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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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13

Natalie war in den Wintergarten entflohen und erwartete dort Boris, indem sie zugleich auf das Gespräch im Salon horchte. Endlich stieß sie ungeduldig mit dem Fuße auf und war dem Weinen nahe, als sie hörte, wie der junge Mann ganz gemächlich sich näherte. Sie hatte kaum Zeit, sich hinter einem hohen Gebüsch zu verbergen. Boris blickte sich im Wintergarten um und näherte sich dem Spiegel, um sich zu betrachten. Natalie folgte seinen Bewegungen. Sie sah, wie er lächelte und auf die gegenüberliegende Tür zuging, ihr erster Gedanke war, ihn zu rufen. »Doch nein«, sagte sie, »er soll mich suchen.«

Kaum war er verschwunden, als Sonja weinend in den Wintergarten stürzte. Natalie wollte ihr entgegengehen, aber das Vergnügen unsichtbar zu sein, wie in einem Feenmärchen, und zu beobachten, hielt sie zurück. Sonja sprach leise mit sich selbst, als Nikolai eintrat.

»Sonja, was hast du?« rief er leise.

»Nichts! Laß mich!« Und sie zerfloß in Tränen.

»Sonja! Ein Wort! Ist es recht, daß du dich und mich so quälst um nichts?« sagte er und ergriff ihre Hand.

Sonja weinte, ohne die Hand zurückzuziehen.

»Was wird nun kommen?« fragte sich Natalie mit glühenden Augen.

»Sonja, die ganze Welt ist mir nichts, du allein bist mir alles, und ich werde es dir beweisen.«

»Ich kann es nicht ertragen, daß du sprichst mit . . . mit . . .« sagte Sonja.

»Gut, ich werde es nicht mehr tun, verzeihe!«

Er zog sie an sich und küßte sie.

»Aha, wie schön!« murmelte Natalie, und als Nikolai und Sonja den Wintergarten verließen, folgte sie ihnen bis zur Tür und rief Boris.

»Boris«, sagte sie mit geheimnisvoller Miene, »kommen Sie hierher! Ich habe Ihnen etwas zu sagen! Hier! Hier!«

Und sie führte ihn bis zu ihrem Versteck zwischen den Blumen.

»Was haben Sie mir zu sagen?« fragte Boris lächelnd.

Sie wurde verlegen und blickte sich um, dann bemerkte sie ihre Puppe, welche verlassen auf einem Stuhl lag, ergriff sie und reichte sie ihm.

»Küssen Sie meine Puppe!«

Boris rührte sich nicht und betrachtete ihr lächelndes Gesichtchen.

»Sie wollen nicht? Nun, dann kommen Sie hierher! . . .« Sie zog ihn nach sich bis hinter die Gewächse und warf die Puppe weg.

»Näher! Näher!« sagte sie. »Und mich – werden Sie mich küssen?« murmelte sie, rot vor Aufregung und dem Weinen nahe.

Boris wurde purpurrot.

»Wie sonderbar Sie sind!« Unentschlossen beugte er sich zu ihr herab. Plötzlich sprang sie auf eines der Gefäße, umfaßte mit ihren kleinen nackten Armen den Hals ihres Gefährten, schüttelte die Haare zurück und gab ihm einen Kuß auf die Lippen. Dann entfloh sie, schlüpfte rasch zwischen den Pflanzen hindurch und blieb auf der anderen Seite mit gesenktem Kopfe stehen.

»Natalie, ich liebe Sie, Sie wissen es wohl, aber . . .«

»Sind Sie verliebt in mich?«

»Ja, ja, aber ich bitte Sie, wir dürfen das nicht wieder tun, noch vier Jahre . . . dann werde ich um Ihre Hand anhalten . . .«

Natalie begann an den Fingern zu zählen, dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sechzehn! »Gut, abgemacht! . . .« Ein Lächeln des Vertrauens und der Zufriedenheit erhellte ihr Gesichtchen.

»Abgemacht!« rief Boris.

»Für immer? Auf Leben und Tod?« rief die Kleine. Dann erfaßte sie seine Hand und zog ihn glücklich und zufrieden in den Salon.

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