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Landfahrer und Abenteurer

Franz Blei: Landfahrer und Abenteurer - Kapitel 5
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typeessay
authorFranz Blei
titleLandfahrer und Abenteurer
publisherGeorg Müller
year1913
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William Lawrence

Der Zuschauer eines Boxmatches gibt vielleicht dem einen der beiden Kämpfer den Vorzug, aber nicht den Willen zum Sieg, denn der Zuschauer hat beide Hände in den Taschen seines Paletots. Frägt er einen Boxer, ob er siegen will, so wird der, ohne ein Wort zu sagen, mit seiner blutenden Nase antworten. Die blutende Nase beweist dem Boxer, dass er siegen will.

Im Kriege schiesst man hin, weil hergeschossen wird, man sticht zu, weil man gestochen, schlägt, weil man geschlagen wird. Tapferkeit ist: der andere soll mich nicht mehr bedrohen können. Der Krieg ist für den, der ihn mit seinen Fäusten, also wirklich, führt, eine Rauferei: ich schlage zu, weil der andere schlägt. Vom Heldenmut, mit dem sich die Truppen geschlagen haben, berichtet der Zuschauer, der die Hände im Paletot hat. Die Tapferkeit, sagt de la Rochefoucauld, ist die Flucht nach vorne. Sie ist die Angst ums Leben, um das sich der gemeine Mann viel mehr kümmert als um den Tod, über den er sich viel weniger Gedanken macht als der Gebildete. Und wendet sich alles zur Flucht nach rückwärts, so ist es die Angst vor der Angst, die zu der Angst um das Leben noch dazukommt, – die »kopflose« Flucht, von der der Zuschauer berichtet.

Die grosse Saga des Krieges wurde immer von denen geschrieben, welche ihre Hände im Paletot hatten. Hier soll nun von einem erzählt werden, der als gemeiner Soldat in hundert Schlachten war und im Alter davon einem erzählte, der es aufschrieb. Denn dieser Soldat konnte weder lesen noch schreiben. Er war ein ganz und gar gewöhnlicher Mensch, wie die meisten Menschen, nicht schlimmer, nicht besser, gründlich ungebildet und ohne die geringste Neigung oder Fähigkeit, seine Gewöhnlichkeit zu unterstreichen oder zu inszenieren. Auch die grossen Ereignisse, in die ihn der Zufall warf, änderten ihn nicht, machten ihn weder grösser noch kleiner, denn er verstand sie gar nicht. Er begleitet die Schläge, die er bekam und austeilte, nicht mit Worten und Meinungen grossartiger Natur, wie jener Sergeant Fricasse, der Freiwillige von 1793, den alle Worte der Revolution belebten. Es ist gar nichts vom Helden in ihm, der sich töten lässt, weil er verwundet wurde. Nichts von dieser sokratischen Ausnahme des ohne Zorn und darum ohne Glauben Sterbenden. Die Regel des gemeinen Menschen sagt wie ein Gott in den Wolken, dass er leidet. Die Griechen haben über ihre trojanische Legende diese andere gestülpt, dass Helena gar nicht in Troja war, sondern in Ägypten, während die Helden sich vor den Mauern Ilions totschlugen für sie. Diesen ganz einfachen Soldaten William Lawrence interessierte sogar bei Waterloo nur das eine: wo er was zu essen fände. Und während sich die Geschicke Europas entscheiden, verzehrt er zufrieden und ahnungslos ein Huhn.

Als ganz armer Leute Kind wurde William Lawrence in einem Dorfe der Grafschaft Dorset 1791 geboren, als eines von sieben Kindern. Er lernte lesen, brachte es aber darin nicht so weit, aus den Zeichen den Sinn zu holen, weshalb er sich mit allem Geschriebenen immer an einen andern wandte, der es ihm vorlesen musste. Dass er nicht schreiben konnte, verbarg er geschickt durch ein sehr gutes Gedächtnis, das die längsten Zahlenreihen behielt, denn er war Korporal und Sergeant geworden nach siebzehn Dienstjahren, ohne dass seine Vorgesetzten merkten, dass er nicht schreiben konnte. Brauchte er was Schriftliches, so liess er es sich von einem andern machen. Hätte er beide Kenntnisse besessen, so wären sicher die Aufzeichnungen aus seinem Leben unlesbar; es wäre fast ein Gebildeter geworden, der mit Meinungen und Ansichten langweilt, die aus zweiter Hand sind.

