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Alexandre Dumas (der Ältere): Lady Hamilton - Kapitel 96
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleLady Hamilton
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
translatorA. Kretzschmar
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid86d9df46
created20061105
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94. Kapitel.

Diese Kreuzfahrt dauerte ungefähr drei Monate, wo dann der Friede unterzeichnet ward. Es war die höchste Zeit, denn Nelson war wirklich krank. Am 17. Oktober schrieb er mir: »Teuerste Freundin! – Obschon mein Unwohlsein kein gefährliches ist, so widersteht es gleichwohl allen Heilmitteln, welche mir verschrieben worden, und ich muß gestehen, daß es mich sehr herabgestimmt hat. Wie es scheint, ist mir eine hartnäckige Erkältung in den Leib getreten. Ich wollte, die Herren der Admiralität litten an demselben Übel wie ich; da sie aber, wenigstens für mich, kein Gefühl haben, so ist dies ein zweckloser Wunsch. Ich habe eine sehr schlechte Nacht zugebracht; Ihr lieber Brief aber und der Sir Williams haben mir sehr wohl getan. Es ist mein fester Entschluß, mich nach meiner Ankunft in London nicht belästigen und beunruhigen zu lassen. Ich verlange nichts weiter, als mich mit Ihnen, meinen guten Freunden, aufs Land zurückziehen zu können.« Obschon dieser Brief in die Kategorie der offiziellen gehörte, so ward ich doch dadurch beunruhigt. Die ungleiche Handschrift schien zu verraten, daß der Schreiber dieses Briefes von Fieberfrost geschüttelt ward. Am 23. Oktober kam Nelson in Merton Place an. Ich hatte Sir William gebeten, zu erlauben, daß Mistreß Thomson und ihre kleine Horatia ihre Wohnung in einem der Nebengebäude nähmen. Sir William, welcher Nelsons Liebe zu der Kleinen kannte, hatte sofort seine Einwilligung dazu gegeben, und übrigens gehörte das Haus ja auch nicht ihm, sondern Nelson. Es war dies ein guter Gedanke von mir gewesen, denn kaum hatte Nelson uns umarmt, als er sich nach seiner kleinen Pate erkundigte. Man mußte ihn sofort zu Horatias angeblicher Mutter führen, die wirkliche Mutter aber war auch da und es entging ihr kein Wort, keine Miene, keine Gebärde. Diese Freude Nelsons war mein Triumph. Am 29. desselben Monats nahm Nelson seinen Sitz im Oberhause ein. Er hatte diese Zeremonie, die er für sehr langweilig hielt, so lange als möglich hinausgeschoben. Als Vicomte ward er von dem Vicomte Sidney eingeführt.

Wir verbrachten den Winter in sehr angenehmer Weise, indem wir ihn zwischen Merton Place, wo Nelson sich der Einsamkeit freute, und den Bällen, Soireen und Festen von Piccadilly teilten. »Sir William empfing oft Besuche und da Nelson bei uns wohnte, so hatten wir auch immer jemanden von seiner Familie als Gast. Ich muß hier gleich bemerken, daß diese Gäste, welche nach Nelsons Tode nicht wieder kamen und sogar aufhörten mit mir zu sprechen, mir, so lange er lebte, die eifrigsten Aufmerksamkeiten erwiesen. Gegen den Sommer 1803 machten wir – Lord Nelson, sein Bruder, Sir William und ich – eine Reise nach Wales. In Blenheim ward jedoch meine Eigenliebe auf sehr empfindliche Weise durch die Verachtung verletzt, welche die dieses Schloß bewohnende vornehme Familie gegen mich an den Tag legte. Nelson zeigte sich ebenfalls durch diesen Mangel an Höflichkeit gegen mich sehr empfindlich berührt. Er wies die Erfrischungen, welche man uns anbot, zurück und ich meinerseits sagte, so daß man mich hören mußte: »Wenn ich Königin gewesen wäre, so hätte ich Nelson nach der Schlacht bei Abukir ein Fürstentum geschenkt, würde aber Sorge für ein so schönes getragen haben, daß Blenheim nicht würdig gewesen wäre, als Gemüsegarten dazu zu gehören.« Übrigens trug ich bei allen Festen, welche meinem Helden durch die städtischen Korporationen und öffentlichen Versammlungen gegeben wurden, fortwährend durch mein Talent als Tragödin und Sängerin zur Erhöhung des Glanzes dieser Festlichkeiten bei, und nicht bloß die öffentliche Stimme, sondern auch die Zeitungen der Provinz bestätigten die Erfolge, die ich auf diese Weise errang. In den ersten Tagen des Septembers kamen wir nach Merton Place zurück, wo wir so ziemlich den ganzen Winter blieben.

