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Gutenberg > August Stramm >

Kräfte

August Stramm: Kräfte - Kapitel 1
Quellenangabe
typedrama
booktitleGedichte / Dramen / Prosa / Briefe
authorAugust Stramm
year1997
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-009929-3
titleKräfte
pages112-133
created19990615
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1914
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August Stramm

Kräfte

 


Ein Ehepaar
Ihre Freundin
und sein Freund


I

Die Parkbäume spielen Schatten durch Fenster und Tür.

Sie am offenen Fenster, starrt hinaus, wendet jäh, stemmt die Faust

Frauenlachen aus dem Park

Sie gurgelt, zischt, krampft so bebt ins Zimmer so! stürzt zum Spiegel, streicht Haar und Gesicht, wendet, starrt hilflos, tonlos nachsprechig schön unbeschreiblich anmutig

Welke Blätter büscheln durchs Fenster

Sie rast, zertritt, stampft, schleudert Moder! erstarrt, nestelt ein Blatt aus dem Haar, hält die ausgestreckte Hand, versinkt wer? krallt das Blatt, schlägt die Luft, stößt den Fuß, erschrickt

Frauenlachen unter dem Fenster

Mannstimme lockt Schatz! Schatzi?!

Fraustimme fragt huhu?

Mannstimme hörst Du?

Sie schüttelt Krampf

Mannstimme wir wollen reiten

Fraustimme herrlich

Mannstimme die Herbstsonne

Fraustimme jetzt

Sie schraubt den Kopf zwischen beide Fäuste, wuchtet mühsam herum ich... reite... zur Nacht... zur Nacht das Mondlicht

Fraustimme lacht glücklich Nacht!

Hände klatschen

Fraustimme Mondlicht

Sie knirscht die gekrampfte Faust zwischen die Zähne rrrrsch

Fraustimme beglückt ich reite reite zur Nacht! Mondlicht

Mannstimme lacht

Sie starrt

Freundstimme wir reiten alle

Sie erwacht, ordnet das Haar, ruckt das Kleid

Mannstimme zusammen

Fraustimme, Mannstimme, Freundstimme jubelnd zusammen

Sie atmet, tritt gemessen zum Fenster

Lachen draußen

Sie fingert Blätter

Freundstimme lacht Überschütten

Fraustimme übermütig Blätter!

Sie scharrt Blätter vom Fensterbrett hinaus, trocken, hart verwelkt! verwelkt!

Freundstimme lacht begraben!

Sie erregt nicht .. nicht .. nicht

Freundstimme im

Fraustimme, Freundstimme lachend zusammen Mondlicht?

Sie fröstelt es frostet tritt zurück

Er schwingt hoch und springt hinein

Sie schrickt die Hände entgegen

Lachen draußen

Er reißt sie an sich, sieghaft wer?

Sie wehrt Du entwindet zum Fenster

Er neben ihr, lacht ich?

Sie weist hinaus

Er lacht sie laufen fort, ja! legt den Arm um

Sie entschlüpft, scharrt Blätter und liegt auf dem Diwan, die Hände unterm Kopf

Er sitzt zu ihr, schäkert

Sie wirft den Kopf zur Wand

Er beugt zärtlich Du?!

Sie tonlos nachsprechend un...be...schreiblich

Er forscht was?

Sie jäht hoch und starrt

Er fährt übers Haar Liebe!

Sie stößt ihn zurück, reißt ihn an sich, umschlingt ich will auch nicht

Er leicht erstaunt was denn?

Sie läßt schroff los und stapft zum Fenster ich will!

Er schaut verwundert, unruhig was willst Du?

Sie die Sonne liegt auf den Baumwipfeln

Er tritt zu ihr, weich, besorgt Kind!

Sie strafft, wendet und forscht sein Auge

Er Kind!

Sie hart ich!

Er legt die Hand auf ihre Schulter

Sie wendet brennen! greift ein Flakon vom Diwantisch und bespritzt ihr Gesicht

Freund und Freundin lachend, leicht erhitzt durch die Parktür

Freundin die Sonne!

Freund begeistert zwischen den Bäumen

Freundin blendet die Augen es ist ganz dunkel hier

Sie schrillt Licht! schaltet ein

Freundin ah!

