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Gutenberg > Marcus Tullius Cicero >

Lälius oder von der Freundschaft

Marcus Tullius Cicero: Lälius oder von der Freundschaft - Kapitel 4
Quellenangabe
typetractate
booktitleLälius oder von der Freundschaft
authorRaphael Kühner
firstpub1864
year1864
publisherKrais & Hoffmann
addressStuttgart
titleLälius oder von der Freundschaft
created20060129
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Marcus Tullius Cicero's

Laelius

oder

von der Freundschaft.

I. 1. Der Augur Quintus MuciusUeber Quintus Mucius Scävola mit dem Beinamen Augur s. die Einleitung. pflegte Vieles von seinem Schwiegervater Gajus LäliusUeber Gajus Lälius s. die Einleitung. vermöge seines treuen Gedächtnisses in anziehender Weise zu erzählen und ihn ohne Bedenken in jeder Unterredung den Weisen zu nennen. Ich aber war nach Anlegung der männlichen TogaIm sechszehnten Jahre seines Lebens, 71 v. Chr. von meinem Vater zu dem Zwecke dem Scävola zugeführt worden, daß ich mich, so lange ich könnte und dürfte, nie von des Greises Seite entfernte. Daher prägte ich manche seiner einsichtsvollen Erörterungen, auch manche seiner kurzen und treffenden Aussprüche meinem Gedächtnisse ein und suchte so durch seine Einsicht gebildeter zu werden.

Nach seinem Tode schloß ich mich an den Oberpriester ScävolaQuintus Mucius Scävola, Sohn des Publius Scävola, Hoher Priester 95 v. Chr., im J. 93 mit Crassus, dem berühmten Redner, Consul, ein großer Rechtsgelehrter. Redner und Staatsmann, ein Muster von Besonnenheit und Klugheit, im J. 85 von Cinna, dem Anführer der Marianischen Partei, getödtet. S. Cicer. de Orat. I, 39, 180; III. 32, 80[?]. Vgl. Orelli Onom. p. 406 sqq. an, den ich für den durch geistige Befähigung sowol als durch Gerechtigkeitsliebe ausgezeichnetsten Mann in unserem Staate zu erklären wage. Doch von ihm ein andermal; ich kehre nun wieder zum Augur zurück.

2. Unter manchem Anderen erinnere ich mich, wie er einmal zu Hause nach seiner Gewohnheit auf einem Lehnsesselin hemicyclio. Hemicyclium (τὸ ημικύκλιον) war ein halbrunder Lehnsessel, etwa wie bei uns ein Fauteuil. saß und, als ich und einige wenige sehr vertraute Freunde zugegen waren, auf das Gespräch verfiel, das damals bei Vielen fast ausschließlich den Gegenstand ihrer Unterhaltung bildete. Du erinnerst dich jedenfalls, mein AtticusUeber Titus Pomponius Atticus s. zum Cato Kap. 1, §. 1., und zwar um so mehr, weil du viel mit Publius SulpiciusPublius Sulpicius Rufus, 93 v. Chr. Quästor, 90 und 89 Unterfeldherr (legatus) im Bundesgenossenkriege, 88 Volkstribun. Bis zum Volkstribunate war sein Benehmen ohne allen Tadel. Bald aber durch Ehrgeiz verleitet, ging er von der Partei der Aristokraten, die auf ihn große Hoffnung gesetzt hatten (Cicero de Orat. I, 7, 25), zu der Volkspartei, an deren Spitze Marius stand, über und zeigte sich durch aufrührerische Gesetzvorschläge dem Staate verderblich. Sulla ließ ihn tödten (88), weil er als Volkstribun den Vorschlag gethan hatte den Oberbefehl im Mithridatischen Kriege, den Sulla vom Senate erhalten hatte, dem Marius zu übertragen. Er war auch ein ausgezeichneter Redner, wie wir aus Cicero de Orat. III, 8, 31; Brut. 55, 202 sq. sehen. verkehrtest, – wie dieser Volkstribun bis zu tödtlichem Hasse mit Quintus PompejusQuintus Pompejus Rufus und Sulla waren im J. 88 Consuln und widersetzten sich den verderblichen Vorschlägen des Sulpicius. Pompejus wurde in einem Aufruhre, der bei dieser Gelegenheit auf dem Forum entstand, getödtet., dem damaligen Consul, mit dem er doch sonst in der innigsten Verbindung und in dem freundschaftlichsten Verhältnisse gelebt hatte, zerfallen war, und wie sehr man sich allgemein darüber theils verwunderte theils klagte.

3. Damals nun theilte uns Scävola, als er gerade auf diesen Gegenstand zu sprechen kam, das Gespräch des Lälius von der Freundschaft mit, das dieser mit ihm und seinem zweiten Schwiegersohne Gajus FanniusUeber Gajus Fannius s. die Einleitung., des Marcus Sohne, wenige Tage nach dem Tode des AfricanusNämlich des jüngeren Scipio Africanus. Ueber ihn s. die Einleitung zum Cato. gehabt hatte. Die Hauptgedanken dieses Gesprächs habe ich meinem Gedächtnisse eingeprägt und sie in dieser Schrift nach meinem Gutdünken auseinandergesetzt. Ich habe nämlich die Personen gleichsam selbst redend eingeführt, um nicht so oft »sagte ich« und »sagte er« einschalten zu müssen, und um dem Gespräche den Schein zu geben, als ob es von persönlich Anwesenden mündlich gehalten würde.

4. Da du mir nämlich oft den Antrag machtest, ich möchte Etwas über die Freundschaft schreiben; so erschien mir dieser Gegenstand einmal der allgemeinen Kunde würdig und dann unserer vertrauten Freundschaft angemessen. So habe ich mich denn auf dein Ansuchen entschlossen, und zwar nicht ungern, hiermit Vielen nützlich zu werden. Aber sowie ich in meinem, dir gewidmeten, älteren Cato über das Greisenalter den greisen CatoNämlich den älteren Marcus Porcius Cato Censorius. Ueber ihn s. die Einleitung zum Cato. einführte, weil meines Erachtens keine Persönlichkeit von diesem Alter zu reden geeigneter war, als der Mann, der einerseits so lange Greis war, andererseits im Greisenalter selbst vor allen Anderen jugendlicher Frische genoß: ebenso schien mir nach den von unseren Vätern über die höchst denkwürdige Freundschaft des Gajus Lälius und Publius Scipio hinterlassenen Nachrichten die Persönlichkeit des Lälius geeignet über die Freundschaft eben die Gedanken zu entwickeln, die aus seinem Vortrage Scävola gehört zu haben sich erinnerte.

Diese Art von Gesprächen aber, die sich auf das Ansehen berühmter Männer aus der Vorzeit stützt, scheint mir, ich kann nicht sagen warum, mehr Gewicht zu haben. Daher werde ich beim Lesen meiner eigenen Schrift manchmal in eine solche Stimmung versetzt, daß ich meine, Cato und nicht ich rede.

5. Aber sowie ich damals an einen Greis als Greis über das Greisenalter schrieb, so schreibe ich in dieser Abhandlung als vertrauter Freund an einen Freund über die Freundschaft. Damals redete Cato, der in jenen Zeiten wol der älteste aller Greise war und an Einsicht alle übertraf; jetzt wird Lälius, ein weiser Mann – denn dafür galt er – und wegen seiner Freundschaft rühmlichst bekannt, über die Freundschaft reden. Du mögest nun deine Gedanken auf einen Augenblick von mir ablenken und dir vorstellen, Lälius rede selbst.

