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Krakatit

Karel Capek: Krakatit - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/capek/krakatit/krakatit.xml
typefiction
authorKarel Capek
titleKrakatit
publisherWilhelm Heyne Verlag
year1978
isbn3-453-30534-5
firstpub1924
translatorJ. Mader
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20120810
modified20140612
projectid3dae426c
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11

Frühmorgens traf er sie an, wie sie Hansi im Waschtrog mit Seifenschaum sauber rieb. Der Hund schüttelte verzweifelt das Wasser ab, aber Anni ließ nicht locker, hielt ihn an den Schopfhaaren fest und seifte ihn tüchtig ein. Sie war über und über bespritzt, hatte am Bauch einen nassen Fleck und rote Backen vor Lachen. »Achtung«, schrie sie schon von weitem, »er macht Sie ganz naß!« Sie sah aus wie eine junge, begeisterte Mutter; o Gott, wie einfach und klar ist doch alles auf dieser sonnigen Welt!

Auch Prokop hielt es nicht aus, müßig zu bleiben. Er erinnerte sich, daß die Hausglocke nicht in Ordnung war, und ging daran, die Batterie nachzusehen. Er kratzte gerade den Zinkstab ab, als sich Anni ihm leise näherte. Sie hatte die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt und die Hände aufgeweicht, denn es war Waschtag. »Wird es nicht explodieren?« fragte sie besorgt. Prokop mußte lachen; sie lachte mit und bespritzte ihn mit Seifenschaum. Aber gleich darauf trat sie mit ernster Miene näher, um ihm mit dem Ellbogen eine Seifenblase aus dem Haar zu streifen. Das hätte sie gestern noch nicht gewagt!

Gegen Mittag schleppte sie mit Nanni einen Korb voll Wäsche zum Bleichen in den Garten. Prokop klappte dankbar das Buch zu; er konnte sie doch nicht die schwere Gießkanne tragen lassen. Also bemächtigte er sich der Kanne und besprengte die ausgebreiteten Wäschestücke. Ein dichter Sprühregen trommelte lustig und eifrig auf die faltenreichen Tischtücher, die weißschimmernden Bettüberzüge und die weit ausgebreiteten Herrenhemden, schäumte, rieselte und ergoß sich in Fjorde und kleine Seen. Prokop beeilte sich nun, auch die weißen Glocken der Frauenröcke und andere aufregende Dinge zu begießen, doch Anni entriß ihm die Kanne und besorgte es selbst. Prokop hatte sich inzwischen ins Gras gesetzt und atmete mit Wonne den Duft der Feuchtigkeit ein, während er Annis rege, schöne Hände betrachtete. Mögen die Götter dir schenken, so viel dein Herz nur begehret, erinnerte er sich andächtig. Mit Staunen erfüllt mich dein Anblick!

Anni setzte sich zu ihm ins Gras. »Woran haben Sie jetzt gedacht?« fragte sie, blinzelte, von Sonne und Freude geblendet, hatte rote Backen und schien aus irgendeinem Grunde sehr glücklich. Sie riß eine Handvoll frisches Gras aus und wollte es ihm aus Übermut ins Haar werfen. Aber auch jetzt noch, ohne daß sie wußte, warum, hielt sie eine Art ehrfürchtige Scheu vor diesem gezähmten Helden davon ab. »Haben Sie schon einmal jemanden gern gehabt?« fragte sie ganz unerwartet und blickte rasch zur Seite.

Prokop lachte. »Ja. Sie doch auch.«

»Da war ich noch recht dumm«, entfuhr es ihr; sie wurde wider Willen rot.

