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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 240
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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240

»Achtung!« schrie plötzlich eine Stimme. Unter den Gefangenen und Soldaten entstand eine freudige Bewegung und Erwartung, von allen Seiten hörte man Kommandorufe und von links her erschienen gut gekleidete Reiter auf wohlgenährten Pferden. Auf allen Gesichtern erschien der Ausdruck der Spannung, wie gewöhnlich beim Erscheinen hoher Vorgesetzter. Die Gefangenen sammelten sich in einer Gruppe, sie wurden vom Wege abgedrängt und die Wachtmannschaft stellte sich auf.

»Der Kaiser! Der Marschall! Der Herzog!« hieß es, und sogleich ritt eine Abteilung Kavallerie vorüber, und darauf folgte ein Wagen mit grauen Pferden. Peter erblickte flüchtig das ruhige, schöne, dicke und weiße Gesicht eines Mannes mit dreieckigem Hut, das war einer der Marschälle. Der Blick des Marschalls fiel auf die mächtige Figur Peters, und dieser glaubte in ihm Mitleid zu lesen, zugleich aber auch das Bestreben, es zu verbergen.

Der General, der den Wagenzug führte, galoppierte auf seinem hageren Pferd mit rotem, erschrockenem Gesicht dem Wagen nach, einige Offiziere sammelten sich in einer Gruppe, und die Soldaten umgaben sie. Alle Mienen waren erregt und gespannt.

»Was hat er gesagt?« hörte Peter. Als der Marschall vorüber war, erblickte Peter Karatajew, den er heute noch nicht gesehen hatte. Er sah Peter mit seinen guten runden Augen an und schien ihn zu sich zu rufen, um ihm etwas zu sagen, aber Peter tat, als ob er ihn nicht gesehen hätte, und ging rasch weiter. Als die Gefangenen sich wieder in Bewegung setzten, blickte sich Peter um. Karatajew saß am Rande des Weges unter einer Birke, und zwei Franzosen sprachen mit ihm. Peter sah sich nicht mehr um und ging hinkend den Berg hinan.

Von der Stelle, wo Karatajew saß, hörte man einen Schuß. Peter vernahm deutlich den Schuß, aber in dem Augenblick, als er ihn hörte, erinnerte sich Peter, daß er zu zählen begonnen hatte, wieviel Tagemärsche bis Smolensk noch übrigbleiben, und begann wieder zu zählen. Zwei Franzosen, von denen einer ein rauchendes Gewehr in der Hand hielt, liefen an ihm vorüber, beide waren bleich, Peter sah auf ihren Gesichtern denselben Ausdruck wie bei dem jungen Soldaten bei der Hinrichtung in Moskau. Dann erinnerte er sich, daß dieser Soldat vor zwei Tagen sein Hemd, das er am Feuer trocknen wollte, verbrannt hatte und dafür ausgelacht worden war. Das Hündchen, das sich immer Karatajew angeschlossen hatte, heulte und blieb an der Stelle, wo Karatajew gesessen hatte.

»Warum heult das dumme Tier?« dachte Peter.

Die Soldaten und Genossen, die neben Peter gingen, blickten sich auch nicht um nach der Stelle, woher der Schuß kam und wo das Hündchen heulte, aber ein finsterer Ausdruck lag auf allen Gesichtern.

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