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Königin Margot. Erster Band

Alexandre Dumas (der Ältere): Königin Margot. Erster Band - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleKönigin Margot. Erster Band
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co.
printrunDritte Auflage
translatorManfred Freiherr v. Pillerstorff
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectida1f7004a
created20070128
modified20171227
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Die Blutdürstigen

Coconas war nicht geflohen, er hatte den Rückzug angetreten. Auch La Hurière war nicht geflohen, denn er hatte sich einfach überstürzt. Der eine war in der Art eines Tigers verschwunden, der andere in der Art eines Wolfes.

Die Folge davon war, daß La Hurière sich schon auf dem Platz Saint-Germain-l'Auxerrois befand, als Coconas eben erst den Louvre verlassen hatte.

La Hurière, der sich mit seiner Büchse unter den hin und her laufenden Menschen allein sah, der die Kugeln um sich pfeifen hörte, der die Leichen erblickte, die ganz oder verstümmelt aus den Fenstern geworfen wurden, bekam es plötzlich mit der Angst zu tun und versuchte vorsichtig in seinen Gasthof zu gelangen. Doch wie er aus der Straße von Arbre-Sec in die Straße von Averon wollte, fiel er einer Abteilung Schweizer und leichter Reiterei gerade in die Hände. Die Abteilung wurde aber von Maurevel befehligt.

»Wie,« rief dieser, der sich mittlerweile selbst den Namen »Toter des Königs« zugelegt hatte, »wie? Sie haben schon alles erledigt? Sie wollen nach Hause, mein verehrter Wirt? Was Teufel, haben Sie mit unserem piemontesischen Edelmann gemacht? Ist ihm kein Unglück geschehen? Wäre schade, denn der ging scharf ins Zeug!«

»Nicht daß ich wüßte!« antwortete La Hurière. »Ich hoffe, daß er wieder zu uns stoßen wird.«

»Woher kommen Sie?«

»Aus dem Louvre. Ich muß gestehen, daß man uns dort recht grob empfangen hat.«

»Wer?«

»Der Herr Herzog von Alençon. Ist der nicht auch einer?«

»Der Herzog von Alençon ist immer nur das, was ihm persönliche Vorteile einbringen kann. Sagen Sie ihm heute, daß er seine zwei älteren Brüder als Hugenotten behandeln müsse, und er wird das sofort tun! Die Hauptsache bleibt dann nur, daß das Nützliche erreicht wird, ohne ihn bloßzustellen. Doch kommen Sie nicht mit diesen braven Leuten da mit, Meister La Huriére?«

»Wohin führt Ihr Weg?«

»Ach, mein Gott, nur in die Straße Montorgueil. Dort lebt ein hugenottischer Minister aus meiner Bekanntschaft. Er hat eine Frau mit sechs Kindern. Diese Ketzer vermehren sich ganz bedeutend. Das wird schnurrig werden.«

»Und Sie selbst, wohin gehen Sie?«

»Oh, ich? Ich habe eine ganz besondere Sache vor.«

»Hören Sie einmal: gehen Sie nicht ohne mich zu Ihrer Unternehmung!« ließ sich plötzlich eine Stimme vernehmen, die Maurevel stutzen machte, »Sie kennen allerhand gute Gelegenheiten und dabei möchte ich nicht fehlen.«

»Ah, sieh da, unser Piemontese!« rief Maurevel.

»Herr von Coconas,« sagte La Hurière, »ich wußte, daß Sie mir folgen würden.«

»Pest und Hölle! Sie laufen zu schnell, um das möglich zu machen! Außerdem bin ich ein wenig vom rechten Wege abgekommen. Ich mußte nämlich vorerst einen gar schrecklichen Kerl in den Fluß werfen. Der schrie ununterbrochen »Nieder mit den Papisten, hoch der Admiral!« Unglückseligerweise konnte der Schelm, wie mir schien, gut schwimmen. Man müßte diese elenden Spitzköpfe, wenn sie schon nicht klar sehen wollen, wie die Katzen in das Wasser werfen, um sie vollends zu ertränken.«

»Und Sie sagen, daß Sie aus dem Louvre kämen? Ihr Hugenotte hat sich also dorthin geflüchtet?«

»Mein Gott, ja!«

»Ich habe in dem Augenblick, als er seinen Degen vom Boden aufhob, im Hof des Admirals einen Schuß auf ihn abgegeben. Ich weiß nicht, wieso ich ihn fehlen konnte!«

»Oh, ich, ich habe ihn nicht gefehlt!« sagte Coconas. »Ich habe ihm meinen Degen so in den Rücken gestoßen, daß die Klinge auf fünf Zoll von der Spitze gemessen, blutig war. Hernach sah ich, wie er der Königin von Navarra in die Arme gesunken ist, übrigens eine verdammt schöne Frau! Ich muß gestehen, daß ich mich nicht ärgern würde, mit Bestimmtheit zu wissen, daß der Mann tot ist. Der Patron scheint mir von nachtragender Sinnesart zu sein, er wäre fähig, mir bis an sein Ende nach dem Leben zu trachten . ..doch sagten Sie nicht, daß Sie jetzt irgend ein Ziel haben?«

