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Königin Margot. Erster Band

Alexandre Dumas (der Ältere): Königin Margot. Erster Band - Kapitel 26
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleKönigin Margot. Erster Band
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co.
printrunDritte Auflage
translatorManfred Freiherr v. Pillerstorff
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectida1f7004a
created20070128
modified20171227
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Margarita

Während der Unterredung, die eben wiedergegeben wurde, versahen La Mole und Coconas ihren Nachtdienst vor der Eingangstür, der eine ein wenig grämlich, der andere ein wenig unruhig.

La Mole hatte Zeit gehabt nachzudenken und Coconas hatte ihn bei dieser Gedankenarbeit vortrefflich unterstützt.

»Wie denkst du über die ganze Sache, mein Freund?« hatte La Mole Coconas gefragt.

»Mir kommt vor,« hatte der Piemontese erwidert, »als ob irgendeine Machenschaft des Hofes dabei im Spiele wäre.«

»Und wärest du gegebenen Falles bereit, in dieser Quertreiberei eine Rolle zu spielen?«

»Mein Freund,« sagte Coconas, »merke dir gut, was ich dir jetzt sagen werde und ziehe deinen Nutzen daraus. In allen prinzlichen Kniffen, in allen königlichen Ränkespielen dürfen wir gleichsam nur als Schatten mitspielen. Wo der König von Navarra ein Stück seiner Feder, der Herzog von Alençon einen Rockschoß verlieren wird, dort werden wir unser Leben verlieren. Du bist gegenwärtig eine Laune der Königin und sie ist für dich ein Traumgebilde, nichts schöner, als das! Verliere meinetwegen vor Liebe deinen Kopf, mein Freund, verliere ihn aber niemals in der Politik.«

Das war ein weiser Rat. La Mole hörte ihn mit der Schwermut eines Mannes an, der sehr gut weiß, daß er, zwischen Vernunft und Wahnsinn gestellt, sicherlich dem Wahnsinn würde folgen müssen.

»Die Königin ist nicht mein Traumgebilde, Hannibal, nein, ich liebe sie! Und glücklich oder unglücklich, ich liebe sie aus ganzer Seele! Das ist Wahnsinn, wirst du sagen, und ich muß es zugeben, ich bin verrückt! Doch du, der du vernünftig bist, Coconas, du darfst nicht unter meiner Dummheit und Unseligkeit leiden. Geh von hinnen, suche deinen Herrn wieder auf und bringe dich nicht in eine schiefe Stellung.«

Coconas überlegte einen Augenblick, dann hob er den Kopf: »Mein Lieber,« begann er, »alles was du sagst, ist ganz gerechtfertigt. Du bist verliebt, handle darum auch wie ein Verliebter. Ich bin ehrgeizig und bin in dieser Beziehung der Ansicht, daß das Leben mehr wert ist als der Kuß einer Frau. Mein Leben werde ich nur unter bestimmten Bedingungen auf das Spiel setzen, du aber, armer Medor, trachte auch deine Bedingungen zu stellen.«

Auf diese Worte hin hielt Coconas La Mole die Hand hin und ging davon, nachdem er mit seinem Freund noch einen letzten Blick gewechselt und ihm noch einmal zugelächelt hatte.

Kaum zehn Minuten später öffnete sich die Tür. Vorsichtig trat Margarete heraus, nahm La Mole bei der Hand und führte ihn, ohne nur ein Wort zu sagen, aus dem Gang bis in den rückwärtigsten Teil ihrer Wohnung hinein. Sie versperrte selbst alle Türen und tat das mit einer Sorgfalt, die auf die Wichtigkeit der Unterredung schließen ließ, die nun folgen sollte.