»Einen Studenten?«

Anni nickte nur und kaute an einem Grashalm. »Das war nichts«, sagte sie hastig. »Und Sie?«

»Ich kannte einmal ein Mädchen, das hatte die gleichen Wimpern wie Sie. Vielleicht sah sie Ihnen ähnlich. Sie war Verkäuferin in einem Handschuhladen.«

»Und was war weiter?«

»Nichts. Als ich mir das zweite Mal Handschuhe kaufen wollte, war sie nicht mehr da.«

»Hat sie . . . Ihnen gefallen?«

»Ja.«

»Und . . . Sie haben sie nie mehr . . .«

»Nein. Meine Handschuhe fertigt jetzt . . . der Bandagist an.«

Anni blickte hartnäckig zu Boden. »Warum . . . verbergen Sie immer Ihre Hände vor mir?«

»Weil . . . weil sie so zugerichtet sind«, antwortete Prokop und wurde ganz rot dabei.

»Das ist doch gerade schön«, flüsterte Anni und hielt weiter die Augen gesenkt.

»Das Mittagessen, das Mittagessen ist fertig!« rief Nanni vor der Haustüre. »Ach schon«, meinte Anni seufzend und erhob sich höchst unwillig.

Nach dem Mittagessen wollte sich der Doktor nur für eine ganz kleine Weile niederlegen. »Wissen Sie«, entschuldigte er sich, »ich habe heute morgen ehrlich gerackert.« Kaum hatte er sich niedergelegt, begann er schon regelmäßig und ausdauernd zu schnarchen. Sie lächelten einander mit den Augen zu und schlichen auf den Zehenspitzen hinaus; selbst im Garten redeten sie, als ob sie seinen satten Schlummer respektierten.

Prokop mußte von seinem Leben erzählen. Wo er zur Welt gekommen und wo er aufgewachsen war. Was er bisher erlebt und getan hatte. Er berichtete, daß er in Amerika war, viel Not gelitten hatte, und es tat ihm wohl, sein ganzes Leben noch einmal vorüberziehen zu lassen. Es war viel weniger geradlinig und viel merkwürdiger, als er selbst gedacht hatte. Dabei verschwieg er noch manches, namentlich ein paar Herzensangelegenheiten; sie waren gewiß nicht von großer Bedeutung (außerdem hat bekanntlich jeder Mann etwas zu verschweigen). Anni rührte sich nicht; es schien ihr ein wenig komisch und seltsam, daß Prokop auch einmal ein Kind und ein Knabe gewesen war, also ganz etwas anderes als der brummige und sonderbare Mensch, neben dem sie sich immer so unfrei und winzig vorkam. Jetzt hätte sie sich nicht einmal mehr gefürchtet, ihn anzurühren, seine Krawatte zu binden, ihm durchs Haar zu fahren und überhaupt . . . Zum erstenmal bemerkte sie jetzt seine dicke Nase, seinen harten, ernsten Mund und die strengen, blutgeäderten Augen; das kam ihr alles höchst merkwürdig vor.

Nun war sie an der Reihe, von ihrem Leben zu erzählen. Schon öffnete sie den Mund, holte tief Atem – da brach sie in Lachen aus. Was konnte man schon von einem so unberührten und bescheidenen Leben erzählen, noch dazu einem Manne, der schon einmal zwölf Stunden verschüttet, der in Amerika, über dem Ozean und weiß Gott wo noch gewesen war? »Ich weiß nichts«, sagte sie aufrichtig. Ist so ein ›Nichts‹ nicht ebenso wertvoll wie die Erfahrungen des Mannes?

