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Alexandre Dumas (der Ältere): Lady Hamilton - Kapitel 79
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleLady Hamilton
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
translatorA. Kretzschmar
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid86d9df46
created20061105
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77. Kapitel.

Wirklich hatte Nelson vollkommen jede Spur von Bonaparte und den dreihundertfünfzig Schiffen, die zu dessen Geschwader gehörten, verloren. Drei Tage lang in der Meerenge von dem Sirocco zurückgehalten, benutzte er einen Umsprung des Windes, um Reggio zu umsegeln und in das offene Meer zu steuern. Endlich überzeugt, daß Bonaparte sich nach Egypten begäbe, segelte er gerade auf Alexandrien zu, kam aber noch vor der französischen Flotte daselbst an, da der Admiral Brungs, ohne Zweifel um etwaige Verfolger irrezuführen, an der Küste der Insel Candia vor Anker gegangen war. Von dem Gouverneur von Alexandrien schlecht empfangen, der ihm drohte, auf ihn schießen zu lassen, wenn er die Durchfahrt zu erzwingen versuche, ohne Kenntnis des Weges, den die französische Flotte eingeschlagen, in der Vermutung, daß sie, da sie nicht in Alexandrien war, nach Konstantinopel segele, fuhr Nelson ziellos an den Küsten von Caramania und Morea hin und her, indem er versuchte, hier etwas zu erfahren, und nachdem er den ganzen Archipel durchsegelt, trieb ihn der Mangel an Wasser und Proviant wieder nach Sizilien zurück. Er sagte mir mehr als einmal, daß er vom 30. Juni an, wo er aus der Meerenge von Messina segelte, bis zum 21. Juli, wo er im Hafen von Syrakus einlief, wahnsinnig zu werden geglaubt hatte. Die Situation war in der Tat eine sehr ernste und in England zog sich ein furchtbares Unwetter gegen ihn zusammen. Als man daselbst erfuhr, daß er aus Toulon eine Flotte von vierhundert Segeln hatte auslaufen lassen und dieselbe vergebens einen Monat lang in dem Mittelmeer, also in einem großen See, gesucht hatte, fragte man sich auf allen Seiten, ob er nicht ein Verräter, den man vor ein Gericht stellen müsse, und der Admiral Saint-Vincent ein Leichtsinniger wäre, der sich den Tadel der Admiralität zugezogen, daß er ihr einen Kontre-Admiral vorgeschlagen, der dieses Grades unwürdig sei. Nelsons einzige Hoffnung stand auf uns oder vielmehr auf mir. Ich sollte es bei der Königin dahinbringen, daß er, trotz der Verträge mit Frankreich, allen Beistand erhielt, welche die Gouverneure der sizilianischen Häfen ihm gewähren konnten, denn wenn Neapel die Bedingungen des Vertrags mit Frankreich hielt, so mußte Nelson nach Gibraltar zurück und er war verloren. Ein glänzender Sieg allein konnte ihn retten.

Der folgende Brief, den er am 22. Juli an den Lord von Saint-Vincent schrieb, wird dem Leser einen Begriff von seinem Seelenzustande geben.

»Syrakus, am 22. Juli 1798.

Mein lieber Lord!

Ich habe Ihnen eine Menge Briefe und Papiere zu schicken, da ich aber keine Fregatte habe, die sie Ihnen überbringen könnte, und ich mich in diesem Augenblicke nicht von dem ›Orion‹ trennen kann, so überlasse ich es Ihnen, sich meine Verlegenheit vorzustellen. Ich weiß heute den Ort, wo die französische Flotte sein könnte, ebensowenig, als an dem Tage, an dem ich das Cap Passaro umsegelte. Was ich gewiß weiß, ist bloß der Umstand, daß sie am 18. Juni den Hafen von Malta verlassen hat. In der Dienstagsnacht waren alle Schiffe auf dem offenen Meere und am Mittwoch Morgen hat man sie mit einem Westnordwestwinde schnell weitersegeln sehen. Das ist mir von vierzehn Personen versichert worden, von da an aber sind alles nur Vermutungen. Wenn die Flotte nach Westen gesegelt wäre, so bin ich überzeugt, daß man sich in jedem Hafen, ja selbst an jedem Punkte Siziliens, von dem man sie gesehen haben würde, beeilt hätte, mich davon zu benachrichtigen. Weiter darf ich Ihnen nichts sagen, ich bin aber überzeugt, daß wir verraten sind und es ist mehr als wahrscheinlich, daß dieser Brief, den ich Ihnen über Neapel schicken muß, nicht einmal nach Neapel kommen wird, oder daß der französische Minister eine Kopie davon bekommen wird, wenn er ihn nicht selbst kopiert. Was mich betrifft, so sage ich Ihnen, daß ich, wenn nicht auf der einen oder der anderen Seite geradezu eine Unmöglichkeit vorhanden ist, die französische Flotte noch einholen werde. Auf der unsrigen ist kein einziger Kranker. Ich habe Ihnen über alles ausführlich berichtet und meine geheimsten Gedanken mitgeteilt. Gott beschütze Sie!

