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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 167
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bücherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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167

An diesem hellen Augustabend des 25. lag Fürst Andree in einer zerfallenen Scheune des Dorfes Knjaskowo, wo sein Regiment stand. Durch die Löcher in den Wänden blickte er auf das Feld hinaus, auf welchem die Lagerfeuer der Soldaten rauchten. Drückend und unnütz erschien ihm sein Leben, und er befand sich jetzt wieder, wie vor sieben Jahren am Vorabend der Schlacht bei Austerlitz, in einer erregten und gereizten Stimmung. Er hatte die Befehle zur Schlacht erhalten und ausgegeben und hatte jetzt nichts weiter zu tun. Er wußte, daß die bevorstehende Schlacht die schrecklichste von allen denen sein mußte, an denen er teilgenommen. Der Gedanke an die Möglichkeit des Todes erwachte jetzt lebhaft in seiner Seele mit drohender Klarheit und Schärfe, und alles was ihn früher in Anspruch genommen und gequält hatte, erschien ihm jetzt im kalten, bleichen, schattenlosen Licht. Er sah sein ganzes Leben wie in einer Zauberlaterne. »Ja, das sind sie, diese Gestalten in groben Umrissen, welche mir einst schön und geheimnisvoll erschienen waren. Das allgemeine Wohl, die Liebe zum Weibe, zum Vaterland – wie groß erschienen mir einst alle diese Bilder! Mit welchem tiefen Sinn schienen sie mir erfüllt zu sein! Und das alles erscheint mir jetzt so einfach und leer!« Er blickte auf die Birken hinaus, deren gelbgrüne Blätter in der Sonne erglänzten, und dachte an das Leben auf Erden, wenn er nicht mehr sein werde. Ein Frost lief über seinen Rücken. Rasch stand er auf, verließ die Scheune und ging umher.

»Wer ist da?« rief Andree, als er Stimmen vernahm.

Der rotnasige Kapitän Timochin, der frühere Vorgesetzte Dolochows, welcher jetzt wegen Mangel an Offizieren ein Bataillon befehligte, näherte sich schüchtern der Scheune, begleitet von einem Adjutanten und dem Zahlmeister des Regiments. Fürst Andree hörte die Meldung der Offiziere an, erteilte noch einige Befehle und wollte sie entlassen, als er hinter der Scheune eine bekannte Stimme vernahm. Fürst Andree erblickte Peter, der auf ihn zukam. Der Anblick von Leuten seiner Welt, besonders Peters, der ihn an die schwere Zeit erinnerte, die er in Moskau verlebt hatte, war ihm peinlich.

»Ach, sieh da!« sagte er. »Wie unerwartet!« Seine Miene war mürrisch, fast feindselig. Peter bemerkte dies sogleich, seine gehobene Stimmung schwand.

»Ich kam . . . wissen Sie . . . es interessiert mich . . .« sagte Peter. »Ich wollte die Schlacht sehen.«

»Ja, ja, aber was sagen deine Brüder, die Freimaurer, vom Krieg?« fragte Andree spöttisch. »Was macht Moskau? Was machen die Meinigen? Sind sie endlich in Moskau angekommen?« fragte er ernst.

»Ja, sie sind angekommen, Julie Drubezkoi hat es mir gesagt. Ich wollte sie besuchen, traf sie aber nicht an. Sie sind auf das Gut bei Moskau gezogen.«

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