Gajus Fannius und Quintus Mucius kommen nach dem Tode des Africanus zu ihrem Schwiegervater; diese eröffnen die Unterredung; Lälius antwortet. Diesem ist die ganze wissenschaftliche Erörterung von der Freundschaft zuertheilt, und wenn du sie liest, wirst du dich selbst darin finden.

Fannius.

II. 6. So ist es, mein Lälius; es gab ja keinen edleren und berühmteren Mann, als Africanus war. Aber du mußt bedenken, daß Aller Augen nur auf dich gerichtet sind. Dich nennt man den Weisen und hält dich dafür. Diese Ehre erwies man vor nicht langer ZeitVor zwanzig Jahren; denn der ältere Cato war im J. 149 v. Chr. in seinem fünfundachtzigsten Lebensjahre gestorben. dem Marcus Cato; wir wissen, daß Lucius AciliusGaius Acilius, ein älterer Zeitgenosse des Cato Censorius (um 200 v. Chr.), der bei Cicer. Leg. II, 23, 59 als Ausleger der zwölf Tafeln genannt wird. Andere lesen Atilius für Acilius. zur Zeit unserer Väter ein Weiser genannt wurde; aber beide in anderer Beziehung: Acilius, weil er für kenntnißreich im bürgerlichen Rechte galt; Cato, weil er in vielen Dingen Erfahrung besaß. Viele einsichtsvolle Rathschläge im Senate und auf dem Forum, viele kräftige Vorträge und scharfsinnige Rechtsbescheide waren von ihm im Umlauf. Deßwegen führte er im Greisenalter gewissermaßen schon den Beinamen des Weisen. 7. Du aber, meint man, seiest in einer anderen Beziehung nicht allein wegen deiner Naturanlagen und deines Charakters, sondern auch wegen deiner wissenschaftlichen Thätigkeit und gelehrten Bildung ein Weiser, und nicht im Sinne der großen Menge, sondern wie Männer von Bildung Einen weise zu nennen pflegen, desgleichen man in dem übrigen Griechenland Keinen findet; – denn die sogenannten Sieben setzen die, welche die Sache genauer untersuchenNämlich die Geschichtsforscher und Philosophen., nicht in die Zahl der Weisen; – nur in Athen wurde, wie uns berichtet wird, Einer, und zwar sogar durch Apollo's Ausspruch, für den Weisesten erklärtS. zum Cato Kap. 21, §. 78.. Eine solche Weisheit, meinen sie, besäßest du, indem du der Ansicht seiest, dein ganzes Glück sei nur in dir begründet, und die menschlichen Zufälle der Tugend untergeordnet. Daher fragen sie mich, ich glaube auch unseren Scävola hier, auf welche Weise du den Tod des Africanus ertragest, und zwar um so mehr, weil du an den letzten NonenAn den Nonen (d. h. am siebenten Tage im März, Mai, Julius und Oktober, am fünften Tage in den übrigen Monaten) pflegten die Auguren, um Auspicien anzustellen, außerhalb Roms an einem freien Platze zusammenzukommen. Vergl. Cicer. Divin. I, 41, 90., wo wir zur Berathung, wie gewöhnlich, in die Gärten des Augurs Decimus BrutusDecimus Junius Brutus, im J. 134 v. Chr. mit Publius Scipio Nasica Serapio Consul. S. über ihn Orelli Onomast. p. 317. gekommen waren, nicht zugegen warst, da du doch sonst diesen Tag und dieses Geschäft immer mit der größten Gewissenhaftigkeit zu beobachten pflegtest.

Scävola.

8. Freilich fragen Viele, Gajus Lälius, wie Fannius erwähnte; aber ich antwortete das, was ich bemerkt habe: du ertrügest den Schmerz, den du durch den Tod des so großen und dir so befreundeten Mannes empfunden habest, mit weiser Mäßigung; du habest nicht ungerührt bleiben können; auch sei dieses deiner menschenfreundlichen Gesinnung nicht angemessen gewesen; daß du aber an den Nonen unserer Versammlung nicht beigewohnt habest, davon sei dein Befinden und nicht deine Wehmuth Ursache gewesen.

Lälius.

Ja, mein Scävola, du hast recht und der Wahrheit gemäß gesprochen. Denn so wenig ich mich von dieser Obliegenheit, die ich in gesunden Tagen immer erfüllte, durch ein eigenes Mißgeschick abhalten lassen durfte; ebenso wenig darf meines Erachtens überhaupt irgend ein Unfall für einen Mann von festen Grundsätzen Veranlassung werden eine Pflicht zu unterlassen.

9. Wenn du aber, mein Fannius, sagst, man erweise mir so viel Ehre, als ich weder anerkenne noch in Anspruch nehme; so ist dieß bloße Freundschaft von dir, aber dein Urtheil über Cato ist, wie mich dünkt, nicht richtig. Denn entweder war Niemand ein Weiser, – und dieß möchte ich eher glauben, – oder wenn irgend Einer, so war es dieser. Wie, um Anderes zu übergehen, ertrug er den Tod seines SohnesUeber den Sohn des Cato s. zum Cato Kap. 23, §. 84.! Ich erinnerte mich an PaullusUeber Lucius Aemilius Paullus Macedonicus s. zum Cato Cap. 6, §. 15., ich hatte den GallusUeber Gajus Sulpicius Gallus s. zum Cato Kap. 14, §. 49. gesehen; aber diese bei dem Tode von Kindern, den Cato bei dem Tode eines ausgebildeten und bewährten Mannes. 10. Darum ziehe dem Cato ja Niemanden vor, selbst nicht einmal den, welchen Apollo, wie du sagst, für den Weisesten erklärte. Denn an jenem rühmt man Thaten, an diesem nur Reden.

Was aber mich betrifft, damit ich nun zu euch beiden rede, so vernehmt Folgendes:

III. Wollte ich behaupten, die Sehnsucht nach Scipio rühre mich nicht; so mögen die WeisenLälius versteht hier unter den Weisen die Stoiker, die bekanntlich wollten, daß der Weise von jeder Gemüthsbewegung frei sei. S. Zeller Philos. der Griechen, III. Theil S. 132 ff. entscheiden, inwieweit ich daran recht thäte; jedenfalls würde ich eine Unwahrheit sagen. Ja, ich werde gerührt, indem ich mich eines Freundes beraubt sehe, wie es nach meiner Ueberzeugung nie mehr einen geben wird, und wie es – ich darf es behaupten – gewiß keinen gegeben hat. Aber ich bedarf keines Heilmittels, ich tröste mich selbst, und zwar hauptsächlich durch den Trost, daß ich von dem Irrthume frei bin, der sehr Viele beim Hinscheiden ihrer Freunde zu beängstigen pflegt. Schlimmes ist dem Scipio, glaub' ich, nicht widerfahren; mir widerfuhr es, wenn es Einem widerfuhr. Wegen eigener Unfälle aber sich sehr ängstigen zeugt nicht von Freundesliebe, sondern von Selbstliebe.