Sie schrillt die Klingel

Freundin tappt geblendet jetzt bin ich ganz blind fällt lachend in den Sessel

Diener durch die Flurtür bringt Tee

Sie so? schenkt ein und reicht halb wendend der Freundin die Tasse

Freundin will nehmen danke

Sie kippt die Tasse um

Freundin springt im Schrei

Sie hält die Untertasse starr

Er und Freund springen zu

Freundin tupft das Taschentuch ans Kleid

Freund hebt die Tasse nicht zerbrochen!

Sie lacht schrill kurz auf, nimmt die Tasse mit freundlichem Nicken, wird lebendig, tupft die Freundin mit der Serviette niederknieend oh... ich...

Freundin es ist nicht schlimm

Er tupft den Arm der Freundin nicht der Arm?

Sie beugt ganz tief und tupft ganz unten ich bin untröstlich

Er legt beruhigend flüchtig die Hand auf ihren Nacken

Sie schnellt wehrig heftig auf dann sofort beherrscht ja

Freundin ich geh nach oben

Er hastig, galant dem Mädchen klingeln! öffnet die Tür und folgt der Freundin

Sie schaut den Freund an in Triumph

Freund unsicher

Sie schenkt ein und reicht lächelnd

Freund tastet verwirrt

Sie lächelt sie fällt nicht

Freund nimmt und schlürft hastig so?

Sie immer lächelnd, schenkt ein, stellt die Tasse auf den Diwantisch, sitzt, schaltet die Tischlampe und dreht das Dunkel des Seidenschirms auf ihr Gesicht, heiter rauchen Sie?

Freund hastet die Zigarettendose vom Tisch und bietet ihr

Sie nimmt lächelnd danke

Freund hastet Feuer

Sie zieht langsam wohlig danke

Freund zündet eine Zigarette an und schlenkert aus

Sie lächelnd langsam Sie werden Feuer stiften

Freund starrt prüfig, rückt zusammen ich brenne schon

Sie springt auf, reckt den Arm und geht zum Fenster aah... mein Mann ist ein guter

Freund starrt nach

Er tritt ein so!

Sie der Mond

Er neben ihr ja... der Mond

Sie wirft die Zigarette verekelt äh prüstelt Tabak, tritt zum Tisch und schlürft Tee

Freundin reitfertig ich habe mich fertiggemacht

Sie schrofft die Tasse hin nein

Freundin und Freund betreten

Er bestürzt was?

Sie ruhig kalt ich reite nicht

Freundin starrt bestürzt umher

Sie die Kälte schließt das Fenster

Er ratlos Du

Freund raucht nachdenklich

Freundin sitzt, den Kopf auf der Brust

Sie schauert und schließt die Parktür

Freundin schluchzt verhalten oh

Sie strafft Kind nein nein stürzt hinter den Stuhl der Freundin und armt so nicht, nicht, ich reite! ja! ich reite! erschöpft es ist heiß furchtbar heiß hier

Er öffnet das Fenster

Sie zwingt die Freundin hoch und faßt sie unter komm

Freund öffnet die Parktür

Sie wendet in der Flurtür zum Freund matt, freundlich danke schön danke

Freund in der Parktür, stemmt die Hüften, pafft über die Schulter zur Flurtür nach

Er boxt

Freund wendet und schaut wen wehrst Du?

Er hört erschöpft auf ja

Freund steckt die Hände in die Tasche, gleichmütig ja

Er stürzt raus

II

Sie nestelt am Fenster wer?

Freundin sitzt am Tisch, hebt das Glas was fragst Du?

Sie weicht aus Du hast Durst nach dem Ritt?

Freundin nickt und trinkt

Sie stellt fest ja! das war das Glas meines Mannes

Freundin schrickt das Glas hin

Sie nestelt, wendet und blickt raus

Freundin stört hoch wer? wer?

Sie dreht den Kopf und blickt auf sie an wen denkst Du?

Freundin erschrocken ich... ich...

Sie ruft in den Park Männe

Freundin stammelt sprachlos

Er in der Parktür wer vermißt mich?