Ihr stets ergebener

Horatio Nelson

»N. S. Die Art und Weise, wie man uns in den Häfen von Sizilien empfängt, ist empörend. Der Gouverneur gesteht uns, daß er, wenn er die Mittel gehabt hätte, den erhaltenen Befehlen gemäß gezwungen gewesen wäre, unsere Einfahrt in den Hafen zu verhindern. Acton hätte versprochen, Befehle zu geben, allein es ist keiner geschickt worden. Was denken Sie davon?«

Noch an demselben Tage schrieb Nelson verzweifelt, fast wütend an Sir William Hamilton:

»Van-Guard, Syrakus, den 22. Juli 1798.

Geehrter Herr!

Ich bin äußerst erstaunt, daß der König von Neapel den Befehl gegeben hat, höchstens drei bis vier englische Schiffe in seine Häfen zu lassen. Ich dachte, es wären geheime Instruktionen erteilt worden, daß man uns ungehindert hereinlassen sollte. Wenn man fortfahren sollte, mir alle nötigen Mittel zu verweigern, so lassen Sie mich es so schnell wie möglich durch das erste Schiff wissen, damit ich noch Zeit habe, mich in Gibraltar zu verproviantieren. Die Weise, in der man uns behandelt, ist eine Schande für eine große Nation. Die Flagge der englischen Regierung ist in allen befreundeten Häfen geschändet worden.

Ich bin mit der größten Hochachtung usw.

Horatio Nelson

Dank meinen Bemühungen jedoch waren diese geheimen Instruktionen gegeben worden; sie kamen bloß etwas später. Noch an demselben Tage, an welchem Nelson diesen Brief schrieb, erhielten die Gouverneure von Syrakus sowohl, als auch die der anderen Häfen Befehl, ihm Lebensmittel, Wasser, Holz, kurz alles zu liefern, was er brauchte, und ganz besonders die Zahl der Schiffe, die in die Häfen einlaufen wollten, nicht zu beschränken.

Gleich am folgenden Morgen machte Nelson seine Heftigkeit durch folgenden Brief wieder gut:

»Syrakus, 23. Juli 1798.

Meine guten Freunde!

Dank für alle Ihre Mühe! Wir haben Proviant und Wasser und gewiß ist es eine Vorbedeutung des Sieges, wenn wir unser Wasser an der Quelle Arethusa schöpfen kommen. Bei der ersten günstigen Brise werden wir unter Segel gehen und seien Sie überzeugt, daß ich entweder mit Lorbeeren gekrönt, oder mit Zypressen bedeckt zurückkehren werde. H. N.«

Zwei Tage später schrieb Nelson wieder an Sir William:

»Syrakus, 25. Juli 1798.

Geehrter Herr!

Die Flotte ist segelfertig und in dem Augenblicke, wo der Wind von der Küste her wehen wird, werde ich diese herrliche Reede verlassen, wo alle unsere Bedürfnisse in so reichlichem Maße befriedigt, und die größten Aufmerksamkeiten uns erwiesen worden sind. Ich bin aber in großer Angst gewesen, so lange dem Gouverneur keine geheime Instruktion erteilt worden war, uns ungehindert in den Hafen zu lassen. Ich habe die feste Zuversicht, daß ich die französische Flotte finden werde. Alsdann wird alles in den Händen der Vorsehung liegen, an deren Güte ich nicht zweifle.