»Sie würden also mitkommen?«

»Ich bin dafür, nicht nutzlos hier stehen zu bleiben, verdammt! Ich habe bis jetzt erst drei oder vier umgebracht, und wenn meine Wut abflaut, fängt die Schulter an zu schmerzen, also vorwärts, vorwärts!«

»Kapitän!« rief Maurevel den Führer der Gruppe an. »Geben Sie mir drei Mann und fertigen Sie mit den übrigen Ihren Minister und seinen Anhang ab.«

Drei Schweizer wurden abgelöst und stellten sich Maurevel zur Verfügung. Die zwei Abteilungen marschierten vorläufig Seite an Seite bis in die Höhe der Straße von Tirechappe. Hier bogen die Schweizer und die leichte Reiterei in die Straße la Tonnellerie ab, während Maurevel, Coconas, La Hurière und die drei Mann über die Straßen la Feronnerie und Trousse-Vache in die Straße Sainte-Avoye gelangten.

»Teufel! Wo führen Sie uns da hin?« erkundigte sich Coconas, weil ihn der lange und ergebnislose Weg schon zu langweilen begann.

»Ich führe Sie zu einer glänzenden und zugleich nützlichen Unternehmung. Nach dem Admiral, nach Teligny, nach den prinzlichen Hugenotten könnte ich Ihnen nichts Besseres bieten. Also Geduld, in der Straße von Chaume haben wir zu tun, in einem Augenblick werden wir an Ort und Stelle sein.«

»Erlauben Sie, ist diese Straße von Chaume nicht in der Nähe vom Temple?«

»Natürlich! Warum fragen Sie?«

»Dort lebt nämlich ein alter Gläubiger unserer Familie, ein gewisser Lambert Mercandon. Mein Vater hat mir aufgetragen, dem Mann dreitausendsiebenhundertfünfzig Franken zu übergeben, die ich hier zu diesem Zwecke in der Tasche trage.«

»Na, das ist ja eine vortreffliche Gelegenheit sich mit ihm auszugleichen.«

»Wieso denn?«

»Heute ist gerade der richtige Tag, um alte Schulden zu begleichen. Ist der Mann Hugenotte?«

»Oh, oh!« sagte Coconas. »Jetzt verstehe ich: er wird eben ein Hugenotte sein müssen!«

»Still, wir sind angelangt!«

»Was ist das für ein großer Palast mit dem vorgebauten Erker?«

»Der Palast von Guise.«

»Wahrhaftig, ich durfte es nicht versäumen, hierherzukommen, da ich ja unter der Gönnerschaft des großen Heinrich nach Paris gekommen bin. Doch verdammt! Verflucht still ist es hier in dem Viertel, mein Lieber, gerade daß man noch von ferne das Knallen der Büchsen hört. Man könnte glauben, in der Provinz zu sein. Alles schläft hier scheinbar oder mag mich sofort der Teufel holen.«

Tatsächlich schien im Palast Guise alltägliche Ruhe zu herrschen. Alle Fenster waren geschlossen, und nur ein einziges Licht schimmerte hinter dem Vorhang des Hauptfensters im vorgebauten Erker. Der hatte auch sofort die Aufmerksamkeit Coconas auf sich gelenkt, als er die Straße betreten hatte.

In geringer Entfernung vom Palast, an der Ecke der Straße Petit-Chantier und der Straße Quatre-Fils, blieb Maurevel stehen.

»Hier ist die Wohnung des Mannes, den wir suchen!«

»Das heißt: des Mannes, den Sie suchen!« meinte La Hurière.

»Da Sie mich begleiten, suchen wir ihn.«

»Wie, das Haus hier, das in so tiefem Schlaf zu ruhen scheint?«

»Ganz richtig! Sie, La Hurière, werden jetzt Ihr ehrliches Aussehen, das Ihnen der Himmel irrtümlich verliehen hat, ausnützen und werden an die Tür des Hauses klopfen. Ihre Büchse geben Sie Herrn Coconas, seit einer Stunde liebäugelt er bereits mit ihr. Sobald Sie eingelassen sind, fragen Sie an, ob Sie den Herrn von Mouy sprechen können.«

»Ah!« rief Coconas. »Ich begreife alles! Offenbar haben auch Sie im Viertel des Temple einen Gläubiger.«

»So ist es!« bestätigte Maurevel. »Sie werden demnach hinaufgelangen und dem Herrn einen Hugenotten vortäuschen. Als solcher werden Sie Herrn von Mouy über das Vorgefallene Bericht erstatten. Er ist tapfer, er wird sofort herunterkommen...«

»Und einmal unten?« fragte La Hurière.