Im Zimmer angelangt, ließ sie sich auf den Stuhl aus Ebenholz nieder, zog La Mole zu sich heran und nahm seine beiden Hände in die ihren: »Jetzt, da wir ganz allein sind,« sagte sie ihm, »reden wir ernst miteinander, mein großer Freund!«

»Ernst, Madame?«

»Oder verliebt, das wollen wir erst sehen! Paßt Ihnen das vielleicht besser? Es kann auch in der Liebe sehr Ernstes vorkommen, namentlich in der Liebe einer Königin.«

»Plaudern wir also ... über diese ernsten Dinge, doch unter der Bedingung, daß Eure Majestät nicht zürnen, wenn ich dazwischen ein paar verrückte Worte spreche.«

»Ich werde mich nur über eine einzige Sache ärgern, La Mole, und das wird geschehen, wenn Sie mich immer nur Madame und Majestät nennen. Für Sie mein Lieber, bin ich bloß die Margarete.« »Ja, Margarete! Ja, Margarita! Ja, meine Perle!« rief der junge Mann und verschlang die Königin mit seinen Blicken.

»Sehr gut so!« sagte Margarete. »Also eifersüchtig sind Sie, mein schöner Edelmann?

»Oh, um den Verstand zu verlieren!«

»Noch immer?«

»Um ein Narr zu werden, Margarete.«

»Und auf wen? Lassen Sie es mich doch wissen!«

»Auf die ganze Welt!«

»Auf wen zunächst?«

»In erster Linie auf den König!«

»Ich glaubte, daß Sie, auf das hin, was Sie gesehen und gehört haben, diesbezüglich ganz unbesorgt sein könnten.«

»Dann bin ich eifersüchtig auf diesen Herrn von Mouy, den ich heute morgen zum erstenmal gesehen und den ich am Abend schon von Ihnen begünstigt fand.«

»Auf Herrn von Mouy?«

»Ja.«

»Und wer gab Ihnen den Verdacht auf Herrn von Mouy ein?«

»Hören Sie... ich weiß es bestimmt, daß er es war, ich habe ihn an seiner Gestalt wiedererkannt, an seiner Haarfarbe, und ein unbewußtes Gefühl hat mir es eingegeben, ein Gefühl des Hasses, daß er es sein müßte. Er war auch heute morgen beim Herzog von Alençon.

»Nun gut, was hat das aber alles mit mir zu tun?«

»Der Herzog ist Ihr Bruder. Man sagt, daß Sie ihn sehr gerne hätten. Sie hätten ihm eine unbestimmte Sehnsucht Ihres Herzens mitteilen können. Und er, wie es ja so Sitte bei Hof ist, hat dann vielleicht Ihren Wunsch gefördert, hat dem Herrn von Mouy bei Ihnen Einlaß verschafft. Warum sollte ich da gerade so glücklich darüber sein, daß sich der König zu gleicher Zeit ebenso bei Ihnen eingefunden hat? Das kann ich nicht verstehen. Doch in jedem Fall, seien Sie aufrichtig mit mir, Madame! In Ermanglung eines anderen Gefühles kann meine Liebe, so tief sie ist, wenigstens die Aufrichtigkeit als Gegengabe verlangen! Sehen Sie, ich werfe mich vor Ihre Füße nieder! Wenn das, was Sie für mich empfunden, nur die Laune eines Augenblicks war, dann gebe ich Ihnen die Treue zurück, Ihre Versprechen, Ihre Liebe, dann lege ich die mir vom Herzog geschenkte Gunst wieder in seine Hände zurück und meine Stellung als Edelmann bei Hof. Ich will dann den Tod bei der Belagerung von La Rochelle suchen, wenn mich nicht früher die unselige Liebe schon selbst tötet, bevor ich noch hingelange!« Margarete hörte lächelnd die leidenschaftlichen Beteuerungen des jungen Mannes an, aus ihren Augen winkten ihm Gunst und Gnade. Dann neigte sie wie versunken ihr schönes Haupt gegen die brennende Hand ihres Anbeters: »Lieben Sie mich?« fragte sie leise.

»Oh, Madame, mehr als mein Leben, mehr als mein Wohl und Wehe, mehr als alles in der Welt! Doch Sie... Sie... Sie lieben mich nicht.«

»Armer Narr!« murmelte sie.