Es war ein trostloses Hungerleben in Dorset, das William damit abschloss, dass er eines Tages seinem brutalen Meister mit einem Siebenschillingstück und einem dreipfündigen Schinken davonlief. »Ich dachte,« schreibt er zur Entschuldigung, »dass mir das von Nutzen sein könnte.« Er vagabundierte auf den Landstrassen, und weil er ein junges Bürschchen war, half man ihm durch und jagte ihn nicht von den Türen, wenn er bettelte. Aber das Leben auf den Strassen war gar nicht nach Lawrences Geschmack. Er besass keine Spur von Poesie und Romantik, und für die Schönheiten der Natur war er nur dann empfänglich, wenn sie essbar waren. Er dachte also bald daran, den Landstreicher aufzugeben und Soldat zu werden. Er eröffnete seinen Plan einem Herbergsgenossen, der auch gern bereit war, ihn zu einem Regiment zu bringen, das in der Nähe lag und wo man, wie er sagte, sechzehn Guineen Rekrutenprämie bezahle. Es waren aber nur vier und eine halbe, von denen zwei der gefällige Werber bekam. Es war nur so wenig, weil der Rekrut erst fünfzehn Jahre hatte.

So wurde Lawrence Grenadier beim vierzigsten Regiment und blieb das vierzig Jahre lang, nicht nur ohne Begeisterung, sondern auch ohne jede Neigung, wenn er auch immer seine Pflicht tat, manchmal sogar mehr als seine Pflicht, wenn das sich besonders bezahlte. »Die Soldatenkarriere ist vielleicht gefährlicher als jede andere,« sagt der alte Waterlookrieger naiv. Es war ihm ein Handwerk, bei dem er sich langweilte. Der Kanonendonner war ihm niemals Musik in den Ohren und die Attacken waren ihm beschwerliche Arbeit, nichts weiter. Wofür er kämpfte, das interessierte ihn gar nicht, – meistens wusste er es auch gar nicht. Er tat eben, was man von ihm verlangte. Er gehorchte einem Befehl. Er kämpfte weder für das Vaterland, noch für die Freiheit, sondern, wie ein richtiger Söldner, für die Bezahlung. »Es war eine grosse Dummheit,« sagte er fünfzig Jahre später, »denn ich fand beim vierzigsten Regiment Herren, die mich viel schlimmer piesackten als der Patron, dem ich um dessentwillen davongelaufen war.«

