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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 14
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fra Filippo Lippi

Geboren um 1406 zu Florenz, gestorben am 9. Oktober 1469 zu Spoleto

Fra Filippo di Tommaso Lippi, der Karmelitermönch, wurde in Florenz geboren. Nach dem Tode seines Vaters Tommaso blieb er als eine arme schutzlose Waise in der Welt zurück, denn auch seine Mutter war bald nach seiner Geburt gestorben. Mona Lappaccia, die Schwester seines Vaters, nahm ihn in Obhut und zog ihn bis in sein achtes Jahr mühevoll auf. Von da an aber konnte sie ihn nicht mehr erhalten und gab ihn, damit er Mönch werde, in das Kloster del Carmine. Dort zeigte er zu allen mechanischen Beschäftigungen viel Geschick und Erfindungsgabe, bei Erlernung der Wissenschaften dagegen Unbeholfenheit und Ungeschick. Er wollte seinen Geist nie dabei anstrengen und sich nie mit ihnen befreunden. Der Knabe wurde mit seinem weltlichen Namen Filippo genannt und stand im Noviziat gleich allen übrigen unter Aufsicht des Lehrers der Grammatik, damit man sah, was er leisten könne. Anstatt jedoch zu studieren, ließ er nicht ab, auf seine und der anderen Bücher Fratzen und Figuren zu zeichnen, und der Prior beschloß endlich, ihm auf jede Weise behilflich zu sein, daß er das Malen erlerne. In jener Zeit hatte Masaccio die Kapelle des Klosters del Carmine neu gemalt, und diese gefiel wegen ihrer Schönheit dem Filippo sehr wohl. Täglich ging er zu seinem Vergnügen dahin, um sich in Gesellschaft anderer Knaben im Zeichnen zu üben, und übertraf alle weit an Geschick und Kenntnis, so daß man sicher glaubte, er werde mit der Zeit Außerordentliches leisten. Nicht erst in reifen, sondern in jungen Jahren schon vollführte er so herrliche Werke, daß er als ein Wunder erschien. Noch sehr jung malte er im Klostergang nahe bei dem Gemälde der Kircheneinweihung mit grüner Erde einen Papst, der die Ordensregeln der Karmeliter bestätigt. Auf mehreren Wänden der Kirche sind andere Freskobilder von ihm ausgeführt, besonders ein Bild »Johannes der Täufer« mit einigen Begebenheiten aus dessen Leben. Indem er sich so jeden Tag vervollkommnete, eignete er sich den Stil des Masaccio derart an, daß seine Arbeiten denen jenes trefflichen Künstlers immer ähnlicher wurden, und viele sagten, der Geist Masaccios habe in Fra Filippo seinen Wohnsitz genommen. In derselben Kirche malte Filippo den heiligen Martialis, eine Figur, die ihm unendliches Lob erwarb, weil sie den Vergleich mit den Arbeiten Masaccios bestand. Da er sich deshalb von jedermann laut gepriesen hörte, faßte er mit siebzehn Jahren den mutigen Entschluß, aus dem geistlichen Orden auszutreten. Er begab sich in die Mark Ancona. Als er dort eines Tages mit mehreren seiner Freunde eine Vergnügungsfahrt auf dem Meer machte, wurden sie sämtlich von einem maurischen Kaperschiff aufgefangen und nach der Berberei gebracht. Man beschwerte sie mit Ketten und hielt sie als Sklaven. Achtzehn Monate hatte Filippo sehr zu seinem Verdruß bereits dort weilen müssen, da kam ihm plötzlich der Gedanke, seinen Herrn, den er oft gesehen hatte, zu zeichnen. Mit einer ausgebrannten Kohle stellte er ihn auf einer weißen Wand in seiner maurischen Kleidung ganz getreu dar. Die übrigen Sklaven berichteten es dem Herrn, weil in jenen Gegenden, wo weder Zeichenkunst noch Malerei verbreitet sind, die Sache als ein Wunder erschien. Dies wurde die Veranlassung, daß man ihn von den Ketten befreite, die er so lange getragen hatte. So gereichte es der herrlichen Kunst sehr zum Ruhm, daß sie da, wo Macht war zu strafen und zu verdammen, das Gegenteil bewirkte und anstatt zu Verfolgung und Tod zu Liebenswürdigkeit und zu dem Geschenk der Freiheit führte. Denn nachdem Filippo seinem Herrn einige farbige Bilder gemalt hatte, wurde er sicher nach Neapel zurückgeleitet. Dort verfertigte er im Auftrag des Königs Alfons, damaligen Herzogs von Kalabrien, ein Temperagemälde auf Holz für die Schloßkapelle.Nur zwei Flügel erhalten, bisher in der Sammlung Cook in Richmond. Bald danach jedoch bekam er Sehnsucht, nach Florenz zurückzukehren. Dort blieb er einige Monate und malte für die Nonnen von Sant´ Ambrogio eine schöne Altartafel,Krönung der Maria mit Selbstbildnis in den Uffizien. wodurch er dem Cosimo von Medici bekannt wurde, der ihn sehr liebgewann. Für den Kapitelsaal von Santa Croce verfertigte er eine TafelMadonna mit Heiligen in den Uffizien. und eine andere, eine Geburt Christi, für die Kapelle im Haus der Medici.Bisher Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin. Eine Tafel mit der Geburt Christi und dem heiligen Johannes dem Täufer malte er für die Gemahlin Cosimos, die sie nach der Einsiedelei von Camaldoli bringen ließ, damit sie in einer der Zellen der Einsiedler aufgestellt würde, die sie aus Frömmigkeit erbaut und Sankt Johannes dem Täufer geweiht hatte.In den Uffizien.