Ich habe schon gesagt, daß Sir William bereits seit längerer Zeit leidend war. Gegen den Monat März 1803 ward sein Unwohlsein immer ernster und endlich ward er in allem Ernste krank. Wir brachten ihn sofort nach London, wo ihm alle mögliche Pflege und Fürsorge gewidmet ward. Gegen seine zweiundsiebzig Jahre vermochte jedoch die Wissenschaft nichts auszurichten. Er ward immer schwächer und am 6. April lagen Nelson und ich vor seinem Bett auf den Knien, um seinen letzten Seufzer zu empfangen. Er starb als rechtschaffener Mann, der sich keinen Vorwurf zu machen hat, und wenige Minuten vor seinem Tode sagte er mit mattem, aber ruhig heiterem Tone zu Nelson, indem er ihm die Hand drückte: »Wackerer, heldenmütiger Nelson, unsere Freundschaft ist, obschon alt, doch stets ungetrübt geblieben und ich bin, indem ich sterbe, stolz auf den Freund, den Gott mir gegeben. Ich hoffe, daß mit Ihrer Hilfe meine Emma bei den Ministern Gerechtigkeit finden wird, denn sie wissen besser als ich, wie groß die Dienste sind, die Sie geleistet, und sie werden sich alles dessen entsinnen, was Sie für unser Land getan. Beschützen Sie mein teures Weib und möge Gott seinerseits Sie schützen, Sie segnen und Ihnen immer den Sieg verleihen.« Dann wendete er sich nach mir herum und sagte: »Meine unvergleichliche Emma, du hast mich niemals beleidigt, weder in Gedanken noch in Worten, noch in Werken. Laß mich dir daher von ganzer Seele für die Beweise von Liebe und Zuneigung danken, die ich während der zehn Jahre unserer glücklichen Vereinigung von dir empfangen.« Dann mit einer letzten Anstrengung fügte er unsere beiden Hände zusammen, stieß einen Seufzer aus und starb. Ich beweinte ihn, und zwar aus aufrichtigem Herzen. Ich verdankte ihm die hohe Stellung, die ich am Hofe eingenommen, und die Rolle, die ich dort gespielt. Vielleicht wäre es für mein ewiges Seelenheil besser gewesen, wenn ich in Armut und Dunkelheit geblieben wäre. Diese Betrachtung aber, welche ich heute anstelle, war damals meinen Gedanken noch fremd.

