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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 150
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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150

In diesem Augenblick trat Graf Rostoptschin in Generalsuniform ein. »Seine Majestät wird gleich hier sein«, sagte er. »Ich komme eben von dort, ich denke, in jetziger Lage gibt es nicht viel zu überlegen. Der Kaiser hat geruht, uns und die Kaufmannschaft einzuberufen, von dorther fliegen die Millionen!« Dabei zeigte er nach dem Saale der Kaufleute. »Unsere Sache ist es, den Landsturm aufzustellen, das ist das Geringste, was wir tun können.«

Es folgte eine kurze, leise Beratung, dann wurde der Sekretär beauftragt, einen Beschluß der Moskauer Adelsversammlung zu protokollieren, wonach der Adel zehn Mann auf tausend stellen wolle mit voller Ausrüstung. Die Herren, welche am Tisch saßen, erhoben sich geräuschvoll und gingen im Saal auf und ab.

»Der Kaiser! Der Kaiser!« hieß es plötzlich und die ganze Menge drängte nach dem Eingang.

In der breiten Gasse, welche die Versammelten gebildet hatten, trat der Kaiser in den Saal. Auf allen Gesichtern erschien Ehrfurcht und furchtsame Neugierde. Peter stand zu fern, um die Rede des Kaisers ganz zu verstehen, er begriff nur, daß der Kaiser von der Gefahr des Vaterlandes sprach und von den Hoffnungen, welche er auf den Moskauer Adel gesetzt habe.

»Meine Herren«, sagte die zitternde Stimme des Kaisers, »niemals habe ich an der Hingebung des russischen Adels gezweifelt, aber heute wurde meine Erwartung übertroffen. Ich danke Ihnen im Namen des Vaterlandes, meine Herren! Handeln wir! Die Zeit ist kostbarer als alles.«

Der Kaiser schwieg. Die Menge drängte sich um ihn, und von allen Seiten hörte man Rufe der Begeisterung.

»Ja, kostbarer als alles! Das ist ein kaiserliches Wort!« rief Graf Rostow weinend. Er hatte nichts gehört, aber alles auf seine Weise verstanden.

Der Kaiser begab sich in den Saal der Kaufmannschaft und blieb dort etwa zehn Minuten. Als er zurückkam, bemerkte Peter Tränen der Rührung in seinen Augen. Später erfuhr man, daß der Kaiser kaum seine Rede an die Kaufleute begonnen hatte, als Tränen aus seinen Augen stürzten und er mit zitternder Stimme seine Rede beendigte. Der Kaiser wurde von zwei Kaufleuten begleitet, der eine war Peter bekannt, ein dicker Branntweinpächter, der andere war das Stadthaupt mit einem hageren, gelben Gesicht und dünnem Bart. Beide weinten. Der Hagere hatte Tränen in den Augen, aber der dicke Branntweinpächter heulte wie ein Kind und wiederholte immer wieder: »Unser Leben und Eigentum nimm hin, Majestät!«

Peter empfand in diesem Augenblick nur den glühenden Wunsch, zu beweisen, daß er alles zu opfern bereit sei. Über seine Rede mit dem konstitutionellen Anflug machte er sich selbst Vorwürfe und suchte eine Gelegenheit, sie wieder gutzumachen. Als er erfuhr, daß Graf Mamonow ein Regiment stellte, erklärte Besuchow sofort dem Grafen Rostoptschin, er werde tausend Mann stellen und unterhalten.

Der alte Rostow konnte nicht ohne Tränen seiner Frau diesen feierlichen Vorgang erzählen. Er bewilligte sogleich die Bitte Petjas und fuhr selbst aus, um ihn anzumelden.

Am andern Tage reiste der Kaiser ab. Die Gutsbesitzer nahmen ihre Uniformen ab, besuchten wieder den Klub und gaben ihren Verwaltern seufzend Befehle wegen des Landsturms, selbst verwundert darüber, was sie vollbracht hatten.

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