Sie ruhig dein Glas

Er lacht und streckt die Hand zum Glas

Freundin hält ihm den Arm nein nein

Sie zuckt verächtlich Kind geht zur Parktür

Freund tritt in die Parktür

Freundin läßt seinen Arm los

Er verdutzt und?

Sie könnt ihr keinen Scherz verstehn?

Teller klappern auf der Terrasse

Sie nimmt den Arm des Freundes

Freundin überhastig ich gehe mit

Sie neckt zum Freund sie will uns nicht allein lassen

Freundin ratlos betroffen

Sie neckt zur Freundin verraten

Er bietet der Freundin den Arm, neckt wir gehen!

Freundin schaudert, sammelt sich, nimmt hell auflachend den Arm und springt mit Ihm an den beiden vorbei in den Park

Sie lacht hinterher faßt den Arm des Freundes fester ich liebe sie

Freund zuckt

Sie obenhin ja

Freund hilflos ja

Sie Sie auch?

Freund stammelt ich... ah

Sie in heller übermütiger Lache Sie lieben den Mond

Freund ratlos, verlegen er scheint heute hell

Sie schaut in den Mond, nach einer Weile Sie haben scharfe Augen?

Freund ich

Sie läßt seinen Arm, rückt einen Stuhl ich bin müde sitzt, nach einer Pause erschöpft mein Mann findet sie unbeschreiblich anmutig

Freund zuckt wer?

Sie gähnt leicht, gleichgültig ja

Freund tritt voll innerer Unruhe

Sie nach Pause gleichgültig wer kommt da?

Freund späht gespannt wer?

Sie beobachtet ihn

Freund nein

Sie spöttelt Ihre Augen

Freund aufgeregt immer spähig oh meine Augen sind scharf

Sie nach Pause lächelnd auf wieviel Schritt schießen Sie ins Herz?

Freund jäht zu ihr um, hastet zu ihr, nimmt ihre Hand und küßt sie ich bin ungezogen?

Sie erhebt sich ruhig galt das mir?

Freund starrt sie hilflos an

Sie lacht schrill gell in die Nacht

Aufschrei schrickt im Park

Sie tritt in die Tür wer schrie da? so? so zieht ihn zu sich sehen Sie! ruft seid ihr da?

Freundin atemlos aus dem Park oh oh stolpert und sinkt in einen Stuhl wer hat nur so...?

Sie beobachtet seid ihr erschrocken?

Er tritt hastig gezwungen lachend ein es wird ein Kauz gewesen sein

Sie leicht spöttisch ja ein Käuzchen, die Nacht hat euch erschreckt lacht ja die Nacht! faßt den Freund unter wir gehen das Käuzchen schrecken! lacht auf

Freundin hebt, starrt, horcht war das?

Er beruhigt es tut mir leid

Freundin Sie? ich gehe nicht wieder kauert ich habe Furcht

Er küßt ihre Hand

Freundin entsetzt wir wollen nie wieder gehn nie!

Er bietet eine Zigarette an

Freundin nimmt

Er gibt Feuer die Ängste verpaffen! Übrig bleiben Sie und ich! zündet an und wirft das brennende Streichholz durchs Fenster

Grelles Auflachen stiebt rein

Freundin hoch, an allen Gliedern zitternd

Er schrickt und starrt zum Fenster

Sie tritt lachend ein Kinder prüft ihr Kleid ihr habt mich angesengt beinahe

Freund hinter ihr mit drohenden Augen

Sie lacht liebenswürdig wir leben auch noch! ihr Feurigen

Freundin erlahmt, stottrig o

Sie scherzt was?

Freund stößt die Zigarette im Aschbecher entzwei

Sie schaut Sie Zerstörer

Freund tritt zurück ich?

Sie weicht ab wir alle wendet es ist gedeckt nimmt die Freundin untern Arm und schiebt sie zur Tür, gibt die Willenlose in der Tür lachend dem Freund, holt ihren Mann und geht mit ihm raus

III

Gedämpftes Licht

Sie starrt in Gedanken

Er vom Park ihr seid alle schnell vom Tisch? legt die Serviette hin

Sie streift langsam umständlich den Trauring und legt auf den Diwantisch

Er erstaunt was tust Du?

Sie er tut weh

Er greift zum Ring lassen wir ihn weiter machen

Sie hart nein

Er betroffen Du...?

