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Alexandre Dumas (der Ältere): Lady Hamilton - Kapitel 57
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleLady Hamilton
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
translatorA. Kretzschmar
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid86d9df46
created20061105
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55. Kapitel.

Ich mußte gestehen, daß ich wie versteinert war. Ich wußte wohl, daß der König von Neapel sich wenig um seine Würde kümmerte, ich glaubte aber nicht, daß er sich so weit vergessen könnte. Ich sah die Königin an. »Werden Sie gehen, Madame?« fragte ich sie. – »O gewiß, ja, ich werde gehen,« erwiderte sie. »Und du wirst mich begleiten.« – »Ich, Madame, und mit welchem Rechte?« – »Du wirst mitkommen,« sagte die Königin ungeduldig. »Ich will, daß du Sir William den ganzen Hergang der Dinge erzählen und ihm sagen könnest, wer der Mann ist, ob der König oder die Königin.« – Hierauf gab es keine Antwort; das war keine Einladung, das war ein Befehl. Ich folgte der Königin, und fünf Minuten später traten wir in den Staatsrat. Dieser Rat bestand aus dem General Acton, Carlo von Marco, Ferdinando Corradini, Saverio Simonetti und dem neuen Regenten der Vicaria, Ludovico von Medici. Gewöhnlich präsidierte der König diesem Rat, man weiß jedoch, in welcher Weise. Er erschien nämlich und verschwand. Ferdinand hatte die Zeit richtig berechnet, in welcher der Kapitän Caracciolo vom französischen Admiralschiff zurückkommen könnte, denn kaum hatte die Königin an dem Tische dem König gegenüber Platz genommen, und kaum hatte ich mich in eine Ecke gesetzt, als die Tür sich öffnete und man den General anmeldete.

Ich sah den Mann zum ersten Mal, an dessen Tode ich sieben Jahre später einen so grausamen Anteil nehmen sollte. Caracciolo war damals ein Mann von vierzig Jahren mit schwarzen Augen und scharf ausgeprägten Gesichtszügen. Es lag etwas Strenges und Gebieterisches in seinem Wesen, woran man sofort den Patrizier von Geblüt erkennen konnte. Er war wirklich ein Fürst oder stammte vielmehr von den Fürsten Caracciolo ab, deren Vorfahren die berühmten Caraccioli waren, die eine so große Rolle in den Bürgerkriegen von Neapel spielten. Einer von ihnen, Sergiani, war der Geliebte der Königin Johanna II. und ward im Kastell Capuano ermordet, aus Rache für eine Ohrfeige, die er in einem Augenblicke des Zornes seiner königlichen Herrin zu geben gewagt. Er trat ein, sah sich um, schien mit Erstaunen zwei Frauen, deren eine fremd war, dem Rate beiwohnen zu sehen, verneigte sich tief und blieb stumm.