Es war spät am Nachmittag, als sie den sonnenwarmen Feldpfad entlang schritten. Prokop schwieg, und Anni lauschte. Sie strich mit der Hand über die Spitzen der Ähren. Sie streifte mit dem Arm an Prokop, verlangsamte den Schritt, blieb stehen; dann ging sie wieder rascher, zwei Schritte vor ihm, und riß ungeduldig Ähren aus. Die sonnige Einsamkeit bedrückte sie allmählich und machte sie unruhig; sie hätten nicht hierher gehen sollen, dachten beide insgeheim und brachten in quälender Verstimmung nur ein oberflächliches, einsilbiges Gespräch zuwege. Endlich waren sie am Ziel, eine Kapelle zwischen zwei Linden. Es war spät am Nachmittag, die Zeit, da die Hirten zu singen beginnen. Sie ließen sich auf einer Bank für Wallfahrer nieder und wurden noch schweigsamer. Eine Frau kniete betend vor der Kapelle. Kaum war sie aufgestanden, erhob sich Anni und kniete an ihrer Statt nieder. Es lag etwas so unsäglich und natürlich Weibliches darin, daß sich Prokop wie ein Knabe neben der reifen Schlichtheit dieser uralten heiligen Geste vorkam. Als sich Anni dann wieder erhob, schien sie ernst und erwachsen, zu irgend etwas entschlossen und mit irgend etwas ausgesöhnt; als ob sie eine Erkenntnis gewonnen hätte und sie in sich trüge, überlastet, sinnend und so ganz verwandelt. Sie antwortete nur einsilbig mit süßer, dunkler Stimme, als sie den dämmrigen Pfad heimwärts schlenderten.

Sie schwieg beim Abendessen, und Prokop tat desgleichen. Sie wünschten wohl beide, der alte Herr möge bald verschwinden, um die Zeitung zu lesen. Der alte Herr aber brummte nur in einem fort und beobachtete die beiden über die Ränder seiner Brille hinweg. Etwas schien ihm da nicht zu stimmen. Die Situation dehnte sich schon peinlich in die Länge, als die Hausglocke schrillte. Ein Mann war gekommen und bat den Doktor, bei seiner Frau nach dem Rechten zu sehen; es sei schon so weit. Der alte Doktor war wenig erbaut davon und vergaß sogar zu schimpfen. Die Geburtshelfertasche in der Hand, wandte er sich noch in der Tür um und sagte trocken: »Geh schlafen, Anni.«

Sie erhob sich wortlos und deckte den Tisch ab. Sie blieb lange, sehr lange in der Küche. Prokop rauchte nervös und wollte schon fortgehen. Da kam sie zurück, blaß, als ob sie fröstelte, und sagte mit Überwindung: »Wollen Sie nicht eine Partie Billard spielen?« Das bedeutete: Aus dem Garten wurde heute nichts.

Es war eine miserable Partie. Anni benahm sich geradezu linkisch, stieß ins Leere, vergaß zu spielen und gab kaum Antwort. Als sie einen aufgelegten ›Sitzer‹ verfehlte, zeigte ihr Prokop, wie sie hätte spielen sollen: Rechte Fälsche, etwas tiefer nehmen, und der Ball ist sicher. Er legte dabei, nur um ihre Hand zu führen, seine Hand auf die ihre. Da blickte ihn Anni, dunkelrot vor Empörung, an, warf den Stock heftig hin und lief davon.

Was tun? Prokop ging im Salon auf und ab, rauchte und war verärgert. Merkwürdiges Mädchen! Warum verwirrte sie ihn so? Ihr dummer Mund, die klaren, eng beieinanderstehenden Augen, dieses glatte, flammende Lärvchen, nun – man ist eben nicht aus Holz! Wäre es denn wirklich so unrecht, ihr zärtlich die rosigen Wangen zu streicheln und sie zu küssen, ihr durchs Haar zu fahren, durch dieses köstlich feine, seidenweiche Haar über dem jungen Nacken – man ist eben nicht aus Holz. Unsinn, sagte sich Prokop ärgerlich, ich alter Esel müßte mich nur schämen – so ein Kind, das an derlei Dinge noch nicht einmal zu denken wagt! – Gut, dieser Versuchung widerstand er also, wenn es ihm auch nicht leichtfiel. Er besah sich im Spiegel und zählte düster, bitter und herausfordernd seine Jahre.

Geh schlafen, alter Junggeselle! Nun hast du dir wenigstens die Schande erspart, daß dich dieses junge, dumme Ding noch obendrein auslacht; auch das ist ein Gewinn.