Der für zweiundeinhalbes Pfund gekaufte Soldat hatte noch nie in seinem Leben eine Flinte abgeschossen, als das Regiment auf eine Expedition gegen Montevideo und Buenos-Ayres geschickt wurde. Am Tage vor der Abfahrt hatte Lawrence ein sehr vergnügtes Einschlafen in dem Gedanken, dass es seinem bestohlenen Patron wohl nicht gelingen werde, ihn da drüben zu finden. Aber am nächsten Morgen, als das Regiment mit klingendem Spiel und Vivat zu Schiff ging, da wurde die Freude über den Streich zu Wasser, das dem Jungen aus den Augen schoss, denn da war keiner, der ihm auch nur einen Abschiedsblick zugeworfen hätte, und er sah die Soldaten weinen um Bräute, Weiber, Eltern und Geschwister, von denen sie Abschied nahmen, »Tränen so viel, um ein Hospital auf Jahre hinaus mit Augenwasser zu versehn«. Es war ein banger Auszug, und ein lebhafter Empfang in Montevideo, wo die Spanier mit heftigem Schiessen dagegen waren, dass die Grenadiere aus dem Schiff stiegen. »Wir hatten einen schlechten Geschmack im Munde, denn es sah ganz so aus, als ob vor uns entweder der Tod oder der Ruhm wäre.« Für das eine wie das andre, schien es Lawrence, habe er seine Knochen zu billig verkauft. Aber diese Einsicht wurde nicht zur Wut über den oft grausamen Feind, und diese Wut nicht zum Heldenmut, der ihn ungeheure Taten verrichten lässt, wie den französischen Kapitän Coignet zum Beispiel, der auf vielen Seiten seiner Erinnerungen von den Metzgertaten berichtet, die er für das Vaterland und den Ruhm der Nation ausführte. Dieser tapfere Kapitän stach noch Gegner in den Bauch, die sich schon ergeben hatten, nur um erzählen zu können, dass er einmal sieben Ungarn auf einen Streich umgebracht hatte. Gar nicht so ist der Infanterist Lawrence. In Montevideo kommt er einmal zu einem Obersten gelaufen und meldet erschrocken, dass die Spanier zwei Verwundete massakriert hätten. »Zahlt mit der gleichen Münze zurück,« sagte der Oberst. Aber das war nicht Lawrences Temperament. Er tötete nur, um nicht selber getötet zu werden. Er war Soldat immer aus Notwehr gewissermassen. Er entschuldigt sich förmlich dafür, wenn er den andern umbringen muss. Bei der Belagerung von Badajoz griff ihn ein französischer Sergeant mit dem Bajonett an, verfehlt ihn und stürzt. »Da heftete ich ihn rasch mit meinem Bajonett auf den Boden, und der arme Mensch verschied fast auf der Stelle. Nachher tat es mir leid, dass ich nicht versucht hatte, ihn zum Gefangenen zu machen, statt ihn zu töten; aber wir waren in dem Augenblick gerade alle sehr beschäftigt, denn es war mitten in der Schlacht, und man hatte keine Zeit zum Nachdenken. Ausserdem sah der Mann sehr kräftig aus, denn er war gross und dick, mit einem Bart über das ganze Gesicht: ich habe nie einen schöneren Mann in der französischen Armee gesehen; und wenn ich ihn hätte aufstehn lassen, wäre ich vielleicht in eine schlimme Situation gekommen, so dass ich doch das bessere Teil erwählte, – töten oder getötet werden.« Die Berufung zum Soldaten hat Lawrence nicht. Der Feind, den er tötet, tut ihm leid. Die Angst im Anfang vor der feindlichen Kugel hatte er bald überwunden und wurde so tapfer, wie alle seine Kameraden, Kinder des Volkes, das sich vor dem Tode nicht besonders fürchtet, weil es ihm zu selbstverständlich ist, dass das Leben einmal aufhören muss. Die Furcht vor Gespenstern ist da sicher grösser als die Furcht vor dem Tode. Die Engländer hatten ihre massakrierten Verwundeten gerächt und zweitausend Spanier lagen tot vor Montevideo. Lawrence stand des Nachts Wache bei einem Graben, in den man fünfhundert tote Feinde geworfen hatte. Da packte ihn das Grauen, mehr als je vor dem lebendigen Feind, vor diesem Loch, aus dem ihm die Geister der Erschlagenen stiegen. Dass sie als ganz wirkliche Geister da heraufkommen würden, glaubte er und erlebte schreckliche