»Eh, ja, Madame,« rief La Mole, der ihr immer noch zu Füßen lag, »ich sagte es Ihnen schon, daß ich ein Narr wäre!«

»Die Hauptsache in Ihrem Leben ist also Ihre Liebe, lieber La Mole?«

»Sie ist mein ganzer, mein einziger Lebenszweck, Madame!«

»Nun gut, so soll es sein! Ich werde alles in allem nur einen einzigen Zusatz zu dieser Liebe machen. Sie lieben mich. Sie wollen also in meiner Nähe bleiben?« »Mein erstes und letztes Gebet zu Gott enthält die Bitte, immer bei Ihnen bleiben zu dürfen!«

»Wohlan, Sie werden mich nicht verlassen, denn ich brauche Sie, La Mole.«

»Sie brauchen mich? Die Sonne braucht den Glühwurm?«

»Wenn ich Ihnen sagen würde, daß ich Sie liebe, würden Sie mir dann ganz und gar ergeben sein?«

»Bin ich es nicht schon jetzt, Madame?«

»Ja, doch Gott verzeih mir, Sie zweifeln noch an meiner Liebe!«

»Ach, ich habe ja unrecht, ich bin undankbar oder, wie ich es selbst sagte und Sie es wiederholten, ich bin vielmehr ein Narr! Doch warum war dieser Herr von Mouy heute abend bei Ihnen? Warum habe ich ihn heute früh beim Herzog von Alençon gesehen? Warum der kirschrote Mantel, warum die weiße Feder, warum das Bestreben, meinen Gang nachzumachen? ... Ah, Madame, nicht Sie verdächtige ich, sondern Ihren Bruder!«

»Unglücklicher!« sagte Margarete. »Unglücklicher, der da glaubt, daß der Herzog Franz seine Gefälligkeit so weit treibt und seiner Schwester einen Verliebten zuführt! Unsinniger, der eifersüchtig sein will und nichts zu erraten vermag! Wissen Sie denn nicht, La Mole, daß der Herzog von Alençon Sie morgen mit seinem eigenen Degen töten würde, wenn er wüßte, daß Sie hier bei mir sind, zu meinen Füßen liegen? Doch statt Sie von diesem Platz zu verjagen, sage ich Ihnen: Bleiben Sie, La Mole, bleiben Sie, wo Sie sind, denn ich liebe Sie, mein schöner Edelmann, hören Sie es? Ich liebe Sie, und ich wiederhole es: er würde Sie töten!«

»Großer Gott!« rief La Mole, warf sich nach rückwärts und sah Margarete entsetzt an. »Wäre es denn möglich?«

»In unserer Zeit, mein Freund, und an diesem Hofe ist alles möglich! Jetzt noch ein einziges Wort, es war also nicht meinetwegen, daß Herr von Mouy, gehüllt in Ihrem Mantel, das Antlitz mit Ihrem Filzhut verdeckt, hierher in den Louvre gekommen ist. Er kam des Herzogs wegen. Doch ich, ich führte ihn hierher, weil ich ihn für Sie hielt. Er kennt unser Geheimnis, La Mole, man muß vorsichtig mit ihm umgehen.«

»Ich würde ihn lieber töten, das wäre einfacher und sicherer.«

»Und ich, mein tapferer Edelmann,« sagte die Königin, »ich möchte, daß er am Leben bleibt und daß Sie alles erfahren, denn sein Leben ist uns nicht nur nützlich, sondern auch nötig. Hören Sie mich an, La Mole, und erwägen Sie Ihre Worte, bevor Sie mir Antwort geben: Lieben Sie mich genug, um sich darüber zu freuen, daß ich dereinst eine wirkliche Königin sein könnte, das heißt, eine Herrscherin über ein wahrhaftiges Königreich?«

»Ach, leider, Madame« ich liebe Sie so sehr, daß ich nur wünschen kann, was Sie sich wünschen, und wäre dieser Wunsch auch das Unglück meines Lebens.«

»Nun gut, würden Sie mir helfen, diesen Wunsch zu verwirklichen, der Sie selbst auch noch viel glücklicher machen wird?«

»Oh, ich werde Sie verlieren, Madame!« rief La Mole und barg sein Gesicht in beiden Händen.

