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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 68
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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68

Rostows Teilnahme am Duell Dolochows mit Besuchow wurde durch die Bemühungen des alten Grafen vertuscht. Rostow wurde nicht degradiert, wie er erwartet hatte, sondern zum Adjutanten des Generalgouverneurs von Moskau ernannt. Deshalb konnte er nicht mit der ganzen Familie fortreisen und blieb den Sommer in seiner neuen Stellung in Moskau.

Dolochow genas, und Rostow befreundete sich sehr mit ihm. Dolochow lag krank bei seiner Mutter, die ihn leidenschaftlich und zärtlich liebte und ihre Liebe auch auf Rostow übertrug, mit dem sie oft über ihren Sohn sprach. Oft war Rostow über die Bemerkungen Dolochows im Gespräch erstaunt, die er nicht von ihm erwartet hatte.

Im Herbst kam Graf Rostow mit seiner Familie nach Moskau zurück. Mit Anfang des Winters kehrte auch Denissow nach dort zurück und wohnte bei Rostows. Der Anfang des Winters 1806, den Nikolai Rostow in Moskau zubrachte, war die glücklichste und heiterste Zeit für ihn und die ganze Familie. Nikolai führte viele junge Leute in sein Elternhaus ein. Wera war ein zwanzigjähriges schönes Mädchen, Sonja ein sechzehnjähriges mit allen Reizen einer sich entfaltenden Knospe, und Natalie ein Backfisch mit kindlichem Lachen.

Eine besondere Atmosphäre von Verliebtheit herrschte hier, wie in jedem Hause, wo sehr hübsche und junge Mädchen sind. Unter den jungen Leuten, die Rostow einführte, war einer der ersten Dolochow, der allen im Hause gefiel, mit Ausnahme von Natalie. Beinahe hätte sie sich seinetwegen mit ihrem Bruder gezankt. Sie behauptete, er sei ein böser Mensch, im Duell habe Peter recht gehabt, und Dolochow sei unangenehm und bösartig.

»Ich will nichts von ihm hören«, rief Natalie, »er ist böse und gefühllos. Da ist mir dein Denissow lieber! Ich weiß nicht, wie ich es dir ausdrücken soll.«

»Man muß verstehen, was dieser Dolochow für ein Herz hat, man muß ihn mit seiner Mutter sehen.«

»Davon weiß ich nichts, aber er mißfällt mir. Und weißt du, daß er sich in Sonja verliebt hat?«

»Unsinn!«

»Ich bin überzeugt, du wirst es schon sehen.«

Natalie behielt recht. Obgleich Dolochow Damengesellschaft sonst selten besuchte, war er doch jetzt oft im Hause, und die Frage, warum er kam, war bald entschieden, er kam wegen Sonja. Sonja wußte das, obgleich niemand gewagt hätte, es auszusprechen, und errötete beim Erscheinen Dolochows.

Dolochow speiste oft bei Rostows, versäumte keine Gelegenheit, sie anderswo zu treffen und besuchte auch die Tanzstundenbälle, an denen Rostows sich immer beteiligten. Er widmete Sonja große Aufmerksamkeit und sah sie mit solchen Augen an, daß nicht nur sie, sondern auch die alte Gräfin und Natascha über seinen Blick erröteten.

Rostow bemerkte etwas Neues zwischen Dolochow und Sonja, gab sich aber keine Mühe, zu ergründen, was das für neue Beziehungen waren. »Dort sind sie alle in jemand verliebt«, dachte er. Aber er fühlte sich nicht mehr so befriedigt wie früher in Gegenwart von Sonja und Dolochow und blieb seltener zu Hause.

Im Herbst 1806 sprach man wieder viel von einem Krieg mit Napoleon, sogar mit noch größerem Eifer als im vorigen Jahre. Es wurde eine Aushebung nicht nur von zehn Rekruten, sondern auch von neun Landwehrleuten auf tausend Seelen befohlen. Überall hörte man Verwünschungen über Bonaparte, und in Moskau sprach man von nichts anderem mehr als dem bevorstehenden Krieg. Nikolai wollte um keinen Preis in Moskau bleiben und erwartete nur das Ende von Denissows Urlaub, um mit ihm zum Regiment abzureisen. Die bevorstehende Abreise hinderte ihn aber nicht daran, sich zu amüsieren, und er brachte die Zeit meistens außerhalb des Hauses, bei Diners, Abendgesellschaften und Bällen zu.

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