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König Rhampsinit

Max Dürr: König Rhampsinit - Kapitel 18
Quellenangabe
authorMax Dürr
titleKönig Rhampsinit
publisherLipsia-Verlag Friedrich & Co.
year1943
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20171211
projectidbf8c399a
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17.

Meine innigstgeliebte Beate!

Weshalb willst Du, daß wir nicht mehr zusammenkommen sollen, es sei denn, daß es unter den Augen der Öffentlichkeit geschehe? Du siehst es als ein Unrecht gegenüber Deinen Eltern an und es bedrückt Dein Gewissen, hinter ihrem Rücken mit mir zusammen zu sein, und wäre es in der harmlosesten und unschuldigsten Weise?

Du glaubst, Deine Augen nicht in vollem Vertrauen zu Deinen Eltern aufschlagen zu können, wenn wir ohne ihr Wissen unsere gemeinschaftlichen Spaziergänge fortsetzen?

O mein liebstes Kind, wenn ich nicht wüßte, wie unwandelbar und treu Deine Liebe ist, wenn nicht diese Liebe, die mein Leben ist, aus allen Zeilen Deines Briefes zu erkennen wäre, ich würde in Verzweiflung sein über Deine Weigerung.

Wohl suche ich Deinen Standpunkt zu verstehen, aber es will mir nimmermehr gelingen. Ist unsere Liebe unrecht? Gewiß nicht! Sie ist rein und göttlich. Eine höhere Macht hat uns zusammengeführt und ein göttlicher Wille war es, daß unter den vielen Tausenden von Menschenkindern unsere beiden Seelen sich zusammenfanden, und das Unrecht ist auf der Seite derer, die sich diesem göttlichen Willen entgegensetzen wollen. Wenn aber diese Liebe von Gott gesandt ist, so muß es doch auch erlaubt sein, daß wir uns sehen dürfen, daß wir unsere Gedanken, die Gefühle unserer Seele austauschen, ohne daß eine mißgünstige Welt über unser Zusammensein Wache hält.

Schon eine ganze Woche ist es, daß ich Dich nicht mehr gesehen, Deine liebe Stimme nicht mehr gehört habe, den ganzen Zauber Deines Wesens nicht mehr um mich gefühlt habe. Soll dies noch länger gehen, so werde ich mutlos und verzagt. Und Mut und Ausdauer habe ich jetzt vor allen Dingen notwendig, denn höre und staune, mein Liebling, nunmehr werde ich, Theodor Andersen, die Markenangelegenheit in die Hand nehmen. Meine Zeit ist gekommen!

O nein, ich scherze nicht, ich übertreibe nicht, ich mache nicht leere Worte. Ich hoffe und erwarte, daß sich schon in den nächsten Tagen eine erstaunliche Änderung einstellt. Mein Stern wird aufsteigen, die Frage der heimlichen Zusammenkünfte wird sich ganz von selbst erledigen. Denn ich bin mir sicher, daß ich den Täter entdeckt habe. Nicht bloß entdeckt, sondern überführt! Ich war in der Zwischenzeit nicht müßig.

Immer denke ich Dein in Liebe und Treue
Dein Theo.

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