ufer, der Hund sprang hinein, und sie steuerten hinaus, von den Wellen fortgetrieben. Da zeigte sich der Zipfel eines Gewandes, der Hund sprang aus dem Kahn, faßte den Zipfel, und die beiden Männer legten Haken an und zogen den schweren Landolin herauf. Sie legten ihn in den Kahn, fuhren mächtig rudernd ans Ufer, andere Männer kamen herbei, man trug Landolin ins Haus und machte Belebungsversuche. Anton schickte sofort seinen Kameraden hinauf zu Thoma.

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