Man erzählt, Filippo wäre so sehr zu Zärtlichkeiten geneigt gewesen, daß er für Frauen, die ihm gefielen, sein ganzes Vermögen hingegeben hätte, um sie zu besitzen. Und konnte er dies durch keinerlei Mittel erreichen, so suchte er sie in Gemälden darzustellen und durch Reden die Glut seiner Liebe zu kühlen. In solcher Stimmung pflegte er an seinen begonnenen Werken wenig oder gar nicht zu arbeiten. Als daher Cosimo einst eine Arbeit von ihm ausführen ließ, schloß er ihn in seinem Hause ein, damit er nicht außerhalb seine Zeit verliere. Dies hatte zwei Tage gedauert, als Filippo von Liebesglut, ja von tierischer Begierde getrieben, sich eines Abends an einem Seil von zerschnittenen Bettüchern aus dem Fenster herabließ und mehrere Tage seinem Vergnügen lebte. Cosimo, der ihn nicht fand, befahl, ihn zu suchen, und als er ihn endlich zur Arbeit zurückbrachte, bereute er es, ihn eingeschlossen zu haben – wegen der Tollheit, von der jener besessen war und der Gefahr, in die er hätte geraten können. So suchte er ihn künftig nur durch Freundlichkeit bei der Arbeit festzuhalten und wurde seitdem von ihm stets eifrig bedient. Dabei pflegte er zu sagen, ausgezeichnete und seltene Geister seien himmlische Gebilde und keine Lastesel. Im Palast der Signoria malte er über einer Tür eine Tafel mit der Verkündigung, über einer anderen desselben Palastes einen heiligen Bernhard und in der Sakristei von Santo Spirito zu Florenz auf einer Tafel die Madonna, von Engeln und Heiligen umgeben, ein bedeutendes Werk, das von den Meistern unseres Berufs immer sehr in Ehren gehalten wurde. Für die Kapelle der Kirchenverwalter von San Lorenzo malte er auf Holz eine Verkündigung und für die Cappella della Stufa eine andere in der gleichen Weise, die jedoch unvollendet blieb. In einer der Kapellen von Santi Apostoli derselben Stadt stammt von ihm eine Tafel, welche die Madonna von mehreren Figuren umgeben darstellt, und zu Arezzo, in der Kapelle San Bernardo bei den Mönchen von Monte Oliveto verfertigte er im Auftrag des Herrn Carlo Marsuppini die Altartafel mit der Krönung der Maria und vielen Heiligen umher.Jetzt in der Pinacoteca Vaticana in Rom. Hierbei wurde er von Herrn Carlo erinnert, auf die Hände zu achten, die er male, denn an seinen Arbeiten werde vieles sehr getadelt. Fra Filippo, der solchen Tadel vermeiden wollte, suchte seit jener Zeit seine Gestalten meist durch Gewänder oder sonst durch andere Erfindungen zu verhüllen.