11. Wer möchte aber leugnen, daß es um ihn herrlich stehe? Denn wenn er sich nicht, was auf keine Weise seine Meinung war, ein unvergängliches Erdenleben wünschen wollte; hat er nicht Alles erlangt, was dem Menschen zu wünschen vergönnt ist? er, der die höchsten Erwartungen seiner Mitbürger, die sie von ihm schon in seinem Knabenalter hegten, sofort in seinem Jünglingsalter durch außerordentliche Tüchtigkeit übertrafSchon in einem Alter von 17 Jahren, 169 v. Chr., zeichnete sich Scipio im Kriege gegen Perseus unter Anführung seines Vaters aus, dann in Spanien im J. 15l als Kriegstribun unter dem Consul Lucius Lucullus, wo er die Mauern von Intercatia zuerst bestieg (Liv. epit. 48), zwei Jahre darauf (149) in Afrika, wo er das Römische Heer zweimal rettete (Liv. ep. 49).; er, der, ohne sich jemals um das Consulat zu bewerben, zweimal Consul ward, das erste Mal vor der gesetzlichen ZeitNach den Gesetzen (s. die folg. Anmerk.) durfte sich Niemand vor dem 43. Lebensjahre um das Consulat bewerben, auch nicht um ein höheres Amt, bevor er das niedere verwaltet hatte. Scipio aber wurde in seinem 36. Lebensjahre (147 v. Chr.), als er sich um die Aedilität bewarb, vom Volke einstimmig zum Consul erwählt., das zweite Mal für seine Person zu rechter ZeitZum zweiten Male wurde Scipio im J. 134 v. Chr. gewählt, 12 Jahre nach seinem ersten Consulate, also zu rechter Zeit. Durch das Genutische (lex Genutia), das im J. 81 v. Chr. von Lucius Cornelius Sulla in dem Gesetze über die Magistrate (lex de magistratibus) erneuert und befestigt worden war, wurde bestimmt, daß Niemand dasselbe Amt binnen 10 Jahren zweimal bekleiden sollte., für den Staat beinahe zu spätWäre Scipio früher zum zweiten Male zum Consul erwählt worden, so würde die Einnahme Sumantia's, das acht Jahre hindurch belagert worden war, eher erfolgt und nicht der schmachvolle Friedensvergleich des Consuls Gajus Hostilius Mancinus in dem Kriege mit den Numantinern im J. 135 abgeschlossen worden sein.; er, der durch Zerstörung zweier unserem Reiche so feindseligen StädteKarthago im J. 146 v Chr. und Numantia im J. 133. nicht nur die gegenwärtigen, sondern auch die zukünftigen Kriege vernichtete. Was soll ich von seinem liebreichen Wesen sagen, von der zärtlichen Liebe gegen seine MutterScipio unterstützte mit seinem Vermögen seine von seinem Vater geschiedene Mutter Papiria, und nach dem Tode der Aemilia, seiner Adoptivgroßmutter, der Gemahlin des älteren Scipio Africanus, schenkte er ihr auch die ihm von seiner Großmutter hinterlassene Erbschaft. S. Polyb. Excerpt. libri XXXII, cap. 12 u. 13., von der Freigebigkeit gegen seine SchwesternSeinen Schwestern, von denen die eine an Marcus Cato, den Sohn des Cato Censorius, die andere an Quintus Tubero verheirathet war, überließ er die nach dem Tode seiner Mutter ihm zum zweiten Male zugefallene Erbschaft der Aemilia., von der Herzensgüte gegen die SeinigenSo namentlich gegen seinen Bruder Quintus Fabius Maximus, dem er die ganze Erbschaft seines natürlichen Vaters Lucius Paullus überließ. Vgl. Cicero Parad. 6, 2., von der Gerechtigkeit gegen Alle? Diese Eigenschaften sind euch bekannt. Wie theuer er aber seinen Mitbürgern war, das zeigte sich in der tiefen Betrübniß bei seinem Leichenbegängnisse. Was hätte ihm also der Zuwachs weniger JahreScipio starb im 54. Jahre seines Lebens (129 v. Chr.). nützen können? Denn so wenig drückend auch das Greisenalter sein mag, – dieß entwickelte, wie ich mich erinnere, Cato im Jahr vor seinem Tode in meiner und Scipio's Gegenwart, – so raubt es uns doch die Jugendfrische, in der sich Scipio noch befand.

12. Was also sein Leben betrifft, so war es an Glück sowol als an Ruhm so reich, daß Nichts hinzu kommen konnte; das Gefühl des Sterbens aber benahm ihm die Schnelligkeit seines Todes. Ueber die Art seines Todes ist es schwer eine bestimmte Behauptung aufzustellen; was die Leute darüber erwähnenMan argwöhnte, Scipio sei durch Gift oder Gewalt getödtet. Scipio wurde nämlich, als er sich im J. 129 dem Marcus Fulvius, Gajus Gracchus und Gajus Carbo, den Triumvirn für die Vertheilung der Aecker nach dem Gesetze des Tiberius Gracchus, widersetzt hatte, am folgenden Morgen todt im Bette gefunden. Namentlich wurde Carbo dieser Frevelthat beschuldigt. Nach Anderen fiel der Verdacht auf Scipio's Gemahlin Sempronia, die Schwester der Cornelia, der Mutter der Gracchen, nach Anderen auf Cornelia selbst, nach Anderen auf Gajus Gracchus u. s. w. S. Gernhard zu dieser Stelle. Orelli Onom. p. 189 führt an: V.  Theophili Scheu de morte Africani minoris ejusque auctoribus dissertatio historico-critica in Beier's größerer Ausg. des Lälius (Lips. 1828) S. 174 sqq., wißt ihr. So viel läßt sich jedoch in Wahrheit behaupten, daß für den Publius Scipio unter den vielen gefeierten und freudigen Tagen, die er erlebte, derScipio hatte in der Senatssitzung die mit der von Gajus Gracchus vorgeschlagenen Aeckervertheilung verbundenen Schwierigkeiten auseinandergesetzt und den Rath ertheilt, man möchte wenigstens anderen Männern als den in Anm. [im Original 11] erwähnten das Geschäft der Vertheilung anvertrauen. Seine Feinde, durch diese Rede erbittert, beschuldigten ihn beim Volke, daß er nach der Oberherrschaft strebe. Gegen diese Beschuldigung vertheidigte er sich am Tage vor seinem Tode in einer heftigen Rede vor dem Volke. Darauf begab er sich in den Senat und sprach von der Gefahr, die ihm von seinen Feinden drohe. Tag der glänzendste war, wo er nach Entlassung des Senates gegen Abend von den versammelten Vätern, von dem Römischen VolkeD. h. dem Theile des Römischen Volkes, der auf Seiten des Scipio und der Optimaten stand., von den Bundesgenossen und den LatinernDie Latiner waren zwar auch Bundesgenossen der Römer, aber sie werden als die bevorzugten Bundesgenossen besonders genannt. nach Hause zurückbegleitet wurde, – es war der Tag vor seinem Hinscheiden aus diesem Leben, – so daß er von der so hohen Stufe der Würde zu den oberen Göttern vielmehr als in die Unterwelt gelangt zu sein scheint.