»Ist er unten, dann werde ich ihn bitten, mit mir den Degen zu kreuzen.«

»Bei meiner Seele, das ist wie ein richtiger Edelmann gehandelt!« behauptete Coconas. »Geradeso will ich mit Lambert Mercandon verfahren, und wenn er zu alt ist, um die Forderung anzunehmen, dann werde ich einen seiner Söhne oder seiner Neffen bitten.«

La Hurière ging ohne weitere Antwort auf die Tür zu, um zu klopfen. Laut schallten die Schläge in der nächtlichen Stille und gleich öffneten sich die Tore des Palastes Guise. Einige Köpfe lugten aus den Öffnungen heraus. Hieraus war ersichtlich, daß dieser Palast, der voll von Soldaten schien, gleich einer Festung in einer Art stillen Bereitschaft lag.

Die Köpfe verschwanden wieder sofort, vermutlich war der Zweck des Lärmes erraten worden.

»Also hier wohnt Ihr Herr von Mouy?« fragte Coconas und zeigte auf das Haus, in welches La Hurière Einlaß begehrte.

»Nein, es ist die Wohnung seiner Geliebten.«

»Verdammt, welche Artigkeit, ihm Gelegenheit zu geben, vor den Augen seiner Schönen den Degen zu ziehen! Wir werden demnach Richter auf dem Kampfplatz sein. Immerhin würde ich mich ganz gern auch selbst im Streite messen. Meine Schultet beginnt zu brennen!«

»Und Ihr Gesicht?« fragte Maurevel. »Es ist wohl auch genug beschädigt.«

Coconas schwang sich zu einer Art Erröten auf.

»Verdammt!« schrie er. »Ich hoffe, daß er tot ist, sonst kehre ich noch zum Louvre zurück und vollende das Werk!«

La Hurière klopfte noch immer.

Jetzt öffnete sich ein Fenster im ersten Stockwerk, auf dem Balkon erschien ein Mann mit Nachtmütze, in Unterhosen und ohne Waffen.

»Wer da?« rief er hinunter.

Maurevel gab den Schweizern ein Zeichen. Sie traten unter einen Eckpfeiler, während sich Coconas platt an die Wand drückte.

»Ah, Herr von Mouy,« sagte der Wirt mit harmloser Stimme, »sind Sie es selbst?«

»Ja, was weiter?«

»Er ist es!« murmelte Maurevel und zitterte vor grimmiger Freude.

»Eh, mein Herr,« begann La Hurière, »wissen Sie denn nicht, was sich ereignet? Man ermordet den Admiral, man tötet unsere Glaubensgenossen! Kommen Sie rasch zu Hilfe, kommen Sie!«

»Also doch!« rief von Mouy. »Ich ahnte, daß in dieser Nacht etwas verbrochen werden würde. Ach, ich hätte meine tapferen Genossen nicht verlassen dürfen! Doch hier bin ich, mein Freund, warten Sie, ich komme schon!«

Und ohne erst das Fenster zu schließen, durch welches ängstliche Rufe und dann wieder zärtliche Beschwörungen einer Frau in die Nacht hinausdrangen, suchte Herr von Mouy nach seinem Wams, seinem Mantel und seinen Waffen.

»Er kommt herunter, er kommt!« brummte Maurevel, blaß vor Freude. »Achtung, ihr andern!« zischte er den Schweizern in die Ohren.

Dann nahm er Coconas die Büchse aus den Händen, blies auf die Lunte, um sich zu versichern, daß sie noch glühte, und überreichte sie wieder La Hurière. Der hatte sich zum Kern der Truppe, zu den Schweizern zurückgezogen.

»Da, nimm sie wieder, deine Büchse!«

»Verdammt!« rief Coconas. »Da kommt gerade der Mond aus den Wolken, um Zeuge der schönen Auseinandersetzung zu sein. Ich gäbe viel darum, daß Lambert Mercandon auch anwesend wäre und dem Herrn von Mouy Beistand leisten würde.«

»Warten Sie nur!« sagte Maurevel. »Herr von Mouy gilt für zehn, und wir werden mit ihm genug zu tun bekommen, obwohl wir sechs gegen ihn sind. Ihr andern kommt jetzt vor!« flüsterte er den Schweizern zu und schlich sich an die Eingangstür, »es gilt, auf ihn loszuschlagen, wenn er aus dem Haus tritt.«

»Oh, oh!« meinte Coconas und sah sich die sonderbaren Vorbereitungen an. »Mir scheint, die Sache wird doch anders vor sich gehen, als ich es mir dachte.«

Schon hörte man den Lärm des Riegels, den Herr von Mouy zurückschob. Die Schweizer waren aus ihren Verstecken gekommen und hatten sich bei der Tür aufgestellt. Maurevel und La Hurière schlichen sich auf den Zehenspitzen vor, während Coconas in einer Anwandlung von Ritterlichkeit auf seinem Platze blieb.

