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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 91
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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91

Zwei Jahre zuvor, im Jahre 1808, stand Peter bei seiner Rückkehr von seinen Gütern nach Petersburg an der Spitze der Petersburger Freimaurerei. Er veranstaltete Logenversammlungen, warb neue Mitglieder und bemühte sich für Vereinigung der verschiedenen Logen. Er gab reichliche Mittel zu Wohltätigkeitszwecken und ergänzte soviel als möglich die Einsammlung der Almosen, mit welchen die Mitglieder geizig und unpünktlich waren. Er unterhielt fast allein ein Krankenhaus, das der Orden in Petersburg errichtet hatte.

Dabei aber führte er dasselbe vergnügungssüchtige Leben wie früher, liebte gut zu speisen und zu trinken und konnte sich von den Vergnügungen der Lebemänner, an denen er teilnahm, nicht fernhalten, obgleich er sie für sittenlos und erniedrigend ansah.

In dem Taumel der Vergnügungen fühlte aber Peter nach Verlauf eines Jahres wohl, wie der Boden der Freimaurer, auf dem er stand, desto mehr unter seinen Füßen verschwand, je mehr er sich bemühte, darauf zu fußen. Als er der Freimaurerei beitrat, hatte er das Gefühl eines Menschen empfunden, welcher gläubig den Fuß auf die gleichmäßige Oberfläche eines Sumpfes setzt. Er war eingesunken. Um sich ganz von der Festigkeit des Bodens, auf dem er stand, zu überzeugen, setzte er auch den zweiten Fuß auf und sank noch tiefer ein.

Alle Brüder, die er kannte, teilte er in vier Klassen ein. Zur ersten Klasse rechnete er die Brüder, welche ohne tätigen Anteil an den Arbeiten der Loge und an den menschlichen Angelegenheiten zu nehmen, sich ausschließlich mit den Geheimnissen der Lehre des Ordens beschäftigten, mit den Fragen von der dreifaltigen Benennung Gottes; von den drei Anfängen der Dinge, Schwefel, Merkur und Salz, oder von der Bedeutung des Quadrats und aller Figuren des salomonischen Tempels. Diese Klasse verehrte Peter, zu ihr gehörten hauptsächlich alte Brüder. Aber Peter nahm nicht Anteil an ihren Interessen, sein Herz wandte sich nicht der mystischen Seite der Freimaurer zu.

Zur zweiten Klasse rechnete Peter sich selbst und die ihm ähnlichen Brüder, welche die Wahrheit suchten, schwankten, aber den wahren Weg zu finden hofften.

Zur dritten Klasse rechnete er diejenigen Brüder, die in der Maurerei nichts sahen als die äußerlichen Formen und Zeremonien und diese äußeren Formen streng beobachteten, ohne sich um ihre Bedeutung zu kümmern. Zu dieser Klasse gehörte selbst Willarsky und sogar der Großmeister der Hauptloge und der größte Teil der Mitglieder.

Zur vierten Klasse endlich rechnete er jene gleichfalls große Anzahl von Brüdern, welche besonders in der letzten Zeit der Brüderschaft beigetreten waren. Das waren nach Peters Beobachtung Leute, die an nichts glaubten, nichts wünschten und der Freimaurerei nur beigetreten waren, um jungen, reichen, durch ihre Verbindungen und ihre Vornehmheit wichtigen Brüdern sich zu nähern, deren es in der Loge sehr viele gab. In Peter regte sich Unzufriedenheit mit solcher Tätigkeit. Die Freimaurerei, wenigstens wie er sie kannte, schien ihm nur auf Äußerlichkeiten zu beruhen. Er dachte nicht daran, an der Freimaurerei selbst zu zweifeln, konnte sich aber der Befürchtung nicht erwehren, daß die russische Freimaurerei auf falschen Wegen wandelte.

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