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Kritik der Gegenwart

Hermann Bahr: Kritik der Gegenwart - Kapitel 88
Quellenangabe
typediary
authorHermann Bahr
titleKritik der Gegenwart
publisherHaas & Grabherr Verlag
addressAugsburg
year1922
firstpub1922
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100315
modified20171128
projectid5f145b65
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4. September

Zwei köstliche Gaben des Inselverlags: Goethes Liebesgedichte, der unendliche Regenbogen seines Herzens, von Annetten zu Ulriken, und Goethes Novelle. Jene von Hans Gerhard Graf chronologisch gereiht, dem Treuesten der Treuen, in dem gerade die Tugenden des bürgerlichen, des häuslichen Goethe, die vom Vater ererbten, die Tugenden der Stille, der hellen Ordnung, des inneren Wohlklangs, die Tugenden der Stifterseite Goethes bis ins Sublime gediehen sind. Diese mit Zeichnungen von Bernhard Hasler, die ganz nach der alten Art den Gang der Erzählung munter begleiten, fast einem heiter voraus wedelnden oder auch auf einmal kräftig bellenden Hündchen gleich: da kehrt die gute, diskrete, selbstlose »Illustration« der Vergangenheit wieder, das Auge des Lesers niemals ablenkend, sondern nur durch Verweilen beruhigend, daß er Satz um Satz, ja Laut um Laut dieses tönenden Teppichs hegen und wägen lerne, der, Iphigeniens Sinn vollendend, die Wunderkraft der Liebe zeigt an einer Welt, die »böses Wollen zu verhindern, zu befördern schöne Tat« nicht erst Gewalt mehr braucht, sondern alles Geschehen gelinder beherrscht durch »frommen Sinn und Melodie«.

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