Empfehlen Sie mich bestens Lady Hamilton und seien Sie der ewigen Treue versichert

Ihres

H. Nelson.«

Der Wind, auf den Nelson wartete, erhob sich in der Nacht vom 25. zum 26. Juli, und da die Flotte segelfertig war, so ward Befehl gegeben, die Anker zu lichten. Nelson schlug die Richtung nach Griechenland ein. Am 28. Juli lief der »Culloden«, als er bei Morea vorübersegelte, in den Hafen von Coron ein, fragte den türkischen Gouverneur und erfuhr von diesem, daß die Franzosen in Alexandrien wären. Der »Culloden« segelte sogleich zum Admiralschiff und durch Signale erteilte man Befehle, mit vollen Segeln auf Alexandrien zuzusteuern. Man gelangte am 1. August mittags an diesem Hafen an, die Franzosen hatten denselben aber bereits verlassen und sich weiter nach Osten gewendet. Man folgte ihrer Spur und dreiviertel auf drei Uhr signalisierte der »Zélé«, welcher das Geschwader anführte, daß sechzehn Linienschiffe, vor Anker liegend, in Sicht wären. Um drei Uhr gab Nelson das Signal, sich zum Kampfe vorzubereiten. Mir kommt es nicht zu, diese furchtbare Schlacht am Nil, die zwei Tage währte, zu schildern. Nie ward ein vollständigerer Sieg errungen, nie erschreckte ein ähnliches Unglück das Meer. Ein französisches Schiff, der »Orient«, sprang in die Luft, ein Schiff und eine Fregatte wurden in den Grund gebohrt, neun Schiffe wurden genommen, unter diesen neun Schiffen waren aber drei in einem solchen Zustand, daß der Sieger genötigt war, sie am nächsten Morgen zu verbrennen und zwei Tage später dasselbe Experiment mit zwei anderen Schiffen zu wiederholen. Unglücklicherweise hatte Nelson eine furchtbare Wunde erhalten. Eine Segelstange, von einer französischen Kugel zerschossen, war ihm in dem Augenblicke, wo er den Kopf bei dem Krachen einer platzenden Bombe in die Höhe hob, auf die Stirn gefallen und hatte ihm die Haut von der Stirn bis zum Munde abgeschunden. Nelson glaubte tödlich verwundet zu sein, so groß war die Heftigkeit des Schlages. Sogleich ließ er den Kaplan rufen, um diesem seinen letzten Willen anzuvertrauen, mit dem Kaplan aber war der Arzt gekommen, welcher die Wunde untersuchte. Da er keinen Bruch fand, was er leicht sehen konnte, da die Knochen bloßlagen, so zog er die Stirnhaut wieder in die Höhe und legte einen Verband darum. Als Nelson das Tageslicht wiedersah, dem er auf ewig Lebewohl zu sagen geglaubt, übernahm er mit übermenschlicher Anstrengung das Kommando über den »Vanguard«, und indem er alle seine Kraft, seine ganze Geistesgegenwart, alle seine Kaltblütigkeit wiederfand, harrte er auf seiner Quartierbank aus und befahl, so lange die Beschießung der französischen Flotte fortzusetzen, bis dieselbe vollständig zerstört war. Dann ergriff er, trotz seiner Verwundung, trotz seiner Blindheit die Feder und schrieb an uns, nämlich an Sir William und an mich: »Meine guten Freunde! Vollständiger Sieg! Die französische Flotte ist zerstört! Der Kapitän Capel, der auf der ›Mutine‹ abreist, wird Ihnen diesen Brief bringen und alle die Einzelheiten, die ich Ihnen nicht selbst mitteilen kann, erzählen. Ich habe eine leichte Wunde erhalten; beunruhigen Sie sich nicht. Auf ewig Ihr treuer Horatio Nelson.« – »Übermitteln Sie gefälligst diese gute Nachricht unserer liebenswürdigen Königin und legen Sie ihr meine ehrfurchtsvollen Huldigungen zu Füßen.«

Wirklich reiste der Kapitän auf der »Mutine« ab und kam am 4. September in Neapel an, wo er uns lebhaft erzählte, daß Nelson einige Tage nach ihm eintreffen würde und den Hafen von Neapel zum Versammlungsort seiner ganzen Flotte bestimmt hätte, da ein jedes seiner mehr oder minder beschädigten Schiffe nur so weit segeln konnte, als es seine Kräfte gestatteten.

