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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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17

Als die Fürstin mit ihrem Sohn die Gräfin Rostow verlassen hatte, um den Besuch zu machen, versank die letztere in tiefe Gedanken und wischte von Zeit zu Zeit ihre von Tränen erfüllten Augen. Endlich klingelte sie.

»Ich lasse den Grafen bitten, zu mir zu kommen.«

»Ach, ach, meine kleine Gräfin, die Haselhühner in Madeira werden vorzüglich sein!« rief der Graf, als er sich furchtsam seiner Frau näherte. »Der Koch erhält seine tausend Rubel nicht umsonst, er ist sein Geld wert.« Er setzte sich.

»Was willst du, meine kleine Gräfin?«

»Höre, mon ami! Aber was ist das für ein Flecken?« sagte sie streng, indem sie mit dem Finger auf die Weste deutete. »Wahrscheinlich von den Haselhühnern«, bemerkte sie lächelnd. »Siehst du, Graf, ich muß Geld haben!«

Das Gesicht des Grafen verlängerte sich, er suchte hastig nach seiner Brieftasche.

»Ich brauche viel, fünfhundert Rubel«, bemerkte sie, indem sie den Flecken mit ihrem Taschentuch rieb.

»Gleich, gleich! Heda!« rief er mit der Zuversicht eines Mannes, der zu befehlen gewohnt ist. »Mitenka soll kommen.«

Mitenka war der Sohn eines Adeligen, den der Graf hatte erziehen lassen. Diesem hatte er alle seine Geschäfte anvertraut. Er trat langsam mit gemessenen Schritten ein.

»Höre, mein Lieber, bringe mir –« er zögerte – »bringe mir siebenhundert Rubel! Ja, siebenhundert Rubel, aber nicht wieder schmutzige und zerrissene Scheine wie neulich. Ich muß neue haben, es ist für die Gräfin!«

»Ja, ich bitte dich, Mitenka, saubere«, sagte die Gräfin seufzend.

»Wann wünscht Exzellenz sie zu erhalten? Sie wissen, daß . . . übrigens, seien Sie unbesorgt«, beeilte sich Mitenka hinzuzufügen, der an dem hastigen Atem des Grafen einen Sturm voraussah. »Sie werden sie sogleich erhalten.«

»Gut, gut, gib sie der Gräfin! Was für ein Schatz ist dieser Mensch«, sagte der Graf, ihm nachblickend, »nichts ist ihm unmöglich, und das gefällt mir, denn so muß es sein.«

»Ach, das Geld, das Geld! Wieviel Unheil verursacht das Geld in dieser Welt. Aber dieses habe ich sehr nötig, lieber Graf.«

»Es ist bekannt, kleine Gräfin, daß du schrecklich verschwenderisch bist«, erwiderte der Graf; dann küßte er ihr die Hand und kehrte in sein Zimmer zurück.

Die Gräfin erhielt ganz neue Banknoten, und hatte sie eben sorgfältig mit ihrem Taschentuch bedeckt, als die Fürstin Drubezkoi ins Zimmer trat.

»Nun, wie ist es, ma chère amie?« fragte die Gräfin etwas erregt.

»Ach, schrecklich, er ist nicht wiederzuerkennen! Ich bin nur einen Augenblick geblieben und habe nicht zwei Worte sprechen können.«

»Anna, im Namen des Himmels, weise mich nicht zurück«, sagte plötzlich die Gräfin errötend. Dabei zog sie das Taschentuch weg und reichte die Banknoten der Fürstin. Diese erriet sofort die Wahrheit und breitete die Arme aus, um ihre Freundin im richtigen Augenblick zu umfassen. »Dies ist für Boris zur Uniform!«

Die Fürstin umarmte weinend ihre Freundin. Warum weinten sie? Vielleicht, weil sie genötigt waren, an Geld zu denken, diese Nebensache, wenn man sie liebt, oder vielleicht dachten sie an ihre entschwundene Jugend, in der ihre Freundschaft erblüht war. Immerhin waren es süße Tränen.

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