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Kristine

Helene Böhlau: Kristine - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
booktitleKristine
authorHelene Böhlau
year1929
firstpub1929
publisherHermann Böhlaus Nachfolger
addressWeimar
titleKristine
pages291
created20100905
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierter Gesang
Sulamith und Salomo

            »Wer ist es, der dort erhaben thront
Im Prunksaal, gekrönt mit der Krone,
Von Zymbeln und Harfen umklungen,
Umrauscht vom Schall der Posaunen,
Herrlich wie ein Gesalbter des Herrn?«
*
Die Gemahlinnen:
  Siehe, es ist der König! Ist Salomo!
Also krönte ihn seine Mutter
Am Tage seiner Hochzeit,
Am Tage seiner Wonnen,
Zur Stunde seiner Herzensfreude!
 
Salomo:
  Goldgeschirrten Rossen an Pharaos Wagen
Vergleiche ich dich, du Schöne aus Sulem,
Schön wie Thirza
Und voll Anmut wie Jerusalem,
Liebliche du aus dem Palmenhain.
Deine Wange gleicht der geöffneten Granate,
Unter deines Schleiers Schatten
Blicken strahlend deine Augen, 286
Klar wie die Wasserteiche zu Hesbon.
Wie Perlen unter Korallen geborgen,
So deine Zähne unter den Lippen,
Schöner als Perlenschnüre an deinem Halse,
Herrlicher als Korallenreihen auf deinem Busen!
Und wie glänzende Bäche vom Gilead eilen,
Also umfließen dunkele Locken dein Haupt.
Sag', warum blickst du finster, wie in Wolken
Der Libanon über Damaskus schaut? . . . .
Sprich! Liebliche du, Hirtin aus Sulem.
 
Sulamith:
  Wende deine Blicke von mir, o Herr.
Dunkel bin ich, sonnengebräunt
Wie der Kadarener Hirtenzelte,
Wie deine Estrichdecken, Salomo . . . .
Dunkel gebräunt – nicht schön.
O wer es mir doch gewähren könnte,
Daß ich fern sei von hier,
Bei euch, ihr Rosen, Narzissen und Lilien,
Ihr Töchter unseres Tals,
In meiner Mutter Haus,
In der Hütte, da ich den Tag ersah –
Daß ich hinschauen dürfte über die Berge – –
 
Salomo:
  Schön bist du, wahrlich, du bist schön.
Schönheit ganz und sonder Fehle.
Herrlich gleich einer Palme dein Wuchs,
Und dein Odem süß wie Balsam.
Siehe, Königinnen dienen mir
Und Gemahlinnen
Und der Jungfrauen keine Zahl. 287
Du sollst auserwählt sein vor allen.
Bewundern sollen dich die Mädchen,
Königinnen werden dich glücklich preisen,
Und erheben wird dich meiner Gemahlinnen Lied!
 
Sulamith:
  Einer ist's, den meine Seele sucht!
Ach, unter Tausenden einer!
Wie die Zypresse sein Wuchs,
Dunkelgelockt sein Haupt,
Seiner Augen Blicke voller Feuer.
Herrlich ist alles an ihm!
Bildnerwerk von reinem Golde!
Das ist mein Lieber,
Das ist mein Teurer!
Ihm zu eigen bin ich, und er ist mein – –
 
Salomo:
  Erwache, Hirtin aus Sulem!
Blicke wie von einer Warte Zinnen
Und wie vom Haupte des Karmel,
Hebe dein Auge auf und schau:
Was du schaust – ist mein.
Tausende zittern vor meinem Winke,
Tausende hangen an meinen Brauen,
Tausende lenk' ich mit diesem Schwerte,
Ich gebiete im Lande,
Ich bin der Gesalbte des Herrn
Und König in Israel!
 
Sulamith:
  Ich beschwöre dich, König von Israel,
Bei dem Gott unserer Väter 288
Und bei Jehovas Feuer beschwör' ich dich:
Der Herr wird den Arm ausrecken wider dich
Und wird Unglück erwecken in eigenem Haus,
Israel geben in die Hand seiner Feinde,
Und werden füllen das Land, so weit wie es ist
Es sei, du entlässest mich denn – –
Fliehen werden dich Freuden,
Und Haß wird sein die Saat, die aufgeht,
Und wirst büßen wie David –
Es sei, du entlässest mich denn. 289

 

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