Stunden, wie nie in einer Schlacht. Und er musste an alles das denken, was er in seinem Leben angestellt und was er besser nicht getan hätte. Der gestohlene Schinken und die sieben Schilling fielen ihm auf das Gewissen in dieser Nacht, da er sich vor den Gespenstern fürchtete, und wenn er auch in seinem weiteren Soldatenleben so manches stahl, so hatte ihn das Erlebnis dieser durchbebten Nacht, da er bei dem Loch Wache stand, doch in der Moral so sicher gemacht, dass er immer wusste, dass er unrecht tat, wenn er stahl, aber dass es der Hunger war oder das schlechte Beispiel, die ihn zum Diebe machten. Diese Nacht hatte ihn ehrlich zu sich selber gemacht, wovon wir den Nutzen in seinen Aufzeichnungen haben, die nicht die geringste Lüge oder Attitüde trübt. Man geht so sicher mit ihnen, wie im Gleichmarsch eines gutexerzierten Regimentes Infanterie. Nicht einmal die Liebe, diese lügnerische Vergolderin, bringt ihn von seiner natürlichen Bescheidenheit ab. Was bei einem Soldaten erst recht viel bedeutet. In Montevideo bot man ihm ein Vermögen mit einer hübschen Frau an. Der Vater dieser Dame regalierte unsern Thomas, auf den er ein Auge geworfen hatte, als seinen künftigen Eidam, – man weiss nicht recht, warum. Der Vater war scheinbar ein Narr, da er durchaus einen englischen Soldaten zum Schwieger haben wollte. »Ich glaube,« sagt Lawrence, »dass ihm ein anderer ebenso recht gewesen wäre wie ich, wenn er nur überhaupt einen bekäme.« Und er sagt ferner, dass er die Braut nie gesehen habe. Man muss zu seiner ehrlichen Aufrichtigkeit ein um so grösseres Vertrauen haben, als sie ein gutes Teil Mangel jeder Phantasie ist. Vielleicht hätte er ganz gerne ein bisschen gelogen, wenn er gekonnt hätte, wenn ihm etwas eingefallen wäre. Aber es fiel ihm nichts ein. Er bleibt bei der Wahrheit und wird da manchmal ein grosser Dichter, indem er nichts sonst tut, als die einfache Wirklichkeit einfach erzählen.

Das vierzigste Regiment geht nach Dublin, und Wellington führt es im Jahre 1808 nach Portugal, bei welchem Anlass Lawrence die einzige politische Bemerkung macht, die sich in seinen Aufzeichnungen findet. Er erklärt, dass die Engländer den Spaniern gegen ihre früheren Alliierten, die Franzosen, zu Hilfe kämen, also »dass wir nun uns für dieselbe Nation schlagen mussten, die wir einige Monate früher in Montevideo und Buenos-Ayres bekämpft hatten«. Das bemüht er sich zu verstehen, aber er begreift es nicht. Er nennt in seinem ganzen Buche zweimal Napoleon, aber weshalb die Engländer jetzt auf einmal sich für die Spanier interessieren, das zu ergründen, gibt er auf. Wusste es wer andrer? Das Volk gewiss nicht. Lawrence kommt nicht einmal dazu, zu meinen, dass andere es wissen würden. So gross empfindet er den Abstand zwischen seiner Simplizität des Söldners und den Fakten, in die er kommandiert wird, dass er gar nicht den Versuch macht, sich Unverständliches zu erklären. Und wie er die neuen Bundesgenossen sieht, wird ihm alles noch unverständlicher, denn er findet die Spanier verächtlich, weil sie nicht in der Reihe kämpften wie richtige ordentliche Soldaten, und hassenswert, weil sie grausam gegen Verwundete und Gefangene sind. Die Franzosen waren ja auch keine Lämmer, aber diese Spanier waren einfach Wilde. »Ich war Zeuge ihrer Barbarei. Einmal legten sie Stroh um einen französischen Blessierten und zündeten es an. Wenn der arme Kerl aus dem Kreis ausbrechen wollte, dann stiess man ihn immer mit einer Heugabel wieder in das Feuer zurück. Wir schossen schnell auf diese Kerle, aber als wir zu dem armen Teufel kamen, da hatte er schon Hände und Gesicht schrecklich verbrannt. Er bat uns, ihn nicht liegen zu lassen, aber wir mussten, und sicher kamen die Portugiesen zurück, um ihn umzubringen, oder er starb an der schlechten Behandlung, die er erlitten hatte.«