Unterdessen war die junge Frau, an die niemand dachte, auf den Balkon getreten und stieß einen Schreckensruf aus, als sie die Schweizer, Maurevel und La Hurière erblickte.

Herr von Mouy, der die Tür schon halb geöffnet hatte, hielt inne.

»Komm zurück, komm zurück!« schrie die junge Frau. »Ich sehe Degen blitzen, ich sehe eine Lunte glühen ... das ist ein Hinterhalt!«

»Oh,« ließ sich die grollende Stimme des jungen Mannes vernehmen, »da müssen wir doch einmal nachsehen, um was es sich da handelt!«

Er schob den Riegel wieder vor und ging die Treppe hinauf.

Die Kampfordnung Maurevels mußte eine Änderung erfahren, da er jetzt erkannte, daß Mouy nicht herauskommen würde. Die Schweizer nahmen an der anderen Straßenseite Aufstellung, während La Hurière, die Hakenbüchse in der Faust, den Gegner auf dem Balkon erwartete. Er mußte nicht zu lange warten. Herr von Mouy erschien mit zwei so außergewöhnlich langen Pistolen auf dem Balkon, daß La Hurière, der ihn schon auf das Korn genommen hatte, plötzlich in Erwägung zog, ob die Kugeln des Hugenotten nicht die gleiche Flugbahn zu durchmessen hätten als seine eigenen Geschosse. »Gewiß kann ich diesen jungen Mann töten,« sagte er sich, »aber der junge Mann kann mich gleichzeitig ebenso töten.«

Weil ja streng genommen und schließlich Meister La Hurière, seines Zeichens Gasthofbesitzer, nur unter Umständen auch Soldat war, bewog ihn die erwähnte Schlußfolgerung zum Rückzug. Er suchte einen Schlupfwinkel in der Ecke der Straße von Braque auf, der so weit entfernt lag, daß es von diesem aus mit einer gewissen Bestimmtheit und weil es Nacht war, schwer ging, die richtige Visierlinie auf Mouy zu finden.

Herr von Mouy warf einen Blick um sich, ging vor und nahm die Stellung eines Mannes an, der sich zu einem Zweikampf anschickt. Als er bemerkte, daß sich der Gegner versteckt hielt, rief er: »Nun, es scheint, mein liebenswürdiger Herr Berichterstatter, daß Sie Ihre Büchse an meiner Tür vergessen haben. Ich stehe jetzt zur Verfügung, was wünscht man von mir?«

»Ah,« sagte Coconas, »das ist einmal wirklich ein tapferer Mann.«

»Also,« rief Mouy, »Freund oder Feind, wer es auch sei, sieht er denn nicht, daß ich warte?«

La Hurière hüllte sich in Stillschweigen, Maurevel antwortete nicht und die drei Schweizer verhielten sich ebenfalls still.

Coconas wartete ein wenig. Dann, als er sah, daß niemand das von La Hurière begonnene, von Mouy fortgesetzte Gespräch weiterführen wollte, verließ er seinen Standpunkt, ging bis zur Mitte der Straße hin, nahm seinen Hut in die Hand und begann: »Mein Herr, wir sind nicht eines mörderischen Überfalles wegen hierher gekommen, wie Sie vielleicht glauben, sondern wegen eines Zweikampfes ... Ich bin Begleiter einer Ihrer Feinde, der auf ritterliche Weise eine alte Angelegenheit mit Ihnen auszutragen gewillt ist. Eh! Kommen Sie doch vor, Herr von Maurevel, statt den Rücken zu drehen ... der Herr nimmt Ihre Forderung an!«

»Maurevel!« schrie Herr von Mouy auf, »Maurevel, der Mörder meines Vaters! Maurevel, der Würger des Königs! Ah, fürwahr, die Forderung nehme ich an!«

Er zielte auf Maurevel, der am Palast Guise anklopfte, um Verstärkung zu erhalten, schoß und durchlöcherte ihm den Hut.

Der Büchsenknall und das Lärmen Maurevels veranlaßte die Gardesoldaten, die die Herzogin von Nevers nach Hause begleitet hatten, herauszukommen. Gleichzeitig erschienen auch drei oder vier Edelleute mit ihren Pagen. Alles ging auf das Haus der Geliebten des jungen Mouy zu.

Ein zweiter Pistolenschuß, der auf die Mitte der Abteilung abgegeben war, streckte einen Soldaten nieder, der Maurevel zunächst gestanden war. Mouy, der nun beide Pistolen abgefeuert hatte und mit dem Degen von der Höhe nichts auszurichten vermochte, zog sich hinter die Brüstung des Balkons zurück.

In der Umgebung öffneten sich mittlerweile einige Fenster. Je nachdem, ob sie zur Wohnung friedlich gesinnter oder kriegerischer Mieter gehörten, schlossen sie sich wieder oder sie starrten plötzlich von Büchsen und Musketenläufen.

