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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 247
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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247

Die fünfte Kompanie lag ganz nahe beim Walde. Ein mächtiger Holzstoß brannte hell und beleuchtete die mit Schnee bedeckten Zweige der Bäume. Mitten in der Nacht hatten die Soldaten im Walde Schritte und das Krachen der Zweige gehört.

»Kinder, ein Bär!« sagte ein Soldat. Alle erhoben die Köpfe und horchten. Bald darauf traten aus dem Walde in den hellen Feuerschein hinaus zwei sonderbar gekleidete menschliche Gestalten.

Das waren zwei Franzosen, die sich im Walde verborgen hatten. Der eine war hochgewachsen, mit einem Offiziershut, und schien ganz entkräftet zu sein. Als er zum Feuer ging, um sich niederzusetzen, fiel er zur Erde nieder. Der andere, ein kleiner Soldat mit einem Tuch um das Gesicht, war stärker. Er hob seinen Genossen auf, deutete auf seinen Mund und sprach etwas zu den Soldaten. Diese umgaben die Franzosen, legten dem Kranken einen Mantel unter und brachten heiße Grütze und Branntwein. Der Offizier hieß Ramballes, der andere war sein Bursche Morel. Als Morel Schnaps getrunken und einen Kessel mit Grütze ausgegessen hatte, geriet er plötzlich in eine aufgeregte Heiterkeit und sprach unaufhörlich zu den Soldaten, die kein Wort verstanden. Ramballes aß nichts, lag schweigend beim Feuer auf den Ellbogen gestützt und blickte mit hohlen, roten Augen die russischen Soldaten an. Morel zeigte auf die Schultern, um den Russen verständlich zu machen, daß das ein Offizier sei. Ein russischer Offizier, der an das Feuer kam, ließ beim Oberst fragen, ob er nicht einen französischen Offizier aufnehmen wolle, um ihn zu erwärmen, und als die Antwort zurückkam, der Oberst habe befohlen, den Offizier zu bringen, sagten die Soldaten Ramballes, er solle gehen. Er stand auf und wollte gehen, schwankte aber und wäre gefallen, wenn die Nebenstehenden ihn nicht gehalten hätten.

»Was? Willst du nicht?« fragte spöttisch ein Soldat.

»Dummkopf, wie sprichst du da, du Bauer!« riefen verschiedene Stimmen dem Soldaten zu. Sie hoben Ramballes auf, faßten ihn unter den Armen und brachten ihn zur Hütte.

»O, Kinder!« sagte Ramballes. »Meine guten Freunde! Das sind Menschen!« und legte wie ein Kind seinen Kopf auf die Schulter des einen Soldaten.

Inzwischen saß Morel auf dem besten Platze, von Soldaten umgeben. Der kleine, stämmige Franzose trug einen Weibermantel und hatte über die Mütze ein Tuch gebunden. Er war sichtlich betrunken, umarmte den Soldaten, der neben ihm saß, und sang mit heiserer Stimme ein französisches Liedchen. Die Soldaten blickten ihn lachend an. »Nun, nun, du da, belehre mich! Ich begreife schnell! Wie heißt es?« sagte der Spaßvogel, den Morel umarmte.

»Vive Henri quatre,
Vive ce roi vaillant!
Ce diable à quatre«,

sang Morel, mit den Augen blinzelnd.

»Wiwarika,
Wiwseruwaru
Sidjablaka!«

wiederholte der Soldat, indem er wirklich die Melodie traf.

»Hohoho! Prachtvoll!« riefen die groben Stimmen. Auch Morel lachte.

»Nun weiter! Noch mehr, noch mehr!«

»Qui eut le triple talent
De boire, de battre
Et d'être un vert galant.«

»Nun, das klingt auch ganz gut. Nun, nun, Saletajew!«

»Küji«, begann Saletajew mit Mühe.

»Kijü letriptala
De bu de ba
I detrawagala.«

»Siehst du, so ein Franzos, prachtvoll! Oihohoho! Willst du noch essen?«

»Gib ihm Grütze! So ein Verhungerter wird nicht gleich wieder satt.«

Wieder gaben sie ihm Grütze, und Morel aß lachend auch den dritten Kessel aus.

»O Himmel! O Himmel! Wie sternenklar!« bemerkte ein alter Soldat. »Es wird eine schreckliche Kälte geben!« . . .

Bald wurde es still.

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