IV. 13. Ich stimme nämlich den PhilosophenNämlich Epikureer, deren Lehre seit dem Aufenthalte der Athenischen Gesandtschaft in Rom (155 v. Chr.), also zur Zeit des Lälius, den Römern bekannt geworden war. S. unsere Schrift Ciceronis in philosophiam merita p. 9. sqq. nicht bei, die unlängst die Ansicht zu entwickeln anfingen, mit dem Körper gebe zugleich die Seele unter, und Alles werde durch den Tod vernichtet. Eine größere Geltung hat bei mir der Glaube der Alten, theils unserer Vorfahren, die den Verstorbenen so heilige Rechte ertheilten, was sie in der That nicht gethan hätten, wenn sie der Meinung gewesen wären, daß es keinen Einfluß auf sie habeVergl. die ganz ähnliche Stelle Cicer. Tuscul. I, 12, 27.; theils der PhilosophenNämlich der Pythagoreer. Vgl. Cicer. Cat. M. 21, 78 und unsere Anmerk. zu Cat. M. Kap. 7, §. 23., die in unserem Lande lebten und Großgriechenland, das jetzt freilich vernichtet ist, damals aber in Blüte stand, theils des Mannes, der durch Apollo's AusspruchS. Kap. 2. §. 7 und die Anmerk. zum Cat. M. 21, 78. für den Weisesten erklärt wurde, der in diesem Punkte nicht, wie er sonst zu thun pflegte, heute dieses, morgen jenesDieses bezieht sich auf die Ironie (verstellte Unwissenheit) des Sokrates, die er gegen die Anmaßung der damaligen Sophisten anwandte. Daher scheint er über dieselben Gegenstände der Philosophie zu verschiedenen Zeiten verschiedene Ansichten zu haben, und selbst in Betreff der Unsterblichkeit, über die er nach unserer Stelle zu jeder Zeit dieselbe Ansicht ausgesprochen haben soll, äußert er sich, wie M.  Seyffert richtig bemerkt, am Ende der Apologie bei Platon anders als im Phädon desselben Philosophen., sondern immer dasselbe behauptete: »die Seelen der Menschen seien göttlichen Ursprunges, und ihnen stehe, wenn sie aus dem Körper herausgegangen seien, die Rückkehr in den Himmel offen, und diese sei für die Besten und Gerechtesten auch immer am Ungehindertsten«Vgl. Cicer. Tuscul. I, 30, 73..

14. Ganz dieselbe Ansicht hierüber hatte auch ScipioIn den sechs Büchern von dem Staate, die in dialogischer Form abgefaßt sind, wird dem jüngeren Scipio Africanus die Hauptrolle des Gespräches übertragen. Das letzte dieser Bücher enthält das Somnium Scipionis, d. h. den Traum, in dem zwei Jahre vor Karthago's Zerstörung der jüngere Africanus den älteren Africanus gesehen zu haben vorgibt. Dieses Somnium Scipionis ist uns ganz erhalten; von dem Uebrigen besitzen wir nur Bruchstücke, die erst in neuerer Zeit der Bibliothekar Angelo Majo in Mailand entdeckt und herausgegeben hat., der ja, als ob er eine Ahnung gehabt hätte, nur sehr wenige Tage vor seinem Tode in Gegenwart des PhilusLucius Furius Philus, ein Freund des Lälius und Scipio, ein angesehener und fein gebildeter Mann, auch guter Redner. Vgl. Cicer. de Orat. II, 37. 154; Brut. 28, 108. und ManiliusManius Manilius, im J. 150 v. Chr. Consul. ein guter Redner und Rechtsgelehrter. Vgl. Cicer. Brut. 28, 108. Er war der Verfasser der leges venalium vendendorum d. h. einer Sammlung von Formeln, die bei Kaufs- und Verkaufskontrakten gebräuchlich waren. Cicer. de Orat. I, 58. 246. In dem VI. Paradox §. 50 werden seine geringen Vermögensumstande erwähnt. und noch mehrerer Anderer – und auch du, Scävola, warst mit mir hingekommen – drei Tage lang seine Ansichten über den Staat entwickelte, und der Schluß seiner Untersuchung bestand fast ausschließlich in dem, was er von der Unsterblichkeit der Seele während der Nachtruhe in einem Traumgesichte aus dem Munde des Africanus gehört zu haben versicherte.

Ist dem so, daß der Geist der Edelsten sich beim Tode aus dem Gewahrsam und den Banden des Körpers am Leichtesten emporschwingt, wem, meinen wir, könnte dieser Aufschwung zu den Göttern leichter gewesen sein als dem Scipio? Wollte man sich also über dieses sein Ende härmen, so dürfte dieß eher Neid als Freundschaft verrathen. Ist hingegen die andere Ansicht richtiger, daß die Vernichtung der Seele und des Körpers zugleich erfolge, und kein Bewußtsein übrig bleibe; so liegt zwar nichts Gutes in dem Tode, aber jedenfalls auch kein Uebel. Denn nach dem Verluste des Bewußtseins ist es ebenso gut, als ob Scipio gar nicht geboren worden wäre; doch daß er geboren ward, darüber freuen nicht nur wir uns, sondern auch unser Staat wird, so lange er besteht, deßhalb frohlocken.

15. Darum steht es um ihn, wie ich obenKap. 3, §. 10. sagte, herrlich, minder vortheilhaft um mich. Denn sowie ich später in's Leben eintrat, so hätte ich billiger Weise auch eher aus demselben scheiden müssen. Indeß gewährt mir das Andenken an unsere Freundschaft hohen Genuß, indem ich mein Leben glücklich schätze, weil ich mit Scipio lebte, mit dem ich die Sorge um öffentliche und häusliche Angelegenheiten theilte, mit dem ich ein gemeinsames Leben zu Hause und im Felde und, worin das wahre Wesen der Freundschaft liegt, die vollkommenste Uebereinstimmung der Vorsätze, Bestrebungen und Grundsätze hatte. Daher macht mir nicht sowol jener Ruf von Weisheit, dessen so ebenKap. 2, §. 6. Fannius gedachte, zumal da er ungegründet ist, Freude, als vielmehr die Hoffnung, daß das Andenken an unsere Freundschaft ewig dauern werde. Und dieser Gedanke ist mir um so mehr eine Herzenssache, weil im Laufe aller Jahrhunderte kaum drei oder höchstens vier Paare ächter Freunde genannt werden, und ich wol hoffen darf, daß als eine Freundschaft dieser Art die des Lälius und Scipio zur Kenntniß der Nachwelt gelangen werde.

Fannius.

16. Das, mein Lälius, ist unausbleiblich. Doch da du einmal der Freundschaft gedacht hast, und wir Muße haben, so würdest du mir – ich hoffe, auch dem Scävola – einen großen Gefallen erweisen, wenn du uns, wie du bei anderen Fragen, die man dir vorlegt, zu thun pflegst, so auch deine Ansicht über die Freundschaft entwickeltest, ihr Wesen auseinandersetztest und Vorschriften über sie gäbest.

Scävola.

In der That auch mir, und als ich eben diese Bitte an dich richten wollte, kam mir Fannius zuvor. Deßhalb wirst du uns beiden einen sehr großen Gefallen erweisen.

Lälius.