Sie trocken er ist weit genug

Er starrt

Sie immer bewegungslos den Rücken zum Fenster wo sind sie?

Er lacht befreit und schaut zum Fenster sie werben

Sie bewegungslos

Er wirbt zu ihr sie werben! Du!

Sie wehrt die Hand still

Freund und Freundin treten stumm ein

Sie lebhaft umschlagend keine Furcht mehr draußen?

Freundin hart, gepreßt ich

Sie scherzt jetzt graust mich nimmt den Arm des Freundes und geht mit dem Freund in den Park

Freundin starrt nach den beiden um

Er tritt auf sie zu

Freundin wehrt entsetzt schweigen Sie! nicht! nicht! nur schweigen! gleich lacht sie... o gleich...

Er bedauert das hat Sie erschreckt

Freundin immer die Augen zurück machen Sie heller hier

Er schaltet Flammen ein

Freundin heller voll Angst und Beben ich will nichts gar nichts

Er tritt neben sie und nimmt ihre Hand

Freundin reißt los lassen Sie! lassen Sie! ich spreche nicht! ich spreche tritt plötzlich fest auf ja stark ich verlobe mich! ich verlobe mich

Er faltet die Hände

Freundin hebt die Hand, horcht da lacht?...

Er läßt die Hände fallen Sie sind erregt

Freundin entschlossen ich will! doch! hastet in den Park

Er ihr nach hier! hier! Sie finden ja nicht!

Freund und Sie vor der Tür, starren den beiden nach

Sie die haben Eile

Freund starrt nach ja

Sie die haben uns nicht gesehen

Freund nein

Sie lebhaft sehen Sie! sie laufen! laufen

Freund unbeherrscht ich

Sie lauert kalt o bis dahin treffen Sie nicht

Freund erschrickt

Sie tritt in das Zimmer die Luft ist aufgeregt

Freund stapft gezogen nach ja starrt in den Park

Sie ruhig gleichmütig weshalb erklären Sie sich nicht?

Freund wendet überrascht zu ihr

Sie lächelt weshalb?

Freund starrt wieder in den Park sie hat mich abgewiesen

Sie spannt hoch

Freund vorhin! ja!

Sie forscht vorhin?

Freund nickt

Sie nahe zu ihm, legt die Hand auf seinen Arm

Freund zuckt zusammen

Sie weich anschmiegend ich hasse

Freund starrt sie an

Sie wehmütig ja mein Mann

Freund fährt um und starrt sie an, unbeherrscht sprachlos, packt derb ihren Arm wer? wer?

Sie blickt ihn ruhig an ich

Freund löst gebrochen, schwach Verzeihung stöhnt leise

Sie in heller plötzlicher Angst, fleht aber Sie dürfen nicht!... nicht wahr...? das tun Sie nicht! o! versprechen Sie! wenn Sie mich! etwas für mich! bitte! bitte

Freund macht eine wehrige Handbewegung

Sie forschig bang Sie werden es nicht tun!

Freund schwach ich habe kein Recht

Sie trotzend, forschig hart Recht?!

Freund weh Recht

Schweigen

Sie schwach ich leide so

Freund küßt ihre Hand

Sie läßt ihm die Hand mein Mann ist gut! gut Sie finden Ihr Glück! Schweigen Gedanken! Peitschen! Stoßen! Grauen! alles verloren!

Freund spannt in den Park

Sie folgt seinem Blick sie kommen läßt seine Hand los ihr tappt im Dunkel? wir sind in der Helle!

Er und Freundin treten nebeneinander ein

Er hastig suchen wir suchten bricht ab, zum Freund Dich

Freund spannt hoch

Freundin erschöpft ich geh jetzt, ich bin müde, müde, ich kann nicht, unfähig schleppt ohne umblicken hinaus zur Flurtür ich kann nicht

Er und Freund staunen hilflos nach

Sie kalt jeder muß alleine tragen! alleine? setzt sich erschöpft es war zu viel heute scharf, spitz, gestrafft zum Freund o Sie... ?

Freund fährt aus Versunkenheit ertappt ich ich

Sie erhebt sich ruhig fest zu ihrem Mann im Vorbeigehen er hat mich angefaßt!

