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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 183
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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183

Zum zweitenmal schon am Ende der Schlacht floh Peter mit einem Haufen Soldaten aus der Batterie Rajewsky die Anhöhe nach Knjaskowo hinab, an dem Verbandplatz vorüber, wo er Blut sah, Geschrei, und Stöhnen hörte, und rasch vorüberschreitend, sich einer Gruppe Soldaten anschloß. Er wünschte nur, möglichst schnell den entsetzlichen Eindrücken dieses Tages zu entfliehen und ruhig in seinem Zimmer in seinem Bett einzuschlafen. Nachdem Peter drei Kilometer auf der großen Straße nach Moschaisk weitergegangen war, setzte er sich am Rande derselben nieder und betrachtete, auf den Ellbogen gestützt, die in der Dämmerung an ihm vorüberziehenden Schatten. Er erinnerte sich nicht, wie lange Zeit er dort zubrachte. Mitten in der Nacht ließen sich drei Soldaten bei ihm nieder, sammelten Zweige und zündeten ein Feuer an. Dann hängten sie einen kleinen Kessel darüber und warfen Brotstücke und Salz hinein. Peter erhob sich beim Geruch der Suppe und seufzte. Die drei Soldaten aßen, ohne auf ihn zu achten, und sprachen untereinander.

»Zu welchen gehörst du?« fragte plötzlich Peter einer der Soldaten.

»Ich?« fragte Peter. »Ich bin Offizier vom Landsturm, aber mein Bataillon ist nicht hier, es ist nach dem Schlachtfeld gegangen, und ich habe meine Leute verloren.«

»Nun, iß doch, wenn du willst, ein Süppchen«, sagte der Soldat und reichte Peter seinen hölzernen Löffel, nachdem er ihn sorgfältig abgeleckt hatte. Peter setzte sich ans Feuer und begann die Suppe zu essen, die in dem Kessel gekocht worden war und die ihm schmackhafter erschien als alles, was er jemals gegessen hatte. Während er gierig aß, betrachteten ihn die Soldaten schweigend.

»Wohin gehst du, sag einmal?« fragte wieder einer der Soldaten.

»Ich gehe nach Moschaisk.«

»Du bist wahrscheinlich ein Herr?«

»Ja.«

»Und der Name?«

»Peter Kirilowitsch.«

»Nun, Peter Kirilowitsch, komm mit, wir werden dich führen!«

In vollständiger Dunkelheit gingen die Soldaten mit Peter nach Moschaisk zu. Schon krähte der Hahn, als sie Moschaisk erreichten und einen steilen Berg vor der Stadt hinanstiegen. Peter hatte ganz vergessen, daß sein Gasthof unten am Berg lag und daß er schon daran vorübergegangen war. Er würde es nicht bemerkt haben in seinem verwirrten Zustand, wenn er nicht auf der halben Höhe des Berges auf seinen Stallmeister gestoßen wäre, der ihn in der Stadt gesucht hatte und jetzt in seinen Gasthof zurückkehrte. Er hatte Peter in der Dunkelheit an seinem weißen Hut erkannt.

»Erlaucht, wohin wollen Sie?« sagte er, »wir waren schon in Verzweiflung. Und Sie kommen zu Fuß?«

»Ach ja«, sagte Peter.

»Nun, hast du die Deinigen gefunden?« fragte einer von Peters Begleitern.

»Nun, lebe wohl, Peter Kirilowitsch!« sagten die anderen Stimmen.

»Lebt wohl!« erwiderte Peter und ging mit seinem Stallmeister nach dem Gasthaus.

»Ich sollte ihnen etwas geben«, dachte Peter, in die Tasche greifend, »doch nein, es ist nicht nötig«, sagte ihm eine andere Stimme.

In den Zimmern des Gasthauses war kein Raum, alle waren besetzt. Peter ging in den Hof, legte sich in seine Kutsche und schlief sogleich ein.

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