V. 17. Ich würde wahrlich keine Umstände machen, wenn ich Selbstvertrauen genug besäße; denn einerseits ist der Gegenstand an sich vortrefflich, andererseits haben wir, wie Fannius bemerkte, Muße. Doch wer bin ich, und welche Geschicklichkeit besitze ich? Das ist die Gewohnheit der Philosophen von Fach, namentlich der GriechischenDiese Gewohnheit soll zuerst der berühmte Sophist Gorgias aus Leontini in Athen aufgebracht haben. S. Cicer. de Orat. I, 22, 103; III, 32, 126-136; Fin. II, 1, 1. Nach den Sophisten bedienten sich die Peripatetiker und die Neuakademiker dieses Verfahrens. Vgl. Cicer. Fin. II, 1, 2., daß man ihnen eine Frage vorlegt, über die sie selbst ohne alle Vorbereitung einen gelehrten Vortrag halten. Es ist ein schwieriges Geschäft und erfordert keine geringe Uebung. Darum rathe ich euch die wissenschaftliche Erörterung, die sich über die Freundschaft vortragen läßt, lieber bei Fachgelehrten zu suchen; ich kann euch nur auffordern der Freundschaft vor allen irdischen Gütern den Vorzug zu geben. Denn Nichts ist so naturgemäß, so unseren Verhältnissen im Glücke und im Unglücke angemessen.

18. Aber zunächst bin ich der Ansicht, daß nur unter Guten Freundschaft bestehen könne; doch nehme ich es damit nicht in so strengem Sinne, wie die Philosophen, die dergleichen Fragen mit größerer Schärfe der Dialektik behandelnNämlich die Stoiker., vielleicht richtig, aber zu wenig mit Rücksicht auf das Bedürfniß des gewöhnlichen Lebens. Sie behaupten nämlich, kein Mensch sei gut außer dem Weisen. Dem sei immerhin so; aber das, was sie unter Weisheit verstehen, hat bis jetzt noch kein Sterblicher zu erreichen gewußt. Wir hingegen müssen uns an das halten, was in der Erfahrung und im gewöhnlichen Leben begründet ist, und nicht an Gedankenbilder oder fromme Wünsche. Nie werde ich behaupten, Gajus FabriciusUeber Gajus Fabricius Luscinus s. z. Cato M. 6, 15; 13, 43., Manius Curius und Tiberius CorucaniusUeber Manius Curius Dentatus und Tiberius Coruncanius s. z. Cato M. 6, 15., die unsere Altvordern für weise Männer erklärten, seien nach dem Maßstabe dieser Philosophen Weise gewesen. Darum mögen sie diesen mißfälligeninvidiosum, d. h. Mißfallen, Unwillen erregend, wird der Name der Stoischen Weisheit genannt, insofern die Stoiker ihrem Weisen eine dem Sterblichen unerreichbare Vollkommenheit zuschreiben. und unverständlichen Namen der Weisheit für sich behalten, wohl aber gestatten, daß die Genannten gute Männer waren. Aber sie werden auch dieses nicht thun, sie werden behaupten, das könne nur dem Weisen zugestanden werden.

19. Laßt uns also mit schlichtem HausverstandeLat.: agamas igitur pingui, ut ajunt, Minerva, wörtlich: »laßt uns also mit fetter Minerva, wie man sagt, verfahren. Minerva bedeutet in dieser Redensart so viel als Geist; pinguis oder crassa Minerva, fette oder dicke Minerva, ist also etwa das, was wir gewöhnlichen oder schlichten Hausverstand nennen verfahren. Die Männer, die in ihrem Benehmen im ganzen Leben Treue, Rechtschaffenheit, Billigkeit und Edelmuth bewähren und frei von aller Leidenschaft, Zügellosigkeit oder Frechheit sind, vielmehr große Standhaftigkeit besitzen, wie die so eben Genannten, diese wollen wir des Namens guter Männer, wofür sie gehalten worden sind, für würdig halten, weil sie, so viel es menschliche Kräfte erlauben, der Natur, der besten Führerin zu einem tugendhaften Leben, folgen.

Mit der Bestimmung nämlich – das glaube ich deutlich einzusehen – sind wir geboren, daß zwischen uns allen eine gesellschaftliche Verbindung bestehe, und zwar eine um so innigere, je näher uns Jemand angehtIn dem ersten Buche über die Pflichten (Kap. 16 und 17) gibt Cicero die verschiedenen Stufen der menschlichen Gesellschaft an, nämlich: a) Landsmannschaft, Vaterland. b) Bürgerschaft; c) Verwandtschaft. Am Schluß sagt er (§. 55): Doch unter den geselligen Verbindungen ist keine vorzüglicher, keine fester, als wenn brave, an Charakter ähnliche Männer durch vertrauten Umgang mit einander verbunden sind.. Darum sind uns unsere Mitbürger wichtiger als Ausländer, Verwandte wichtiger als Fremde; denn mit jenen hat die Natur selbst Freundschaft gestiftet, aber sie hat nicht genug Festigkeit. Darin nämlich hat die Freundschaft einen Vorzug vor der Verwandtschaft, daß das Wohlwollen aus der Verwandtschaft hinweggenommen werden kann, aus der Freundschaft aber nicht. Denn durch Wegnahme des Wohlwollens wird auch der Name der Freundschaft hinweggenommen, der der Verwandtschaft aber bleibt.

20. Wie groß aber die Bedeutung der Freundschaft sei, läßt sich besonders daraus erkennen, daß aus der unbegränzten gesellschaftlichen Verbindung des Menschengeschlechts, die schon die Natur gestiftet hat, dieses Verhältniß sich so eng zusammenzieht und beschränkt, daß sich das ganze Band der Liebe nur um zwei oder wenige Personen schlingt.

VI. Die Freundschaft ist nämlich nichts Anderes als die vollkommenste Uebereinstimmung in allen göttlichen und menschlichen Dingen, verbunden mit Wohlwollen und Liebe, und es dürfte vielleicht mit Ausnahme der Weisheit dem Menschen nichts Besseres von den unsterblichen Göttern gegeben sein als sie. Einige ziehen Reichthümer vor, Andere Gesundheit, Andere Macht, Andere Ehrenämter, Viele sogar Sinnenlust. Dieses Letztere freilich kommt nur unvernünftigen Thieren zu; jene ersteren Güter aber sind hinfällig und unzuverlässig und beruhen nicht sowol auf unseren Entschließungen als auf der Laune des Glückes. Wer aber das höchste Gut in die Tugend setztLälius hat vorzugsweise die Stoiker im Sinne, nicht die Akademiker und Peripatetiker, die zwar auch die Tugend für das höchste Gut erklärten, aber neben derselben auch noch äußere Güter annahmen, während die Stoiker die Tugend nicht allein für das höchste, sondern für das einzige Gut erklärten. Ans dem Folgenden (§. 21) geht aber deutlich hervor, daß Lälius der Ansicht der Akademiker und Peripatetiker huldigt und die der Stoiker aufgibt., hat allerdings eine erhabene Ansicht; allein eben diese Tugend ist es, welche die Freundschaft erzeugt und erhält, und ohne Tugend kann die Freundschaft auf keine Weise bestehen.