»Nun?« fragte Ferdinand ungeduldig. – »Befiehlt mir der König zu sprechen?« fragte Caracciolo. – »Bedarfst du denn eines Befehles, um dem König eine Antwort zu geben?« – »Der König war allein, als er mich absandte.« – »Ja,« sagte die Königin, und jetzt ist der König nicht mehr allein. Es scheint mir jedoch, daß Sie die Personen kennen müßten, vor denen Sie stehen.« – »Ich habe die Ehre, Ihre Majestäten und Ihre Exzellenzen zu kennen,« erwiderte Caracciolo mit fester Stimme, »allein ich habe nicht die Ehre, die Dame dort zu kennen.« – »Diese Dame ist meine vertraute Freundin,« sagte die Königin. – »Dieser Titel flößt uns Ehrerbietung ein, Madame,« erwiderte der Fürst, indem er sich verneigte, »da es sich aber um Staatsangelegenheiten handelt« – »Wollen Sie dem Kapitän Caracciolo befehlen, zu sprechen, General?« sagte die Königin zu dem Minister Acton. »Ihr Befehl übt vielleicht eine mächtigere Wirkung aus, als die Bitte des Königs und die meinige.« – »Also sprich!« befahl der König. – »Sire,« erwiderte Caracciolo, »der Offizier, welcher die französische Flotte befehligt, ist der Admiral von Latouche-Trèville.« – »Wer ist denn dieser Admiral von Latouche-Tréville?« fragte Ferdinand. – »Einer der besten Seeleute der französischen Flotte, Sire. Er war es, der 1781 mit dem Kapitän La Pérouse – La Pérouse befehligte die »Astrée« und er die »Hermione« – einen fünfstündigen Kampf gegen vier Fregatten und zwei englische Korvetten aushielt und trotz der überlegenen Anzahl des Feindes die Palme des Tages davontrug.« – »Und was will er hier?« – »Er hat sich geweigert, mir das zu eröffnen, Sire, aber zugleich gesagt, daß er in einer Stunde seinen Sekundanten senden wolle, der Ihnen in bezug auf diesen Gegenstand Aufklärung geben würde.« – »Nun, meine Herren,« sagte der König, »so wollen wir die Erklärung des Herrn – Verzeihung, ich versprach mich – des Bürgers Latouche-Tréville abwarten.« – »Ich fürchte, Sire,« sagte Acton, »daß wir von einer ähnlichen, Szene bedroht werden, wie der Admiral Marin sie zu Anfang der Regierung des erhabenen Vaters Ew. Majestät in dem Hafen von Neapel herbeigeführt, als er in Englands und Österreichs Namen der italienischen Regierung andeutete, daß er die Neutralität in dem italienischen Krieg zu wahren habe.« – »Ja, ja,« sagte Ferdinand, »der Offizier, der beauftragt war, im Namen des Kommodore zu sprechen, war sehr unverschämt. Er zog seine Uhr aus der Tasche, stellte sie nach der Pendule – es ist noch heute dieselbe – und gab dem König zwei Stunden Zeit, einen Neutralitätsvertrag zu unterzeichnen und einen Befehl an Montemar, mit seinen Truppen in das Königreich zurückzukehren, auszufertigen.« – »Und was tat denn der König, Ihr Vater?« fragte die Königin. – »Zum Teufel!« erwiderte Ferdinand, »er tat, was England forderte.« – »Weil zu dieser Zeit aber,« rief Caracciolo, der ganz vergaß, daß er gar nicht gefragt ward, »weil zu dieser Zeit, Sire, die Stadt ohne Verteidigung, ohne Verschanzungen, ohne Besatzung, ohne Verproviantierung, weil der Hof nicht militärisch war, weil die Minister zaghafte Männer waren, während jetzt –«

