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Kritiken und Rezensionen 1912 - 1931

Walter Benjamin: Kritiken und Rezensionen 1912 - 1931 - Kapitel 75
Quellenangabe
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typeessay
authorWalter Benjamin
booktitleGesammelte Schriften III
titleKritiken und Rezensionen 1912 ? 1931
publisherSuhrkamp Taschenbuch Verlag
seriessuhrkamp taschenbuch wissenschaft
volume933
printrunErste Auflage
editorHella Tiedemann-Bartels
year1991
isbn3-518-2S533-5
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Léon Deubel, Œuvres. Préface de Georges Duhamel.

Paris: Mercure de France 1929. 286 S.

»La chanson balbutiante« – »Léliancolies« – »La lumière natale« – »Ailleurs« – »Régner« – das sind einige unter den schönen und merkwürdigen Titeln, mit denen in den Jahren 1899 bis 1913 Léon Deubels Gedichte in die Welt hinausgingen. Hier von »Welt« zu sprechen ist freilich nicht angängig. Die durchschnittliche Auflageziffer dieser Bändchen lag zwischen dreißig und sechzig, und damit noch immer hoch über dem, was der Dichter als sein Ideal sich ersehnte: seine Bücher in fünf Exemplaren drucken zu lassen. Es sieht ja aus, als ließe sich dergleichen heute nicht mehr verstehen. Dabei ist es sehr einfach. Deubel lebte mit seinen Versen, und er lebte so überaus intensiv mit ihnen, weil nicht nur er sie nötig hatte, sondern sie ihn. Denn diese Verse sind nicht immer die stärksten. Deubel war eine große Begabung. Aber auf dieser großen Begabung lagen, wie auf dem schwerfälligen Manne selber, Trübsal und Lebensangst, die sein Dasein und Dichten in eine Einsamkeit zwangen, der ebenso Bewährung wie Zuspruch fehlten. Er verschloß sich also mit seinem Tun in den fürstlichen, nun aber verlassenen und stickigen Wohnungen derer, die ihm vorangegangen waren, Baudelaires zumal, und die Samen seiner Bilder schossen darinnen in kelchigen, strahligen, schäftigen Formen ins Kraut. Er selber hat dies geile Bilderwesen als die große Gefahr seiner Dichtung empfunden, und einmal schreibt er, unbeholfen genug: »Ich will nicht so verschwenderisch mit Bildern sein, das ermüdet den Leser.« Er hat von dieser Seite, seiner wesentlichsten, Verwandtschaft mit Heym. Dessen wehende, flammende, knatternde Bilder aber waren Standarten, unter denen die Lyrik zum letzten siegreichen Sturm auf die Großstadt sich rüstete. Deubel hat die Stadt nicht geliebt. Sie war ihm nur eine Station auf dem Leidenswege, der schwarze Katarakt, den er in einem schönen Gedicht sein Lebensschiff heil durchziehen hieß. Sein Wille ist ihm nicht in Erfüllung gegangen. Mit vierunddreißig Jahren nahm sich Deubel das Leben, einer der letzten, die an der Poesie zugrunde gegangen sind.

Unter denen, die etwas für ihn getan haben, ist Alfred Richard Meyer, der Verleger der schönen nun schon seltenen Plaquette »Ailleurs«. Später hat er dem Toten ein Bändchen »In Memoriam Léon Deubel« nachgeschickt – leider von unaussprechlichen Übersetzungen entstellt. Einen glücklicheren Versuch unternahm Paul Zech im zweiten Heft der »Neuen Kunst«. Mit zwanzig oder dreißig seiner schönsten Verse sollte Deubel in der besten aller deutschen Republiken, dem alten Freistaat ihrer Übersetzungen, das Heimatrecht verliehen werden.

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