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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 28
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Erste Szene

Frankreich. Ein englischer Wachtplatz

Fluellen und Gower treten auf

Gower.
Ja, das ist recht; aber warum tragt Ihr heute Euer Lauch? Sankt Davidstag ist vorbei.

Fluellen.
Bei allen Dingen sein Veranlassungen und Gründe, warum und weshalb. Ich will Euch als meinem Freunde sagen, Kapitän Gower: der schuftige, grindige, lumpige, lausige, prahlerische Hundsfott Pistol, den Ihr samt Euch selbst und der ganzen Welt für nichts Pesseres kennt als einen Menschen – versteht Ihr mich – von gar keinen Verdiensten, der ist zu mir gekommen und pringt mir gestern Prot und Salz, seht Ihr, und heißt mich mein Lauch essen; es war an einem Orte, wo ich keine Zwistigkeiten mit ihm nicht anfangen konnte; aber ich werde so dreist sein, es an meiner Mütze zu tragen, bis ich ihn einmal wiedersehe, und dann will ich ihm ein kleines Stück von meinen Wünschen sagen.

Pistol tritt auf.

Gower.
Ei, da kommt er, aufgeblasen wie ein kalkuttischer Hahn.

Fluellen.
Es tut nichts mit seinem Aufplasen und seinen kalkuttischen Hähnen. – Gott grüß Euch, Fähnrich Pistol! Ihr schäbiger, lausiger Schelm, Gott grüß Euch!

Pistol.
Ha, bist du Bedlam? Dürstest, schnöder Troer,
Daß ich der Parze Todsgewebe falte?
Fort, denn mir widert der Geruch des Lauchs!

Fluellen.
Ich ersuche Euch von Herzen, schäbiger, lausiger Schelm, auf meine Pitten, meine Begehren und meine Ansuchungen dies Lauch, seht Ihr, zu essen; weil Ihr es nicht mögt, seht Ihr, und Eure Neigungen und Eure Appetite und Eure Verdauungen damit nicht übereinstimmen tun, so wollte ich Euch bitten, davon zu essen.

Pistol.
Nicht um Cadwallader und seine Gemsen.

Fluellen.
Da habt Ihr eine Gemse. (Schlägt ihn.) Wollt Ihr von der Güte sein, grindiger Schuft, und es aufessen?

Pistol.
Mußt sterben, schnöder Troer.

Fluellen.
Ihr sagt die Wahrheit, grindiger Schuft, wann es Gottes Wille ist. Ich will Euch bitten, unterdessen zu leben und Eure Kost zu verzehren. Kommt, da habt Ihr Prühe dazu! (Schlägt ihn wieder.) Ihr nanntet mich gestern Bergjunker, aber ich will Euch heute zum «Junker niedern Rangs» machen. Ich bitte Euch, frisch dran! Könnt Ihr Lauch verspotten, so könnt Ihr auch Lauch essen.

Gower.
Genug, Kapitän! Ihr habt ihn ganz betäubt.

Fluellen.
Ich sage, er soll mir ein Stück von meinem Lauch essen, oder ich will ihm den Kopf vier Tage lang priegeln. – Peißt an, ich bitte Euch! Es ist gut für Eure frische Wunde und für Eure plutige Krone.

Pistol.
So muß ich beißen?

Fluellen.
Ja, sicherlich und ohne Zweifel und dazu ohne Frage und ohne Zweideutigkeiten.

Pistol.
Bei diesem Lauch! ich will mich gräßlich rächen.
Ich eß und eß und schwöre.

Fluellen.
Eßt, ich bitte Euch. Wollt Ihr noch mehr Prühe zu Eurem Lauch haben? Es ist nicht Lauch genug, um dabei zu schwören.

Pistol.
Halt deinen Prügel ein: du siehst, ich esse.

Fluellen.
Gut bekomme es Euch, grindiger Schuft, von ganzem Herzen! Nein, ich bitte Euch, werft nichts weg; die Schale ist gut für Eure zerschlagene Krone. Wenn Ihr Gelegenheit nehmt, in der Folge Lauch zu sehen, so bitte ich Euch, spottet darüber; weiter sage ich nichts.

Pistol.
Gut.

Fluellen.
Ja, Lauche sein gut. Da, hier ist ein Groschen, um Euren Kopf zu heilen.

Pistol.
Mir einen Groschen?

Fluellen.
Ja, gewißlich und in Wahrheit, Ihr sollt ihn nehmen, oder ich habe noch ein Lauch in der Tasche, das Ihr aufessen sollt.

Pistol.
Ich nehm ihn an als Handgeld meiner Rache.

Fluellen.
Wenn ich Euch irgendwas schuldig bin, so will ich es in Priegeln bezahlen; Ihr sollt ein Holzhändler werden und nichts als Priegel von mir kaufen. Gott geleit Euch und erhalte Euch und heile Euren Kopf! (Ab.)

Pistol.
Dafür soll sich die ganze Höll empören.

Gower.
Geht, geht! Ihr seid ein verstellter feiger Schelm. Wollt Ihr einen alten Gebrauch verspotten, der sich auf einen ehrenvollen Anlaß gründet und als eine denkwürdige Trophäe ehemaliger Tapferkeit getragen wird, und habt nicht das Herz, Eure Worte im geringsten durch Eure Taten zu bekräftigen? Ich habe Euch schon zwei- oder dreimal diesen wackern Mann necken und besticheln sehn. Ihr dachtet, weil er das Englische nicht nach seinem eigentümlichen Schnitte sprechen kann, so könne er auch keinen englischen Prügel handhaben. Ihr findet es anders: lernt daher für die Zukunft von einer welschen Züchtigung gute englische Sitte! Gehabt Euch wohl! (Ab.)

Pistol.
Wie? Spielt Fortuna nun mit mir das Nickel?
Kund ward mir, daß mein Dortchen im Spital
Am fränkschen Übel starb;
Und da ist ganz mein Stelldichein zerstört.
Alt werd ich, und den müden Gliedern prügelt man
Die Ehre aus. Gut, Kuppler will ich werden,
Zum Beutelschneider hurtger Hand mich neigend.
Nach England stehl ich mich und stehle dort
Und schwör, wenn ich bepflastert diese Narben,
Daß Galliens Kriege rühmlich sie erwarben. (Ab.)

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