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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 48
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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48

Lange Zeit traf bei Rostows keine Nachricht von Nikolai ein. Erst in der Mitte des Winters erhielt der Graf einen Brief, auf dessen Adresse er die Handschrift seines Sohnes erkannte. Erschrocken und hastig lief er auf den Zehenspitzen, um nicht bemerkt zu werden, in sein Kabinett, schloß sich ein und las. Die Fürstin Drubezkoi hatte von der Ankunft des Briefes erfahren, wie sie alles erfuhr und wußte, was im Hause vorging. Sie kam mit leisen Schritten in das Zimmer des Grafen, den sie weinend antraf.

»Mein guter Freund«, sagte sie teilnahmsvoll, »was ist geschehen?«

Der Graf weinte noch heftiger. »Nikolai! . . . ein Brief! . . . Verwundet! . . . Meine Liebe, verwundet! . . . Er ist Offizier geworden, Gott sei Dank! . . . Wie soll ich es der Gräfin sagen?«

Die Fürstin setzte sich neben ihn und wischte mit einem Tuch die Tränen aus seinen Augen. Sie beruhigte den Grafen und entschied, sie werde vor Tisch die Gräfin vorbereiten und nach dem Tee ihr mit Gottes Hilfe alles mitteilen.

Während des ganzen Mittagessens sprach die Fürstin von Kriegsgerüchten und von Nikolai und fragte, wann der letzte Brief von ihm gekommen sei. Bei diesen Anspielungen wurde die Gräfin unruhig, aber Natalie erriet bald, daß etwas vorgefallen sei und daß die Fürstin ihre Mutter vorbereiten wollte. Nach Tisch holte sie die Fürstin ein und warf sich ihr um den Hals.

»Tantchen, sagen Sie mir, was ist geschehen?«

»Nichts, mein Kind, sei vorsichtig! Du weißt, wie leicht deine Mutter erschrecken kann!«

»Ja, ja, aber erzählen Sie! Sie wollen nicht? Nun, dann gehe ich gleich und sage es allen!«

Die Fürstin erzählte Natalie in kurzen Worten den Inhalt des Briefes, wonach Nikolai verwundet und Offizier geworden sei, aber unter der Bedingung, niemand davon zu sagen.

»Mein heiliges Ehrenwort!« sagte Natalie, sich bekreuzigend, »ich werde niemand davon sagen.« Sofort lief sie zu Sonja, umarmte sie weinend und erzählte ihr alles, was sie wußte.

Nikolais Brief wurde hundertmal gelesen. Diejenigen aber, welche sich für würdig hielten, den Inhalt zu erfahren, mußten sich zur Gräfin bemühen, welche ihn nicht aus den Händen ließ. Sie fühlte sich ungewöhnlich glücklich, daß ihr Sohn, wegen dessen sie sich mit ihrem einfältigen Grafen gezankt hatte, dieser Sohn, welcher zuerst sagen lernte »Birne« und dann »Großmama«, daß dieser Sohn jetzt dort im fremden Lande als junger Krieger allein solche mutigen Taten verrichtete. Mehr als eine Woche lang wurden Entwürfe gemacht und umgeschrieben zu einem Brief an Nikolai, und unter der Aufsicht der Gräfin wurden die nötigsten Sachen und Geld zur Equipierung des neugeschaffenen Offiziers eingepackt. Die Fürstin Drubezkoi, eine praktische Frau, verstand die hohe Protektion, die sie sich verschafft hatte, auch für ihren Briefwechsel auszunutzen, sie hatte Gelegenheit, ihre Briefe an den Großfürsten Konstantin zu übersenden, welcher die Garde befehligte. Rostow meinte, »an die russische Garde im Ausland« sei eine ganz genaue Adresse, und wenn ein Brief an den Großfürsten komme, so werde er auch an das Pawlogradsche Regiment kommen, welches dort in der Nähe sein müsse. So wurde beschlossen, den Brief und das Geld durch einen Kurier des Großfürsten an Boris zu senden, und Boris sollte alles Nikolai übergeben. Der Brief war vom alten Grafen, von der Gräfin, von Peterchen, von Wera, von Natalie und Sonja und wurde mit sechstausend Rubel zur Equipierung und verschiedenen Sachen an Nikolai übersandt.

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