In Prato, nahe bei Florenz, wo Filippo einige Verwandte hatte, verweilte er mehrere Monate in Gesellschaft des Karmeliters Fra Diamante, der sein Gefährte im Noviziat gewesen war, und vollendete in der ganzen Umgegend eine Menge Arbeiten. Dort erhielt er von den Nonnen von Santa Margherita Auftrag, die Tafel für den Hauptaltar zu malen. Während er hiermit beschäftigt war, erblickte er eines Tages die Tochter des Florentiners Francesco Buti, die in jenem Kloster entweder erzogen wurde oder Nonne werden sollte. Fra Filippo betrachtete Lucrezia – dies war der Name des Mädchens –, und da sie schön und anmutig war, wußte er die Nonnen dahin zu bringen, daß er sie zeichnen und dieses Porträt für die Mutter Gottes in dem Altarbild verwenden durfte. Bei dieser Veranlassung verliebte er sich noch mehr und fand schließlich Mittel und Wege, Lucrezia jenen Nonnen gerade an dem Tage zu entführen, an dem sie ausging, den Gürtel der Jungfrau zu sehen, eine heilige Reliquie, die man in Prato aufbewahrt. Die Nonnen waren durch dies Ereignis sehr beschämt, und der Vater Lucrezias wurde nie wieder froh. Er wandte alle Mittel an, sie wiederzubekommen, doch wollte sie nicht zurückkehren, entweder aus Furcht oder aus einem anderen Grunde. Sie blieb bei Filippo, dem sie einen Sohn gebar, der nach dem Vater Filippo genannt und später gleich ihm ein berühmter Maler wurde.

Über dem Brunnen im Hofe des Hospitals Ceppo befindet sich eine kleine Tafel desselben Meisters, worin er Francesco di Marco, den Stifter dieser mildtätigen Anstalt, porträtierte,Im Palazzo Communale in Prato. und in der Pfarrkirche malte er über der Seitentür, wenn man die Treppe hinaufsteigt, eine kleine Tafel vom Tode des heiligen Hieronymus.Im Dom in Prato. Die Bauverwalter der Pfarrkirche, die ein Andenken von Filippo zu besitzen wünschten, gaben ihm den Auftrag, die Kapelle ihres Hauptaltars zu malen. Er zeigte dabei all sein Können und künstlerisches Streben, wußte Gewänder und Gestalten aufs schönste auszuführen und gab den Figuren mehr als Lebensgröße, wodurch er den modernen Künstlern die Weise bezeichnete, nach der man in neuer Art große Gestalten darstellen muß. Auf der Wand zur Rechten verteilte er Begebenheiten aus dem Leben des heiligen Stephanus, des Namensheiligen jener Pfarrkirche, und die Disputation, die Steinigung und den Tod dieses ersten Märtyrers. Auf der anderen Seite aber stellte er die Geschichte Sankt Johannes des Täufers dar: seine Geburt, Predigt und Taufe, das Mahl des Herodes und endlich die Enthauptung des Heiligen. Unter den Gestalten, die den heiligen Stephanus betrauern, malte er sich selbst nach dem Spiegelbild in einem schwarzen Prälatenkleide und seinen Schüler Fra Diamante. Dies Werk ist als die trefflichste von allen seinen Arbeiten zu nennen. – Man schätzte diesen Meister um seiner Vorzüge willen so sehr, daß viele tadelnswerte Dinge aus seinem Leben durch sein ausgezeichnetes Kunstgeschick verdeckt wurden.