Mehr oder weniger entschlossen stieg Prokop in sein Schlafzimmer hinauf. Es war nur unangenehm, daß er an Annis Schlafzimmer vorbei mußte. Er ging auf den Zehenspitzen: vielleicht schläft das Kind schon. Plötzlich blieb er, klopfenden Herzens, stehen. Die Tür zu Annis Zimmer . . . stand halb offen. Dahinter war es finster. Was konnte das bedeuten? Da vernahm er ein leises Schluchzen.

Schon wollte er hineinstürzen; aber etwas Stärkeres trieb ihn die Treppe hinunter und in den Garten hinaus. Sicherlich kniete sie, halb entkleidet, die Haare aufgelöst – und weinte ins Kissen; warum weinte sie? Er wußte es nicht. Aber wenn er zu ihr ins Zimmer eingedrungen wäre – nun, was dann? Nichts! Er hätte ihr sanft übers Haar gestrichen und sie gebeten, nicht mehr zu weinen. Warum hatte sie die Tür offenstehen lassen?

Ein lichter Schatten glitt aus dem Haus in den Garten hinaus. Es war Anni; sie war nicht entkleidet, und auch ihr Haar war nicht aufgelöst. Sie preßte die Hände gegen die Schläfen, die glühende Stirn zu kühlen. Ab und zu entrang sich ihr noch ein leises Schluchzen als letzter Ausklang des Weinens. Sie ging an Prokop vorbei, als sähe sie ihn nicht, machte ihm aber zur Rechten Platz. Sie hörte nichts, sah nichts, wehrte sich jedoch nicht, als er sie am Arm faßte und zur Bank führte. Prokop suchte nach Worten der Beschwichtigung (Himmel, was wollte er eigentlich beschwichtigen?), da fühlte er plötzlich ihren Kopf an seiner Schulter. Noch einmal kehrte es krampfhaft wieder, aber dann sagte sie mitten im Schluchzen: »Das ist nichts!« Prokop schlang den Arm um sie wie ein leibhaftiger Onkel und brummte ratlos vor sich hin, sie sei doch so brav und so lieb, worauf die Schluchzer in lange Seufzer übergingen (irgendwo am Arm spürte er ihre heiße Feuchtigkeit), und dann war alles gut. An irgendeinem winzigen Punkt des Weltraumes, irgendwo zwischen dem Polarstern und dem Kreuz des Südens, zwischen dem Centaur und der Leyer, spielte sich etwas Ergreifendes ab: ein Mann fühlte sich mit einemmal als einziger Beschützer und liebevoller Vater dieses tränenfeuchten Gesichtchens und sagte – was sagte er eigentlich? Er sei so überaus glücklich und habe das schluchzende Ding an seiner Seite so lieb, daß er niemals von hier fortgehen werde, und noch manches andere . . .

»Ich weiß nicht, was mir eingefallen ist«, stammelte Anni zwischen Schluchzen und Seufzen. »Ich . . . ich wollte so gern noch . . . mit Ihnen sprechen . . .«

»Warum haben Sie geweint?« brummte Prokop.

»Weil Sie so lange nicht gekommen sind«, lautete die überraschende Antwort.

»Ich hätte . . . zu Ihnen kommen sollen?« flüsterte Prokop bestürzt. Doch da verneinte der Kopf entschieden. »Hier . . . ist mir wohler«, sagte sie kaum hörbar nach einer Weile. »Hier ist es . . . so schön!« Es ist schwer zu begreifen, was an einem rauhen, nach Tabak und Körperlichkeit riechenden Männerrock Schönes sein soll. Aber Anni wühlte ihr Gesicht hinein und hätte es um nichts auf der Welt den Sternen zugekehrt, so glücklich fühlte sie sich in dem finstern, rauhen Versteck. Ihre lieblich duftenden Haare kitzelten Prokop unter der Nase. Seine Hand strich zärtlich über ihre Schultern, den jungen Nacken, die Brust und fand nur bebende Hingabe. Da vergaß er alles, faßte heftig nach ihrem Kopf und wollte sie auf die feuchten Lippen küssen. Doch Anni wehrte sich wild, die Augen starr vor Entsetzen, und stammelte: »Nein, nein, nein!«, und schon hatte sie das Gesicht wieder in seinem Rock vergraben, daß Prokop ihr aufgescheuchtes Herz pochen fühlte. Da begriff er, daß sie zum erstenmal geküßt werden sollte.