»Zu mir, mein tapferer Mercandon!« rief Mouy und gab einem schon bejahrten Mann, der aus dem Fenster eines dem Palast Guise benachbarten Hauses erwartungsvoll in das lärmende Durcheinander hinabsah, ein Zeichen.

»Sie rufen, Herr von Mouy?« fragte der Greis. »Will man Ihnen etwas zuleide tun?«

»Mir, Ihnen und allen Protestanten! Da sehen Sie, da ist ja der Beweis hierfür!«

Tatsächlich hatte Mouy in diesem Augenblick bemerkt, wie La Hurière die Büchse auf ihn gerichtet hielt. Der Schuß dröhnte, doch der junge Mann bückte sich und die Kugel schlug ein Fenster oberhalb seines Kopfes in Scherben.

»Mercandon!« rief Coconas, der über den hitzigen Wortwechsel vor Vergnügen zappelte und den Gläubiger schon längst vergessen hatte, jetzt aber durch den Anruf Mouys wieder an ihn erinnert wurde, »Mercandon, Straße von Chaume, das stimmt alles! Ah, der gute Mann wohnt also hier, gut so! Wir werden demnach jeder unseren Gegner haben.«

Und während die Leute aus dem Palast Guise die Tore des Hauses, in welchem Mouy weilte, erbrachen, während es Maurevel mit einer Fackel in Brand zu versetzen trachtete, während sich nach erfolgtem Durchbruch ein furchtbares Gefecht gegen einen einzelnen Mann entwickelte, der mit jedem Degenhieb einen seiner Feinde niederstreckte, versuchte Coconas seinerseits mit Hilfe eines Pflastersteines die Tür Mercandons einzustoßen. Ohne sich um diese Sonderbestrebung zu beunruhigen, feuerte dieser aus seinem Fenster Schuß um Schuß gegen die Feinde.

Das ganze sonst verlassene und finstere Stadtviertel war plötzlich wie taghell erleuchtet und bevölkert wie das Innere eines Ameisenhaufens. Auch aus dem Palast Montmorency waren sechs oder acht hugenottische Edelleute mit ihren Dienern und Freunden angerückt und hatten sofort einen wütenden Angriff auf die Gegner unternommen. Durch das Feuer aus den Fenstern unterstützt, begannen sie die Leute Maurevels zurückzudrängen, wie auch die Soldaten aus dem Palast Guise, die sich schließlich im Ausgang des Palastes in die Enge getrieben sahen.

Coconas, dem es trotz eifrigster Bemühung noch immer nicht gelungen war, die Tür Mercandons einzudrücken, wurde von der plötzlichen Flucht mitgerissen. Indem er sich mit dem Rücken an die Wand stellte und seinen Degen zog, begann er alsbald Verteidigung und Angriff zugleich und schrie dabei so fürchterlich, daß er mit seiner Stimme das ganze Durcheinander beherrschte. Er fuchtelte nach rechts und nach links, traf Freund und Feind, bis sich endlich ein weiter leerer Raum um ihn auftat. Je mehr sein Degen in feindlichen Körpern wütete, je mehr das lauwarme Blut seine Hände und sein Gesicht bespritzte, desto mehr verlorenen Boden gewann er wieder und mit weit aufgerissenen Augen, offenen Nasenflügeln und zusammengebissenen Zähnen fechtend, näherte er sich dem bestürmten Haus.

Nachdem er auf der Stiege und dann im Vorderhause einen furchtbaren Kampf gekämpft, trat Herr von Mouy als wahrer Held endlich aus dem brennenden Hause. Mitten in diesem Ringen hatte er ununterbrochen seinen Hauptfeind gerufen. »Herbei, Maurevel! Wo bleibst du, Maurevel?« Die entehrendsten Beinamen hatte er dem Gesuchten gegeben. Seine halb entblößte, fast ohnmächtige Geliebte in einem Arm haltend, einen Dolch zwischen den Zähnen, so erschien er in der Straße. Sein Degen, der in den raschen Drehungen aufleuchtete, zog, während der Mond die Klinge versilberte oder eine Fackel sie blutig aufschimmern ließ, weiße und rote Furchen. Maurevel war geflohen. La Hurière, der von Mouy bis an Coconas gedrängt worden war, von diesem aber nicht erkannt, mit der Degenspitze empfangen wurde, bat nach beiden Seiten hin um Gnade. In dem Augenblick erkannte ihn Mercandon und sah auch die weiße Schärpe, die ihn als Mordgesellen kennzeichnete.

Der Schuß fiel, La Hurière schrie auf, warf die Hände in die Luft und ließ seine Büchse fallen. Er versuchte noch, um sich auf etwas zu stützen, die Mauer zu erreichen, fiel aber plötzlich vornüber mit dem Gesicht auf die Erde.

Herr von Mouy benützte die Gelegenheit, gewann die Straße vom Paradies und verschwand.

