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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 251
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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251

Wenn ein Ameisenhaufen zerstört wird, so fliehen die Ameisen mit Eiern und Puppen, andere eilen zum Haufen zurück und stoßen und drängen einander. Ganz ebenso drängten sich die Menschen nach dem Abzug der Franzosen nach der Stelle, welche früher Moskau hieß. Nach einer Woche waren in Moskau schon fünfzehntausend Einwohner, nach zwei Wochen schon fünfundzwanzigtausend und so weiter, und im Frühjahr 1813 war die Einwohnerzahl größer als vor dem Krieg. Die ersten Russen, die Moskau betraten, waren die Kosaken von dem Heeresteil von Wintzingerode, dann kamen Bauern aus der Umgegend und Einwohner, welche aus Moskau in die Nachbarschaft geflohen waren. Als sie das zerstörte, geplünderte Moskau betraten, begannen sie auch zu plündern und setzten fort, was die Franzosen begonnen hatten. Bauernwagen kamen in Moskau an, um alles, was in den Moskauer Häusern und Straßen zurückgelassen und weggeworfen war, auf die Dörfer hinauszuführen. Die Kosaken nahmen mit, was sie konnten, Hausbesitzer sammelten alles, was sie in anderen Häusern fanden, und trugen es in die ihrigen, unter dem Vorwand, daß es ihr Eigentum sei.

Aber auf die ersten Plünderer folgten andere und noch andere, und mit jedem Tage wurde das Plündern schwieriger und unergiebiger. Die Franzosen hatten Moskau zwar leer, aber mit allen Formen eines organisch gegliederten Gemeinwesens zurückgelassen, diese Formen waren leblos, aber sie existierten noch. Es gab Märkte, Läden, Vorratshäuser, Basare, welche meist Waren enthielten, es gab Fabriken, reiche Warenhäuser, voll von Luxusgegenständen, es gab Krankenhäuser, Gefängnisse, öffentliche Gebäude, Kirchen, Kapellen. Je länger die Franzosen geblieben waren, desto mehr verschwanden diese Formen des Stadtlebens und zuletzt war alles zusammengeflossen in ein einziges Feld der Plünderung. Jetzt strömte alles nach Moskau, wie das Blut zum Herzen, Plünderer, Leute aller Art, die durch Neugierde, durch Dienstpflichten oder verschiedene Interessen zusammengeführt wurden, Hausbesitzer, Geistliche, hohe und niedere Beamte, Kaufleute, Gewerbetreibende und Bauern. Nach einer Woche schon wurden die Bauern, die mit leeren Wagen nach Beute gekommen waren, von der Obrigkeit genötigt, die Leichen aus der Stadt fortzuführen, andere Bauern, die vom Mißerfolg ihrer Genossen gehört hatten, kamen mit Getreide, Hafer und Stroh zur Stadt und unterboten einander, Genossenschaften von Bauleuten, die auf gut bezahlte Arbeit rechneten, trafen jeden Tag ein, und bald wurde überall daran gearbeitet, die angebrannten Häuser auszubessern und neue aufzubauen. Kaufleute eröffneten ihren Handel in Bretterbuden, Gastwirtschaften entstanden in halbverbrannten Häusern, die Geistlichen erneuerten den Gottesdienst in vielen Kirchen, opferwillige Leute brachten gestohlene Kirchengeräte zurück, Beamte stellten ihre Schreibtische in kleinen Zimmern auf, die Obrigkeit und Polizei beschäftigte sich mit der Herausgabe der zurückgebliebenen Sachen, Graf Rostoptschin schrieb seine Proklamationen.

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