Nachdem der Kapitän Capel sich seines Auftrages entledigt hatte, schrieb er an Nelson:

»Herr Admiral!

Es ist mir unmöglich, Ihnen die Freude zu schildern, die auf allen Gesichtern strahlte, wie den donnernden Applaus, der uns bei unserer Ankunft entgegenschallte. Die Königin und Lady Hamilton sind beide vor Freude ohnmächtig geworden. Kurz, man nennt Sie überall den Befreier Europas. Morgen wird ein Kurier nach Wien abgehen. Ich werde ihn begleiten, um keinen Augenblick zu verlieren. Ich werde auf alle mögliche Weise von Sir William Hamilton und den anderen fremden Ministern, welche die ruhmreiche Nachricht eiligst an ihre Höfe gesandt haben, unterstützt.

Ich habe die Ehre usw.

Capel.«

Was mich betraf, so schrieb ich gleich im ersten Augenblick an Nelson einen Brief voll überschwänglichen Entzückens, den ich jedoch hier nicht anführen kann, da ich keine Kopie desselben aufbewahrt habe, den Nelson aber teilweise in dem folgenden Brief, den er an seine Gattin schrieb, wiederholt:

»Auf offenem Meer, den 16. September 1798.

Das Königreich beider Sizilien ist wahnsinnig vor Freude, vom König an bis zu dem letzten Bauer. Nach dem, was mir Lady Hamilton in ihrem Briefe über die Königin schreibt, so muß einem der Zustand der letzteren wahrhaft leid tun. Ich wiederhole hier die eigenen Worte von Lady Hamilton: ›Wie vermöchte ich Ihnen das Entzücken der Königin zu schildern? Das ist geradezu unmöglich. Sie weint, sie schreit, sie läuft wie eine Wahnsinnige in ihren Gemächern umher, umarmt alle, welche ihr in den Weg kommen, und lacht und weint zugleich. ›O braver Nelson!‹ ruft sie bei jeder Gelegenheit aus: ›Gott segne unsern Befreier! O Nelson! Nelson! was verdanken mir Ihnen nicht! O Sieger, o Erretter Italiens! Warum kann mein dankbares Herz nicht bei Ihnen sein und Ihnen seine Freude kund geben!‹ Das übrige kannst Du Dir denken, teure Fanny. Lebe wohl. Mein Kopf gestattet mir nicht, Dir auch nur die Hälfte von dem zu sagen, was ich Dir sagen möchte; alle meine Anstrengungen wären beinahe verlorene gewesen, allein Gott hat mich beschützt.

Dein H. Nelson.«

Man muß die Ehrenbezeigungen, die Nelson erwiesen wurden, und die Belohnungen, mit denen er von allen Fürsten Europas buchstäblich erdrückt ward, kennen, um sich einen Begriff von dem Haß, ja vielleicht von dem Schrecken zu machen, den Frankreich zu dieser Zeit dem ganzen Europa einflößte. Eines Tages setzten wir mit Nelson eine Liste dieser Belohnungen auf. Es ist die folgende und geht vom Oktober 1798 bis zum Oktober 1799: Erstens erhielt er von dem König und der Königin von England die englische Pairswürde und eine goldene Medaille. Von dem Unterhause auf einen Befehl des Königs vom 22. November 1798 für sich und seine beiden nächsten Erben den Titel eines Barons vom Nil und von Burnham-Thorpe, mit einer Rente von zweitausend Pfund Sterling, die vom 1. August 1798, dem Tage der Schlacht am Nil, auszuzahlen war. Von dem englischen Parlamente für sich und seine beiden nächsten Erben ebenfalls eine Rente von zweitausend Pfund Sterling. Von dem irischen Parlamente eine Rente von tausend Pfund Sterling. Von der westindischen Kompagnie zehntausend Pfund Sterling. Von der türkischen Kompagnie ein kostbares Tafelservice. Von der Stadt London einen Degen, dessen Griff reich mit Diamanten besetzt war. Von dem Sultan eine Diamantagraffe mit dem Chelmik oder Siegesfederbusch, die auf zweitausend Pfund Sterling geschätzt ward und einen kostbaren Pelz, den man auf tausend Pfund schätzte. Von der Mutter des Sultans, der Sultanin Valide, eine mit Diamanten besetzte Dose an Wert von tausend Pfund Sterling. Von dem König beider Sizilien einen Degen, dessen Griff mit Diamanten besetzt war und der einen Wert von fünftausend Pfund Sterling hatte. Von dem König von Sardinien eine mit Diamanten besetzte Tabaksdose im Werte von zwölfhundert Pfund Sterling. Von der Regierung der Insel Zante einen Degen mit goldenem Griff und einen Stock mit goldenem Knopf. Von der Stadt Palermo eine goldene Dose und eine goldene Kette auf einem silbernen Teller. Das originellste Geschenk und sozusagen das englischste, welches Nelson auch die größte Freude bereitete, war das seines Freundes, des Kapitäns Hallowell, des Kommandanten des »Swiftsure«.