Der Widerstand der Hugenotten war derartig, daß die bedrängten Leute aus dem Palaste Guise wieder ihren Hauseingang aufsuchen mußten. Sie versperrten das Tor vor Angst, bestürmt und im eigenen Haus angegriffen zu werden.

Berauscht vom Blut und vom Kampflärm, in einem Zustand, in welchem sich namentlich bei Südländern der Mut in Raserei verwandelt, sah und hörte Coconas nichts mehr. Er merkte nur, daß sein Ohrensausen nachgelassen hatte, daß sein Gesicht und seine Hände trockener wurden, daß neben ihm ein Mann mit dem Antlitz auf dem Boden und in einer Blutlache lag, daß rings um ihn herum einige Häuser brannten. Die Waffenruhe war nur kurz. In dem Augenblick, als er in dem Gefallenen La Hurière zu erkennen glaubte, öffnete sich die Tür des von ihm mit Pflastersteinen bestürmten Hauses und der alte Mercandon mit seinem Sohn und zwei Neffen stürzte auf den atemholenden Piemontesen los.

»Da ist er, da ist er!« riefen alle zugleich.

Coconas befand sich mitten auf der Straße. Er fürchtete von den vier gleichzeitig angreifenden Männern umzingelt zu werden. Da sprang er mit der Geschicklichkeit einer Gemse, die er so oft in seinen Bergen verfolgt hatte, zurück und fand seinen Rücken durch die Mauer des Palastes Guise gedeckt. Wie er sich so vor Überraschungen gesichert sah, nahm er sofort eine Abwehrstellung ein und fing sogar an, seine Gegner zu verspotten.

»Ah, ah! Vater Mercandon, erkennen Sie mich nicht?«

»Elender!« rief der alte Hugenotte. »Wohl erkenne ich dich! Du willst mir an das Leben, mir, dem Freund, dem Geschäftsgenossen deines Vaters!«

»Und seinem Gläubiger, nicht wahr?«

»Ja, seinem Gläubiger, weil du es nun schon sagst!«

»Nun also, sehr richtig!« antwortete Coconas. »Ich will nichts anderes, als die Rechnung begleichen.«

»Packen wir ihn, binden wir ihn! rief der Greis seinen jungen Begleitern zu. Sie stürmten auf seine Worte hin auf die Mauer los.

»Nur einen Augenblick!« erwiderte Coconas lachend. »Um Leute in Haft zu nehmen, bedarf es eines Kotters, und Sie haben es versäumt, beim Profosen um einen solchen anzusuchen!«

Nach diesen Worten kreuzte er sofort mit dem ihm zunächststehenden jungen Mann den Degen und hieb ihm gleich nach dem ersten Gang das Handgelenk durch. Der Unglückliche wich aufheulend zurück.

»Einer!« sagte Coconas.

Gleichzeitig öffnete sich jetzt knarrend ein Fenster, gerade oberhalb des Platzes, auf welchem Coconas Aufstellung genommen hatte. Der machte einen Satz zur Seite, weil er einen Angriff von oben befürchtete. Statt eines Feindes erschien eine Frauengestalt am Fenster, statt einer mörderischen Waffe, die ihn bekämpfen sollte, fiel ihm ein Blumenstrauß vor die Füße.

»Sieh her, eine Frau!« staunte er.

Er grüßte die Dame mit seinem Degen und bückte sich, um die Blumen aufzuheben.

»Achtung, tapferer Katholik, Achtung!« rief die Dame.

Coconas streckte sich gleich wieder, doch nicht rasch genug, um dem Angriff des zweiten Neffen auszuweichen. Dessen Dolch schlitzte seinen Mantel auf und verletzte ihn an der Schulter.

Die Dame stieß einen durchdringenden Schrei aus.

Coconas dankte ihr und beruhigte sie zugleich mit einem Zeichen, dann griff er den zweiten Neffen an, der zurückwich und schon beim zweiten Ausfall in einer Blutlache mit einem Fuße ausglitt. Nun stürzte sich Coconas mit der Wucht und Geschwindigkeit einer Tigerkatze auf ihn und durchbohrte ihm die Brust.

»Gut,« rief die Dame aus dem Palast Guise, »gut! Tapferer Ritter, ich schicke gleich Hilfe!«

»Steht nicht für die Bemühung, Madame!« sagte Coconas, »Sehen Sie lieber bis zum Ende zu, wenn Ihnen die Sache beachtenswert scheint. Sie werden darüber staunen, wie der Graf Hannibal von Coconas mit den Hugenotten umzugehen weiß!« In dem Augenblick setzte ihm der Sohn Mercandons die Pistole fast an die Brust und drückte ab. Coconas fiel auf ein Knie.

Die Dame am Fenster schrie auf, doch Coconas erhob sich wieder. Er war auf die Knie gesunken, um der Kugel auszuweichen, die zwei Fuß unter dem Fenster der schönen Zuschauerin in die Mauer gedrungen war.

