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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 7
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweite Szene

Southampton. Ein Ratssaal

Exeter, Bedford und Westmoreland treten auf

Bedford.
Wie traut nur Seine Hoheit den Verrätern!

Exeter.
In kurzem werden sie verhaftet sein.

Westmoreland.
Wie gleisnerisch und glatt sie sich gebärden,
Als säß Ergebenheit in ihrem Busen,
Mt Treu gekrönt und fester Biederkeit!

Bedford.
Der König weiß von ihrem ganzen Anschlag
Durch Kundschaft, die sie sich nicht träumen lassen.

Exeter.
Nein; aber daß sein Bettgenoß, der Mann,
Den er mit Fürstengunst hat überhäuft,
Um fremdes Gold das Leben seines Herrn
So dem Verrat und Tod verkaufen konnte!

Trompeten. König Heinrich, Scroop, Cambridge, Grey, Lords und Gefolge.

König Heinrich.
Der Wind ist günstig, laßt uns nun an Bord!
Mylord von Cambridge, und bester Lord von Masham,
Und ihr, mein werter Ritter, gebt uns Rat,
Denkt ihr nicht, daß die Truppen, so wir führen,
Durch Frankreichs Macht den Weg sich bahnen werden,
Der Tat und der Vollführung Gnüge leistend,
Wozu wir sie in Heereskraft vereint?

Scroop.
Kein Zweifel, Herr, tut nur das Seine jeder.

König Heinrich.
Das zweifl' ich nicht; denn wir sind überzeugt,
Wir nehmen nicht ein Herz mit uns von hinnen,
Das nicht in Einstimmung mit unserm lebt,
Und lassen keins dahinten, das nicht wünscht,
Daß uns Erfolg und Sieg begleiten mag.

Cambridge.
Kein Fürst ward mehr gefürchtet und geliebt
Als Eure Majestät; kein einzger Untertan,
So denk ich, sitzt in Unruh und Verdruß
Im süßen Schatten Eures Regiments.

Grey.
Selbst die, so Eures Vaters Feinde waren,
Die Gall in Honig tauchend, dienen Euch
Mit Herzen, ganz aus Treu und Pflicht gebaut.

König Heinrich.
So haben wir viel Grund zur Dankbarkeit
Und werden eh die Dienste unsrer Hand
Vergessen, als Vergeltung des Verdienstes
Zufolge seiner Größ und Würdigkeit.

Scroop.
So wird der Dienst gestählte Sehnen spannen,
Und Mühe wird mit Hoffnung sich erfrischen,
Eur Gnaden unablässig Dienst zu tun.

König Heinrich.
Man hofft nicht minder. – Oheim Exeter,
Laßt frei den Mann, der gestern ward gesetzt,
Der wider uns geschmäht hat; wir erwägen,
Daß Übermaß von Wein ihn angereizt,
Und da er sich besinnt, verzeihn wir ihm.

Scroop.
Das ist zwar gnädig, doch zu sorgenlos.
Laßt ihn bestrafen, Herr, daß nicht das Beispiel
Durch seine Duldung mehr dergleichen zeuge.

König Heinrich.
O laßt uns dennoch gnädig sein!

Cambridge.
Das kann Eur Hoheit und doch strafen auch.

Grey.
Ihr zeigt viel Gnade, schenkt Ihr ihm das Leben,
Nachdem er starke Züchtigung erprobt.

König Heinrich.
Ach, Eure große Lieb und Sorg um mich
Sind schwere Bitten wider diesen Armen.
Darf man ein klein Versehn aus Trunkenheit
Nicht übersehn, wie muß der Blick es rügen,
Erscheint vor uns, gekäut, verschluckt, verdaut
Ein Hauptverbrechen? – Wir lassen doch ihn frei,
Ob Cambridge, Scroop und Grey, aus treuer Sorge
Und wacher Hütung unserer Person
Gestraft ihn wünschen. Nun zur fränkschen Sache:
Wem wurde letzthin Vollmacht zugeteilt?

