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König Rhampsinit

Max Dürr: König Rhampsinit - Kapitel 23
Quellenangabe
authorMax Dürr
titleKönig Rhampsinit
publisherLipsia-Verlag Friedrich & Co.
year1943
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22.

In dem großen, an die Empfangshalle alter Fürstenschlösser erinnernden Kaubischschen Speisezimmer fand eine Festfeier statt, das erstemal wieder seit jenem unheilvollen Abend, der gedroht hatte, den ganzen geselligen und freundschaftlichen Kreis des Hauses zu zerstören.

Alles war wieder geladen und erschienen wie ehedem. Nur Lessen und Kruth fehlten. An ihrer Stelle bemerkte man als neuen Gast den Staatsanwaltschaftsassessor Wusterhaus unter den übrigen.

Kaubisch saß am unteren Ende der Tafel und war in fröhlichster Laune.

Auf seinem Gesicht lag ein Schimmer von Glück und von Schalkhaftigkeit. Er nickte wiederholt seiner fern von ihm am andern Ende der Tafel sitzenden Gattin zu, welche die Leitung der Feier innehatte. Zuweilen ruhten seine Augen mit väterlicher Liebe und mit Stolz auf seiner schönen Tochter.

Auch die Gäste teilten die fröhliche Stimmung. Alle saßen in angeregter Unterhaltung und genossen den schönen Abend.

Andersen mußte schon zum dritten Male die ganze Geschichte erzählen, wie es ihm gelang, diesen Dieb und Betrüger Cajetan Kruth zu überlisten und zu überführen, denn einige der Gäste waren erst später erschienen und wollten doch auch alles hören, wie es zugegangen war.

Aus Gefälligkeit und in voller Anerkennung hörten dann auch die andern wieder der Erzählung zu.

»Daß Lessen die Wahrheit gesagt hatte, war mir jetzt absolut klar«, wiederholte Andersen, »nachdem er doch noch so viel Ehrgefühl zeigte, daß er seine Missetat und seine Schande freiwillig mit dem Tode büßte. Nun blieb als Verdächtiger eigentlich nur noch Kruth übrig. Der aber war auch höchst verdächtig, zumal die Untersuchung ergab, welch zweifelhafte Persönlichkeit er war. Beachten Sie nun eines! Es war, wie Sie mir zugeben müssen, doch sehr merkwürdig, daß nicht ein einziger von uns die Marke in der Schale gesehen hat, nachdem sie Lessen freiwillig zurückgegeben hatte. Was muß man daraus folgern? Daß schon der nächste, also derjenige, der nach Lessen sich verabschiedet hatte, die Marke gestohlen haben mußte. Alle, die ich unterderhand, Kruth ausgenommen, befragte, wußten anzugeben, wer ihr Vormann bei dem Gang zur Schale gewesen war. Da man schon mit dem Gedanken an eine Untersuchung sich vertraut gemacht hatte, sozusagen schon in einer solchen drin stand, prägte sich dies ganz unwillkürlich ein. Die Vergleichung der Angaben über diesen Punkt ergab keinerlei Unstimmigkeit. Aber keiner war hinter Lessen weggegangen. Folglich mußte dies Kruth gewesen sein; dann war er der Dieb. Die Hauptsache und schwierigste Aufgabe war jedoch, Kruth direkt zu überführen und die Marke von ihm herauszubekommen. Ich ging zu ihm, bezeichnete mich schlankweg selbst als den Dieb, natürlich im Vertrauen auf die Diskretion eines Gentlemans, und bot ihm die Marke zum Kaufe an, und zwar war ich angeblich bereit, sie zu einem Schandpreise herzugeben, weil ich notwendig sofort Geld brauchte. Ich ließ einfließen, wie ich an jenem Abend die echte Marke mit einer gefälschten vertauschte, die falsche Marke in Umlauf gab und wie diese dann zu meinem Schrecken gestohlen wurde. Ich erzählte, wie Lessen schrecklicherweise sich selbst den Tod gegeben habe, obwohl er nur die gefälschte, also wertlose Marke sich aneignete, und drängte ihn, mir doch die Marke abzukaufen. Ich dachte mir, daß Kruth mein Angebot ohne weiteres abweisen werde, rechnete aber damit, daß er die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen werde, mich, den vermeintlichen Dieb, zu betrügen und die Marken heimlich umzutauschen. Der Erfolg hat mir recht gegeben, ich erhielt in Wirklichkeit die echte, gestohlene Marke zurück und meine Aufgabe war gelöst.«

Wiederum spendeten alle seiner Geschicklichkeit und seiner überlegenen Menschenkenntnis Beifall und verbreiteten sich in eifrigem Gespräche über diese abenteuerliche Geschichte, die so lange die Gemüter erregt hatte.

Da ertönte in dem Durcheinander der Stimmen der helle Klang eines Glases. Kaubisch hatte sich erhoben, um zu sprechen:

»Verehrte Anwesende, ich habe die Freude, Ihnen am heutigen Abend die Verlobung unserer Tochter Beate mit Herrn Assessor Theodor Andersen bekanntzugeben!«

Lachende Zurufe erschollen.

»Hier kommt man nicht aus den Überraschungen heraus!«

Angestoßene Gläser klangen hell und fröhlich.

»Herzlichen Glückwunsch, Herr König Rhampsinit!« ertönte eine lustige Stimme.

Es war Oskar Hilpert.

Alles fiel heiter ein. »König Rhampsinit! König Rhampsinit!«

Kaubisch verbeugte sich würdig, aber lächelnd nach allen Seiten.

»Wenn Sie so wollen, meine Herrschaften, so nehme ich diese Königskrone an!«

*

Die Verhaftung Cajetan Kruths war nicht gelungen. Als Degas und Feuerstein nach der Entlarvung des Verbrechers sich aufmachten, ihn festzunehmen, war er verschwunden. Wahrscheinlich war ihm, nachdem er sich jetzt im Besitze der echten Marke glaubte, der Boden zu heiß geworden.

Nach langen Jahren hörte man gerüchtweise, er sei in Ungarn als Banknotenfälscher mit schwerer Zuchthausstrafe bestraft worden. Zweifellos war er auch derjenige, der Kaubisch nicht bloß bestohlen, sondern auch um die ausgesetzte Prämie betrogen hatte.

Als Herr von Hennings aus seinem halbjährigen Urlaub zurückkehrte, reichte er sein Versetzungsgesuch ein.

Frau Margarete Kaubisch aber hatte die Freude, ihren Schwiegersohn als Nachfolger des Herrn von Hennings im Amte achten und schätzen zu dürfen.

Damit war ihr letztes Bedenken gegen die Verheiratung ihrer Tochter Beate mit Theodor Andersen geschwunden.

 

Ende

 

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