»Schweig!« befahl der König, »es hat niemand deine Meinung wissen wollen.« – »Sprechen Sie nur!« sagte die Königin. »Wir wollen uns belehren lassen.« – Dann wendete sie sich zum König und fragte: »Sie erlauben es, nicht wahr, Sire?« – »O, Sie wissen recht gut, daß ich alles erlaube,« erwiderte Ferdinand, »was mich aber nicht hindert, nach meinem Kopfe zu handeln,« setzte er hinzu, erhob sich und ging hinaus. – »Sie sagten, mein Herr,« hob die Königin wieder an, indem sie sich an Caracciolo wandte: »Während jetzt –« »Während jetzt,« begann der Kapitän wieder, »die Stadt reichlich mit Kanonen, Soldaten, Waffen und Munition versehen ist. Mit einem gutgerichteten Feuer vom Castello d'Uovo und vom Castello Nuovo wird man die französische Flotte außer Bombenschußweite halten.« – »Der König behauptet, das Pulver tauge nichts,« sagte die Königin. – »Nun, Madame,« sagte Caracciolo, »dann versucht man zu entern. Wenn ich dreihundert Barken in dem Hafen erhalte, so will ich an der Spitze derselben das Admiralschiff angreifen.« – Der König trat wieder ein, und als er die letzten Worte Caracciolo's vernahm, zuckte er mit den Achseln. – »Ich bitte um Verzeihung, Majestät,« sagte Caracciolo, »die tunesischen und malaischen Korsaren machen es aber nicht anders.« – »Monsieur,« sagte die Königin, »um Gottes willen, schenken Sie dem Gehör, was der Kapitän sagt. Es handelt sich hier um die Ehre ihrer Krone.« – »Überdies, Madame,« sagte Caracciolo, indem er sich zu der Königin wandte, die sich, wie er bemerkte, auf seine Seite neigte, »haben wir jetzt eine Jahreszeit, in welcher der Hafen von Neapel nicht zu behaupten ist. Nach der Kenntnis, die ich von unserem Klima habe,« fuhr er fort, indem er fragend zum Himmel blickte, »wollte ich darauf wetten, daß binnen vierundzwanzig Stunden ein Sturm die französische Flotte zwingt, das Weite zu suchen. Seine Exzellenz der Herr Kriegsminister, der selbst Seemann ist, kann bestätigen, daß ich die Wahrheit sage.« – »Antworten Sie, General,« sagte Karoline. – »Es liegt allerdings viel Wahres in dem, was Signor Caracciolo sagt, allein wir sind in die Enge getrieben.« – »Nein General,« hob der Kapitän wieder an, »denn sobald das erste Segel in Sicht kam, habe ich an Bord meiner Korvette alle Befehle so erteilt, als ob ich überzeugt gewesen wäre, daß dieses Schiff ein feindliches sei, und ich weiß, daß alle meine in dem Hafen stationierten Kameraden es eben so gemacht haben wie ich.« – »Nun, Sire,« fragte die Königin ihren Gemahl, der mit übergeschlagenen Beinen dasaß und seinen Fuß baumeln ließ, »was sagen Sie?« – »Sie sehen es ja, Madame,« erwiderte der König, »ich sage gar nichts.« – »Was tun Sie denn?« – »Ich warte.« –

In dem Augenblicke, in welchem der König das sagte, hörte man einen ersten, dann einen zweiten und dann einen dritten Kanonenschuß. »Ah,« rief die Königin, indem sie sich erhob und an das Fenster eilte, »es scheint, als ob das Castello d'Uovo Feuer gäbe.« – »Ja, Madame,« erwiderte Caracciolo, »jedoch nur blind. Das Castello d'Uovo begrüßt den Gesandten des Herrn von Latouche-Tréville. Und sehen Sie, das Castello Nuovo ahmt dem Castello d'Uovo nach.« – Wirklich folgten die Kanonenschüsse regelmäßig aufeinander, und man konnte die einundzwanzig Schüsse hören, welche der gewöhnliche Gruß befreundeter Mächte sind. – »Wollen Ihre Majestät mir erlauben, mich zurückzuziehen?« fragte Caracciolo, indem er sich an die Königin wandte. »Ich habe hier weiter nichts zu tun.« – »Ich ebensowenig,« sagte die Königin. »So will ich mich denn gleichfalls zurückziehen. Komm, Emma!«