21. Nun wollen wir den Begriff der Tugend nach dem Herkommen unseres Lebens und unserem Sprachgebrauche nehmen, ohne an denselben in der Weise gewisser PhilosophenDer Stoiker. S. zu Kap. 5, §. 18. den Maßstab hochtrabender Redensarten zu legen, und wollen daher als gute Männer die gelten lassen, die man dafür hält, einen PaullusUeber Lucius Aemilius Paullus Macedonicus s. zu Cato M. 6, 15., CatoUeber den älteren Marcus Porcius Cato Censorius s. die Einleitung zum Cato., GallusUeber Gajus Sulpicius Gallus s. zu Cato M. 14, 49., ScipioUeber den jüngeren Scipio Africanus s. zu Kap. 3, §. 10., PhilusUeber Lucius Furius Philus s. zu Kap. 4, §. 14.. Mit solchen Männern begnügt sich das gewöhnliche Leben; andere hingegen, die sich überhaupt nirgends ausfindig machen lassen, wollen wir übergehen.

22. Unter solchen Männern also gewährt die Freundschaft so viel Vortheile, als ich kaum auszusprechen vermag. Zuvörderst, wie kann das Leben lebenswerthNach dem Griechischen: βίος βιωτός. Ueber Ennius s. zu Cato M. 4, 10. sein, um mit Ennius zu reden, das nicht im gegenseitigen Wohlwollen des Freundes Ruhe und Erquickung findet? Was ist süßer als einen Freund zu haben, mit dem man Alles so reden darf wie mit sich selbst? Welcher Genuß würde in glücklichen Tagen so groß sein, wenn wir nicht einen Freund hätten, der sich ebenso darüber freute als wir selbstAristotel. Ethic. 9, 2: η εν ται̃ς ευτυχίαις τω̃ν φίλων παρουσία τήν τε διαγωγὴν ηδει̃αν έχει καὶ τὴν έννοιαν, ότι ήδονται επὶ τοι̃ς αυτου̃ αγαθοι̃ς.? Mißgeschick aber zu ertragen würde schwer halten ohne einen Freund, der es noch tiefer empfände als wir. Endlich sind die übrigen Güter, welche Gegenstände unseres Strebens sind, fast nur einzelnen Zwecken dienlich: Reichthum zur Benutzung; Macht, um Achtung zu erlangen; Ehrenämter, um zur Anerkennung zu gelangen; sinnliche Genüsse, um sich zu vergnügen; Gesundheit, um sich frei von Schmerz zu fühlen und die körperlichen Verrichtungen zu besorgen. Die Freundschaft hingegen verbreitet sich über die meisten Lebensverhältnisse. Wohin man sich nur wenden mag, da steht sie zu Diensten, von keinem Orte ist sie ausgeschlossen, niemals ist sie ungelegen, niemals lästig. Daher haben wir nicht das Wasser, nicht das Feuer, wie man sagt, in mehr Fällen nöthig als die Freundschaft. Doch ich rede jetzt nicht von der Freundschaft der großen Menge oder der des Mittelschlages, die gleichwol auch Freude und Vortheile gewährt, sondern von der ächten und vollkommenen, wie sie nur bei Wenigen war, die einen geschichtlichen Namen haben. Denn eine solche Freundschaft läßt einerseits unser Glück in schönerem Lichte erscheinen, andererseits erleichtert sie das widrige Geschick durch Theilnahme und Mitgefühl.

VII. 23. Sehr viele und sehr große Vortheile umfaßt die Freundschaft in sich; der vorzüglichste aber besteht unstreitig darin, daß sie uns für die Zukunft vorleuchtend freudige Hoffnung gewährt und den Muth nicht erschlaffen oder sinken läßt. Wer nämlich auf einen ächten Freund hinschaut, schaut gleichsam auf das Abbild seines eigenen IchsAristotel Magn. Moral. 2, 15: ώσπερ, όταν θέλωμεν αυτοὶ αυτω̃ν τὸ πρόσωπον ιδει̃ν, εις τὸ κάτοπτρον εμβλέψαντες ειδομεν, ομοίως καὶ όταν αυτοὶ αυτοὺς βουληθω̃μεν γνω̃ναι, εις τὸν φίλον εδόντες γνωρίσαιμεν ὰν· έστι γαρ, ώς φαμεν, ο φίλος έτερος εγώ.. Darum sind Abwesende anwesend, Dürftige reich, Schwache stark und, was noch auffälliger klingt, Todte lebendig. So groß ist die Ehre, das Andenken und die Sehnsucht der Freunde, die sie begleitet. Aus diesem Grunde erscheint mir der Tod der Einen glückselig, das Leben der Anderen preiswürdig.

Nimmt man aber das Band des Wohlwollens aus der Welt heraus, so wird weder ein Haus noch eine Stadt bestehen können, nicht einmal der Ackerbau wird fortdauern. Begreift man dieß nicht hinreichend, so läßt sich aus den verschiedenen Arten von Uneinigkeit und Zwietracht deutlich erkennen, wie groß die Macht der Freundschaft und der Eintracht ist. Denn wo ist ein Haus so dauerhaft gegründet, wo steht eine bürgerliche Gemeinde so fest, daß sie nicht durch Haß und Zerwürfniß von Grund aus zerstört werden könnte? Hieraus kann man urtheilen, wie viel Gutes in der Freundschaft liegt.

24. Ein gelehrter Mann aus AgrigentEmpedokles aus Agrigent in Sicilien (um 450 v. Chr.), ein Philosoph der Jonischen Schule, hatte ein Gedicht peri júsewV, über die Natur, in drei Büchern geschrieben, dessen Bruchstücke von Fr. Wilh. Sturz in: Empedocles Agrigentinus, Lips. 1810, gesammelt sind. Er läßt die vier Grundstoffe durch zwei bewegende Kräfte, die einigende φιλότης (Freundschaft) und das trennende νει̃κος (Streit) gemischt und gestaltet werden. S. Schwegler, Geschichte der Philos. S. 16 f. und besonders Krische, Forschungen auf dem Gebiete der alten Philosophie I. Band, S. 125 ff. soll in Griechischen Gedichten gesungen haben: »Was in der Natur und in der ganzen Welt fest stehe, und was sich bewege, das verknüpfe die Freundschaft und trenne die Zwietracht«. Und das ist Etwas, was alle Sterblichen sowol begreifen als auch durch die That als wahr anerkennen. Zeigt sich daher einmal ein Beispiel von Diensteifer eines Freundes, indem er Gefahren übernimmt oder theilt; wer erhebt dieß nicht mit den größten Lobsprüchen? Welches Beifallsgeschrei erscholl neulich im ganzen Schauspielhause bei dem neuen Stücke meines Gastgenossen und Freundes Marcus PacuviusPacuvius aus Brundusium, Schwestersohn des Ennius, geb. 220 v. Chr., hat Griechische Tragödien frei in's Lateinische übersetzt oder auch umgearbeitet. Die Tragödie, die hier gemeint wird, ist der Orestes (vgl. Stieglitz De Pacuvii vita et Duloreste. Lips. 1820) Der König, vor dem des Orestes und Pylades Streit geführt wurde, war Thoas, König von Taurien. Auch Cicer. de Fin. V. 22, 63 wird dieser Auftritt angeführt. bei dem Auftritte, wo der König nicht wußte, welcher von Beiden Orestes sei, und Pylades sich für Orestes ausgab, um sich für ihn hinrichten zu lassen; Orestes aber, wie er es auch wirklich war, bei der Versicherung verharrte, er sei Orestes! Man erhob sich und klatschte Beifall, obwol es nur eine Dichtung war; was, meinen wir, würde man wol bei einem Falle aus der Wirklichkeit gethan haben? Unwillkürlich äußerte hier das natürliche Gefühl seine Stärke, indem die Leute eine That, die sie selbst zu vollbringen sich zu schwach fühlten, doch an einem Anderen schön fanden.

