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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 3
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Erster Aufzug

Erste Szene

London. Ein Vorzimmer im Palast des Königs

Der Erzbischof von Canterbury und Bischof von Ely treten auf

Canterbury.
Mylord, ich sag Euch, eben die Verordnung
Wird jetzt betrieben, die im elften Jahr
Von der Regierung des verstorbnen Königs
Beinahe wider uns wär durchgegangen,
Wenn die verworrne, unruhvolle Zeit
Aus weitrer Frage nicht verdrängt sie hätte.

Ely.
Doch sagt, Mylord, wie wehrt man jetzt sie ab?

Canterbury.
Man muß drauf denken. Geht sie durch, so büßen
Wir unsrer Güter beßre Hälfte ein.
Denn all das weltlich Land, das fromme Menschen
Im Testament der Kirche zugeteilt,
Will man uns nehmen; nämlich so geschätzt:
Soviel, um für des Königs Staat zu halten
An fünfzehn Grafen, fünfzehnhundert Ritter,
Sechstausendundzweihundert gute Knappen;
Zum Trost für Sieche dann und schwaches Alter,
Für dürftge Seelen, leiblich unvermögend,
Einhundert wohlbegabte Armenhäuser;
Und sonst noch, in des Königs Schatz, des Jahrs
Eintausend Pfund: so lautet die Verordnung.

Ely.
Das wär ein starker Zug.

Canterbury.
Der schlänge Kelch und alles mit hinab.

Ely.
Allein wie vorzubeugen?

Canterbury.
Der König ist voll Huld und milder Rücksicht.

Ely.
Und ein wahrhafter Freund der heilgen Kirche.

Canterbury.
Sein Jugendwandel zwar verhieß es nicht.
Doch kaum lag seines Vaters Leib entseelt,
Als seine Wildheit auch, in ihm ertötet,
Zu sterben schien: ja in dem Augenblick
Kam beßre Überlegung wie ein Engel
Und peitscht' aus ihm den sündgen Adam weg,
Daß wie ein Paradies sein Leib nun blieb,
Das Himmelsgeister aufnimmt und umfaßt.
Nie ward so schnell ein Zögling noch gebildet,
Nie hat noch Besserung mit einer Flut
So raschen Sturmes Fehler weggeschwemmt,
Und nie hat hydraköpfger Eigensinn
So bald den Sitz verloren, und mit eins,
Als jetzt bei diesem König.

Ely.
Die Umwandlung ist segensvoll für uns.

Canterbury.
Hört ihn nur über Gottsgelahrtheit reden,
Und, ganz Bewundrung, werdet Ihr den Wunsch
Im Innern tun, der König wär Prälat;
Hört ihn verhandeln über Staatsgeschäfte,
So glaubt Ihr, daß er einzig das studiert;
Horcht auf sein Kriegsgespräch, und grause Schlachten
Vernehmt Ihr vorgetragen in Musik.
Bringt ihn auf einen Fall der Politik,
Er wird desselben Gordschen Knoten lösen,
Vertraulich wie sein Knieband; daß, wenn er spricht,
Die Luft, der ungebundne Wüstling, schweigt,
Und stumm Erstaunen lauscht in aller Ohren,
Die honigsüßen Sprüche zu erhaschen,
So daß des Lebens Kunst und praktisch Teil
Der Meister dieser Theorie muß sein.
Ein Wunder, wie sie Seine Hoheit auflas,
Da doch sein Hang nach eitlem Wandel war,
Sein Umgang ungelehrt und roh und seicht,
Die Stunden hingebracht in Saus und Braus,
Und man nie regen Fleiß an ihm bemerkt,
Auch kein Zurückziehn, keine Sonderung
Von freiem Zulauf und von Volksgewühl!

Ely.
Es wächst die Erdbeer unter Nesseln auf,
Gesunde Beeren reifen und gedeihn
Am besten neben Früchten schlechtrer Art;
Und so verbarg der Prinz auch die Betrachtung
Im Schleier seiner Wildheit; ohne Zweifel
Wuchs sie wie Sommergras bei Nacht am schnellsten,
Das ungesehn doch kräftges Wachstum hat.

Canterbury.
Es muß so sein, denn Wunder gibts nicht mehr;
Deshalb muß man die Mittel eingestehn,
Wie was zustande kommt.

Ely.
Doch, bester Lord,
Was nun zu tun zur Mildrung dieses Vorschlags,
Den die Gemeinen tun? Ist Seine Majestät
Für oder wider?

Canterbury.
Er scheint unbestimmt,
Doch neigt er mehr auf unsre Seite sich,
Als daß er wider uns den Antrag fördert.
Denn ein Erbieten tat ich Seiner Majestät
Auf unsre geistliche Zusammenrufung,
Und in Betracht von jetzt vorhandnen Gründen,
Die Seiner Hoheit näher ich eröffnet,
Anlangend Frankreich: eine größre Summe
Zu geben, als die Geistlichkeit noch je
Auf einmal seinen Vorfahrn ausgezahlt.

Ely.
Wie nahm man dies Erbieten auf, Mylord?

Canterbury.
Es ward von Seiner Majestät genehmigt;
Nur war nicht Zeit genug, um anzuhören
(Was Seine Hoheit, merkt ich, gern getan),
Das Näh're und die klare Ableitung
Von seinem Recht an ein'ge Herzogtümer
Und überhaupt an Frankreichs Kron und Land
Von Eduard, seinem Ältervater, her.

Ely.
Was war die Hindrung, die dies unterbrach?

Canterbury.
Den Augenblick bat Frankreichs Abgesandter
Gehör sich aus; die Stund ist, denk ich, da,
Ihn vorzulassen. Ist es nicht vier Uhr?

Ely.
Ja.

Canterbury.
Gehn wir hinein, die Botschaft zu erfahren,
Die ich jedoch gar leichtlich raten wollte,
Eh der Franzose noch ein Wort gesagt.

Ely.
Ich folg Euch, mich verlangt, sie anzuhören. (Ab.)

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