Fast zu gleicher Zeit erscholl von einem Fenster des Mercandonschen Hauses ein Wutschrei. Eine alte Frau, die in Coconas des weißen Kreuzes und der Schärpe wegen den Katholiken erkannt hatte, warf einen Blumentopf auf ihn, der ihn oberhalb des Knies streifte.

»Gut so!« sagte er. »Die eine wirft mir die Blumen, die andere den Topf zu. Wenn das so weiter geht, wird man auch noch die Häuser einreißen.«

»Danke, liebe Mutter,« schrie der Jüngling, »danke!«

»Meinetwegen, Frau, meinetwegen,« sagte der alte Mercandon, »aber gib auf uns acht!«

»Warten Sie, Herr von Coconas,« rief die junge Frau vom Palast Guise, »ich werde von den Fenstern schießen lassen.«

»Aber das ist ja schon eine Hölle voll lauter Frauen ... die einen sind für mich, die andern gegen mich!« lachte Coconas. »Verdammt, machen wir endlich Schluß!«

Die Lage hatte sich tatsächlich sehr verändert und schien sich zu einem Ende vorzubereiten. Coconas war zwar verwundet, doch die Kraft seiner vierundzwanzig Jahre, die Waffengewandtheit, seine Erregtheit, die jede Schwäche überwand, ließen ihn die drei oder vier Kratzwunden bald vergessen. Ihm gegenüber standen nur noch der alte Mercandon, ein Greis zwischen sechzig und siebzig Jahren und sein Sohn, ein Kind zwischen sechzehn und achtzehn Jahren. Der blonde, blasse und schwache Knabe hatte die abgeschossene und unbrauchbare Pistole von sich weggeworfen und schwang zitternd einen Degen in den Händen, der mindestens um die Hälfte kürzer war, als der des Piemontesen. Der Vater, nur mit einem Dolch und mit einer leeren Büchse bewaffnet, rief um Beistand. Die alte Frau an dem gegenüberliegenden Fenster, die Mutter des jungen Mercandon, hielt ein Stück Marmor in den Händen und schickte sich an, den Stein hinabzuschleudern. Coconas war einerseits durch die Drohungen, anderseits durch die Aufmunterungen erregt worden, er war stolz auf seinen zweifachen Sieg, war berauscht von Blut und Pulverdampf. Er stand mitten im Flammenschein des brennenden Hauses und der Gedanke, daß er sich unter den Augen einer ebenso schönen als unbestreitbar hochstehenden Frau schlagen konnte, stachelte ihn besonders auf. Dem letzten Horatier gleich, fühlte er, wie sich seine Kräfte plötzlich verdoppelten. Er sah den jungen Mann vor sich, lief auf ihn zu und kreuzte seine furchtbare, blutige Klinge mit dem kleinen Degen des Knaben. Zwei Hiebe genügten, die Waffe sprang dem Gegner aus den Händen. Jetzt versuchte der alte Mercandon Coconas zurückzustoßen, damit ihn die aus dem Fenster geworfenen Gegenstände um so sicherer treffen sollten. Coconas aber, um dem zweifachen Angriff zu begegnen – der alte Mercandon versuchte ihm den Dolch in den Leib zu rennen, während die Mutter des jungen Mannes den schweren Stein schwang, um ihm den Kopf zu zertrümmern – faßte den Gegner mit beiden Armen um den Leib und hielt ihn wie ein Schild vor sich hin. Der erstickte fast in der herkulischen Umarmung.

»Hilfe!« schrie der junge Mann. »Er zerdrückt mir die Brust, Hilfe!«

Seine Stimme verwandelte sich in ein dumpfes, keuchendes Röcheln.

Jetzt ließ Mercandon das Drohen, er verlegte sich auf das Bitten.

»Gnade, Gnade!« bat er. »Gnade, Herr von Coconas, er ist mein einziges Kind!«

»Mein Sohn ist er, mein Sohn!« schrie die alte Frau. »Die Hoffnung unseres Alters! Töten Sie ihn nicht, mein Herr, ach, töten Sie ihn nicht!«

»Ah, wirklich?« rief Coconas und brach in ein Gelächter aus. »Ich soll ihn jetzt nicht töten? Was wollte er mir aber mit seiner Pistole und mit seinem Degen antun?«

»Mein Herr,« sagte Mercandon und rang die Hände, »ich habe die von Ihrem Vater unterschriebene Schuldverschreibung bei mir... ich will sie Ihnen zurückgeben. Ich besitze zehntausend Taler... ich will sie Ihnen geben, den ganzen Edelsteinschmuck meiner Familie will ich Ihnen überlassen... aber töten Sie mir ihn nicht, töten Sie ihn nicht!«

»Und ich habe meine Liebe zu verschenken,« sagte mit halblauter Stimme die Dame aus dem Palast Guise, »ich verspreche sie Ihnen!«

Coconas überlegte einen Augenblick, dann sagte er plötzlich: »Sind Sie Hugenotte, junger Mann?«

»Das bin ich!« murmelte der Knabe.