Diese berühmten Guerillabanden Minas und des Pfarrers Merino verlieren in Lawrences Erzählung viel von ihrem Prestige, das sie in den Geschichtsbüchern haben. »Diese Banden«, sagt Lawrence, »waren hauptsächlich aus allerlei Lumpen- und Diebsgesindel zusammengesetzt, die sich in die Berge geflüchtet, da vereinigt und eine Truppe von ein paar tausend Leuten gebildet hatten, die von Raub und Überfall auf Proviantzüge lebten, hauptsächlich auf jene der Feinde.« Hauptsächlich auf die Feinde, aber auch auf die Verbündeten, wenn es sonst nichts zu plündern und zu stehlen gab und Not war. Die französisch-englische Feindschaft bestand eigentlich nur zwischen denen, die wussten oder zu wissen meinten, worum der ganze Handel ging. Die Soldaten selber behandelten einander mit grosser Courtoisie. Man schätzte sich und liess es nicht an Beweisen der Achtung fehlen. Während eines Waffenstillstandes bei Talavera, geschlossen, um die Verwundeten vom Schlachtfeld zu tragen, fraternisierten die feindlichen Armeen und »die Verwundeten drückten einander oft die Hände«. Und als das Vierzigste 1810 in einem kleinen Dorfe nah den englischen Befestigungen von Torres-Vedras lag, da »waren wir so ruhig, wie im tiefsten Frieden. Und waren doch so nah dem Feinde, dass wir einander oft in demselben Weinberg trafen und einander die Hand schüttelten und Höflichkeiten austauschten«. Goya hat in seinen »Schrecken des Krieges« die Franzosen als nicht sehr gutartige Feinde gemalt und auch Lawrence sagt, dass der »edle Feind« manchmal ein »recht grausamer Feind« wurde, aber er schränkt sein Urteil durch diese Bemerkung ein, die sehr ungewöhnlich im Munde dieses Bauern und Engländers ist: »Wir sind oft nur allzu geneigt, die Fehler anderer Nationen und Völker zu sehen, während doch, breitete man das Licht über unsere eigenen Fehler, diese oft denen unserer Feinde gleichkämen, ja, sie vielleicht überträfen.« Lawrence ist weder mit Gefühlen noch mit Gedanken an all diesen Bataillen beteiligt, an deren Sinn, und er hätte auch nicht recht gewusst, was für einen Patriotismus er als Bundesgenosse der eben erst bekämpften Spanier in einem ihm und den Seinen feindlich gesinnten Land hätte aufbringen sollen. So sagt er ganz unverstellt, dass auch die Engländer oft ebensolche Scheusslichkeiten begangen hätten wie der Feind oder die Banden. Aber er müsste nicht der ganz gewöhnliche Mensch sein, der er war, wenn irgendeine besondere Empfindlichkeit über ihn hätte Herr werden können. Er hatte ja Mitleid mit allen armen Teufeln, die als Opfer des Kriegshandwerkes fielen, aber schliesslich ist jeder sich selbst der nächste, und etwas in den hungrigen Magen kriegen ist wichtiger als eine Heldentat der Selbstverleugnung für einen Mann, der auf irgend welche Besonderheit keinen Anspruch stellt. Als das vierzigste Regiment am Tage nach der Schlacht bei Vittoria den fliehenden Feind verfolgt, hat Lawrence dieses Erlebnis: »Ich stiess auf einen armen französischen Verwundeten, der uns zuschrie, wir möchten ihn nicht im Stich lassen, da er Angst habe, den spanischen Bluthunden in die Hände zu fallen. Der arme Teufel hatte nicht zwei Stunden zu leben. Beide Schenkel waren ihm durchschossen. Er flehte mich an, bei ihm zu bleiben, aber ich blieb nur so lang, als es mir passte. Ich sah gleich, dass es nicht mehr lange mit ihm dauern könne, weshalb er nicht auf eine grosse Sympathie meinerseits rechnen konnte. Ich durchwühlte seine Taschen und seinen Tornister und fand darin ein Stück Schweinebraten und drei, vier Pfund Brot, was zu nehmen ich für sehr gut hielt. Der Unglückliche bat mich, ihm sein Teil zu lassen. Ich schnitt also ein Stück Brot und ein Stück Schwein ab, lehrte die Bohnen aus meinem Sack und legte alles das neben den Franzosen. Ich fragte ihn dann gleich noch, ob er Geld habe. Er sagte nein, aber ich war nicht ganz überzeugt und suchte wieder in seinen Taschen. Ich fand drei Kartuschen, die ich wegschmiss, eine Kleiderbürste, ein Paket Silberspitzen und auch solche aus Gold. Ich wollte mich nicht mit all dem beladen. Endlich fand ich seine Börse, die sieben spanische Taler enthielt und sieben Schillinge. Ich steckte das Geld in meine Tasche, bis auf einen Schilling, den ich dem Sterbenden zurückgab, und setzte meinen Marsch fort.« Nicht um ein vielleicht zweifelhaftes Samaritertum zu entschuldigen, erzählt Lawrence von den Nöten und dem Hungerelend, welches die englische Armee in dem spanischen Feldzuge litt, und nicht nur vom Feinde, sondern auch von der unfreundlichen Landschaft, vom bösen Klima, vom Volke, für das man kämpfte. Man ging in Schuhen, denen die blossen Füsse die Sohlen gaben; hatte nichts zu essen und war froh, fand man Mehl und Erbsen, die man in Wasser kochte. Von Brot und Fleisch träumte man. Dass Lawrence dem armen Teufel, der sterben musste, von dem Stück Schwein was liess, war für diesen gewöhnlichen Mann ein Opfer, das schon fast ein grosses und nicht nur ein gutes Herz brachte. Ein anderes Beispiel, am Abend der Schlacht von Toulouse: »Die Nacht war hereingebrochen und das Feuern hatte überall aufgehört; die Leute gingen daran, das eroberte Terrain zu untersuchen, vornehmlich nach Holz. Ich traf einen schwerverwundeten Franzosen. Ich fragte ihn, ob ich etwas für ihn tun könnte. Er bat mich um Wasser. Ich gab ihm aus meiner Feldflasche, die fast gefüllt war. Er trank in vollen Zügen, und beinah sofort lief ihm das Wasser aus der Wunde wieder heraus. Aber das erstaunlichste war, dass er mir das Haus seines Vaters zeigte, etwa eine halbe Meile weit, wie ich schätzte, und mir sagte, dass er seine Eltern seit sechs Jahren nicht gesehen habe; und seitdem er in der Gegend sei, wäre es ihm nicht möglich gewesen, auszureissen, um sie zu sehen. Er bat mich, ihn zu führen, damit er bei seinen Eltern sterbe; aber ich sagte ihm, dass mir das nicht möglich sei, denn in der Gegend seien eine Menge Franzosen. Dann verschaffte ich mir eine alte Decke, wickelte ihn darein, so gut ich konnte und es die Umstände möglich machten, und verliess ihn, um mich selber zur Ruhe zu legen. Er sah viel resignierter aus. Nachdem ich gegessen und meinen Grog getrunken hatte, hüllte ich mich in meine Decke und war alsbald eingeschlafen. Am andern Morgen wachte ich früh auf, und da ich nichts Besonderes zu tun hatte, kroch ich aus meiner Decke und brachte alle meine Sachen in Ordnung. Und dann ging ich, mehr aus Neugierde als aus sonst einem Grund, schauen, ob der arme Franzose noch lebte; aber er musste schon vor Stunden gestorben sein, denn er war ganz kalt und steif.«

