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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 51
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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51

Der Kriegsrat, auf welchem es Fürst Andree nicht gelungen war, seine Meinung auszusprechen, wie er gehofft hatte, hinterließ ihm einen unklaren und beunruhigenden Eindruck. Welche von den verschiedenen Ansichten die richtige war, wußte er nicht. »Aber konnte denn Kutusow nicht seine Ansicht dem Kaiser offen darlegen? Mußte man etwa einer Phantasie wegen Zehntausende riskieren und darunter auch mein Leben«, dachte er. »Ja, es ist sehr möglich, daß ich morgen falle, ja morgen, morgen!« dachte er. »Morgen ist vielleicht alles für mich zu Ende, und morgen, das fühle ich, werde ich endlich zum erstenmal zeigen können, was ich alles vermag!« Er stellte sich die Schlacht vor mit ihren Verlusten, die Konzentrierung des Kampfes auf einen einzigen Punkt und die Verwirrung in der Oberleitung, und da kommt endlich der glückliche Augenblick, jenes Toulon, das er so lange erwartet hatte. Entschieden und klar spricht er seine Meinung aus gegen Kutusow und den Kaiser. Alle sind erstaunt über die Richtigkeit seiner Anschauungen, aber niemand will es auf sich nehmen, danach zu handeln. Da nimmt er ein Regiment, eine Division, spricht seine Bedingung aus, daß niemand in seine Anordnungen sich einmische, dann führt er die Division zu dem entscheidenden Punkt und erringt den Sieg. »Aber der Tod und das Leiden«, sagt eine andere Stimme, doch darauf gab Fürst Andree keine Antwort. Die Disposition für die folgende Schlacht macht er allein, er wird Generalstabschef der Armee unter Kutusow, aber er allein macht alles. Die folgende Schlacht wird von ihm allein gewonnen, Kutusow wird abgesetzt und er wird an seiner Stelle ernannt . . . »Nun, und dann«, spricht wieder eine andere Stimme, »was dann?« – »Nun, was dann?« antwortet er sich selbst. »Das weiß ich nicht und will es auch nicht wissen, ich will nur Ruhm! Ich will beliebt und berühmt sein, dafür allein lebe ich, ja, dafür allein! Und ich werde dies niemals jemand sagen, aber mein Gott, was soll ich tun, wenn ich nichts anderes liebe als nur den Ruhm? So teuer auch Vater und Schwester und Frau meinem Herzen sind, ich würde sogleich alles hingeben für eine Minute des Ruhms, des Triumphes, für die Liebe und Verehrung von Menschen, die ich nicht kenne.«

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