Sir William zweifelte nicht, daß ich nach seinem Tode, infolge von Nelsons einflußreicher Vermittlung, seine Pension von fünfzehnhundert Pfund Sterling jährlich auch noch ferner ausgezahlt erhalten würde. Er wußte, daß Nelson für mich Merton Place gekauft, welches ziemlich fünfhundert Pfund eintrug. Er glaubte daher mich reich zu verlassen, wenn er mir außerdem noch siebenhundertundfünfzig Pfund jährliche Rente vermachte, und in der Tat hatte ich, alles dies zusammengenommen, ein Jahreseinkommen von ziemlich siebzigtausend Franks. Der Hoffnung auf eine Pension vom Ministerium mußte ich jedoch sehr bald entsagen. Welche Schritte auch von mir und von Nelson getan wurden, so erwies man uns doch nie die Ehre einer Antwort. Nelson war nicht der Mann, der mich lange einen Schimpf ertragen ließ. Er verkaufte Merton Place zum Schein an mich und sicherte mir eine Rente von zwölfhundert Pfund, so daß ich mit dem Ertrage von Merton Place und Sir Williams Vermächtnis ein jährliches Einkommen von sechzigtausend Franks hatte. Durch ein Kodizill zu seinem Testament, welches er eine Woche vor seinem Tode errichtet, vermachte Sir William seinem Freunde Nelson ein schönes, auf Email gemaltes Miniaturporträt von mir. Ich schenkte ihm dazu eine goldene Kette, und er trug dieselbe fortwährend an seinem Halse und das Bildnis auf seinem Herzen. Ein Umstand, der mich aber sehr in Erstaunen setzte und betrübte, war das Benehmen des Lord Greenville, des Neffen Sir Williams. Dieser Mann, der mich früher so sehr geliebt, welcher, als er mich verlor, den Verstand zu verlieren geglaubt, erklärte sich jetzt zu einem meiner erbittertsten Verfolger und kaum war nach dem Tode seines Onkels ein Monat verflossen, so zwang er mich, das Haus zu verlassen, welches ihm gehörte. Nelson, der nun sah, daß ich keine Wohnung in London mehr hatte, mietete für sich eine Wohnung, die von der meinigen vollständig getrennt war. Es war dies ein großes Opfer, welches er der Sorge für meinen Ruf und die Achtung der Welt brachte, aber er hatte nicht den Mut, diese Trennung auch auf unser Landhaus zu erstrecken. Ich mietete meinerseits ein Haus in Clergy-Street. Unglücklicherweise verlor ich einige Wochen nach diesem neuen Umzüge die Stütze und Nähe meines edlen Freundes, der zum Kommando der Flotte im mittelländischen Meere berufen ward. Es war dies gleichzeitig eine große Ehre und ein großer Schmerz für mich. Seit den letzten achtzehn Monaten hatten wir einander nicht verlassen. Ich hatte mich an jenes vertrauliche Leben gewöhnt, welches nun unterbrochen werden sollte, und zwar um eines Krieges willen, welcher heftiger zu entbrennen drohte als je. Es war, als ob die lange Friedenshoffnung, welche nun erloschen war, Frankreich und England noch mehr gegen einander angestachelt hätte. Nelsons Verzweiflung war um so größer, als ich jetzt zum zweiten Male Aussicht hatte, Mutter zu werden. Ehe wir einander verließen, schwuren wir uns, daß nichts jemals den Bund unserer Herzen zerreißen solle, und er gab mir einen Ring, durch welchen ich den ersetzte, welchen ich von Sir William hatte. In den letzten Tagen des Juni empfing ich folgenden Brief von ihm: »Meine teure Emma. – Ich habe Ihnen schon von mehreren Orten geschrieben, aber bloß, um Ihnen zu sagen: ›Ich bin hier, ich bin da,‹ denn ich hatte nicht Zeit, etwas Weiteres hinzuzufügen. Unglücklicherweise glaube ich nicht, daß ich Ihnen auf anderem als dem Seewege eine Sendung machen kann, um diese Sendungen, welche nur mittels der kleinen Schiffe geschehen können, welche der Admiral mir gegeben, können folglich keine häufigen sein. Unsere Fahrt von Gibraltar nach Malta hat ungeheuer lange gedauert, nämlich nicht weniger als elf Tage. Erst am 26. langten wir vor Capri an, wo ich Befehl gab, daß die Fregatte, welche Mr. Elliot nach Neapel gebracht, wieder zu mir stoßen solle. Ich schicke Ihnen Abschriften von den Briefen des Königs und der Königin. Es tut mir außerordentlich leid, daß die letzteren nicht ein einziges Wort für Sie enthalten. Freilich sind es ausschließlich politische Briefe. Als ich an die Königin schrieb, sagte ich: Lady Hamilton habe ich am 18. Mai verlassen. Sie hängt an Ew. Majestät noch mit so großer Liebe, daß ich überzeugt bin, sie würde ihr Leben opfern, um das Ihrige zu retten. Ew. Majestät haben nie eine aufrichtigere und redlichere Freundin gehabt, als Ihre liebe Emma. Ganz gewiß werden Sie mit lebhaftem Bedauern erfahren, daß Sir William sie in seinem Testament nicht so bedacht hat, wie sein großes Vermögen ihm wohl erlaubt hätte. Er hat fast seinen ganzen Reichtum unter seine Verwandten verteilt, Lady Hamilton wird aber deswegen seinem Andenken nicht weniger Ehre machen. Ich hoffe, meine teure Emma, daß die Königin direkt an Sie geschrieben hat. Wäre sie so undankbar, Sie zu vergessen, so würde ich Gott bitten, sie auch zu vergessen. Aber nicht wahr, Sie glauben, daß sie unfähig ist, Sie je aus ihrem Herzen zu verbannen? Der Augenblick ist da, wo sie Ihnen einen Beweis ihrer Zuneigung geben kann. Zeigen Sie die Abschriften von den Briefen des Königs und der Königin nur unseren vertrautesten Freunden. Der König ist niedergeschlagen und verweilt fast immer im Belvedere. Unser neuer Gesandter, Mr. Elliot, hat seit dem 17., dem Tage seiner Ankunft, weder Ihn noch die Königin gesehen. Dennoch soll er am 22. vorgestellt werden. Ich bin überzeugt, daß dieser elende Korse mit dem Plane umgeht, das Königreich Neapel zu erobern. Ich habe deshalb auch dem General Acton geraten, die königliche Familie nicht länger der Gefahr auszusetzen, gefangen genommen zu werden. Ich muß mich, wie Sie sich leicht denken können, nun beeilen, zu der vor Toulon liegenden Flotte zu stoßen ...«