Die Königin bedeutete mich, ihr zu folgen, ich gehorchte. Caracciolo trat zur Seite, um uns vorüber zu lassen, grüßte die Königin tief und ehrfurchtsvoll, als ich aber an ihm vorüberging, richtete er sich hoch auf und warf mir einen so verächtlichen Blick zu, daß die Schamröte mir ins Gesicht stieg. Das war die zweite Beleidigung, die er mir an diesem Tage zufügte. Die Königin ging schnell und ohne sich auch nur umzusehen, ob ich ihr folgte. Sie erreichte die Tür ihres Zimmers, stürzte hinein und sank auf ein Sofa, indem sie sich das Haar zerraufte. »Nun,« sagte sie, »du hast es gesehen! Mein Schwager Ludwig XVI. ist ein Löwe gegen diesen Menschen. O wieviel Schande werden wir hinunterschlucken müssen, meine arme Emma, wenn deine Regierung uns nicht zu Hilfe eilt.« – »Madame,« erwiderte ich, »ich bin nur eine arme Frau und mit der Politik sehr unbekannt, mir scheint es aber, als ob an allem diesem die Minister ebensoviel Schuld trügen, als der König.« – »Was du nur willst! Alle diese Männer sind nicht Minister, sie sind Lakaien. – Ah, mein armer Joseph, wenn du hier wärest, du würdest es nicht dulden, daß man deine Königin beschimpfte. – Hörst du, die Salven beginnen wieder. Die Republik faßt Fuß im Gebiete Neapels. – Wirklich, dieser Caracciolo ist eine mächtige Natur.« – »Mögen Ihre Majestät mir erlauben, ihn nur zu bewundern, ohne für ihn zu sympathisieren. Er ist nichts weniger als höflich gegen mich gewesen.« – »Alle Edelleute Neapels sind so – entweder kriechend wie die Lazzaroni oder stolz wie Barone des römischen Reiches. Diese Caraccioli behaupten, von den griechischen Kaisern abzustammen; sie sind stolz, aber doch wenigstens tapfer. Du hast diesen Caracciolo gesehen, man hätte ihm nur zu sagen brauchen, mit seiner »Minerva« das Admiralschiff anzugreifen, so hätte er sich darauf gefreut wie auf ein Fest. Mir gefallen unter allen Umständen solche Männer besser als wie jene Rohre, die sich unter jedem Lüftchen beugen.« – Die Königin näherte sich dem Fenster. – »Würde es dir nicht Vergnügen gemacht haben,« sagte sie, »von hier aus einem Gefechte zuzusehen? Sieh nur, mit welcher Unverschämtheit sie ihr revolutionäres Banner im Winde flattern lassen! ›Nehmen Sie diese Farben,‹ sagte Lafayette, indem er dem Könige seine Kokarde gab, ›Sie werden die Reise um die ganze Welt machen.‹ Ich hoffe, England wird nicht erlauben, daß diese stolze Prophezeiung in Erfüllung geht. O, wenn ich daran denke, daß am anderen Ende dieses Palastes ein Franzose uns Gesetze vorschreiben will, im Namen einer Regierung, welche meine Schwester gefangen hält und meinen Schwager vielleicht köpfen will, so werde ich wirklich wahnsinnig vor Wut.«