Er verständnislos

Freund verständnislos

Sie reibt ihren Arm ja angefaßt tritt zum Fenster, blickt in die Nacht ich sage nicht mehr.

Er spannt den Blick auf den Freund

Freund strafft und steht dem Blick

Sie klammert das Fensterkreuz, schwach, weh angefaßt, Gewalt.

Er begehrt auf

Freund geht kalt an ihm vorüber zur Tür

Sie in fliegender Angst nicht, nicht ihr tut das nicht, ihr schießt nicht, nicht schießen! nicht!

Freund steht in der Tür und blickt auf sie zurück forschig

Sie wirft grelle Lache auf den Freund Jetzt müssen Sie schießen! jetzt müssen Sie! müssen Sie! Sie müssen !

Freund zuckt taumelt, hetzt in die Nacht

Sie am Fenster, ruft nach Sie! Sie! Sie!

Er erwacht was?! das?! was war das?! wo stehst Du? Du?!

Sie kalt ich steh auf meinen Füßen

Er bäumt auf Du!!

Sie blickt ihn kalt Du!! Mann!!!

Er schlägt die Hände vors Gesicht in Schluchzen

Sie peitscht das Taschentuch in die Luft und den Ring vom Tisch, ballt die Faust, geht verächtlich vorüber

Er die Hände vors Gesicht gekrampft geschüttelt

IV

Die Diwanlampe leuchtet

Sie horcht die Hände gekrampft zur Tür komm! kommen! schüttelt in Schluchzen lieb! lieben! kauert auf den Diwan komm kommen! komme! schweigt und spannt fühlen, fühlen! ringt die Hände zur Tür ich habe lieb! erblickt den Ring auf der Erde, stürzt, hebt hoch, betrachtet und steckt sorgsam wieder auf ich zieh ihn auf! ich ziehe ihn wieder auf zeigt die Hand ins Leere sieh, sieh... preßt die Hände an die Schläfen und starrt zur Parktür oo! hetzt an die Tür, stößt mit Händen und Füßen die Nacht, zurückweichend nein Nacht! schiebt vorwärtsstemmend etwas hinaus kalt! wirft in der Tür die Hände hoch hinausgehend wiederkommen! nicht wiederkommen! preßt den Kopf besinnend Liebe Liebe lehnt die Tür, weich weh ich liebe! ja! schrickt auf und dreht die Faust der Tür Du! starrt entsetzt und wehrt mit beiden Fäusten stehen! stehn taumelt wirr in das Zimmer Wände! taumelt! schaut entsetzt umher, rast gegen die Wand und stapft mit dem Fuß dagegen stehen! steh! schleicht gebückt zum Diwan still! kauert angstgehetzt umherblickend zu den Wänden nicht laufen! laufen! so lauft doch nicht! springt auf und würgt sich die Hand an die Kehle Das Gewürge! Gewürge! ihr würgt mich!

Er tritt in die Parktüre mit Mantel und Hut Du bist hier

Sie schrickt furchtbar, fällt zu Boden, springt hoch, geht mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu, stark o Du kommst! Du kommst! leben

Er ruhig ich suche Dich

Sie umschlingt nicht. Dich! Dich! Dich! Du!

Er schaut sie an ruhig ich wollte für jeden Fall

Sie hält ihm die Hand auf den Mund es ist alles nicht wahr! nicht wahr! nicht wahr!

Er wiederholt mechanisch nicht wahr

Sie Lüge! Lüge! gelogen! Lüge lügt!

Er verständnislos lügt

Sie immer leidenschaftlicher hat er nicht gesagt? gesagt? nicht gesagt?

Er ruhig er schießt!

Sie stemmt ab, taumelt zum Tisch und legt das Gesicht auf den Arm ooo

Er legt die Hand auf die Schulter

Sie springt auf stark visionär Du stirbst

Er streichelt sie weich sterben

Sie Du

Er lieben

Sie wirft um und klammert Du wirst nicht gehen

Er ruhig ich gehe!

Sie entwindet sich ihm jäh Du!

Er armt weich nach ihr Du Du

Sie stößt ihn mit beiden Händen zurück Du Du Du! gehen! gehen! lügen! lügen! ich weiß nicht Wahrheit! wo lügt Wahrheit?