»Juli 1803.

Ich steuere gegen Toulon, um die Franzosen zu zermalmen. Wir haben sieben Linienschiffe, fünf Fregatten und sechs Korvetten. In einer Woche werden wir noch drei oder vier Schiffe zu unserer Verfügung haben. Sie können sich denken, teure Emma, wie glücklich ich jedesmal bin, wo ich einen Ihrer guten langen Briefe erhalte. Ich danke Gott, daß Sie nicht Mangel zu leiden brauchen. Übrigens dürfen Sie überzeugt sein, daß, so lange ich noch sechs Pence in der Tasche habe, fünf davon Ihnen gehören. Unglücklicherweise wissen Sie aus Erfahrung, daß man im Geldpunkte nicht auf seine Freunde rechnen darf, und ich hoffe, Ihr gesunder Menschenverstand wird diese Lehre zu benutzen wissen. Ich hoffe immer noch, daß das Ministerium etwas für Sie tun wird. Wäre dies jedoch auch nicht der Fall, so können wir dann ja von Brot und Käse leben. Die Unabhängigkeit ist ein Segen und eine Wohltat. Obschon es mir bis jetzt noch nicht möglich gewesen ist, eine gute Prise zu machen, so müßte es doch nicht gut gehen, wenn ich in diesem Feldzuge nicht soviel erbeutete, daß ich alle meine Schulden bezahlen könnte, und sind diese bezahlt, so ist das schon kein kleiner Trost. In bezug auf die Rente von meinem Herzogtum Bronte habe ich noch nicht mit Acton gesprochen; wenn ich aber sehe, daß Neapel in den Händen des Königs Ferdinand bleibt, so werde ich die Frage stellen. Offen gestanden, hoffe ich von dieser Seite nicht viel. Nach allem, was ich sagen höre, ist der König von Neapel in solcher Verzweiflung, daß er gerne zu Gunsten seines Sohnes resignieren möchte, um sich nach Sizilien zurückzuziehen. Sie wissen wohl, daß Sir William immer meinte, König Ferdinand werde noch einmal auf diese Weise enden.«

Ich führe die Briefe Nelsons an, um erst dann wieder auf mich zurückzukommen und meine Erzählung weiter fortzusetzen, denn ich glaube, es ist interessanter, den Mann, der einen so großen Einfluß auf die Ereignisse in Italien hatte, an den Orten zu sehen, wo diese Ereignisse stattfanden, anstatt mich zu beobachten, während ich die ersten Schritte der auf dem Rasenplatz von Merton Place hin- und herstolpernden kleinen Horatia leite. Ich oder vielmehr Nelson fährt daher fort:

»An Bord der ›Victory‹, vor Toulon, am 1. August 1803. »Meine teure Emma! – Ihr Brief vom 31. Mai ist mir durch die ›Phöbe‹, vor erst zwei Tagen zugegangen. Es wird Ihnen nicht schwer werden, die Gemütsbewegung zu begreifen, welche der Anblick und das Lesen dieses Briefes mir verursacht hat. Ich billige Ihre Pläne und die Wahl Ihrer Gesellschaft für nächsten Winter und Frühling. Ich hoffe reich genug zu sein, um in unserem lieben Merton Place alle nötigen Verschönerungen vornehmen zu lassen. Es wird dies zu Ihrer Zerstreuung dienen, und ich bin überzeugt, daß ich alles, bis herab zu Ihren Stachelbeeranpflanzungen, zu bewundern haben werde. Ich befinde mich jetzt an Bord der ›Victory‹, wo ich alles in Ordnung bringen lasse. Hardy ist gegenwärtig beschäftigt, in meiner Kajüte Ihr Porträt und das Horatias, welche die einzigen Zierden dieses Gemachs sind, anzunageln. Ich werde Sie dann alle Tage betrachten, und jeden Tag neue Reize darin finden können. Etwas anderes bedarf ich nicht. Was den Krieg betrifft, so erwarten Sie keine großen Neuigkeiten von uns. Wir sehen nichts. Ich fürchte aber noch immer sehr, daß Neapel und selbst Sizilien in die Hände der Franzosen fallen. Mittlerweile habe ich meine Ratschläge in so ausgedehnter und präziser Weise erteilt, daß, wenn dieser Fall eintritt, man die Schuld nicht auf mich wird schieben können. Die Königin von Neapel hat, wie ich aus dem Siegel schließe, einen Brief an Castelcicala gesendet. Auch mir hat sie einen geschrieben, worin sie mir ihren Dank für die Fürsorge ausspricht, welche ich für das Wohl des Königreiches trage. Der König lebt noch immer sehr zurückgezogen. Er hat sich geweigert, den französischen General Gouvion Saint-Cyr zu empfangen, welcher nach Neapel gekommen ist, um die Kriegskontribution zu regulieren. Ich glaube, der König verließe gern Neapel und zöge sich nach Sizilien zurück, wenn die Franzosen es ihm erlaubten. Grüßen Sie in Merton Place alle freundlichst von mir. Ihr treuer

Nelson

»The Victory, vor Toulon, 26. August 1803. Meine teure Emma! Wenn ich Ihnen sage, daß ich den ganzen Tag und die ganze Nacht an Sie denke, so ist damit die Liebe, welche ich für Sie empfinde, immer noch viel zu schwach ausgedrückt. Obschon durch gebieterische Umstände von Ihnen entfernt, bleibe ich doch, glauben Sie dies fest, stets der Ihrige. Der Ruf unseres Vaterlandes ist eine Pflicht, welcher ich mich fügen mußte, und hätte ich demselben nicht entsprochen, so würden Sie in Ihren Augenblicken kalter Überlegung sich meiner geschämt haben, weil Sie nicht mehr hätten sagen können: Dies ist der Mann, welcher England gerettet hat! Dies ist der Mann, welcher stets der erste ist, wenn es in den Kampf geht, und der letzte, der aus demselben zurückkehrt. Alle Ehren aber, die ich erlange, spiegeln sich auch in Ihnen, denn wenn die Welt von mir spricht, so wird sie sagen: ›Welche Opfer hat er für das Wohl seines Vaterlandes gebracht, da er um desselben willen sogar das reizendste und gebildetste Weib der Welt verlassen!‹ Wenn Sie mich ebenso sehr lieben wie ich Sie, so müssen Sie mich verstehen. Mein Herz ist bei Ihnen, bewahren Sie es, meine Geliebte; wenn es Gott gefällt, so werde ich als Sieger zurückkehren, oder wenigstens einen makellosen Namen hinterlassen. Ich habe dies alles nicht aus Ehrgeiz oder aus Habgier getan. Weder Habgier noch Ehrgeiz hätten mich fern von allem halten können, was mein Herz liebt. Nein, ich habe mich dem Ruhme Englands gewidmet, weil es der Wille Gottes war. In dieser und jener Welt, in Zeit und Ewigkeit stets der Ihre.

Nelson

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