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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 8
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

London. Vor dem Hause der Frau Hurtig in Eastcheap

Pistol, Frau Hurtig, Nym, Bardolph und der Bursch kommen

Frau Hurtig.
Ich bitte dich, mein honigsüßer Mann, laß mich dich bis Staines begleiten.

Pistol.
Nein, denn mein männlich Herz klopft weh.
Bardolph, getrost! Nym, weck die Prahlerader!
Bursch, krause deinen Mut! Denn Falstaff, der ist tot,
Und uns muß weh drum sein.

Bardolph.
Ich wollte, ich wäre bei ihm, wo er auch sein mag, im Himmel oder in der Hölle.

Frau Hurtig.
Nein, gewiß er ist nicht in der Hölle; er ist in Arturs Schoß, wenn jemals einer in Arturs Schoß gekommen ist. Er nahm ein so schönes Ende und schied von hinnen, als wenn er ein Kind im Westerhemdchen gewesen wäre. Just zwischen zwölf und eins fuhr er ab, grade wie es zwischen Flut und Ebbe stand; denn wie ich ihn die Bettlaken zerknüllen sah und mit Blumen spielen und seine Fingerspitzen anlächeln, da wußte ich, daß ihm der Weg gewiesen wäre; denn seine Nase war so spitz wie eine Schreibfeder, und er faselte von grünen Feldern. «Nun, Sir John?» sagte ich. «Ei, Mann, seid gutes Muts!» Damit rief er aus: «Gott! Gott! Gott!» ein Stücker drei- oder viermal. Ich sagte, um ihn zu trösten, er möchte nicht an Gott denken; ich hoffte, es täte ihm noch nicht not, sich mit solchen Gedanken zu plagen. Damit bat er mich, ihm mehr Decken auf die Füße zu legen. Ich streckte meine Hand in das Bett und befühlte sie, und sie waren so kalt wie ein Stein; darauf befühlte ich seine Knie und so immer weiter und weiter hinauf, und alles war so kalt wie ein Stein.

Nym.
Sie sagen, er hätte über den Sekt einen Ausruf getan.

Frau Hurtig.
Ja, das tat er auch.

Bardolph.
Und über die Weibsbilder.

Frau Hurtig.
Ne, das tat er nicht.

Bursch.
Ja, das tat er wohl und sagte, sie wären eingefleischte Teufel.

Frau Hurtig.
Ja, was ins Fleisch fiel, das konnte er nicht leiden; die Fleischfarbe war ihm immer zuwider.

Bursch.
Er sagte einmal, der Teufel würde seiner noch wegen der Weibsbilder habhaft werden.

Frau Hurtig.
Auf gewisse Weise hantierte er freilich mit Weibsbildern: aber da war er rheumatisch und sprach von der Hure von Babylon.

Bursch.
Erinnert ihr Euch nicht, wie er einen Floh auf Bardolphs Nase sitzen sah, daß er sagte, es wäre eine schwarze Seele, die im höllischen Feuer brenne?

Bardolph.
Nun, das Brennholz ist zu Ende, das dies Feuer unterhielt: das ist der ganze Reichtum, den ich in seinem Dienst erworben habe.

Nym.
Sollen wir abziehen? Der König wird von Southampton schon weg sein.

Pistol.
Kommt, laßt uns fort! – Mein Herz, gib mir die Lippen!
Acht auf den Hausrat und mein fahrend Gut!
Laß Sinne walten; «Zecht und zahlt!» so heißts.
Trau keinem:
Ein Eid ist Spreu, und Treu und Glaube Waffeln;
Pack an, das ist der wahre Hund, mein Täubchen;
Drum laß caveto dir Ratgeber sein!
Geh, trockne deine Perlen! – Waffenbrüder,
Laßt uns nach Frankreich, wie Blutigel, Kinder,
Zu saugen, saugen, recht das Blut zu saugen!

Bursch.
Und das ist eine ungesunde Nahrung, wie sie sagen.

Pistol.
Rührt ihren sanften Mund noch und marschiert.

Bardolph.
Leb wohl, Wirtin! (Küßt sie.)

Nym.
Ich kann nicht küssen, und das ist der Humor davon, aber lebt wohl!

Pistol.
Laß walten Hauswirtschaft! halt fest, gebiet ich dir!

Frau Hurtig.
Lebt wohl! Adieu! (Ab.)

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