Er lügen?

Sie weicht und stößt, zischt ich hasse Dich gellt ihm ins Gesicht tot!

Er tritt einen Schritt zurück

Sie lacht gellend auf und ordnet im Nacken das Haar mit beiden Händen

Er haucht Du bist..! fasse Dich! hält ihr die Hand hin ruhig eine Weile

Sie wendet ab

Er schließt den Mantel wenn Du mich liebst

Sie jäh zu ihm wenn Du mich liebst

Er hält ihr die Hand hin das gilt die Karte

Sie beugt über den Tisch, stemmt die Ellbogen auf und hüllt das Gesicht in die Hände

Er küßt ihr Haar, geht schnell ohne umzublicken in den Park

Sie fährt hoch, streckt die Hand ihm nach, setzt den Fuß und bleibt stehen

Ihre Haltung löst langsam

Sie matt schlaff gefangen eine Weile peitscht auf und wütet die Venus in dem Winkel zwischen Parktür und Flurtür fort! fort! hält inne nein! bleib! bleib! hetzt die Reitgerte vom Tisch und peitscht die Venus runter! runter! kuschen! kusch! läßt erschöpft ab, schleudert die Peitsche fort, wendet und knirscht in Schauern nun fallt! fallt Wände! fallt! würgt! würgt! erstarrt, stützt die Faust auf den Tisch, spannt ab, schüttelt heiter den Kopf leicht würgt!

Die Tür klopft

Sie spannt hoch

Freundin im Nachtgewand

Sie starrt

Freundin zaghaft verzeih, ich hörte sprechen

Sie rauh Du? so spät in Nacht? so früh am Tag?

Freundin schauert, tritt ein und schließt die Tür

Freundin ich bin unruhig

Sie abwesend so so

Freundin erschöpft Angst!

Sie lacht kurz auf Angst!

Freundin erschrocken Du

Sie lauscht in den Park

Freundin Du horchst

Sie bezwingt nichts

Freundin hastig Stimmen gehen im Hause

Sie ruhig nichts ist im Hause

Freundin starrt wo?

Sie wirft gleichgültig, ordnet den Diwantisch er hat mich angefaßt

Freundin verständnislos

Sie gleichmütig ja der horcht wieder

Freundin aufgelöst wer?

Sie nickt ja

Freundin preßt die Hände auf die Brust und atmet schwer

Sie belauert wegwerfend er liebt mich sagte er. Leidenschaft

Freundin erhebt schwerfällig, taumelig

Sie lauert grausam Du liebst ihn? Du liebst? streichelt sie

Freundin sinkt auf den Stuhl zurück, wimmert

Sie beugt über sie, gespannt Verirrung nichts! Verirrung!

Freundin wimmert unmöglich

Sie richtet hoch, kalt unmöglich

Freundin schreckgespannt wo?

Sie zurück kalt ja die Männer

Freundin erhebt sich und legt das Gewand fest um

Sie was willst Du?

Freundin gefaßt ich muß ihn sprechen

Sie lauert ja?

Freundin ringt mit Entschluß ich frage ihn

Sie lauert fragen?

Freundin in wilder Erregung es ist nicht, kann nicht sein, Verzweiflung

Sie höhnt Verzweiflung

Freundin hart, stark ja Verzweiflung geht zur Tür, fest ich frage ihn

Zwei Schüsse flattern aus dem Park

Sie zuckt furchtbar

Freundin starrt, schaut auf sie, schreit, preßt die Hand vor den Mund

Sie hält zitternd am Tisch

Freundin haucht was war das? das?

Sie haucht frage, frage

Freundin verständnislos

Sie aufgerichtet, roh, selbstbewußt, gerechtfertigt er hat mich angefaßt.

Freundin schreit, gell Du lügst

Sie dumpf drohend Lüge

Freundin schreit Entsetzen!

Sie reckt im Triumph o! mich! Dich mich! ich hasse! immer unbeherrschter, ungebändigter hasse! hasse! Liebe! Wahn! tobt dicht vor die Wehrlose wahr! nicht wahr! wahr! nicht wahr!

Freundin wendet jäh zur Flucht

Sie hält ihren Arm, erbarmungsvoll, weich, streichelnd Arme!