So weit glaubte ich meine Absichten über die Freundschaft aussprechen zu können; gibt es sonst noch einige Punkte, – und ich glaube, es gibt deren noch viele, – so sucht, wenn's beliebt, bei den Leuten Belehrung, die solche Gegenstände berufsmäßig zum Gegenstande ihrer gelehrten Untersuchungen machen.

Fannius.

25. Wir möchten es aber lieber von dir hören, wiewol ich oft auch bei jenen Belehrung gesucht und ihre Ansichten gehört habe, und zwar nicht ungern; aber deine Behandlungsart ist eine ganz andere.

Scävola.

Mit noch vollerem Rechte würdest du dieses sagen, wenn du neulich in den Gärten des Scipio zugegen gewesen wärestIn dem dritten Buche der Ciceronianischen Schrift vom Staate spricht (bei Augustin. Civ. Dei II, 21) Philus für die Ungerechtigkeit gegen die Gerechtigkeit, wogegen Lälius die Gerechtigkeit in Schutz nimmt und zeigt, daß dem Staate Nichts feindlicher sei als die Ungerechtigkeit, und daß überhaupt der Staat nur bestehen könne, wenn er mit großer Gerechtigkeit verwaltet werde. Nach de Rep. I, 12 hatte übrigens Fannius wirklich dem Gespräche beigewohnt. Dieser Gedächtnißfehler, wenn es einer ist, findet, wie M. Seyffert richtig bemerkt, in der poetischen Licenz des Schriftstellers seine Entschuldigung und in der Wirkung, die derselbe hier hervorbringt, seine vollkommene Rechtfertigung., als über den Staat gesprochen wurde. Wie trat er damals als Vertheidiger der Gerechtigkeit gegen den gründlichen Vortrag des Philus auf!

Fannius.

Für einen so gerechten Mann war es freilich eine leichte Aufgabe die Gerechtigkeit zu vertheidigen.

Scävola.

Wie? Die Freundschaft zu vertheidigen, ist das nicht leicht für einen Mann, der wegen der ausgezeichneten Treue, Standhaftigkeit und Gerechtigkeit, mit der er dieselbe bewahrte, den größten Ruhm geärntet hat?

Lälius.

VIII. 26. Das heißt ja Einem Gewalt anthun. Was verschlägt es denn, wie ihr mich zwingt? zwingen thut ihr mich gewiß. Denn den Wünschen seiner Schwiegersöhne, zumal in einer guten Sache, entgegenzutreten ist schwer und nicht einmal billig.

Je öfter ich nun über die Freundschaft nachdenke, desto mehr scheint mir die Frage der Betrachtung werth, ob das Gefühl der Schwäche und HülfsbedürftigkeitDieß war z. B. die Ansicht der Epikureer. S. Cicer. Fin. I, 20, 66 ff. das Verlangen nach Freundschaft erweckt habe, um durch gegenseitige Dienstleistungen das von einem Anderen zu erhalten, was man für seine Person allein nicht vermag, und es hinwiederum durch einen Gegendienst zu vergelten; oder ob vielmehr dieß zwar ein wesentliches Merkmal der Freundschaft sei, aber ein anderer Grund vorhanden sei, der älter und schöner ist und mehr in der unmittelbaren Natur seine Quelle hatDieselbe Ansicht s. bei Cicer. Fin. II. 24, 78 f..

Die Liebe nämlich, woher das Wort Freundesliebe kommt, das bei uns so viel als Freundschaft bedeutetDie Stelle, welche bei Cicero so lautet: Amor enim, ex quo amicitia nominata est, mußte etwas freier übersetzt werden, da unser Wort Freundschaft nicht von dem Worte Liebe herkommt. Vgl. unten 27, 100; Cicer. Fin. II, 24, 78; N. D. I, 44, 122., ist die erste Veranlassung zur Begründung gegenseitigen Wohlwollens. Denn äußere Vortheile genießt man auch oft von Solchen, welche man unter dem Scheine der Freundschaft besonderer Umstände wegen ehrt und achtet; in der Freundschaft hingegen gibt es keine Lüge, keine Verstellung, sondern Alles, was in ihr ist, ist Wahrheit und freier Wille. 27. Darum scheint mir der Ursprung der Freundschaft in einem Naturtriebe vielmehr zu liegen als in dem Bedürfnisse und mehr in der mit einem gewissen Gefühle der Liebe verbundenen Anschmiegung des Gemüthes als in der Erwägung, wie viel Vortheil sie bringen werde.

Was es mit diesem Triebe für eine Bewandtniß habe, kann man auch an einigen ThierenAristotel. Ethic. 8, 1: Φύσει ενυπάρχειν έοικε (sc. η φιλία) πρὸς τὸ γεγεννημένον τω̃ γεννήσαντι καὶ πρὸς τὸ γεννη̃σαν τω̃ γεννηθέντι ου μόνον εν ανθρώποις, αλλὰ καὶ εν όρνεσι καὶ τοι̃ς πλείστοις τω̃ν ζώων καὶ τοι̃ς ομοεθνέσι πρὸς άλληλα καὶ μάλιστα τοι̃ς ανθρώποις, όθεν τοὺς φιλανθρώπους επαινου̃μεν. Vgl. Cicer. Offic. I, 4, 11. bemerken, die ihre Jungen bis zu einem gewissen Zeitpunkte so lieben und so von ihnen wiedergeliebt werden, daß ihr Gefühl leicht in die Augen fällt. Und dieß tritt bei dem Menschen noch weit sichtbarer hervor: erstens in der zärtlichen Liebe zwischen Kindern und AelternAristotel. a. a. O.: Οι γονει̃ς μὲν γὰρ στέργουσι τὰ τέκνα ως εαυτω̃ν τι όντα, τὰ δὲ τέκνα τοὺς γονει̃ς ως απ' εκείνων τι όντα., deren Band nur durch einen verabscheuungswürdigen Frevel zerrissen werden kann; sodann in dem Erwachen eines ähnlichen Gefühles von Liebe, sobald wir einen Menschen gefunden haben, mit dessen Charakter und Wesen wir übereinstimmen, insofern wir in ihm gleichsam ein leuchtendes Vorbild der Rechtschaffenheit und Tugend zu erblicken glauben. 28. Denn es gibt nichts Liebenswürdigeres als die Tugend, Nichts, was mehr zur Hochachtung anlockt, da wir ja um der Tugend und Rechtschaffenheit willen sogar Menschen, die wir nie sahen, auf irgend eine Weise unsere Hochachtung schenken.