»Dann heißt es sterben!« antwortete Coconas und näherte einen spitzigen und scharfschneidigen Dolch der Brust seines Gegners.

»Sterben, mein armes Kind sterben!« jammerte der Greis.

Die Mutter schrie so schmerzhaft und unglücklich auf, daß der unerbittliche Entschluß des Piemontesen für einen Augenblick wankend wurde.

»Oh, Frau Herzogin,« und der Vater wendete sich gegen die Dame im Palast Guise, »treten Sie für uns ein, und des Morgens und des Abends, immer wird Ihr Name in unseren Gebeten eingeschlossen sein!«

»So soll er sich bekehren!« rief die Dame herab.

»Ich bin Protestant,« seufzte der Knabe.

»So stirb also!« sagte Coconas und hob den Dolch. »Stirb also, da du das Leben nicht willst, das dir so schöne Lippen angeboten haben!«

Mercandon und seine Frau sahen schon die fruchtbare Klinge über dem Haupt ihres Sohnes aufblitzen. »Mein Sohn, mein Olivier!« winselte die Mutter. »Schwöre ab! ... ach, schwöre ab!«

»Schwöre ab, liebes Kind!« schrie Mercandon und wand sich bei den Füßen Coconas auf der Erde. »Laß uns nicht allein auf dieser Welt!«

»Schwört alle drei ab!« erklärte Coconas. »Für ein Credo drei Seelen und ein Leben!«

»Ich will es,« sagte der Knabe.

»Wir wollen es ja!« riefen Mercandon und seine Frau.

»Auf die Knie also,« sagte Coconas, »und dein Sohn hat mir Wort für Wort das Gebet nachzusprechen, das ich ihm vorsagen werde.«

Der Vater folgte als erster.

»Ich bin bereit!« lispelte der Knabe.

Auch er ließ sich auf die Knie nieder.

In lateinischer Sprache begann jetzt Coconas das Credo vorzubeten. Doch sei es aus Zufall, sei es aus Berechnung, der junge Olivier hatte sich gerade auf dem Platz auf die Knie gelassen, auf welchem sein Degen zur Erde gefallen war. Kaum sah er nun die Waffe in erreichbarer Nähe, als er, ohne das nachgesprochene Gebet zu unterbrechen, den Arm ausstreckte, um den Degen zu fassen. Coconas bemerkte die Bewegung wohl, doch er tat nichts dergleichen. In dem Augenblick aber, als der junge Mann mit gekrümmten Fingerspitzen den Griff der Waffe berührte, sprang er auf ihn, riß ihn zu Boden und brüllte: »Ah, du Verräter!«

Dann stieß er ihm den Dolch in die Gurgel.

Der Jüngling schrie auf, erhob sich noch krampfhaft, stützte sich auf ein Knie und fiel dann tot um.

»Ah, du Henkersknecht!« heulte Mercandon auf. »Du ermordest uns, um uns die dreitausendsiebenhundertfünfzig Franken zu stehlen, die du uns schuldest!«

»Bei meiner Seele nein!« sagte Coconas, »und zum Beweis ...«

Bei diesen Worten warf er dem Greis jene Börse vor die Füße, die ihm bei seiner Abreise der Vater zur Begleichung der Schuld für den alten Gläubiger mitgegeben.

»Zum Beweis, daß es nicht aus dem Grunde geschah... da haben Sie Ihr Geld!«

»Und du, da hast du deinen Tod!« schrie die Mutter aus dem Fenster.

»Achtung, Herr von Coconas,« rief die Dame vom Palast Guise, »Achtung!«

Bevor noch Coconas auf die letzte Warnung hin den Kopf wenden konnte, bevor er sich vor der ersten Drohung in Sicherheit bringen konnte, durchschnitt eine schwere Masse pfeifend die Luft, fiel platt auf die Kopfbedeckung des Piemontesen, streckte ihn auf das Pflaster nieder und zerbrach den Degen in seiner Hand.

Überrascht, betäubt und halb totgeschlagen, konnte er den Doppelschrei nicht vernehmen, der rechts und links von ihm ertönte, den Schrei der Freude und den Schrei einer Herzensangst.

Mercandon warf sich sofort mit dem Dolch in der Hand auf den ohnmächtigen Coconas. Gleichzeitig aber öffnete sich das Tor des Palastes Guise, und als der Greis die blitzenden Partisanen und Degen erblickte, entfloh er. Unterdessen aber beugte sich jene Dame, die er als Frau Herzogin angeredet hatte, über die Fensterbrüstung vor. Im Schein der Feuersbrunst, im Glanz der sie schmückenden Diamanten und Edelsteine, wirkte ihre Schönheit fast furchterregend. Sie hielt die Arme gegen Coconas gestreckt und rief den Angekommenen zurechtweisende Worte zu.

»Dort, ja, dort! Gerade mir gegenüber, der Edelmann mit dem roten Wams! Der dort, ja, der dort!«

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