Freundin reißt los, taumelt, schleudert gegen die Tür, klammert die Venus, stürzt zu Boden, hetzt hoch und flieht durch die Tür aufgehend

Sie starrt und starrt auf die Trümmer der Venus, hebt den Kopf hoch

Sie ins Leere wer! horcht und horcht das müßte anders klingen! anders! anders! macht einen Schritt zur Parktür und horcht nicht, nein, anders schiebt Schritt um Schritt zur Tür, hetzt dann in den Park anders

V

Tag. Verhängte Fenster

Toter aufgebahrt auf dem Diwan

Sie kniet das Haupt auf dem Toten

Freundin tappt hinein an den Türpfeiler gelehnt

Sie hebt den Kopf, wendet langsam, mechanisch, faßt die Freundin ins Auge, fährt übers Gesicht

Sie erhebt mühsam, wankt auf die Zitternde, matt ich rief, ließ Dich rufen.

Freundin bebt an allen Gliedern

Sie armt die Willenlose zürnen, nicht zürnen, aufgeregt, erregt, stärker und gefaßter ich bin wieder ruhig führt sie zum Stuhl, zwingt sie nieder, bleibt stehen, den Leichnam deckend wer weiß? was tut? meine Ängste, ich weiß was kommen mußte, handeln. Sehen. Das Selbst sieht sich zu. streichelt sie Du bist gut. küßt die Erschauernde, tritt neben sie

Freundin blickt den Leichnam, schlägt haltlos wimmernd den Kopf auf den Tisch

Sie streichelt tröstig, schreitet zum Leichnam, breitet die Arme und schaut nach ihr um hier hat er mich geliebt

Freundin schaut unter Zwang

Sie wendet grausam was weinst Du?

Freundin hilflos faltet die Hände

Sie näher, drohend sag was weinst Du?

Freundin sucht sich zu erheben, erstickt

Sie weich und matt Du sollst nicht weinen.

Freundin steht gestützt, weh Du hast mich lieb?

Sie zuckt heftig zusammen

Freundin flehig Du

Sie lacht grell

Freundin in fliegender Angst lachen?

Sie lächelt, spielt die Finger ich kann alles faßt wirr die Stirn

Freundin tritt auf sie zu und legt ihr die Hand auf die Schulter Arme

Sie erregt hastig Arme, ich bin arm, arm, ich war immer arm im Aufschrei ich habe nie was ich besitze.

Freundin tröstig Du mußt Ruhe haben

Sie Ruhe lehnt an sie Du hast mich lieb?

Freundin legt den Arm um ich habe Dich lieb

Sie legt den Kopf auf ihre Schulter wen hast Du lieb

Freundin zittert

Sie hebt den Kopf fern ich war immer arm, allein

Freundin faßt ihren Arm

Sie bekräftigt ja doch schauert, kühl, unberührt er hatte andere

Freundin setzt sich erschüttert

Sie kühl, ruhig Du kennst ihn?

Freundin wankt auf stammelnd, zitternd der Tote, tot

Sie tritt zum Toten und deckt sein Gesicht auf willst Du ihn sehen?

Freundin taumelt zurück und bebt auf den Stuhl

Sie kühl Du hast ihn doch im Leben gesehen kauert und küßt den Toten jetzt will sie Dich nicht mehr sehen, klagt niemand sieht Dich mehr.

Freundin will sich erheben, graust zurück

Sie zeigt ihn Du kannst ihn doch ansehen, Du mußt ihn doch sehen streicht dem Toten das Haar glatt

Freundin durchgraust was? Du?

Sie unbeirrt Du hast ihn doch gesehen, daß er mich ansah

Freundin die Hand auf die Brust gepreßt Du sprichst, Du sprichst

Sie erhebt sich ich spreche

Freundin schweigen

Sie dreht um, fern, wiederholt schweigen

Freundin kämpft kraftlos

Sie erhebt sich verächtlich

Freundin erschüttert, gehetzt, springt hoch zeig ihn, zeig ihn.

Sie faßt ihre Hand sieh

Freundin starr vor dem Toten, haucht sehen

Sie lacht grell ich weiß, ich weiß

Freundin reißt los Unsinn! Unsinn!