»Keineswegs, sondern im Gegenteil! Anstatt der erste meiner Diener zu sein, werden Sie dann der erste meiner Untertanen sein, das ist alles!«

»Ach, kein Eigennutz ... kein Ehrgeiz, Madame... verletzen Sie nicht selbst das Gefühl, das ich für Sie hege ... Ergebenheit, nichts als Ergebenheit!«

»Edle Seele!« sagte Margarete. »Gut, ich nehme deine Ergebenheit an und ich werde mich dafür erkenntlich zu erweisen wissen.«

Sie hielt ihm beide Hände hin, die La Mole mit Küssen bedeckte.

»Nun?« fragte sie.

»Nun ja,« antwortete La Mole, »ich beginne dieses nebelhafte Vorhaben zu begreifen, von dem unter uns Hugenotten schon vor der Bartholomäusnacht die Rede war. Dieses Planes wegen war ich, wie viele andere, die würdiger waren als ich, beauftragt worden, nach Paris zu reisen. Sie wünschen sich ein wirkliches Königtum von Navarra, das bisher nur von einem Scheinkönigtum ersetzt wurde. Der König Heinrich drängt Sie hierzu. Mouy ist im Einverständnis mit Ihnen, ist es nicht so? Was hat aber der Herzog von Alençon bei der ganzen Sache zu tun? Findet sich hierbei auch noch ein Thron für ihn? Das durchschaue ich nicht. Ist etwa der Herzog von Alençon so sehr Ihr... Freund, daß er Ihnen in allem helfen will, ohne sich für die Gefahr, in die er sich begibt, nur irgend etwas einzutauschen?«

»Der Herzog, Freund, der verschwört sich auf seine eigene Rechnung. Lassen wir ihn seinen falschen Weg gehen, sein Leben bürgt für unseres.«

»Doch ich, ich, der ich ihm zugeteilt bin, kann ich ihn verraten?«

»Verraten, wieso werden Sie ihn verraten? Was hat er Ihnen anvertraut? Hat nicht er im Gegenteil Sie verraten, indem er Mouy Ihren Mantel, Ihren Hut übermittelte, damit dieser bis zu ihm gelangen könnte? Sie gehören ihm, sagten Sie! Gehörten Sie nicht früher mir, mein verehrter Herr, bevor Sie noch zu ihm kamen? Hat er Ihnen einen größeren Beweis der Freundschaft gegeben, als ich Ihnen einen Beweis der Liebe gegeben habe?«

La Mole erhob sich. Er war bleich und wie vom Blitz getroffen.

»Oh!« sagte er sich leise. »Coconas hat es ganz richtig gesagt. Das Ränkespiel verwickelt mich in seine Garne, es wird mich ersticken.«

»Nun?« fragte Margarete.

»Hier meine Antwort,« sagte La Mole. »Man behauptet – und das habe ich sogar am anderen Ende von Frankreich gehört, bis wohin Ihr berühmter Name, der Ruf Ihrer allumfassenden Schönheit gedrungen ist, wo mich die unbestimmte Sehnsucht nach etwas Unbekanntem erfaßt, mir das Herz berührt hat – man behauptet, daß Sie einige Male geliebt haben und daß Ihre Liebe immer den von Ihnen geliebten Personen verhängnisvoll geworden ist, und zwar so, daß Ihnen die Geliebten durch den Tod, der zweifellos eifersüchtig ist, allemal entrissen wurden.«

»La Mole!«

»Unterbrechen Sie mich nicht, Margarita, Geliebte! Man erzählte auch, daß Sie die Herzen dieser treuen Freunde in goldenen DosenSie trug um ihren Rock eine Wulst, in der sich ringsherum Täschchen befanden. In jedes dieser Täschchen gab sie eine Dose, die das Herz eines ihrer dahingeschiedenen Geliebten enthielt. Sorgsam ließ sie immer das Herz des jeweilig Verstorbenen einbalsamieren. Diese Wulst wurde an jedem Abend an einem Wandhaken, der mit einem Hängeschloß versichert wurde, aufgehängt, und zwar hinter der Rückenlehne ihres Bettes. (Tallemant des Reaux, Histoire de Marguerite de Valois) aufbewahren und daß Sie den traurigen Überbleibseln oft ein schwermütiges Erinnern weihen, ihnen einen frommen Blick widmen. Sie seufzen, meine Königin, Ihre Augen verschleiern sich? Es ist also wahr! Nun gut, machen Sie mich zu Ihrem geliebtesten und glücklichsten Freund. Die Herzen der anderen haben Sie durchbohrt und Sie heben diese Herzen auf, mich aber, mich müssen Sie mehr noch begünstigen, Sie müssen meinen Schädel aufheben!... Margarete, schwören Sie mir vor diesem Bilde Gottes, das mir hier an dieser Stelle das Leben gerettet hat, schwören Sie mir, daß wenn ich für Sie gestorben sein werde, wie es mir eine dunkle Ahnung sagt, daß Sie diesen Kopf, den der Henker vom Körper trennen wird, aufheben werden, um manchmal Ihre Lippen auf ihn zu drücken. Schwören Sie, Margarete, und das Versprechen einer so dankbaren Erinnerung, das Versprechen meiner Königin, wird mich stumm machen, wird mich je nach Bedarf zum Verräter oder zum Feigling machen, das heißt, wird mich so ergeben machen, wie Ihr Geliebter und Vertrauter sein muß!«

