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Krieg und Frieden

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden - Kapitel 127
Quellenangabe
typefiction
authorLeo N.Tolstoi
titleKrieg und Frieden
publisherNon-Stop Bcherei
translatorL. A. Hauff
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080215
modified20161220
projectid408400b9
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127

Anatol verließ das Zimmer und kam nach einigen Augenblicken zurück, in einem Pelz, der mit einem silbergestickten Gürtel zusammengehalten wurde, und einer Zobelmütze, die er auf die Seite gesetzt hatte und die seinem schönen Gesicht sehr gut stand. Er betrachtete sich im Spiegel und nahm ein Glas Wein.

»Nun, Fedja, lebe wohl! Ich danke dir für alles!« sagte Anatol zu Dolochow. »Nun, Freunde und Genossen meiner Jugend, lebt wohl!« wandte er sich Makarin und den anderen zu.

Obgleich alle mit ihm fuhren, wollte Anatol doch etwas Rührendes und Feierliches sagen.

»Nehmt alle die Gläser! Auch du, Balaga! Nun, Genossen, Freunde meiner Jugend, wir haben gelebt und geschwärmt, nicht wahr? Jetzt aber, wann werden wir uns wiedersehen? Ich fahre nach dem Ausland! Lebt wohl, Kinderchen! Auf eure Gesundheit! Hurra!« sagte er. Er trank sein Glas aus und warf es auf den Fußboden.

»Bleiben Sie gesund!« sagte Balaga, nachdem er auch sein Glas ausgetrunken hatte. Makarin umarmte Anatol mit Tränen in den Augen.

»Ach, Fürst, wie schwer ist es für mich, mich von dir zu trennen!«

»Fahren! Fahren!« schrie Anatol.

Balaga ging schon nach der Tür.

»Nein, halt!« sagte Anatol. »Schließt die Tür! Setzt euch alle! So, so!«

Man schloß die Tür und alle setzten sich. »Nun, jetzt marsch, Kinder!« sagte Anatol aufspringend. Joseph, der Diener, reichte Anatol ein Täschchen und den Säbel und alle gingen in das Vorzimmer hinaus.

»Und wo ist der Pelz?« fragte Dolochow. »Heda! Ignati! Geh zu Matrena Matwejewna, ich lasse sie um den Pelz bitten! Den Zobelpelz! Ich weiß, wie es bei einer Entführung zugeht!« sagte Dolochow mit den Augen blinzelnd. »Sie kommt herausgelaufen, halb tot, halb lebend, hat sich etwas verspätet, dann kommen Tränen, und ›Papachen und Mamachen‹, und dann fängt sie an zu frieren und will zurück! Dann wickelst du sie gleich in den Pelz und trägst sie in die Troika!«

Der Diener brachte einen Damenfuchspelz.

»Dummkopf! Ich habe dir ja gesagt, den Zobelpelz! Heda, Matrena, den Zobelpelz!« rief er so laut, daß seine Stimme weit durch die Zimmer ertönte.

Eine hübsche, schlanke, bleiche Zigeunerin mit glänzenden schwarzen Augen und schwarzen lockigen Haaren, in einem roten Schal, lief mit einem Zobelpelz in der Hand herbei.

»Nun, es tut mir nicht leid darum, nimm ihn!« sagte sie etwas schüchtern, indem sie ihrem Herrn den Pelz wehmütig überreichte.

Ohne ihr zu antworten, nahm Dolochow den Pelz, warf ihn um Matrena und hüllte sie ein.

»Siehst du, so!« sagte Dolochow, »und dann«, sagte er und schlug ihr den Kragen auf, so daß von dem Gesicht nur eine kleine Öffnung blieb, »dann siehst du, so!« Und er schob Anatols Kopf zu der Öffnung, die im Kragen frei geblieben war, aus welcher die glänzenden Augen Matrenas hervorsahen.

»Nun, lebe wohl! Lebe wohl, Matrena! Wünsche mir Glück!«

»Nun, Gott gebe Ihnen großes Glück, Fürst!« sagte Matrena mit ihrer Zigeuneraussprache. Vor dem Hause standen zwei Dreigespanne, welche zwei junge Kutscher hielten. Balaga setzte sich auf das erste, hob die Ellenbogen in die Höhe und ergriff langsam die Zügel. Anatol und Dolochow stiegen ein, Makarin, Chwostikow und der Diener setzten sich in die zweite Troika.

»Ist alles fertig?« fragte Balaga. »Los!« schrie er und wickelte die Zügel um die Hände. Die Troika fuhr den Nikizkiboulevard hinab. Am Arbatskoiplatz fuhr sie einen Wagen an, etwas krachte, man hörte Geschrei und dann fuhr die Troika über den Platz hinüber. Bei der alten Stallschreiberstraße hielt Balaga die Pferde an. Anatol und Dolochow stiegen aus. Als sie an die Pforte des Hauses von Maria Dmitrijewna kamen, pfiff Dolochow, der Pfiff wurde beantwortet und darauf kam eine Zofe herausgelaufen.

»Gehen Sie in den Hof, sonst werden Sie gesehen! Sie wird gleich kommen«, sagte das Mädchen.

Dolochow blieb an der Pforte stehen. Anatol folgte der Zofe in den Hof und eilte auf die Vortreppe zu.

Gawrila, der große, plumpe Kutscher Maria Dmitrijewnas, kam ihm entgegen. »Belieben Sie, zur gnädigen Frau zu kommen«, sagte er mit seiner Baßstimme, indem er den Rückweg zur Tür vertrat.

»Zu welcher gnädigen Frau! Wer bist du?« fragte Anatol flüsternd.

»Belieben Sie einzutreten, ich habe Befehl, Sie hineinzuführen!«

»Kuragin! Zurück!« schrie Dolochow. »Verrat! Zurück!« Dolochow war bei dem Pförtchen, bei dem er zurückgeblieben war, im Handgemenge mit dem Dwornik, der sich bemühte, hinter Anatol das Pförtchen zu schließen. Mit einer letzten Anstrengung stieß Dolochow den Pförtner zurück, ergriff mit der Hand den herauseilenden Anatol, zog ihn durch das Pförtchen hinaus und lief mit ihm zurück zur Troika.

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