Cambridge.
Mir eine, gnädger Herr.
Ihr hießt mich, heute sie von Euch begehren.

Scroop.
Mich auch, mein Fürst.

Grey.
Mich auch, mein königlicher Herr.

König Heinrich.
Da, Richard Graf von Cambridge, habt Ihr Eure; –
Da Ihr, Lord Scroop von Masham; – und Herr Ritter
Grey von Northumberland, das hier ist Eure: –
Lest und erkennt: ich kenne Euren Wert.
Mylord von Westmoreland, und Oheim Exeter,
Wir gehn zu Nacht an Bord – Wie nun, ihr Herrn,
Was steht in den Papieren, daß ihr euch
So gar entfärbt? – Seht, wie sie sich verwandeln!
Die Wangen sind Papier. – Was lest ihr nur,
Das euer feiges Blut so hat verjagt
Aus eurem Antlitz?

Cambridge.
Ich gesteh die Schuld
Und beuge mich vor Eurer Hoheit Gnade.

Grey und Scroop.
An die wir all uns wenden.

König Heinrich.
Die Gnade, die noch eben in uns lebte,
Hat euer Rat erdrückt und umgebracht.
Schämt euch und wagt von Gnade nicht zu sprechen;
Es fallen eure Gründ auf euch zurück,
Wie Hunde, die den eignen Herrn zerfleischen.
Seht, meine Prinzen und ihr edlen Pairs,
Den Abschaum Englands! Mylord von Cambridge hier
Ihr wißt, wie willig unsre Liebe war,
Mit allem Zubehör ihn zu versehn,
Das seiner Ehre zukam; und der Mann
Hat, leichtgesinnt, um wenig leichte Kronen
Mit Frankreichs Ränken sich verschworen, uns
In Hampton hier zu morden! – was mit ihm
Der Ritter dort, nicht wen'ger meiner Güte
Als jener schuldig, auch beschwor. – Doch, oh!
Was sag ich erst von dir, Lord Scroop, du wilde,
Grausame, undankbare Kreatur?
Du, der die Schlüssel meines Rates trug,
Der meiner Seele sah bis auf den Grund,
Der mich beinah in Gold ausprägen mochte,
Hättst du um Vorteil dich bei mir bemüht:
Ists möglich, daß aus dir die fremde Löhnung
Nur einen Funken Übels konnte ziehn,
Den Finger mir zu kränken? 's ist so seltsam,
Daß, sticht die Wahrheit gleich so derb hervor
Wie Schwarz auf Weiß, mein Aug sie kaum will sehn
Verrat und Mord, sie hielten stets zusammen
Wie ein Gespann von einverstandnen Teufeln,
So plump auf ein natürlich Ziel gerichtet,
Daß die Verwundrung über sie nicht schrie;
Du aber, wider alles Ebenmaß,
Läß'st dem Verrat und Mord Erstaunen folgen.
Und was es für ein schlauer Feind auch war,
Der so verkehrt auf dich hat eingewirkt,
Die Hölle hat den Preis ihm zugesprochen;
Denn andre Teufel, die Verrat eingeben,
Staffieren, stutzen die Verdammnis auf
Mit Flicken, falschen Farben, Schaugepränge,
Vom Gleisnerschein der Frömmigkeit entlehnt;
Doch er, der dich gemodelt, hieß dich aufstehn,
Gab keinen Grund dir, den Verrat zu üben,
Als weil er nur dich zum Verräter schlug.
Wenn dieser Dämon, der dich so bedrückt,
Mit seinem Löwenschritt die Welt umginge,
Zum öden grausen Tartarus zurück
Würd er sich wenden, um den Legionen
Zu sagen: «Keine Seele werd ich je
So leicht als dieses Englischen gewinnen.»
O wie hast du mit Argwohn nun vergällt
Die Süßigkeit des Zutrauns! Zeigt sich jemand treu?
Nun wohl, du auch. Scheint er gelehrt und ernst?
Nun wohl, du auch. Stammt er aus edlem Blut?
Nun wohl, du auch. Scheint er voll Andacht?
Nun wohl, du auch. Ist er im Leben mäßig,
Von wildem Ausbruch frei in Lust und Zorn,
Von Geiste fest, nicht schwärmend mit dem Blut,
Geziert, bekleidet mit bescheidner Haltung
Dem Aug nicht folgend, ohne das Gehör
Und ohne reifes Urteil einem trauend?
So und so fein gesichtet schienest du;
So ließ dein Fall auch einen Fleck zurück,
Den reichst- und bestbegabten Mann zu zeichnen
Mit ein'gem Argwohn. Ich will um dich weinen,
Denn dieses dein Empören dünket mich
Ein zweiter Sündenfall. – Die Schuld ist klar
Verhaftet sie zum Stehen vor Gericht,
Und spreche Gott sie ihrer Ränke los!

