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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 58
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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58

Auf derselben Stelle, auf den Höhen von Pratzen, wo er mit der Fahne in der Hand gefallen war, lag Fürst Andree leise stöhnend. Gegen Abend wurde er ganz still. Er wußte nicht, wie lange die Ohnmacht gedauert hatte, plötzlich aber fühlte er sich wieder lebendig und empfand einen brennenden Schmerz im Kopfe.

»Wo ist er? Wo ist er, dieser hohe Himmel, welchen ich bisher nicht gekannt habe und erst jetzt erblickte?« war sein erster Gedanke. »Aber wo bin ich?«

Er horchte und vernahm näherkommende Hufschläge und französische Worte. Er öffnete die Augen, konnte aber die Reiter noch nicht sehen.

Es war Napoleon mit zwei Adjutanten. Er besichtigte das Schlachtfeld und gab die letzten Befehle zur Verstärkung der Batterie, welche den Damm beschoß.

»Ein schöner Tod!« sagte Napoleon, als er Bolkonsky erblickte.

Fürst Andree begriff, daß von ihm die Rede sei, und hörte, daß man denjenigen, der diese Worte gesprochen hatte, Majestät nannte. Aber er interessierte sich nicht mehr dafür. Sein Kopf glühte, er fühlte, daß er stark blutete und sah über sich den hohen, fernen Himmel. Alles war ihm gleichgültig, wer auch vor ihm stehen mochte.

»Ah, er lebt noch«, sagte Napoleon, als er eine leise Bewegung des Fürsten Andree wahrnahm. »Man soll den jungen Menschen aufheben und zum Verbandplatz bringen!«

Nach diesen Worten ritt Napoleon dem Marschall Lannes entgegen, welcher den Hut abnahm und dem Kaiser zum Siege Glück wünschte.

Fürst Andree wurde fortgebracht. Bei jeder Erschütterung empfand er einen unerträglichen Schmerz. Sein Fieber verstärkte sich und er begann zu rasen. Gegen Abend flossen alle seine wirren Traumbilder in ein Chaos zusammen und verloren sich endlich in das Dunkel der Besinnungslosigkeit und des Vergessens, welches nach der Meinung des Leibarztes von Napoleon, Doktor Larray, aller Wahrscheinlichkeit nach zum Tode führen müsse.

»Dieser da ist nervös und gallig«, sagte Larray, »er wird nicht genesen.«

Fürst Andree wurde mit anderen hoffnungslos Verwundeten der Pflege der Einwohner überlassen.

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