Wie Lawrence mit seinen Feinden verfuhr, bevor sie verwundet auf dem Felde lagen, das erzählt er etwa, wenn er von der Schlacht bei Vimeiro berichtet – 2. August 1808 –, die seine erste offene Feldschlacht war. Er stand da gegen einen Franzosen, und die beiden kämpften Mann gegen Mann wie homerische Helden. Lawrence hatte sich hinter einem Baum, der Franzose hinter einem Busch verborgen: so schossen sie aufeinander. Und der Engländer redete alldieweil ermutigend zu seinem Baumstamm, der sich, wie der Gott vor den Griechen, als wie ein kriegerisches Wesen vor ihn gestellt hatte, um den Mann zu schützen, redete zu seinem Baumgott, der die französischen Kugeln mit seinem Leibe auffing, bis ein anderer Infanterist des vierzigsten Regiments den Franzosen hinter dem Busch tötete. Das war für Lawrence die Schlacht bei Vimeiro, deren übriges er in drei gleichgültigen Zeilen abtut.

Bei der Belagerung von Badajoz rief man Freiwillige zu einer Sturmkolonne vor die Front. So sicher der Tod war: Lawrence meldete sich. Nicht aus Heldenmut und nicht aus Verzweiflung und nicht aus Dummheit. Aber es ging das Gerücht im englischen Lager, dass den stürmenden Eroberern drei Stunden Plünderung der Stadt erlaubt seien, und Lawrence musste an einen Juwelierladen denken, den er einmal, mit seinem Freunde Harding und einem dritten in der Stadt promenierend, gesehen hatte. Das allein lag den dreien im Kopf, als sie des Nachts die Stadt anliefen, er mit der Leiter, Harding mit den Lichtern, der dritte mit einem grossen Sack. Es war wichtig, dass man sich im Getümmel nicht verliere und zur rechten Zeit vor dem Laden stünde. Aber »unser Plan ging fehl«. Harding hatte gleich seine sieben französischen Kugeln im Leib und lag eine Leiche. Dem andern wurden die Beine weggeschossen und Lawrence musste mit drei Wunden die Ambulanz aufsuchen. Um Harding war es ihm sehr leid. Denn er war ein lustiger Bursche gewesen, ein Ire, dem der Spass nie ausging. Als in einer Tranchee vor Badajoz eine französische Bombe krepierte und Arme und Beine in der Luft herumflogen, da hatte Harding gerufen: »Wenn einer Bedarf hat an Arm oder Bein, der hat jetzt Auswahl.« Und dann war der Ire der geschickteste im Regimente gewesen, bei den Bauern die versteckteste Wurst zu finden.

Da der Plan mit dem Goldschmied so wenig glücklich ausging, sah Lawrence in Zukunft davon ab, sich freiwillig zum Stürmen zu melden, denn man wisse da doch nie sicher, wie man daran ist, mit dem Plündern nämlich. Nicht mit dem Tode, über den sich dieser simple Mann gar keine überflüssigen Gedanken machte, da ihn das unbekannte Leben viel mehr beschäftigte als die bekannte und ihm nicht weiter merkwürdige Tatsache des Sterbens.

Badajoz wurde ohne Lawrence von einer anderen Seite genommen, und er kam zur Plünderung der vom Feinde befreiten verbündeten spanischen Stadt viel zu spät auf hinkenden Beinen. Da er selber nicht dabei gewesen war und Kameraden mit geplündertem Gute begegnete, entrüstet er sich kräftig über diese wilde Kriegssitte. »Unsere Truppen fanden die Stadt zu ihren Ehren illuminiert, was sie nicht hinderte, sich an all die Greuel zu machen, die einer Einnahme durch Sturm gewöhnlich folgen. Ich hatte kein Teil daran wegen meiner Blessuren, die mich im Lager zurückhielten, während die Stadt genommen wurde. Aber trotzdem ich so etwa eine Meile davon entfernt war, hörte ich doch deutlich den Lärm und Tumult, nachdem die Kanonen schwiegen und das Gewehrfeuer. Am anderen Morgen schleppte ich mich auf einem Stock in die Stadt, na, da fand ich einen schönen Zustand! Man hatte die Weinfässer in die Gassen gerollt und geöffnet, damit jeder trinken könne. Wenn die Offiziere die Ordnung damit wiederherzustellen suchten, dass sie die Fässer umwarfen, so legten sich die betrunkenen Soldaten auf die Erde, um aus der Gosse zu trinken. Die Türen in der ganzen Stadt waren aufgebrochen in allen Stockwerken. Ich sah mit meinen Augen einen ganz nackten Priester, den die Unseren in dem Zustand auf die Strasse geworfen und mit den Bajonetten verfolgten, und das, weil sie einmal früher in einem Kloster schlecht behandelt worden waren... Aber während ein Teil unserer Soldaten sich solcher Ausschweifung hingab, muss ich einem anderen alles Lob spenden, da er alles tat, um die Grausamkeit jener zu mässigen. Ich traf an diesem Morgen viele, die sagten, wie betrübt sie seien, zu denken, dass die Soldaten sich nicht beherrschen könnten. Alle Häuser waren ausgeplündert von oben bis unten, und zerstört, was der Plünderung widerstand. Morde gab es nicht viele, aber einige immerhin. Erst nachdem diese ganze Canaille totbesoffen war und manche davon wirklich tot wegen ihrer Exzesse, erst da konnte die arme Stadt etwas aufatmen. Am Nachmittag versuchte man mit frischen Truppen Ordnung zu schaffen, aber dabei wurden ein paar Offiziere erschossen, und man sagte mir, dass die neuen Truppen die betrunkenen Soldaten ihrerseits wieder geplündert hätten. Lord Wellington bestrafte alle Schuldigen, indem er ihnen für eine Zeit den Grog entzog.« Immerhin war Lawrence froh, einen Kameraden zu treffen, der ihm versprach, den Sack mit geraubtem Silber zu teilen, den er auf dem Rücken trug.

