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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 97
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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97

Am Neujahrsabend des Jahres 1810 fand bei einem hohen Würdenträger ein Ball statt. Man sagte, das diplomatische Korps und auch der Kaiser werde kommen. Auf dem englischen Kai erglänzte das bekannte Haus des hohen Herrn in einer Illumination von zahllosen Flammen. Der Eingang war mit rotem Tuch belegt, Gendarmen, ein Dutzend Polizeioffiziere und sogar der Polizeimeister standen auf der Straße. Zahllose Wagen fuhren vor. Herren in Uniform, mit Ordensbändern und Sternen, sowie Damen in reichen Atlaskleidern stiegen vorsichtig aus und traten rasch und schweigend in das Haus.

Schon war ein Drittel der Gäste versammelt, aber im Hause Rostow herrschte noch aufgeregte Geschäftigkeit als Folge der Befürchtungen, daß keine Einladungen kommen würden, daß die Kleider nicht fertig werden würden, daß nicht alles so gelingen werde, wie es sein sollte. Um zehn Uhr abends sollte Rostow am Taurischen Garten vorfahren, um Maria Perowska, eine Freundin und Verwandte der Gräfin, ein hageres, gelbes Hoffräulein vom früheren Hof, abzuholen. Es fehlten nur noch zehn Minuten an zehn und noch waren die Damen nicht angekleidet.

Es war der erste Ball, den Natalie in ihrem Leben besuchte. Sie war um acht Uhr morgens aufgestanden und hatte sich den ganzen Tag über in fieberhafter Aufregung befunden. Alles Wesentliche war schon getan, Füße, Hände, Hals, Ohren waren besonders sorgfältig gewaschen und ballmäßig parfümiert und gepudert, die Frisuren waren beinahe vollendet, jedoch war noch lange nicht das letzte Hindernis beseitigt. Das Kleid war zu lang, und eine Kammerzofe lag auf den Knien und war beschäftigt, es einzunähen.

»Himmel!« rief Sonja verzweifelt. »Es ist noch zu lang!« Natalie betrachtete sich im Spiegel, das Kleid war zu lang.

»Nun, in einer Minute wird es geändert sein«, sagte die entschlossene Dunjascha, die Zofe, und warf sich wieder auf die Knie. Mit leisen Schritten trat die Gräfin ein.

»Nun, meine Schönheit!« rief der Graf. »Schöner als ihr alle!« Er wollte sie umarmen, aber sie zog sich errötend zurück. Um ein Viertel elf Uhr endlich saßen sie alle im Wagen und fuhren ab, aber sie mußten noch zum Taurischen Garten fahren.

Das Hoffräulein war schon bereit, gewaschen, parfümiert, gepudert und geschminkt, trotz ihres Alters und ihrer Häßlichkeit. Auch ihre alte Zofe bewunderte entzückt ihre Toilette, als sie mit gelbem Kleid und einer Schärpe in den Salon trat. Man bewunderte gegenseitig die Toiletten und den Geschmack und um elf Uhr bestieg man vorsichtig den Wagen und fuhr ab.

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