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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 206
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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206

In Petersburg wurde in den höchsten Kreisen mit größerer Heftigkeit als jemals ein Kampf der Parteien Rumjazows, der Franzosen, Maria Petrownas, des Thronfolgers, ausgefochten. Äußerlich aber ging alles nach alter Weise, und es wäre schwer gewesen, ein Anzeichen der Gefahr zu entdecken, in der sich das russische Volk befand. Man besuchte dieselben Gesellschaften, Bälle, dasselbe französische Theater. Man war mit denselben Hofgeschichten, mit denselben Interessen des Dienstes und der Intrige beschäftigt.

Bei Anna Pawlowna, der Hofdame, war am 26. August, dem Tage der Schlacht von Borodino, eine Abendgesellschaft versammelt, bei welcher einige vornehme Personen zugegen sein wollten, die man beschämen mußte, weil sie das französische Theater besucht hatten. Schon ziemlich lange hatten sich die Gäste versammelt, aber immer noch fehlten einige derselben, die Anna Pawlowna erwartete.

Die Neuigkeit des Tages war die Krankheit der Gräfin Besuchow. Vor einigen Tagen war die Gräfin plötzlich erkrankt, hatte einige Gesellschaften, deren Zierde sie sonst war, versäumt, und man sagte, sie empfange niemand, und anstatt der berühmten Petersburger Ärzte, die sie gewöhnlich behandelten, habe sie sich einem italienischen Arzte anvertraut, der eine ganz neue, ungewöhnliche Kur anwende.

Alle wußten sehr gut, daß die Krankheit der entzückenden Gräfin von der Unmöglichkeit herrührte, zwei Männer auf einmal zu heiraten, und daß die Heilmethode des Italieners darin bestand, diese Unmöglichkeit zu beseitigen. Aber in Gegenwart von Anna Pawlowna wagte niemand dies zu denken oder auch nur zu wissen.

»Man sagt, es stehe sehr schlecht mit der armen Gräfin. Der Arzt sagt, es sei Halsbräune.«

»Wie ich hörte, haben sich die Rivalen ausgesöhnt.«

»Man sagt, der alte Graf sei sehr gerührt. Er weinte wie ein Kind, als der Arzt sagte, der Fall sei gefährlich.«

»O, das wäre ein großer Verlust, solch eine entzückende Dame!«

»Ich habe mich nach ihrer Gesundheit erkundigen lassen«, sagte Anna Pawlowna, »es soll ihr etwas besser gehen. Ach, sie ist die entzückendste Dame der Welt! Wir gehören verschiedenen Lagern an, aber das hält mich nicht ab, sie nach ihrem Verdienst zu verehren. Sie ist so unglücklich!«

Bald berührte das Gespräch in flüchtiger Weise die Tagesneuigkeiten.

»Sie werden sehen«, sagte Anna Pawlowna, »morgen am Geburtstag des Kaisers erhalten wir neue Nachrichten, ich habe ein Vorgefühl.«

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