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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 231
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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231

Der sogenannte Partisanenkrieg begann schon mit dem Einmarsch des Feindes in Moskau. Schon ehe derselbe offiziell von unserer Regierung anerkannt wurde, waren schon Tausende von Feinden, Nachzüglern und Marodeuren durch Kosaken und Bauern vernichtet worden. Am 24. August wurde das erste Streifkorps unter Dawidow errichtet, und je weiter der Feldzug sich ausdehnte, um so mehr vergrößerte sich die Zahl dieser Streifkorps. Ihre Zahl betrug schon Hunderte, als die Franzosen nach Smolensk zu flohen. Einige derselben hatten ein militärisches Ansehen mit Infanterie, Artillerie, Stäben und so weiter, andere bestanden nur aus Kosaken, und dann gab es noch kleinere zu Fuß und zu Pferde, welche nur aus Bauern bestanden, unter dem Befehl eines unbekannten Gutsbesitzers oder Kirchensängers, die einige hundert Gefangene im Monat machten. Ende Oktober stand der Kleinkrieg in voller Blüte. Die erste Periode, wo sie sich selbst wunderten über ihre Kühnheit und beständig fürchteten, von den Franzosen gefangen zu werden, war schon vorüber. Jetzt hielten kleinere Partisangruppen, welche schon lange angefangen hatten und die Franzosen näher kannten, vieles für möglich, was vorsichtigere Anführer mit militärischen Abteilungen nicht wagten, ja, sie hielten schon alles für möglich.

Am 22. Oktober befand sich Denissow mit seinem Streifkorps in heftiger Erregung. Seit dem Morgen waren sie unterwegs und den ganzen Tag folgten sie durch die Wälder längs der großen Straße einem großen, französischen Transport von Kavalleriematerialien und russischen Gefangenen, welcher sich von den übrigen Truppen abgesondert hatte und unter starker Bedeckung, wie die Kundschafter berichteten, sich gegen Smolensk bewegte. Von diesem Transport wußten nicht nur Denissow und Dolochow, der auch ein kleines Streifkorps befehligte und in der Nähe von Denissow sich bewegte, sondern auch die Anführer kleinerer militärischer Abteilungen, und Denissow beschloß daher, diesen zuvorzukommen und mit Dolochow den Transport anzugreifen. Dieser marschierte am 22. Oktober vom Dorfe Mikulino nach dem Dorfe Schamschewo. Zur Linken vom Wege von Mikulino nach Schamschewo erstreckten sich große Wälder, welche sich zuweilen dem Wege näherten oder von ihm entfernten. Am Morgen nahmen die Kosaken zwei Fuhren weg, die im Schlamm auf dem Wege steckengeblieben waren und Kavalleriesättel enthielten, und führten sie in den Wald. Bis zum Abend folgte das Streifkorps, ohne anzugreifen, den Franzosen. Denissow wollte sie nicht aufschrecken, sondern ruhig bis Schamschewo gelangen lassen, dann aber mit Dolochow vereinigt, gegen Morgen von zwei Seiten her den Feind überfallen. Hinten, zwei Werst von Mikulino, dort wo der Wald die Straße erreicht, wurden sechs Kosaken zurückgelassen, die sogleich die Meldung machen sollten, sobald sich neue französische Kolonnen zeigten. Vorn aber, vor Schamschewo, sollte Dolochow ebenso auf dem Wege folgen, um zu ermitteln, in welcher Entfernung andere französische Truppen seien. Man schätzte die Mannschaft bei dem Transport auf fünfzehnhundert Mann, Denissow hatte zweihundert und Dolochow etwa ebensoviel. Aber die Übermacht konnte Denissow nicht abhalten. Er mußte nur noch wissen, was das für Truppen waren, und zu diesem Zweck mußte Denissow einen der Feinde gefangennehmen. Der Angriff auf die Fuhre am Morgen war so heftig erfolgt, daß die sie begleitenden Franzosen alle getötet, und nur ein kleiner Knabe, ein Trommler, lebendig gefangen wurde, der nichts Zuverlässiges über die Truppen bei dem Transport aussagen konnte. Einen nochmaligen Angriff hielt Denissow für gefährlich, um nicht die ganze Kolonne wachsam zu machen, und deshalb sandte er nach Schamschewo einen Bauern, Tichon, voraus, um, wenn möglich, wenigstens einen der französischen Quartiermacher, die dort gewesen waren, zu fangen.

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