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König Rhampsinit

Max Dürr: König Rhampsinit - Kapitel 16
Quellenangabe
authorMax Dürr
titleKönig Rhampsinit
publisherLipsia-Verlag Friedrich & Co.
year1943
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20171211
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15.

Wieder gab es in der Stadt eine Überraschung, eine Sensation.

In mehreren Tagesblättern erschien ein Angebot Kaubischs, in dem er für die Rückgabe der gestohlenen Marke eine Belohnung von vollen zwanzigtausend Reichsmark aussetzte und zugleich die Zusicherung der Verschwiegenheit gab, sowie daß keinerlei Schritte von dem Eigentümer unternommen würden, die zu einer Gefahr für die Sicherheit des Täters werden könnten.

Die Leute, die es lasen, schüttelten den Kopf.

»Kaubisch ist verrückt geworden«, konnte man hören.

»Das heißt ja, die Untermenschen geradezu anfeuern zu ihren Verbrechen!«

»Eine solche Summe, die der Dieb erhalten soll, statt einer Strafe! Das lasse ich mir gefallen!«

»Oh, Kaubisch ist ein Schlaukopf! Der weiß, was er tut! Das ist doch bloß eine Falle, die er dem Dieb stellt!«

»Für so dumm hätte ich den Herrn Kaubisch nicht gehalten, daß er glaubt, der Verbrecher falle auf ein solches Angebot herein!« –

So ungefähr war die Reaktion durch das Publikum, als man Kaubischs Inserat las. Man machte sich gegenseitig aufmerksam. »Hast du schon gelesen, was dieser Herr Kaubisch in der Allgemeinen Zeitung ausschreibt?« »In den Neuesten Nachrichten steht es auch! Seltsam! Seltsam!«

Dieses Inserat war jetzt der allgemeine Gesprächsstoff in der Stadt.

Auch Kaubisch selbst las die Ankündigung sehr sorgfältig durch und strich sich den weißen Bart.

Es war ihm eigentümlich zumute, als er es gedruckt sah, was er wollte, und es kamen ihm Zweifel, ob er sich nicht, ohne jede Aussicht auf Erfolg, einigermaßen zum Gespött gemacht habe.

Aber bereits nach wenigen Tagen erhielt er einen, mit sorgfältig verstellter Handschrift geschriebenen, nicht unterzeichneten Brief.

Schon als Leonhard Kaubisch die fast wie gemalt aussehende Anschrift auf dem Briefumschlag sah, zuckte es in seinen Fingern: Jetzt gib Obacht, dachte er, der Dieb meldet sich!

In einiger Erregung erbrach er den groben Umschlag – ein Umschlag, wie er zu Massensendungen verwendet zu werden pflegt! – und las:

Geben Sie Ihr Ehrenwort, daß Sie, wenn ich Ihnen die Britanniamarke unversehrt zurückschicke, die ausgesetzte Belohnung in Reichskassenscheinen zu 100 RM übergeben werden, daß Sie am Abend nach der Zusendung pünktlich um 23 Uhr ganz allein das versiegelte Geldpaket in der kleinen Blumennische der Parkmauer gegenüber der Staatsbibliothek niederlegen werden, daß Sie nach der Niederlegung sofort wieder den Rückweg antreten und keinerlei Schritte unternehmen werden, den Abholer zu ermitteln, auch bis zu diesem Zeitpunkt völliges Schweigen über mein Angebot gegen jedermann bewahren werden? Sobald in den Zeitungen, in denen Ihr Angebot veröffentlicht ist, zu lesen ist: »Ich gebe mein Ehrenwort, Kaubisch«, werden Sie die Marke zugesandt erhalten.

Als Kaubisch den Brief las, freute er sich und rieb sich die Hände. – Das ist ausgezeichnet, sagte er. Ich hätte das selbst nicht recht geglaubt, daß der Dieb darauf reagiert! Und das Allerschönste – der Dieb und das Ehrenwort! Ein Kerl, der selbst keine Ehre besitzt, und gezeigt hat, daß ihm jedes Gefühl für die eigene Ehre abgeht, rechnet unbedingt mit dem Ehrgefühl eines andern, hat solches Vertrauen zu ihm, daß er seiner Sache sicher ist, daß er seine Freiheit und seine Beute aufs Spiel setzt, wenn der andere ihm seine Ehre verpfändet!

In nicht zu verkennender Erregung über die Absonderlichkeit dieses Handels ging er in sein Arbeitszimmer zurück und überlegte lange und reiflich.

Ich sehe keinerlei Risiko, sagte er wieder, da der Dieb im voraus leistet!

Sofort setzte er sich an den Schreibtisch und gab die geforderte Zusicherung in Form eines Inserates.

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