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Kritik der Gegenwart

Hermann Bahr: Kritik der Gegenwart - Kapitel 50
Quellenangabe
typediary
authorHermann Bahr
titleKritik der Gegenwart
publisherHaas & Grabherr Verlag
addressAugsburg
year1922
firstpub1922
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100315
modified20171128
projectid5f145b65
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24. April

Das gefährlichste monarchistische Komplott ist aber doch diese Republik selber! Vor ihr waren wir eigentlich alle doch heimliche Republikaner; erst jetzt wird's uns unheimlich. Denn damals wirkte ja bis tief in meine Generation hinein, ja selbst über sie hinaus das Jahr Achtundvierzig noch nach. Aus revolutionären Studenten waren kaisertreue Beamte geworden, aber mit dem Plutarch im Herzen, wenigstens am Sonntag. Und eine gewisse Brücke zwischen dem Plutarch und Franz Josef stellten sie sich durch das Axiom her, das Volk bedürfe ja zunächst noch der Erziehung durch den Liberalismus, um erst allmählich so für die Republick reif zu werden. In solchen Lehren aufgewachsen, freuten wir uns alle darum der Ereignisse des Novembers 1918 sehr: sie gaben uns doch gleichsam das Zeugnis der Reife. Wem hätte das nicht geschmeichelt? Lang, lang ist's her! Auch waren ja bis dahin nur zwei Formen der Republik bekannt: die Wahl schien nur zwischen einer aristokratischen und einer demokratischen Republik. Die dritte Form ahnte man noch nicht. Man wußte nicht, daß es auch eine Kleptokratie gibt.

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