Er schämte sich, wurde überaus ernst. Mein Gott, sie ist ja noch ganz jung und völlig unwissend! Nun kein Wort mehr, kein Sterbenswörtchen mehr, das auch nur mit einem Hauch dieses junge, unschuldige Geschöpf betrüben könnte; und mit keinem Gedanken mehr die dunklen Beweggründe dieses Abends grob erklären wollen! Er wußte wahrhaftig nicht mehr, was er daherredete. Es war eine bärenplumpe Melodie mit leerem Satzbau und bezog sich abwechselnd auf Sterne, Liebe, Gott, auf schöne Nächte und eine Oper, deren Namen und Inhalt ihm längst entfallen waren, deren Geigen und Stimmen jedoch berauschend in ihm widertönten. Manchmal schien es ihm, als wäre Anni eingeschlafen; dann verstummte er, bis er an seinem Arm wieder den seligen Atem neuerwachter Aufmerksamkeit verspürte.

Anni richtete sich auf, faltete die Hände im Schoß und sann nach. »Ich weiß nicht, ich weiß nicht«, sagte sie süß, »es erscheint mir alles so unwirklich.«

Ein fallender Stern zog seine lichte Spur über den Himmel. Geißblatt duftete, die geschlossenen Ballen der Pfingstrosen schlummerten, in den Baumkronen rauschte es wie göttlicher Atem. »So müßte es immer bleiben«, flüsterte Anni.

Noch einmal mußte Prokop einen stummen Kampf mit der Versuchung führen. »Gute Nacht, Anni«, sagte er stockend. »Wenn . . . wenn Ihr Vater zurückkommt . . .«

Anni erhob sich folgsam. »Gute Nacht«, sagte sie und zauderte. So standen sie einander gegenüber und wußten nicht, was tun – oder wie enden. Anni war blaß und sah aus, als wollte sie sich zu einem heldenmütigen Entschluß durchringen. Aber als Prokop, der nun völlig den Kopf verlor, die Hand nach ihr ausstreckte, wich sie feige zurück und trat den Rückzug an. Sie gingen den Gartenweg entlang, wohl einen Meter voneinander entfernt. Als sie aber dorthin kamen, wo der schwärzeste Schatten war, verloren sie offenbar die Richtung, denn Prokop stieß mit den Zähnen gegen eine Stirn, berührte hastig eine kalte Nase und fand mit seinem Mund verzweifelt geschlossene Lippen. Er brach sie auf und küßte gewaltsam die stöhnende, heiße Feuchte. Dann entrang sich Anni seinen Armen, stellte sich an die Gartenpforte und schluchzte. Prokop wollte sie trösten, aber es half alles nichts. Er flehte, wandte das feuchte Gesichtchen sich zu, die tränennassen Augen, den schluchzenden Mund. Da merkte er, daß sie sich gar nicht mehr wehrte und sich ihm auf Gnade und Ungnade ergab; vielleicht weinte sie nur über ihre furchtbare Niederlage. Da erwachte in Prokop alle männliche Ritterlichkeit. Er ließ das Häuflein Unglück aus den Armen gleiten und küßte nur tief bewegt die tränennassen, bebenden Finger. So, so war es besser. Nun legte sie gar ihre Wange auf seine rauhe Hand, liebkoste sie mit brennendem Mund und heißem Atem und hielt sie fest.

»Gute Nacht«, sagte sie dann leise. Er wagte nicht einmal mehr, sie zu begleiten. Er stand noch eine Weile und ging dann in die andere Richtung des Gartens, wohin auch nicht ein Schimmer aus ihrem Fenster dringen konnte.

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