In demselben Augenblicke klopfte man leise an der Tür. Ein Türsteher meldete den englischen Gesandten. »Er möge eintreten! er möge eintreten!« rief die Königin. Dann reichte sie Sir William die Hand und sagte: »Ah, Sie kommen gerade zu rechter Zeit. Sie wissen doch, was bei uns vorgeht?« – »Ich weiß, was man erzählt, weiter nichts. Mögen Ihre Majestät mir aber erlauben, mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen.« – »Jetzt kommt auf mein Befinden nichts an! Jetzt muß man sich um das Befinden des Königreiches bekümmern. Wir sind sehr krank, mein lieber Hamilton, und wenn Monsieur Pitt uns nicht zu Hilfe kommt, so fürchte ich ernstlich, daß man uns, gleich wie meinem Bruder Ludwig XVI. am 20. Juni die rote Mütze über die Ohren zieht.« – »Monsieur Pitt, Madame« sagte Sir William, »wird Ihnen zu Hilfe kommen, daran zweifeln Sie nicht. Er folgt jedoch einem Systeme, welches ich nicht billigen kann, da es den Wünschen Ihrer Majestät zuwiderläuft. Mr. Pitt ist ein Whig, der Tory geworden ist, das vergessen Sie nicht, er will, daß Frankreich selbst den Fluch der Nation auf sich lade.« – »Ja, das heißt, anstatt Ludwig XVI. zu retten, was wohl hätte geschehen können, wenn er sich der Koalition angeschlossen, will er ihn rächen, wenn die Franzosen ihn hingerichtet haben werden. Übrigens verlange ich sehr viel, wenn ich will, daß der Minister einer Nation, die Carl den Ersten enthauptet hat, erzürnt sein soll, weil eine andere Nation das Beispiel der englischen nachahmt. O, wenn er die Franzosen haßte, wie ich!« – »Ich will Ew. Majestät etwas sagen, was Ihnen unmöglich scheinen wird und dennoch wahr ist: Mr. Pitt haßt die Franzosen noch mehr, als Sie es tun.« – »Mehr als ich?« – »Ja, Madame.« – »Das kann ich kaum glauben.« – »O, ich kann Ew. Majestät versichern, daß dem so ist. Glauben Sie mir, ich habe den Vater, Lord Chatham gekannt, ich habe den Sohn gekannt, habe ihn als Kind gesehen; er ist heftig, krank, jähzornig geboren. Er ist ein trauriger, herber, über alles erbitterter Mensch. Jetzt ist er auf den Untergang der Revolution erpicht; er wartet nur, bis die geeignete Stunde schlägt. Fox und Sheridan, an die ich geschrieben, haben ihr Möglichstes getan, damit die Regierung bei dem Konvent interveniere, er aber hat es nicht gewollt. Es ist traurig, sagen zu müssen, und besonders Ew. Majestät gegenüber, er spekuliert aber auf das Entsetzen, welches das Ereignis in Europa hervorrufen wird. Mr. Pitt hat zweimal in seinem Leben gelacht, Madame, und zweimal hat er sich zu einem Scherze herabgelassen. Das erste Mal lachte er, als er erfuhr, daß in San Domingo eine Empörung ausgebrochen war, daß die Neger überall sengten und würgten. Er lachte und sagte: »Jetzt können die Franzosen braunen Zuckerkand zu ihrem Kaffee nehmen!« Das zweite Mal lachte er, es war vor vierzehn Tagen, als Fox und Sheridan, von mir dazu bewogen, ihm vorstellten, daß, wenn er sich nicht einmischte, die Franzosen ihre Raserei so weit treiben könnten, ihren König umzubringen. Er lachte und sagte: »In diesem Falle wird es auf der Karte von Europa eine leere Stelle geben.« – »Ihr Pitt ist aber ein Ungeheuer!« rief die Königin. – »Ich habe mir keine Meinung über Mr. Pitt gebildet, dessen Gesandter zu sein ich die Ehre habe, Madame,« sagte Sir William lachend, »ich weiß jedoch, daß er es verstanden hat, sich von allen drei Englanden anbeten zu lassen.« – »Was meinen Sie von den drei Englanden, Sir William? England, Irland und Schottland?« – »O nein. Altengland, das feudale England, welches seit 89 vor Furcht verging, da es aus jedem Schiffe, welches aus Frankreich kam, die Menschenrechte ans Land steigen zu sehen glaubte, das handeltreibende England, welches das Meer wie sein Lehn betrachtet und dem Pitt die Vernichtung der französischen Marine versprochen, endlich das müßige, spekulative, wuchertreibende England. Frankreich teilt sein Ländergebiet, die Engländer teilen ihre Renten. Jeder Engländer hat seinen Koupon und an jedem Morgen berechnet er, was er in der Nacht gewonnen. Als Frankreich, welches seinem Bankerott entgegengeht, für zwei Milliarden Assignaten in Umlauf setzte, stiegen unsere Fünfprozentigen, welche zweiundneunzig standen, bis auf hundertzwanzig. Pitt war ein großer Mann! Die Vierprozentigen, welche fünfundsiebzig standen, stiegen auf hundertundfünf und Pitt war ein Heros! Die Dreiprozentigen endlich, welche siebenundfünfzig standen, stiegen auf siebenundneunzig und Pitt ist nun ein Gott!« – »Ein erbärmlicher Gott!« – »Ach, Sie wissen ja, Madame, daß die Menschen sich ihre Götter nach dem, was sie lieben, und nach dem, was sie hassen, bilden. Die Inder beten eine Kuh an, die Mongolen ein Lamm, die Siamesen einen weißen Elefanten. Lassen Sie uns das goldene Kalb anbeten; das ist noch der ausgebreitetste Kultus.«

In diesem Augenblicke vernahm man neuen Kanonendonner, der verkündigte, daß der Gesandte des Herrn von Latouche-Tréville in das Admiralboot stieg, und man benachrichtigte soeben Sir William, daß der König ihn bitten ließe, zu ihm zu kommen.

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