Lawrence kam als Korporal aus dem Spital. Aber die Freude an dem höheren Sold wurde ihm durch die Versetzung in eine andere Kompagnie verdorben, deren Leute so klein waren, dass es stark sein ästhetisches Gefühl verletzte, unter Zwergen zu marschieren, die er als ein Riese um einundeinhalb Fuss überragte. Das schmerzte ihn mehr als seine Wunden. Der ganze Beruf war ihm dadurch zuwider. Den Soldaten interessiert die Armee, in der er dient, gar nicht, sondern nur sein Regiment. Auf das Regiment ist er stolz und die Kompagnie auf ihren Major. Wellington ist ihnen so gleichgültig wie der feindliche Heerführer. Es war nach der Schlacht von Salamanka, die neben den für die Franzosen so höchst fatalen Folgen die für Lawrence viel wichtigere Folge hatte, dass er wieder zu seiner alten Truppe kam, zugleich mit einem prachtvollen Tambourmajorstock, den man erbeutet hatte und der gut seine fünfzig Pfund wert war. Der alte Stock war schon recht abgenützt und schäbig gewesen und unter dem neuen war es ein Vergnügen, in die Schlacht zu gehn. Dass man mit seiner Tapferkeit die Cortes wieder nach Madrid gebracht hatte, – wen hätte das begeistern können? Der neue Stock tat das. Die gemeinen Menschen sind weit grössere Illusionisten als die politischen Menschen. Der Bursche wählte die Truppe, in der er Soldat sein wollte, nach der Uniform: die napoleonischen Kriegertrachten glänzten der feindlichen Kugel zum Trotz in allen Farben; wenn man Khaki trägt, hat der Krieg keinen Sinn mehr; wenn er das Auge nicht erfreut, enthüllt er seine stumpfsinnige Nüchternheit; wenn man seine Gegner nicht sieht, freut einen das Schiessen nicht.

Die sechs Jahre des spanischen Feldzuges sind vorüber, die englische Armee geht über die Pyrenäen, und Lawrence, der nun Sergeant geworden ist, entzückt sich an der fruchttragenden Üppigkeit der französischen Provence, an den Federbetten, in denen er nun, als ein Sergeant, zu liegen ein Recht hat, und an den feinen Ragouts, die man ihm vorsetzt. Aber er findet sich nicht in diese neuartigen Sachen. Eine Nacht vor Bordeaux, wo man sich einschiffen sollte, bezieht Lawrence mit einem Kameraden Logis im Schlosse eines alten Royalisten, der glaubte, er müsse den englischen Wiederherstellern des Königtums alle Ehre antun. Das herrlichste Essen wird in silbernen Platten serviert, die im Licht vieler Kerzen strahlen – »ich hatte nie einen solchen Pomp gesehen«. Aber den beiden Engländern ist unbehaglich, sie sehnen sich nach der Küche; im Salon trauen sie sich, so hungrig sie sind, nicht zu essen. Sie wussten, dass es sich hier nicht schicke, mit den Fingern zuzugreifen, wie sie es gewohnt waren, und die Gabeln machen ihnen grosse Schwierigkeiten. Und was sie, hatten sie schon den Bissen glücklich im Munde, was sie assen, schmeckte ihnen wohl, aber es war zu kompliziert und unergründlich, woraus es bestand. Ein gepuderter Lakai brachte die beiden Soldaten in ihr Schlafgemach, und da lachten sie sich erst gründlich über ihre Metamorphose zu Gentlemen aus. Und hörten damit erst unfreiwillig auf, als sie in den Federbetten lagen, die ihnen höchst unbequem waren. Nach einer Weile stieg der eine aus dem Bette und legte sich, in seinen Mantel gehüllt, auf den harten Fussboden, dann folgte der andere. Und da schliefen sie prächtig bis in den Morgen, wo sie der Schlossherr sehr erstaunt weckte. Und wieder sehnte sich Lawrence nach der Küche, als er vor die Herrin in ein Boudoir geführt wurde, wo er erzählen sollte. Er tat sein Bestes, und die gute Dame weinte, was wieder Lawrence sehr rührte. Aber er empfahl sich gerne, um zu seinem Regiment zu kommen, das in einer Weise verändert war, die ihm gar nicht gefiel: man hatte die Lücken mit neuen Leuten ausgefüllt, und da gab es nun auf einmal so viele Helden, die nie in Spanien gewesen waren, dass man kaum seine alten Kameraden wiederfinden konnte.

Das Vierzigste kam in England gerade an, um sich auf das Schlachtfeld von Waterloo zu begeben. Auch von dieser Schlacht berichtet Lawrence mit der Kürze, die er auch sonst liebt, soweit die Sache ihn nicht persönlich angeht. Waterloo fand er noch ganz besonders langweilig, weil das Regiment auf einem Platz bleiben musste, auf dem weder was Trauriges noch was Lustiges passierte. Wären die Offiziere nicht gewesen, so wäre man weggegangen wie aus einer langweiligen Vorstellung. Das Regiment stand in einem kotigen Loch, wurde zusammengeschossen und verlor die Nerven. Die Nacht kam und das Feuern hörte auf. Die Preussen ritten vorbei, die Lawrence zum Teufel wünschte, da ihm sein General geraten hatte, sich vor den Preussen zu hüten, denn »das seien Leute, die alles wegnähmen, was sie erwischten«. So wünschte er sie zum Teufel, denn er hatte glücklich einen Sack mit einem Schinken und zwei Hühnern gefunden, die ihn mehr interessierten als die ganze Schlacht, in der Napoleon seinen Kochtopf verloren, Lawrence den seinen gefunden hatte. Und den seinen gefunden hatte, weil er im kritischen Augenblick mit einem Preussen den Schinken teilte.