Wie ich bereits gesagt, flog das französische Schiff »der Orient« in die Luft und seine Trümmer bedeckten eine große Strecke weit das Meer. Unter diesen Trümmern bemerkte der Kapitän Hallowell den Hauptmast, der unbeschädigt geblieben war. Er ließ alle Schaluppen aussetzen, und unbekümmert darum, wie die Schwimmer sich inmitten der Trümmer abarbeiten mußten, befahl er, nur den Hauptmast des »Orients« zu retten. Alle Schaluppen des »Swiftsure « hingen sich an diesen Mast und schleppten ihn an Bord. Sogleich ließ Ben Hallowell den Schlosser und den Zimmermann kommen, und befahl ihnen in dem stärksten Teil des Mastes einen Sarg auszuhöhlen, der mit denselben Nägeln und Klammern beschlagen ward, die man aus demselben Mast gezogen. Nachdem der Sarg fertig war, schickte Hallowell denselben mit folgendem Brief an Nelson:

»An den ehrenwerten Lord Nelson. Mylord!

Ich schicke Ihnen einen Sarg, der vollständig aus dem Holze und den Eisenbeschlägen des Hauptmastes des französischen Schiffes ›der Orient‹ gefertigt ist, damit Sie, wenn Sie diese Welt verlassen, in Ihren Trophäen ruhen können. Die Hoffnung, daß dieser Tag noch fern sei, ist der aufrichtige Wunsch Ihres gehorsamen und treuen Dieners.

An Bord des ›Swiftsure‹, den 23. Mai 1799.

Ben Hallowell

Wie ich gesagt habe, nahm Nelson dieses Geschenk mit der größten Freude auf. Eine Zeitlang ließ er den Sarg, mit dem Deckel an die Wand gelehnt, dicht hinter dem Lehnstuhle, auf welchem er sich zu Tisch setzte, stehen. Endlich erhielt ein alter Diener, den dieses posthume Möbel betrübte, von Nelson die Erlaubnis, den Sarg in das Zwischendeck zu schaffen. Als Nelson den arg beschädigten »Vanguard« verließ, kam der Sarg mit ihm an Bord des »Donnerers«, wo er lange auf dem Oberdeck des Schiffes stand. Eines Tages bewunderten die jungen Offiziere des »Donnerers« das Geschenk des Kapitäns Ben Hallowell; Nelson rief ihnen aber aus seiner Kajüte zu: »Bewundern Sie den Sarg, so lange Sie wollen, meine Herren; es wird ihn aber doch keiner von Ihnen bekommen.« Ach, ich brauche nicht erst zu sagen, daß der arme Nelson in dem Sarge ruht, den ihm Ben Hallowell geschenkt. Ich gestehe, daß mir die Hand zitterte und daß mir Tränen in die Augen traten, als ich mich dieser traurigen Einzelheiten erinnerte; sie machen aber einen Teil des Ruhmes und der Größe meines Helden aus, und ich habe mich nicht für berechtigt gehalten, sie mit Schweigen zu übergehen.

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