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Landolin von Reutershöfen

Berthold Auerbach: Landolin von Reutershöfen - Kapitel 49
Quellenangabe
typefiction
booktitleLandolin von Reutershöfen
authorBerthold Auerbach
year1878
publisherVerlag von Gebrüder Paetel
addressBerlin
titleLandolin von Reutershöfen
pages1-322
created20040708
sendergerd.bouillon
firstpub1878
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Achtundvierzigstes Kapitel.

Thoma war nicht neugierig, was Peter so lang mit der Mutter zu reden hatte, es hätte sie auch nicht gefreut, denn Peter zischelte:

»Mutter! das müsset Ihr ins künftige nicht mehr leiden, daß der Vater so in der Welt herumfährt, und ich will Euch da schon helfen. Wir haben ihm geholfen abladen, jetzt ist's genug, er soll Ruh halten und den Leuten nicht die Mäuler aufreißen.«

Die Mutter sah den Peter betrübt an und dann wie einen fremden Menschen. Peter deutete diesen Blick ganz anders und fuhr zutraulich fort:

»Jetzt sind wir oben dran, Mutter. Wir machen aber kein Geschrei davon. Vordem habt Ihr nichts gegolten, Mutter, und ich auch nicht, da hat's immer nur geheißen: der Bauer und die Thoma, von uns Zwei keine Red'. Jetzt helfet mir, Ihr könnt's im Guten, wie es bei Eheleuten ist, ich thu's ja auch im Guten, kein Mensch soll's merken, daß ich den Hof regiere; aber zum Andern, daß er nicht mehr so herumläuft, dafür müsset Ihr sorgen, Mutter. Daß er mit den Papieren viel Geld verspielt hat, das hat er Euch gewiß gesagt; das ist vorbei und darüber machen wir ihm keinen Vorwurf, mit keinem Wort. Daß er nichts mehr verschleudern kann, da sorg' ich schon vor.«

»Ist denn unser ganzes Haus verhext?« fragte die Mutter in die Luft hinaus. »Ist denn unser Haus kein' Heimat mehr? Wo soll ich denn hin?«

»Mutter, müsset nicht so reden, nicht so drein schauen, ich bin da und Ihr sollet sehen, wer ich bin. Und Euch zu lieb ist es uns gut gegangen. Wo ich hinkommen bin, hat's geheißen: Ja freilich, ja, dem Landolin muß man heraushelfen, der Bäuerin zu lieb.«

»Nicht mir zu lieb!« wehrte die Mutter ab, »Dein Vater ist unschuldig, und es hat sich erwiesen; auf mir liegt nichts.«

»Gewiß nicht, und es ist schon recht so. Und daß Ihr's nur wisset: der Tobias ist ein Schelm, ein ungetreuer. Ich behalt' ihn noch bis über die Ernt', dann schicke ich ihn fort. Er mag sich berühmen, daß er es gewesen sei, der den Vater herausgelogen hat, es hilft ihm nichts, im Gegentheil, und er soll schon erfahren, daß wir ihn nicht zu fürchten haben. Der Vater ist freigesprochen vom Schwurgericht. und dagegen giebt's keine Apellation mehr. Ich hab' den Advokaten gefragt.«

Nach langem Staunen fragte die Mutter:

»Was hast Du gesagt? Der Vater ist nicht mehr Meister?«

»Nicht wahr, Mutter, ich mach's geschickt? Nicht einmal Ihr habt's gemerkt. Er hat auch gemeint, ich soll den Tobias noch behalten, aber ich verstehe das besser.«

Lange saßen Mutter und Sohn still beisammen. Endlich sagte die Mutter:

»Geh Deinem Vater entgegen oder nimm das Fuhrwerk. Ich meine immer, es geschieht ihm was, ich hab' so arg Angst.«

»Ja Mutter, Euch folg' ich, ich geh'! ich kann aber nicht wissen, ob ich ihn find'.«

»Ja, geh in Gottes Namen und sei gut. Ich will sehen, daß ich ein bisle schlafen kann.«

Peter ging, aber er schwenkte bald seitab nach einer Gassenwirthschaft, wo gekegelt wurde, und er freute sich, den Holzmachern aus dem obern Wald und auch halbwüchsigen Burschen ein gut Stück Geld abzugewinnen, denn Peter war Meister im Kegeln.

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