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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 245
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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245

Der 5. November war der erste Tag der Schlacht bei Krasnoje. Gegen Abend, als es nach vielen Streitigkeiten und Irrtümern der Generale, welche nicht dorthin führten, wo es bestimmt war, und nach vielem Umhersenden von Adjutanten mit widersprechenden Befehlen, schon klar wurde, daß der Feind überall floh und keine Schlacht stattfinden könne und werde, kam Kutusow aus Krasnoje herausgeritten nach Dobroje, wohin das Hauptquartier verlegt wurde. Es war ein heller Frosttag, als Kutusow in Begleitung einer großen Suite von Generalen, welche mißvergnügt unter sich über ihn flüsterten, nach Dobroje ritt. Am ganzen Weg drängten sich die französischen Gefangenen, etwa siebentausend; nicht weit von Dobroje stand eine lange Reihe von französischen Geschützen. Bei der Annäherung des Oberkommandierenden verstummte das Stimmengewirr der Gefangenen und Soldaten, und alle Augen richteten sich auf Kutusow, der mit seiner weißen Mütze und im wattierten Mantel langsam des Weges daherritt, während einer der Generale ihm über die genommenen Geschütze und die Gefangenen Meldung machte, Kutusow schien nicht auf den General zu hören und blickte beständig nach denjenigen Gefangenen, die ein besonders klägliches Aussehen hatten. Die meisten Gesichter der Franzosen waren durch erfrorene Nasen und Wangen entstellt und fast alle hatten rote, entzündete Augen. Zwei Soldaten zerrissen mit den Händen ein Stück rohes Fleisch. Es lag etwas Schreckliches, Tierisches in dem flüchtigen Blick, den sie auf die Vorüberreitenden warfen, und in dem wütenden Ausdruck, mit dem der eine Kutusow anblickte.

Kutusow sah lange aufmerksam nach diesen zwei Soldaten und wiegte gedankenvoll den Kopf. Vor dem Preobraschenskischen Regiment blieb er stehen und schloß die Augen. Ein Offizier der Suite winkte mit dem Arm, und die Soldaten, welche die Fahne hielten, traten hervor.

»Ich danke euch allen«, sagte Kutusow, »für die Mühe und den tapferen Dienst! Der Sieg ist vollkommen, und Rußland wird euch nicht vergessen!«

In den Reihen der Offiziere und Soldaten entstand eine Bewegung, um deutlicher zu hören, was Kutusow sagen werde.

»Ich weiß, Kinder, ihr habt schweren Dienst, aber was ist zu machen? Wenn wir die Gäste hinausbegleitet haben, werden wir ausruhen! Der Zar wird eure Dienste nicht vergessen! Ihr habt es schwer, aber ihr seid zu Hause, diese da aber, seht, wie weit es mit ihnen gekommen ist!« Er deutete auf die Gefangenen. »Sie sind schlimmer daran als die Bettler. Solange sie stark waren, haben wir uns nicht geschont, aber jetzt können wir sie schonen! Auch sie sind Menschen, nicht wahr, Kinder?« Er blickte sich um, und in den ehrerbietig auf ihn gerichteten Blicken las er Beistimmung zu seinen Worten.

Die Worte Kutusows waren den Leuten kaum verständlich; keiner hätte es vermocht, den Wortlaut seiner anfangs triumphierenden, gegen Ende aber greisenhaft gutmütigen Rede wiederzugeben, aber der Sinn wurde verstanden.

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