Exeter.
Ich verhafte dich um Hochverrat bei dem Namen
Richard Graf von Cambridge.
Ich verhafte dich um Hochverrat bei dem Namen
Heinrich Lord Scroop von Masham.
Ich verhafte dich um Hochverrat bei dem Namen
Thomas Grey, Ritter von Northumberland.

Scroop.
Gerecht hat unsern Anschlag Gott entdeckt,
Es reut mein Fehler mehr mich als mein Tod;
Ich bitt Eur Hoheit, mir ihn zu verzeihn,
Obschon mein Leib den Lohn dafür bezahlt.

Cambridge.
Mich hat das Gold von Frankreich nicht verführt,
Wiewohl als Antrieb ich es gelten ließ,
Was ich entworfen, schneller auszuführen.
Doch Gott sei Dank für die Zuvorkommung,
Der ich mich herzlich will im Leiden freun,
Anflehend Gott und Euch, mir zu vergeben.

Grey.
Nie freut ein treuer Untertan sich mehr,
Weil man gefährlichen Verrat entdeckt,
Als ich in dieser Stunde über mich,
Gehindert am versuchten Unternehmen.
Verzeiht, Herr, meiner Schuld, nicht meinem Leib.

König Heinrich.
Gott sprech euch gnädig los! Hört euren Spruch:
Ihr habt auf unsre fürstliche Person
Verschwörung angestiftet, euch verbündet
Mit dem erklärten Feind und habt aus seinen Kisten
Das goldne Handgeld unsers Tods empfangen.
Ihr wolltet euren Herrn dem Mord verkaufen,
Der Knechtschaft seine Prinzen, seine Pairs
Der Schmach, dem Drucke seine Untertanen
Und der Verheerung sein ganz Königreich.
Wir suchen keine Rache für uns selbst,
Doch liegt uns so das Heil des Reiches ob,
Des Fall ihr suchtet, daß wir dem Gesetz
Euch überliefern müssen. Drum macht euch fort,
Elende, arme Sünder, in den Tod,
Wovon den Schmack euch Gott aus seiner Gnade
Geduld zu kosten geb und wahre Reu
Für eure Missetaten! – Schafft sie fort!

(Die Verschwornen werden mit Wache abgeführt.)

Nun, Lords, nach Frankreich, welches Unternehmen
Für euch wie uns wird eben glorreich sein.
Wie zweifeln nicht an einem günstgen Krieg;
Da Gott so gnädig an das Licht gebracht
Den Hochverrat, an unserm Wege lauernd,
Um den Beginn zu stören, zweifl' ich nicht,
Daß jeder Anstoß jetzt geschlichtet sei.
Wohlauf denn, liebe Landgenossen! Laßt
In Gottes Hand uns geben unsre Macht,
Indem wir gleich sie zur Vollstreckung führen.
Fröhlich zur See! Die Fahnen fliegen schon;
Kein König Englands ohne Frankreichs Thron! (Alle ab.)

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