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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 98
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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98

Beim Eintritt in den ersten Saal wurde Natalie betäubt von dem gleichmäßigen Geräusch der Stimmen und Schritte und geblendet vom Lichtglanz. Der Herr und die Dame des Hauses, welche schon seit einer halben Stunde an der Eingangstür standen und jedem Gast immer dieselben Worte wiederholten: »Sehr erfreut! Sehr erfreut, Sie zu sehen!« empfingen auch Rostows und das Hoffräulein. Im Saal drängten sich die Gäste bei den Eingangstüren in Erwartung des Kaisers. Die Gräfin nahm in den ersten Reihen Platz. Natalie hörte, wie mehrere Stimmen nach ihr fragten. Das alte Hoffräulein bezeichnete der Gräfin die bedeutendsten Persönlichkeiten unter den Anwesenden.

»Hier ist der holländische Gesandte«, sagte sie und deutete nach einem Greis mit silbergrauen Haaren, »und hier ist die Beherrscherin von Petersburg, die Gräfin Besuchow!«

»Wie schön!«

»Sehen Sie, wie die jungen und alten Leute sie bewundern! Sie ist schön und geistreich, man sagt, der Prinz . . . sei wahnsinnig in sie verliebt! Aber diese zwei dort, obgleich sie nicht hübsch sind, werden noch mehr bestürmt.«

Sie deutete auf eine Dame, welche durch den Saal ging mit einer sehr häßlichen Tochter.

»Das ist eine Millionenerbin«, sagte das Hoffräulein, »und da kommen auch Freier. – Das ist der Bruder der Gräfin Besuchow, Anatol Kuragin«, sagte sie und deutete nach einem hübschen Offizier der Chevaliergarde, der mit hocherhobenem Kopf bei ihnen vorüberging und über die Damen wegblickte. »Wie schön! Nicht wahr? Man sagt, er werde diese reiche Erbin heiraten. Und da ist Ihr Vetter Drubezkoi, der ihr auch sehr den Hof macht; man sagt, sie habe Millionen. Da kommt auch der französische Gesandte, sieht aus wie der Kaiser, aber diese Franzosen sind doch sehr nett. Und hier dieser Dicke mit der Brille, das ist der Allerweltsfreimaurer«, fuhr das Hoffräulein fort, als sie Besuchow erblickte. »Stellen Sie ihn neben seine Frau – die reine Vogelscheuche!«

Peter wälzte seinen dicken Körper weiter und nickte nachlässig und gleichmütig nach rechts und links. Er schien jemand zu suchen. Natalie sah erfreut das bekannte Gesicht Peters und wußte, daß Peter die Ihrigen und besonders sie selbst in der Menge suchte, er hatte ihr versprochen, auf dem Ball zu sein und ihr Tänzer vorzustellen. Doch Peter kam nicht, sondern blieb vor einem kleinen, sehr hübschen Offizier in weißer Uniform stehen, der am Fenster mit einem hochgestellten Herrn mit Sternen und Ordensband sprach. Natalie erkannte sogleich den kleinen jungen Mann in der weißen Uniform. Es war Bolkonsky, welcher ihr sehr vergnügt und hübscher geworden zu sein schien.

»Da ist noch ein Bekannter, Bolkonsky! Sehen Sie, Mama!« sagte Natalie, nach dem Fürsten Andree deutend.

»Ach, Sie kennen ihn?« fragte das Hoffräulein. »Ich kann ihn nicht ausstehen! Alle Welt ist jetzt vernarrt in ihn! Und ein Stolz ohne Grenzen, er gleicht seinem Vater! Hat sich an Speransky gehängt und schreibt Prospekte. Sehen Sie, wie er sich gegen Damen benimmt! Sie spricht mit ihm und er kehrt sich um! Ich würde ihn abtrumpfen, wenn er sich gegen mich so benehmen würde wie gegen diese Damen.«

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