»O trauriges Verlangen, Meine liebe Seele!« rief Margarete. »O schicksalsschwerer Gedanke, mein süßes Herz!«

»Schwören Sie ...«

»Schwören soll ich?«

»Ja, hier bei diesem silbernen Kästchen, auf dem das Kreuz steht, schwören Sie!«

»Nun gut,« sagte Margarete, »wenn sich deine düsteren Ahnungen verwirklichen sollten, was Gott verhüten möchte, mein geliebter Edelmann, so schwöre ich bei diesem Kreuz, daß du bei mir sein wirst, lebendig oder tot, so lange als ich selbst am Leben sein werde. Und wenn ich dich nicht aus der Gefahr werde retten können, in die du dich für mich stürzen wirst, für mich allein, wie ich es weiß, dann werde ich wenigstens deiner armen Seele den Trost spenden, den du verlangst und den du so sehr verdient haben wirst.«

»Noch ein Wort, Margarete. Jetzt kann ich sterben, beruhigt sterben. Doch kann ich auch leben, wir können Erfolg haben. Der König von Navarra kann König werden, Sie Königin. Dann wird Sie der König mit sich nehmen. Das vereinbarte Abkommen, getrennt voneinander zu leben, wird eines Tages hinfällig werden und wird unsere Trennung veranlassen. Wohlan, Margarete, liebste Margarete, Sie haben mich mit einem Wort mit meinem Tod versöhnt, beruhigen Sie mich jetzt noch mit einem Wort für mein Leben.«

»Oh, befürchte nichts, dein bin ich mit Leib und Seele!« rief Margarete aus und streckte neuerlich ihre Hand gegen das Kreuz aus. »Wenn ich fort muß, wirst du mir folgen, und wenn der König sich weigern sollte, dich mitzunehmen, dann werde ich es sein, die nicht fortgehen wird.«

»Aber Sie werden sich nicht widersetzen dürfen!«

»Mein geliebter Hyazinth,« sagte Margarete, »du kennst Heinrich nicht. Heinrich denkt jetzt an nichts anderes, als an einen Thron. Und diesem seinem Wunsche kann er augenblicklich seinen ganzen Besitz opfern, selbstverständlich noch eher das, was er nicht besitzt. Adieu!«

»Madame,« sagte La Mole lächelnd, »Sie schicken mich fort?«

»Es ist spät!«

»Ohne Zweifel, doch wohin wollen Sie mich schicken? Herr von Mouy ist mit dem Herzog von Alençon in meinem Zimmer.«

»Ah, das ist wahr!« meinte Margarete mit reizendem Lächeln. »Übrigens hätte ich Ihnen noch sehr viel hinsichtlich dieser Verschwörung zu sagen.«

Seit dieser Nacht war La Mole kein gewöhnlicher Günstling mehr, er durfte seinen Kopf hoch tragen, den Kopf, dem lebend oder tot eine so süße Zukunft vorbehalten blieb.

Mitunter aber neigte er seine schwere Stirne gegen den Boden, seine Wangen erbleichten, ernste Gedanken zogen Furchen zwischen den Brauen des jungen Mannes, der einstmals so lustig und jetzt so glücklich war.

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