Sie ruhig, fern ich weiß, Unsinn lebhafter alles Unsinn, fuchtelt wild wahr, alles wahr, preßt ihren Kopf zwischen die Hände alles Unsinn! preßt die Hände ums Herz alles wahr!

Freundin zittert

Sie stampft auf und blitzt sie an, stößt sie verächtlich von sich und setzt sich zu dem Toten so hab ich Dich gemordet!

Freundin hält mühsam am Tisch

Sie steht auf, hoheitsvoll vor ihr nicht Dich! nicht Dich! greift ihr Handgelenk hart, zieht die Gesträubte er ist tot, Du hast einen lebenden Schatz, der mich will

Freundin geht auf nein!

Sie zerrt sie ja! nein! hält fest, ruhig neben ihr, bannend was ist wahr? sag was ist wahr?

Freundin in Beben warum haßt Du?

Sie ich hasse, hassen? lacht dumpf sieh seinen Mund, er küßt, o küßt!

Freundin sucht loszuwinden

Sie hält eisern fest er hat geküßt, Männer küssen, wir müssen dankbar sein. Dankbar! packt hinter ihr den andern Arm Moder? die Lippen modern nimmt eisenfest die Hand auf ihr Haupt und beugt die Schreiende Du mußt nicht schreien. Küssen! Küssen lacht! er hat so gern geküßt, lachen! küssen! stößt die Verstummende auf die Lippen ich weiß, küsse, küsse wirft die Ohnmächtige hin pfui Du Metze, stößt den Fuß nach ihr küsset anderleuts Leichen beugt über sie Leichenküsse lauscht Du hörst mich nicht, reißt sie an den Haaren hoch höre höre, ich habe viel zu sagen beugt über sie schön Du! unsagbar anmutig betrachtet die Liegende, tritt zum Spiegel, wischt über das Gesicht, tritt zu ihr nein, nicht bewußtlos, Freuden wachen, gießt ihr Wein aus der Karaffe ins Gesicht wach auf! wach auf springt hoch, stellt die Flasche aus der Hand ja ja reißt die Lade des Diwantisches auf und stockt im Denken, hebt einen Revolver hoch nicht doch! legt die Hand an die Stirn ich bin ja ich bin legt den Revolver zurück, lächelt bitter nein ich hab ihm nie welche zugeführt, wahr! Lüge sie spielt ein Messer die Augen, die Augen, Nacht. sie klappt das Messer und nimmt es stichig, beugt und bewundert o Du bist schön, unsagbar anmutig, wirklich, hörst Du? und ich bin schön, er sagte es hundertmal im wehen Aufschrei ich hatte nie was ich besaß. Ich besaß niemals was ich hatte und was ich hatte, besaßen immer die anderen weint, fährt der Liegenden über Gesicht und Haar nein nein, Du sollst leben, wirklich leben wollüstig tastend Haut, Lippen, oh beugt tief und schneidet nicht küssen, niemals, niemals mehr wirft Schnitt und Messer durch die Vorhänge des offenen Fensters der andere, beugt über sie Du bist schön, o anmutig, breitet ein Tuch über das wimmernde Gesicht Du sollst nicht sterben, sterben preßt das Tuch an Du kannst Dich auch im Spiegel sehn, er liebt, er nimmt Dich doch unsagbar, Totenkopf erhebt sich, blickt angstverzerrt umher, nimmt ein Glas, schenkt Wein und schüttet Pulver, die Augen weit in Fernen ein Tor, ein Tor schrickt zum Park

Hunde balgen

Sie lacht die Hunde balgen Lippen, hebt das Glas hörst Du? warte eine Weile, Gedanken überfallen Weile schaut auf die Liegende, beugt über und horcht atmen, atmen, Du stellt das Glas fort und packt sie wild in die Haare Du sollst nicht liegen hier, liegen, ich treffe mit ihm, treffe, schleift in den Park

Sie kommt wieder und trocknet lächelnd die Hände ja geile Hunde nimmt die Hand des Toten, sitzt und betrachtet

Hunde heulen draußen

Sie lacht grell, trinkt, wirft das Glas in Scherben, greift stürzend seine Hand, über ihn Du, Dich, Ich.








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