Im Jahre 1463, als Fra Filippo dies Werk vollendet hatte, malte er eine Tafel in Tempera, eine sehr schöne Verkündigung für die Kirche San Jacopo in Pistoia. War Filippo in allen seinen Gemälden ausgezeichnet, so übertraf er in den kleinen sich selbst. Diese führte er so anmutig und schön aus, daß es nicht besser möglich ist, wie die Malereien auf den Staffeln seiner Altarbilder alle bezeugen. Kurz, er war so ungewöhnlich, daß zu seiner Zeit keiner und in unseren Tagen nur wenige ihn übertroffen haben. Deshalb wurde er von Michelangelo nicht nur ständig durch Lob gefeiert, sondern in vielen Dingen auch nachgeahmt.

Die Gemeinde Spoleto berief durch Verwendung von Cosimo de' Medici Filippo, damit er die Kapelle in der Hauptkirche der Madonna male, die er mit Fra Diamante ziemlich weit vollendete, vom Tode überrascht jedoch nicht ganz zu Ende bringen konnte.Die Apsis in der Hauptchorkapelle des Domes von Spoleto mit Szenen aus dem Marienleben, von Fra Diamante (gestorben 1493) und Filippino Lippi vollendet. Man sagt, seine allzu große Neigung zu Liebesabenteuern sei die Ursache gewesen, daß die Verwandten seiner Geliebten ihn vergiften ließen.

Fra Filippo war ein Freund fröhlicher Menschen und lebte stets vergnügt. Er ließ Fra Diamante die Kunst der Malerei lernen, und dieser vollendete viele Bilder in der Karmeliterkirche zu Prato, gelangte in der Nachahmung des Stils seines Meisters zu großer Vollkommenheit und erwarb sich dadurch viel Ehre. Fra Filippo starb 1469 in seinem dreiundsechzigsten Lebensjahr und übertrug in seinem Testament dem Fra Diamante die Sorge für Filippo, seinen Sohn. Dieses damals zehn Jahre alte Kind lernte von Fra Diamante die Kunst und kehrte mit ihm nach Florenz zurück. Der alte Filippo aber wurde in einem Grabmal von rotem und weißem Marmor beigesetzt, das die Spoletaner in der Kirche errichten ließen, die er mit Gemälden geschmückt hatte. Sein Tod ging vielen seiner Freunde nahe, besonders dem Cosimo de' Medici und dem Papst Eugen, der ihm hatte Dispens geben wollen, damit er die Lucrezia Buti zu seiner rechtmäßigen Frau machen könne. Filippo aber lag nichts daran, weil er nach seiner Lust und Neigung leben wollte.

Zur Zeit Papst Sixtus' IV. nahm Lorenzo de' Medici, der zum Gesandten der Florentiner ernannt war, seinen Weg über Spoleto, um die dortige Gemeinde um den Leichnam des Bruders Filippo zu bitten, der in Santa Maria del Fiore in Florenz beigesetzt werden sollte. Aber man gab ihm zur Antwort, daß sie wenig Ruhm besäßen und es besonders an ausgezeichneten Männern fehle. Darum baten sie ihn, um sich selber zu ehren, um die Gnade, ihnen diesen Mann zu lassen, indem sie hinzufügten, daß ja Florenz eine unendliche Menge berühmter Leute besäße und dieser eine nicht fehlen würde. Um diesen Entschluß auf die bestmögliche Weise zu ehren, schickte er den Sohn Filippino nach Rom zum Kardinal von Neapel, um eine Kapelle zu bauen. Als er durch Spoleto reiste, ließ dieser im Auftrage von Lorenzo ein Marmorgrabmal unter der Orgel und über der Sakristei errichten, für das jener hundert Golddukaten spendete. Diese wurden durch Nofri Tornabuoni, den Vorsteher der mediceischen Bank, ausgezahlt, und Messer Angelo Poliziano verfaßte die Inschrift für das genannte Grabmal.

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