Vor Paris, wohin man den achtzehnten Ludwig begleitete, verliebte sich Lawrence in eine kleine Französin, die er in England heiratete. Im Jahre 1817 nahm er seinen Abschied und machte sich nach Dorset auf den Weg zu seinen Eltern, die er nicht mehr gesehen hatte, seitdem er als ein Junge zu den Soldaten gelaufen war. Die Nachricht bekam er, dass sein Vater im Sterben liege. Diese Heimkehr erzählt dieser einfache Mensch als ein grosser Dichter. »Wir kamen an einem Sonntagmorgen an, während des Gottesdienstes. Wir nahmen den kürzeren Weg über den Friedhof und stiegen das Dorf hinunter, fragten einen und den andern nach dem Hause, wo John Lawrence (mein Vater) wohne. Es war noch dasselbe Haus, in dem ich geboren worden war. Und so komisch das auch war, ich beeilte mich gar nicht. Ich hatte von den Nachbarn gehört, dass er noch lebe und dass es ihm besser ginge, so war ich ruhig.« Er zeigte also im Dorfe seine Uniform und seine französische Frau und liess seinen Gefühlen Zeit. Ein altes Weib erkennt ihn, läuft zu seiner Schwester und meldet den Bruder. Der trug seinen Soldatenbart. Er steht vor dem Haus, ruft die Schwester. »Tritt ein! Warum hast du dir den Bart nicht scheren lassen? Da fragte ich sie, ob ein Bader im Ort sei. Nein, sagte sie, aber ich will ihn dir scheren. Ich schere immer auch den Vater. Da trat ich ein. Mutter und Vater waren von der Kirche noch nicht zurück. Ich warf meinen Mantelsack ab und nahm heraus, was man für den Bart brauchte.« Zwölf Jahre hatten sich Bruder und Schwester nicht gesehen.

Mit sauberem Kinn und Lippen trat er an die Haustür und sah die Strasse hinauf. Da war der Gottesdienst aus. »Und wie er aus war, sah ich gleich die alte Frau mit demselben alten Hut, dem schwarzen Kleid und dem gleichen roten Mantel, wie damals, als ich sie verlassen hatte. Sie hatte von der Neuigkeit Wind bekommen, und sie kam nun daher wie ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Ich ging ihr entgegen, aber sie war so auseinander, dass ich sie an die Hauswand lehnen musste, damit sie nicht hinfalle. Und ging dann dem Alten entgegen, der ein Krüppel war und auf zwei Stöcken hinterdreinkam. Ich brauche wohl nicht sagen, dass er schlimmer als die anderen war, mich so auf einmal wiederzusehen. Ich brachte ihn ins Haus und hatte Mühe, ihn auf seinen Stuhl zu bringen. Keines von uns sprach lange Zeit ein Wort. Schliesslich sagte der Alte: Mein Kind, ich habe nicht geglaubt, dass ich dich wiedersehe.«

Lawrence schliesst seine Erinnerungen mit diesen guten Worten »Ich habe mich bemüht, so gut als ich kann – und ich weiss, es lässt zu wünschen übrig – zu erzählen und so kurz als möglich, damit es die Leute meiner Gegend in ein paar Stunden lesen können, was mir so hauptsächlich im Leben passiert ist, verbunden mit den verschiedenen Feldzügen, in denen ich gedient habe; und wenn ich auch verstimmt bin, dem Leser nicht Ausführlicheres über Spanien und Waterloo geben zu können, so glaube ich, dass meine alten Kameraden, die mit dabei waren, nicht werden sagen können, dass, was ich erzähle, nicht ganz genau ist.«

Der Sergeant Lawrence starb im Jahre 1867.

Vom Leben des Soldaten in diesen Kriegen erzählen noch andere, der Sergeant Anton, der im zweiundvierzigsten Regiment diente, oder Harris, der Infanterist vom alten fünfundneunzigsten Regiment, oder Mercer, der Kanonier. Sie bestätigen die Tatsachen, die Lawrence berichtet. Sie erzählen von ihren Führern und ihren Meinungen über sie. Sie erzählen zu viel und zu wenig. Sie sind nicht unbedeutend genug, wie es dieser Lawrence war. Der ist seinesgleichen: der ganz gewöhnliche Mensch, der so selten von sich Kunde gibt, dass diese wie ein fremdartiges Abenteuer sich liest.

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