Wer konnte zum Beispiel des Gajus Fabricius, des Manius CuriusUeber Gajus Fabricius Luscinus und Manius Curius Dentatus s zu Cato M. 6, 15. ohne das Gefühl wohlwollender Achtung gedenken, obwol er sie nie sah? Wer hingegen sollte den Tarquinius Superbus, wer den Spurius CassiusSpurius Cassius Viscellinus, ein Patricier, im J. 486 v. Chr. mit Proculus Virginius Consul, machte in ebendemselben Jahre zu Gunsten der Plebejer den ersten Gesetzvorschlag über Aeckervertheilung, aber wegen des Verdachtes, daß er nach dem Königthume strebe, wurde er, sobald er das Consulat niedergelegt hatte, zum Tode verurtheilt und hingerichtet. S. Livius 2, 41., den Spurius MäliusUeber Spurius Mälius s. zu Cato M. 16, 56. nicht hassen? Mit zwei Heerführern wurde in Italien um die Oberherrschaft gestritten, mit Pyrrhus und Hannibal. Dem Ersteren sind unsere Herzen wegen seines Biedersinnes nicht eben abhold; den Letzteren wird wegen seiner Grausamkeit unser Staat ewig hassenDas hier ausgesprochene Urtheil über Pyrrhus bezieht sich vorzüglich auf die milde Behandlung, die er Römischen Gefangenen angedeihen ließ. Vgl. Cicer. Off. I, 12, 38. Cicero's Urtheil über Hannibal (vgl. auch Off. l. d. und Cato M. 20, 75) stimmt mit dem des Livius 21, 4 überein; offenbar aber hat auf dasselbe der Römische Nationalhaß eingewirkt, wie M. Seyffert und G. Lahmeyer richtig bemerken..

IX. 29. Wenn nun die Wirkung der Rechtschaffenheit so groß ist, daß wir sie sogar an Personen, die wir nie sahen, oder, was noch mehr sagen will, selbst am Feinde hochschätzen; was Wunder, wenn auf die Gemüther der Menschen die deutliche Wahrnehmung der Tugend und Herzensgüte Anderer, mit denen sie durch Umgang verbunden sein können, einen Eindruck macht. Freilich wird das Gefühl der Liebe durch Wohlthaten, die man empfängt, durch die persönliche Zuneigung, die man wahrnimmt, und durch die Gewohnheit des Umganges, der hinzukommt, befestigt, und wenn sich diese Umstände zu jener ersten Regung des Gemüths und der Liebe gesellen, so erglüht das Wohlwollen zu einer bewunderungswürdigen Stärke. Wenn aber Einige der Ansicht sind, dieß gehe von dem Gefühle der Schwäche aus, um in dem Freunde ein Mittel zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zu erhalten; so lassen sie der Freundschaft wahrlich einen niedrigen und, ich möchte sagen, durchaus nicht adligenminime generosum, ut ita dicam, ortum. Generosus, γενναι̃ος, bedeutet eigentlich adlig von Geburt. Ursprung, indem sie dieselbe aus dem Mangel und der Hülfsbedürftigkeit erzeugt wissen wollen. Wäre dem so, so würde Jeder, je weniger Kraft er in sich selbst zu finden meint, um so empfänglicher für die Freundschaft sein. Das verhält sich aber ganz anders. 30. Denn je mehr Einer Selbstvertrauen besitzt, und je mehr er mit Tugend und Weisheit gewaffnet ist und deßhalb keines Anderen bedarf, sondern alles Seinige in sich selbst zu haben glaubt, desto mehr zeichnet er sich durch das Verlangen nach Freundschaft und durch Erfüllung ihrer Pflichten ausDenselben Gedanken wiederholt Cicero unten Kap. 14, §. 51. Ausführlich wird die Frage: ει ο ευδαίμων δεήσεται φίλων ὴ μή, von Aristoteles in Ethic. Nicomach. IX, 9 behandelt.. Denn was meint ihr? War Africanus meiner bedürftig? Wahrlich nicht! und auch ich seiner nicht; aber ich gewann ihn wegen einer gewissen Bewunderung seiner Tugend lieb; er mich hinwiederum vielleicht wegen einer nicht ganz ungünstigen Meinung, die er von meinem Charakter hegte, und das Wohlwollen erhöhte der Umgang. Allein obwol viele und große Vortheile die unmittelbare Folge davon waren, so gingen doch die Beweggründe unserer Liebe nicht von der Aussicht auf dieselben aus. 31. Wie wir nämlich wohlthätig und freigebig sind, nicht um Dank dafür einzufordern, – wir treiben ja mit unseren Wohlthaten keinen Wucher, – sondern weil wir von Natur zur Freigebigkeit geneigt sind; ebenso halten wir auch die Freundschaft nicht in der Aussicht auf Belohnung für wünschenswerth, sondern weil ihr ganzer Genuß in der Liebe selbst liegt.

32. Aber diejenigen, welche nach Art der Thiere Alles auf die Sinnenlust beziehenWie die Epikureer., sind ganz anderer Ansicht, und es ist kein Wunder. Denn zu nichts Hohem, zu nichts Großartigem und Göttlichem können die ihren Blick erheben, die alle ihre Gedanken auf einen so niedrigen und so verächtlichen Gegenstand werfen. Darum wollen wir diese von unsrem Gespräche ausschließen; wir selbst aber wollen es uns zum Bewußtsein bringen, daß die Natur das Gefühl der Liebe und das innige Wohlwollen hervorbringe, sobald sich ein Zeichen von Rechtschaffenheit kund gibt. Denn wer auf diese sein Verlangen richtet, schmiegt sich an sie und drängt sich näher an sie an, um von dem Umgange dessen, den er lieb gewonnen hat, und von dessen persönlichem Wesen Genuß zu haben. Und sie sind in der Liebe gleich stark und besitzen die nämlichen Eigenschaften und sind geneigter Wohlthaten zu erweisen als zurückzufordern, und dieß wird zwischen ihnen Gegenstand eines edlen WettstreitesAristotel. Ethic. Nicom. VIII. 6, 7: εισὶ δὲ ου̃ν αι ειρημέναι φιλίαι εν ισότητι κτλ..

So wird man einerseits die größten Vortheile aus der Freundschaft gewinnen, andererseits wird ihr Ursprung aus der Natur würdiger und wahrer sein, als der aus dem Gefühle der Schwäche. Denn wenn der Vortheil das Band der Freundschaft knüpfte, so würde eine Veränderung in ihm dasselbe auch wieder auflösenAristotel. l. d. VIII, 3, 3: ευδιάλυτοι δὴ αι τοιαυ̃ταί εισι (φιλίαι) μὴ διαμενόντων αυτω̃ν ομοίων· εὰν γὰρ μηκέτι ηδει̃ς ὴ χρήσιμοι ω̃σι, παύονται φιλου̃ντες· τὸ δὲ χρήσιμον ου διαμένει, αλλ' αλλοτε γίγνεται άλλο· απολυθέντος ου̃ν δι' ὸ φίλοι η̃σαν, διαλύεται καὶ η φιλία, ως ούσης τη̃ς φιλίας πρὸσ εκει̃να. Vgl. Cicer. Fin. II, 24, 78. . Weil nun aber die Natur unwandelbar ist, darum sind auch wahre Freundschaften ewig.

Den Ursprung der Freundschaft seht ihr nun; es müßte denn sein, daß ihr etwas dagegen einwenden wolltet.

Fannius.

O nein. Fahre nur fort, mein Lälius; denn für diesen, der jünger ist, antworte ich nach dem mir zukommenden Rechte.

Scävola.

Du hast recht. So laßt uns denn weiter hören.

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